Lang lebe Charlie Countryman: Gabi rennt, durch Bukarest.

charlie_coverEinem Rat seiner sterbenden Mutter folgend, macht sich der junge Charlie Countryman auf ins rumänische Bukarest. Nicht ahnend, dass ihm der Tod bereits ins Flugzeug gefolgt ist. Erst stirbt sein Sitznachbar, dann soll er dessen Tochter Gabi ein Geschenk überbringen. Schließlich stellt sich ihr Ex Nigel als psychopathischer Killer heraus. Charlie muss eine Odyssee durch heruntergekommene Youth Hostels und Stripclubs überstehen. Kann er sein Leben und seine neu gewonnene Liebe gegen skrupellose Gangster verteidigen?

Film-Blog.tv meint:
„Lang lebe Charlie Countryman“ ist ein atmosphärischer Film. Sehr gut hat uns vor allem die Bildsprache gefallen. Bukarest, mal in schnellen Schnitten, mal etwas elegisch – aber immer extrem intensiv, direkt. Natürlich ist mir klar, dass ein Til Schweiger auf der Besetzungsliste polarisiert. Entweder man mag ihn, oder man macht einen Bogen um Filme, in denen er mitspielt. Erstere werden sich kaum beschweren, dass er dabei ist. Letzteren sei verraten, dass nicht einmal er „Lang lebe Charlie Countryman“ von der Liste der guten Filme verdrängen kann. Weiteres dazu im Text!

Charlie Countryman, hervorragend gespielt von Shia LaBeouf, liegt grade in der Badewanne als er erfährt, dass seine Mutter Katie im Sterben liegt. Er eilt ins Krankenhaus, hält es aber am Sterbebett nicht aus. Er trauert, auf dem Gang sitzend und zieht eine kurze Bilanz seines Lebens. Viel hat er bis zu diesem Zeitpunkt nicht erreicht. Katie erscheint ihm noch mal und rät ihm zu einer Reise nach Bukarest.

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Im Flugzeug beginnt sein Sitznachbar Victor Ibanescu eine Unterhaltung mit ihm. Er bittet Charly, seiner Tochter Gabi ein Geschenk zu übergeben. Noch während des Fluges verstirbt Victor. Schlafend an Charlies Schulter.

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In Bukarest angekommen, ist es zunächst gar nicht so einfach, das Geschenk aus dem Flugzeug zu bekommen. Doch nach einigen Irritationen mit dem rumänischen Zoll schafft es Charly letztendlich. Er lernt dabei Gabi Ibanescu kennen, die ihm spontan gefällt. Leider ist die hübsche Cellistin noch mit dem dubiosen Kriminellen Nigel verheiratet, der Charlie das Leben zur Hölle macht. Auf Anraten von Gabi bezieht er Quartier im abgehalfterten „Marco Polo Youth Hostel“. Hier machen Freaks aus aller Welt Station und feiern wilde Drogenpartys. Mit seinen Zimmerkollegen Carl (herrlich: Künstlername „Boris Pecker“, googelt mal selbst nach dem Begriff!) und Luke freundet er sich an und erlebt einige wilde Abenteuer. Sowohl mit Extasy, als auch im Striptease-Club. Verfolgungsjagden durch das nächtliche Bukarest erledigen Gabi und Charlie zu Fuß, die sauber choreographierten Sprünge sind eindrucksvoller als so manche Car-Crash-Szenen aus Hollywood!

Derweil wird Charlie immer tiefer in ein Geflecht gezogen, deren Drahtzieher der Nachtclubbesitzer Darko (Til Schweiger) und Gabis Noch-Ehemann Nigel sind. Beide sind hinter einer Videocassette her, die Victor Ibanescu, Gabis Vater, wohl irgendwo versteckt hat…

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Shia LaBeouf nimmt man den Charlie Countryman von der ersten Minute an ab. Evan Rachel Wood, alias Gabi Ibanescu, hat ihre blonde Lockenmähne einer rot-gesträhnten Kurzhaar-Frisur geopfert. Nicht mur wegen ihres (auch in der O-Version!) slawischen Akzents spielt sie ihre Rolle nahezu perfekt. Sie ist eine sensible, verletzliche Frau, die Stärke und Charakter zeigt, wenn es darauf ankommt.

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Mads Mikkelsen ist schauspielerisch sicher der stärkste Akteur. Sein Appeal, sein Minenspiel, sind herrlich brutal, fies und zynisch. Man kann sich kaum vorstellen, dass er in „Die Jagd“ noch vor kurzem das sensible Opfer war. Der Däne ist für mich, schon aufgrund seiner Präsenz, einer der derzeit besten Schauspieler überhaupt.

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Kommen wir zu Til Schweiger. Seine Interpretation des aggressiven Nachtclubbesitzers Darko ist, sagen wir mal, diskussionswürdig. Er persifliert ohne eine Mine zu verziehen den fiesen Brutalo auf eine Art und Weise, dass man es schon fast lustig finden kann. Wer es so sieht, wird es gut finden, dass Schweiger eine fast schon etwas komödiantische Note in die, auf Gnadenlosigkeit angelegte, Rolle bringt. Wer „Lang lebe Charlie Countryman“ eher als Thriller denn als Lustspiel sieht, wird ein weiteres Versagen von Schweiger konstatieren. Fakt ist – egal, welchen Standpunkt man vertritt – die Screentime von Darko ist relativ gering. Schweiger-Hasser finden genügend Gründe, sich „Lang lebe Charlie Countryman“ anzuschauen.

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Ganze Arbeit hat der Kameramann geleistet. Die Bilder sind wie ein Strudel, dessen Sog man sich zu keiner Sekunde entziehen kann. Bukarest, mal morbide, mal runtergekommen und doch elegant. Manchmal sogar großbürgerlich, vom vergangenen Glanz zehrend, leicht mondän. All diese Gegensätze hat Roman Vasyanov grandios in Bilder eingefangen. Da kann der Ton nicht ganz mithalten. Trotz 5.1-Surround ist nur sehr wenig Raumklang zu hören.

Ist „Lang lebe Charlie Countryman“ ein Meisterwerk? Nicht ganz, finde ich. Thriller, Love-Story und ein wenig Avantgarde-Komödie. Fredrik Bond will zu viel auf einmal. Er scheitert nicht daran, aber er ist auch nicht konsequent genug. Man kann es nun mal nicht jedem Recht machen …

Koch Media GmbH präsentiert „Lang lebe Charlie Countryman“ seit dem 20. Februar 2014 auf Blu-ray Disc™ und DVD.
Das Rezensionsexemplar wurde von Koch Media GmbH zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Originaltitel: The Necessary Death of Charlie Countryman
Land / Jahr: USA / 2013
Genre:
Darsteller: Shia LaBeouf – Charlie Countryman; Evan Rachel Wood – Gabi Ibanescu; Mads Mikkelsen – Nigel; Til Schweiger – Darko; Rupert Grint – Carl; James Buckley – Luke; Ion Caramitru – Victor Ibanescu; Vincent D’Onofrio – Bill; Katie – Melissa Leo; Felicity – Vanessa Kirby; Ted – Lachlan Nieboer; Doktor – Michael J. Reynolds; Taxifahrer – Gabriel Spahiu; Old Cop – Claudiu Trandafir; Pedrag – Cosmin Padureanu; Bosko – Adrian Pavlovschi u.a.
Regie: Fredrik Bond
Drehbuch: Matt Drake (II)
Produzenten: Albert Berger, William Horberg
Line Producer: Nathan Kahane, Dean Parisot
Musik:
Kamera: Roman Vasyanov
Schnitt: Hughes Winborne
FSK: 16

Blu-ray
Laufzeit: ca. 96 Min.
Bildformat: HD 2.35:1 (16:9)
Tonformat: DTS HD-Master Audio 5.1
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Original Kinotrailer