Landauer: Du hast in allen Dingen Recht gehabt. Und ich Rindviech wollt’s ned hören …

landauer_coverAls der FC Bayern München 1932 das erste Mal deutscher Meister wird, hat sich Kurt Landauer bereits dreißig Jahre um den Verein verdient gemacht. Kurz darauf kommen die Nazis an die Macht und der Jude wird seines Amtes als Vereinspräsident enthoben und ins KZ Dachau verfrachtet. Er überlebt nur durch die Flucht in die Schweiz. Nach Kriegsende will Landauer eigentlich in die Vereinigten Staaten übersiedeln, doch als er beim Zwischenstopp in München die alte Heimat und seinen Verein in Trümmern liegen sieht, packt er wieder an.

Film-Blog.tv meint:
Landauer – Der Präsident. Nicht nur für Fußball-Fans, erst recht nicht nur für Anhänger des FC Bayern ist dieser Film sehenswert. Vier Amtszeiten, über 30 Jahre lang, prägte Kurt Landauer die Geschichte Münchens, seines FC Bayern und legte damit auch den Grundstein für den modernen Profi-Fußball in Deutschland. Seinem Engagement ist es unter anderem zu verdanken, dass die US-Besatzung Sportvereine und damit auch einen geregelten Spielbetrieb nach dem 2. Weltkrieg überhaupt wieder erlaubten. Doch dieser Film ist keine Dokumentation und will auch keine sein. Es ist ein Spielfilm mit historischem Hintergrund, der versucht, der Person Kurt Landauer in seinem Umfeld gerecht zu werden.
Dabei kommen auch kritische Stimmen zu ihrem Recht. Als Bonus ist die Dokumentation „Landauer – gefeiert, verbannt, vergessen“ auf den Silberscheiben, die mit fast 30 Minuten auch Zeitzeugen und den Neffen Landauers zu Wort kommen lässt. Zum besseren Verständnis der historischen Zusammenhänge sollte man sich die vorab anschauen.

Kaum zu glauben, aber wahr: Der Film über den, mittlerweile fast vergessenen Kurt Landauer, entstand aus einer Initiative der „Schickeria“, einem großen Fanclub des FC Bayern!
1932. Der FC Bayern gewinnt beim Endspiel in Nürnberg gegen Eintracht Frankfurt die erste Deutsche Meisterschaft. Ein persönlicher Triumph für Kurt Landauer, der den Verein einst prägte wie in jüngster Vergangenheit Uli Hoeneß.

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Die Familie erlebt das Finale am Radio mit, im Garten des Ferienhauses am Fuß der Alpen. Ein glückliches Idyll, den „Österreicher aus Braunau“ nimmt keiner ernst. Wieso auch? In erster Linie sind sie Münchner. Erfolgreich, fest verwurzelt und voll integriert in die Gesellschaft. Dann Bayern. Und Deutsche. Im ersten Weltkrieg haben die Männer für das Heimatland gekämpft, wurden dafür ausgezeichnet. Sie sind zwar Juden, aber der Glaube spielt bei ihnen und in ihrer Gesellschaft keine Rolle.

Auf ihren jüdischen Glauben reduzieren sie erst die Nazis. Die ein Jahr später an die Macht kommen. Landauer kann den Verein zunächst noch aus dem Hintergrund leiten. Wird dann aber verhaftet und im KZ Dachau interniert. Dass er dort „nur“ 30 Tage inhaftiert ist, hat er seinem „Eisernen Kreuz“ zu verdanken, das dem Offizier Kurt Landauer im 1. Weltkrieg verliehen wurde. Mit Hilfe einiger Freunde gelingt ihm die Flucht ins schweizerische Exil, nach Genf.

1947 kommt Landauer zurück nach München. Geplant ist nur ein kurzer Aufenthalt, er benötigt noch ein Visum für die Einreise in die USA. Eine reine Formsache. Die Schiffspassage 2. Klasse nach New York ist schon gebucht und bezahlt. Von München ist nicht mehr viel übrig.

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Durch Zufall sieht er einen Aushang, auf dem zur Mitglieder-Versammlung des FC Bayern eingeladen wird.

Er geht hin, mehr um alte Freunde noch einmal zu sehen und sich vor der Abreise nach New York zu verabschieden. Dort ist die Freude über das Wiedersehen groß. Landauer verspricht, die Zeit bis zur Emigration zu nutzen und dem Verein so lange zu helfen …

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Josef Bierbichler ist Landauer. Hätte es diesen nicht gegeben, für Bierbichler hätte man ihn erfinden müssen. Er spielt die Rolle nicht, er verkörpert sie. Und das ist durchaus wörtlich zu nehmen. Eisi Gulp als 60iger-Präsident Radschuweit liefert ebenso eine Galavorstellung ab wie Jeanette Hain als einstige Haushälterin der Familie Landauer und spätere Geliebte und Ehefrau Maria (Baumann).

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Hans Steinbichler hat dabei sehr geschickt historische Sequenzen mit neu gedrehten Aufnahmen gemischt. Zu Anfang wechselt er von S/W zu Farbe und zurück, sodass insgesamt der Eindruck entsteht, dass man sich letztendlich im jeweiligen Zeitraum befindet.

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Dazu tragen auch die in der Sättigung reduzierten in Farbe gedrehten Szenen bei, die in Anmutung und Körnung an frühe Farbfilme erinnern. Das Szenenbild versetzt den Betrachter authentisch in die jeweilige Zeit: Ganz großes (Heim-)Kino, das eigentlich auf die große Leinwand gehört.

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Der Ton kommt, auch 5.1 etwas zu frontlastig aus dem Surroundsystem. Etwas mehr Räumlichkeit hätte den realistischen Eindruck, den der Film vermittelt, noch verstärkt.

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Weltkino Filmverleih GmbH präsentiert „Landauer – Der Präsident“ ab dem 16. Oktober 2014 auf Blu-ray Disc™ und DVD.
Das Rezensionsexemplar wurde von Weltkino Filmverleih GmbH zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

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Landauer – Der Präsident
Land / Jahr: Deutschland / 2014
Genre: Biografie, Drama, TV-Film
Darsteller: Kurt Landauer: Josef Bierbichler, Maria Baumann: Jeanette Hain, Siggi Hermann: Herbert Knaup, Conny Heidkamp: Andreas Lust, Inge Streicher: Andrea Wenzl, Martin Möllinger: Johannes Lechner, Radschuweit: Eisi Gulp, Karl Scharnagl: Harry Täschner, Möllinger: Johannes Krisch, Colonel Kronbaum: Markus Böker, Wirt Wehmeier: Andreas Lechner, Goschner: Bernhard Butz, Alte Frau: Billie Zöckler, Klauber: Gerhard Liebmann und andere
Regie: Hans Steinbichler
Drehbuch: Dirk Kämper
Produzenten: Michael Souvignier, Daniel Mann, Mark Horyna
Produktion: Zeitsprung Entertainment, Degeto Film
Kamera: Halben Bella
Schnitt: Wolfgang Weigl
TV-Sender: BR, WDR
Musik: Alex Komlew
FSK: 12

Blu-ray Disc
Laufzeit: ca. 95 Min. + Bonus
Bildformat: Full HD 16:9 (1,78:1)
Tonformat: 5.1 DTS-HD MA, Stereo DTS-HD MA
Sprachen: Deutsch
Untertitel: Deutsch, Deutsch für Hörgeschädigte
Extras: Dokumentation „Landauer – gefeiert, verbannt, vergessen“, Trailershow, Wendecover

Webseite zum Film: Landauer – Der Präsident