Knights of Badassdom: LARPen, Lachen, Lynchen

Knights_CoverJoe ist gerade von seiner Freundin verlassen worden. Seine Mitbewohner Hung und Eric wissen was zu tun ist: Sie packen ihren völlig betrunkenen Freund ins Auto und fahren zum Liverollenspiel-Event „Evermore“. Mit Hilfe eines bei eBay ersteigerten Zauberbuches wollen Magier Eric, Zwerg Hung und Kriegerin Gwen Joes Spielfigur wiederbeleben. Doch das Buch hat magische Kräfte und aus Versehen erwecken sie damit eine Dämonenbraut aus der Hölle. Die blutdürstige Schönheit sieht aus wie Joes Ex-Freundin und beginnt eine brutale Jagd auf die Eingeweide der Spieler. Jetzt müssen die Möchtegern-Helden beweisen, was sie wirklich drauf haben, denn die „Schlacht um Evermore“ ist plötzlich real…

Film-Blog.tv meint:
Ich bin skeptisch, wenn Genres vermischt werden. Die Gefahr, dass ein erzählerischer Brei entsteht, ist groß. Regisseur Joe Lynch findet in seiner Persiflage jedoch einen stilsicheren Weg, die LARP-Szene liebevoll auf die Schippe zu nehmen und den Humor mit dem Horror-Genre zu vermischen. Die beiden Elemente harmonieren hier gut und kommen sich niemals in die Quere. „Knights of Badassdom“ karikiert Horrorfilme nicht gezielt, wie etwa die „Scary Movie“-Filme oder „Shawn of the Dead“, sondern findet einen eigenen Hybridweg aus Parodie, Horror und Action. Man muss keinen Bezug zur Rollenspielszene mitbringen, um sich über Joe und seine Kumpels auf dem Parkplatz-Schlachtfeld zu amüsieren; die Produktion trägt auch alleine.

Den Beitrag verfasste unser Autor Peter Schrandt.

Seine Freundin Beth will auf ihre Karriere fokussieren und sich mit erfolgreichen Leuten umgeben; Joe gehört nach ihrer Meinung nicht dazu. Ein Leben mit den Kumpels und für Mittelalter-Rollenspiele, ein Job als Schrauber und Death Metal passen nicht zu ihren Ambitionen, sie beendet die Beziehung. Doch wofür hat man Freunde? Hung (so heißt Peter Hayden Dinklage aus „Game of Thrones“ hier wirklich) und Eric entzünden eine Wasserpfeife, und gemeinsam mit großen Mengen an Whisky verschwindet Erics Beziehungskummer im Rückspiegel.

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Als Joe wieder zu Bewusstsein kommt, findet er sich in einer Rüstung auf einem Parkplatz, den Rollenspieler („LARPer“ für „Live Action Role Playing“) zum mittelalterlichen Schlachtfeld „Evermore“ erklärt haben. Um Joes Figur in das Rollenspiel zu bringen, benutzen die Jungs ein im Internet ersteigertes Requisit: ein authentisch aussehendes Grimoire, ein Zauberbuch. Das viel authentischer ist als gedacht, denn der spielerisch verlesene Text evoziert einen Dämon, der genauso aussieht wie Joes Ex-Freundin. Und nun wird es blutig, denn das Wesen hat echten Blutdurst und metzelt die Rollenspieler massenhaft nieder. Wie wird man die Gute wieder los? Man liest, besser singt, einfach einen weiteren Spruch aus dem Buch. Blöd nur, dass der Dämon damit in einen Sukkubus aus der Hölle transformiert wird, und jetzt geht der Stress erst richtig los.

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Die große Restmenge der Rollenspieler weiß nichts von Godzillas fieser Schwester auf dem Spielfeld und stürzt sich schaumstoffwaffenschwingend auf das Schlachtfeld. Das magische Buch geht dabei in Flammen auf. Die Triebfeder der Magie, ein Edelstein aus dem Buchrücken, bleibt zwar erhalten, aber nun fehlt die „Bedienungsanleitung“, der Text für die magischen Gesänge, die einst Engel locken sollten und Höllenwesen brachten. Wie wird man den Gast aus der Hölle nun wieder los? Immerhin sind die meisten Rollenspieler nun tot, und dies sehr real. Joe besinnt sich auf sein Innerstes und erweckt eine Kraft, die sich der Höllenkreatur entgegenstellt. Welche das ist? Das möchte ich an dieser Stelle nicht verraten und stattdessen empfehlen, dies im Film herauszufinden.

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Wer sollte sich den überhaupt ansehen? LARP-Fans, die ihr Hobby nicht bierernst nehmen und über eine Persiflage lachen können, klar. Und nicht nur sie: alle Liebhaber von Slapstick, die sich von Theaterblut nicht verschrecken lassen, kommen auf ihre Kosten.

Der Humor wird über Dialoge und Situationskomik gespeist und ist Slapstick, ohne albern zu wirken. Es ist niedlich, wenn die laienhafte Schlachtfeldkarte mit Ketchupflaschen auf dem Tisch fixiert wird und lustig, wenn Paintpallspieler in das „f*cking wizard game“ eingreifen. Freakend Warriors, The Medieval Kenevils, Gnomeland Security, Fair-Leather Friends und The Norse Whisperers: auch für die LARP-Teams fanden die Auoren originelle Namen. „Knights of Badassdom“ stellt LARP-Anhänger nicht einmal dort bloß, wo Spieler in affenähnlichen Fantasiekostümen angreifen oder der Cousin der Spielerin Gwen sie grunzend vor allen Männern schützt, um letzlich „in-game“ hängenzubleiben und so dauerhaft seiner Rolle verhaftet ist.

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Ich selbst habe keinen Bezug zur LARP-Szene und mich trotzdem köstlich amüsiert. Ich bin sicher, dass LARPer hier durch den Wiedererkennungswert in der Parodie noch mehr Spaß haben.

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Die Rollenspieler toben durch ein sehr klar konturiertes Bild mit dynamischen, satten Farben. Auch der Sound kommt knackig, womit auch das wiederkehrende Metal-Thema schön kraftvoll zur Geltung kommt.

Pandastorm Pictures präsentiert „Knights of Badassdom“ ab 28. Oktober 2014 auf Blu-ray Disc™, DVD und als Video on Demand.
Das Rezensionsexemplar wurde von Pandastorm Pictures zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

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Originaltitel: Knights of Badassdom
Land / Jahr: USA / 2013
Genre: Komödie, Horror, Action, Fantasy
Darsteller: Peter Dinklage: Hung; Summer Glau: Gwen; Ryan Kwanten: Joe; Steve Zahn: Eric; Margarita Levieva: Beth; Jimmi Simpson: Ronnie Kwok; Danny Pudi: Lando; Joshua Malina: Travis; W. Earl Brown: Randy; Tom Hopper: Gunther; Michael Gladis: König Diamond; Douglas Tait: Abominog; Larry Zerner: Shelly; Basil Harris: Johnny u. a.
Regie: Joe Lynch
Drehbuch: Kevin Dreyfuss, Matt Wall
Produktion: Mark Burton, Matt Wall, Kevin Dreyfuss
Kamera: Sam McCurdy
Schnitt: Howard E. Smith
Musik: Bear McCreary
FSK: 16

Blu-ray Disc
Laufzeit: ca. 89 Min. + Bonus
Bildformat: 1,85:1 / 1080p24 / AVC
Tonformat: DTS-HD Master Audio 5.1
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Niederländisch
Extras: Interviews, San Diego Comic-Con Panel, Featurettes, Originaltrailer, Trailershow

Webseite zum Film: Knights of Badassdom