Legend: Bist du gerne Gangster?

legend_coverReggie Kray hat die Unterwelt im Londoner East End fest im Griff. Gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Ron, den er kürzlich aus der Psychiatrie holen konnte, erpressen die beiden Schutzgelder, schmieden Allianzen und zwingen jeden ihrer Gegner in die Knie. Schnell florieren die Geschäfte; Politiker und Prominente gehen in den Clubs der Krays ein und aus. Obendrein findet Reggie in Francis die Liebe seines Lebens. Doch als er für sechs Monate im Gefängnis einsitzt, treibt Ron die Bars und das eigene Casino in den Ruin. Und während Ron immer mehr außer Kontrolle gerät, sieht Francis bald nur noch einen Ausweg, um ihrem Leben als vernachlässigte Ehefrau zu entfliehen. Das Imperium der Kray-Zwillinge droht zu zerbrechen und Reggie setzt alles daran, um ihren Niedergang abzuwenden.

Film-Blog.tv meint:
Die Geschichte Zwillingsbrüder Ron und Reggie Kray prägte wie kaum eine andere die Gangster-Geschichte Londons in den 60iger Jahren. Während sich Zackary Adler in „Legend of the Krays“ fast die doppelte Spielzeit und zwei Akteure gönnt, um die Story von Anfang bis Ende zu erzählen, fasst sich Brian Helgeland kürzer: Immerhin gute zwei Stunden verbleiben ihm dennoch. Da seine „Legend“ mit der Entlassung von Ron aus der Psychiatrie beginnt, lässt er die komplette Jugend und die Anfänge des Syndikats aus. Was ein wenig schade ist. Denn die Vorgeschichte der Zwillinge ist für deren Beziehung untereinander und das Verhalten anderen gegenüber wichtig. So richtig verstehen kann man „Legend“ eigentlich nur, wenn man zumindest den ersten Teil von Adler in „Legend of the Krays“ gesehen hat oder sich mit der Geschichte vorher befasst hat.

Wie schon oben erwähnt, beginnt Brian Helgelands „Legend“ mit der Entlassung von Ron Kray aus der Psychiatrie und endet mit dem Selbstmord von Reggies Frau Francis und dessen Festnahme. Die Story dazwischen ist relativ eng an das Buch „The Profession of Violence: The Rise and Fall of the Kray Twins“ von John Pearson angelehnt und bedarf eigentlich keiner weiteren Erläuterung.

Während ich bei den Gewaltszenen von Adlers „Legend of the Krays“ manchmal wegsehen musste – FSK 16 erscheint mir hier stellenweise ein wenig zu großzügig – fängt Helgeland das insofern auf, dass er sein „Legend“ fast schon an eine Graphic Novel erinnert. Dabei herausgekommen ist ein Heist-Movie, in dem vor allem Tom Hardy brilliert. Sein Spiel ist Oscar-würdig und alleine schon wert, sich den Film anzusehen.

Als Zuschauer ist man geneigt, mit dem eloquenten Reggie mit zu fiebern. Seine Liason mit der eleganten Francis erinnert schon fast ein wenig an die Kennedys. JFK und Jackie der Unterwelt … Die Metamorphose vom Schläger zum Geschäftsmann, der seine Ziele immer mehr durch strategische Partnerschaften mit der amerikanischen Mafia einer- und der britischen Politik andererseits erreichen will, verkörpert Hardy mit Stil und Bravour.

Viel interessanter und schauspielerisch differenzierter bringt Hardy die Figur des psychisch offensichtlich gestörten Ron auf die Leinwand. Er stellt ihn nicht bloß, er gibt ihm die Luft, die diese Person zur Entwicklung benötigt. Ron hält wenig von Diplomatie. Er ist es von Kindheit an gewohnt, den direkten Weg zu gehen und Probleme einfach und ohne Umschweife zu lösen: Mit Gewalt. Er nimmt sich dabei kein Blatt vor den Mund und stößt schon mal die illustren Geschäftspartner und Gäste von Reggie vor den Kopf.

In diesem Spannungsfeld bewegt sich Francis. Ron mobbt sie, weil er die Aufmerksamkeit seines Zwillingsbruders für sich alleine haben möchte. Auch sieht er in ihr die Schuldige, dass Reggie in seinen Augen immer mehr „verweichlicht“. Deshalb nutzt Ron den Gefängnisaufenthalt von Reggie um einige Dinge nach seinem Geschmack zu regeln. Mit dem Ergebnis, dass das einst florierende Geschäft mit den eleganten Bars und dem Glücksspiel fast zum Erliegen kommt.

Sehr gut hat uns auch das Szenenbild gefallen. Das Londoner Eastend der frühen 60iger Jahre wird für zwei Stunden lebendig. Der Ton in Dolby-Atmos transportiert diese Atmosphäre auch akustisch, das entsprechende Equipment vorausgesetzt.

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STUDIOCANAL GmbH präsentiert „Legend“ ab 12. Mai 2015 auf Blu-ray Disc™, DVD und als VoD.
Das Rezensionsexemplar wurde von STUDIOCANAL GmbH zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Originaltitel: Legend
Land / Jahr: Großbritannien, Frankreich / 2015
Genre: Drama, Krimi, Thriller
Darsteller: Tom Hardy: Reggie Kray / Ronnie Kray, Paul Anderson: Albert Donoghue, Christopher Eccleston: Nipper Read, David Thewlis: Leslie Payne, Joshua Hill: Constable Scott, Emily Browning: Frances Shea, Colin Morgan: Frank Shea, Tara Fitzgerald: Mrs. Shea, Nicholas Farrell: Dr. Humphries, Adam Fogerty: Pat Connolly, Mel Raido: Ian Barrie, Millie Brady: Joan Collins, Chris Mason: Ronnie Hart, Stephen Thompson: Ronnie Bender, Chazz Palminteri: Angelo Bruno, Sam Spruell: Jack McVitie, Taron Egerton: Mad Teddy Smith u. a.
Regie: Brian Helgeland
Drehbuch: Brian Helgeland
Romanvorlage: „The Profession of Violence: The Rise and Fall of the Kray Twins“ von John Pearson
Produktion: Tim Bevan, Eric Fellner, Chris Clark, Quentin Curtis, Brian Oliver
Kamera: Dick Pope
Schnitt: Peter McNulty
Musik: Carter Burwell
FSK: 16

Blu-ray Disc™
Laufzeit: ca. 131 Min. + Bonus
Bildformat: Full HD 16:9 (2,40:1)
Tonformat: Dolby Atmos
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Extras: Interviews (B. Helgeland, E. Browning, C. Eccleston, D. Thewlis, S. Spruel, T. Egerton); Legend Weltpremiere in London; Die Legende der Krays; Mini Making of; Original Trailer, Wendecover

Webseite zum Film: Legend