Maman und ich: Anders rum.

maman_coverGuillaume ist anders als die beiden älteren Söhne der Familie. Sehr zum Missfallen des Vaters interessiert er sich nicht für Sport und andere Jungsdinge. Guillaume ist auf Maman fixiert, die er über alles verehrt und der er jeden Wunsch erfüllen möchte. Und nach zwei Söhnen hätte sie doch so gern ein Mädchen gehabt! Also passt Guillaume die Realität immer mehr ihren Wunschvorstellungen an und schlüpft in die Rolle der Tochter, die Maman nie hatte.
Doch nach einigen Umwegen kommt auch für den heranwachsenden Guillaume die Frage: Wer oder was bin ich eigentlich? Wen darf, wen kann ich lieben? Bin ich schwul, wie Maman glaubt, oder was? Nach einigen komischen Probeläufen auf dem Parcours der sexuellen Möglichkeiten, die ihn nach Spanien, England und Deutschland führen, wird der junge Mann durch ein himmlisches Zusammentreffen endlich von allen seinen Zweifeln erlöst. Er – aber nicht Maman …

Film-Blog.tv meint:
Guillaume Gallienne ist sicher ein guter Schauspieler, Komiker und Autor. Er nimmt sich in „Maman und ich“ 88 Minuten Zeit. Um sich, der Welt und vor allem seiner über alles geliebten Mama zu beweisen, dass er nicht schwul ist. Sie möchte nach zwei Söhnen eine Tochter. Um ihr zu gefallen, führt er sich wie ein Mädchen auf. Das ist stellenweise recht nett, hat einige komische Situationen. Hin und wieder kann man bei „Maman und ich“ richtig lachen, stimmt. Aber die meiste Zeit nervt Gallienne mit seiner mädchenhaften, weinerlichen Art. Die Musterungsszene, sicher einer der Höhepunkte, haben wir von Hotte Buchholz in „Felix Krull“ auch schon mal bedeutend besser gesehen.
Doppelrolle hin oder her, hier können auch die gelungene Kameraführung sowie die Maske und das Kostümbild nicht mehr viel retten…

Schon als kleiner Junge ist Guillaume von seiner Maman begeistert – er bewundert nicht nur ihre Schönheit und ihre Eleganz, nein, er bewundert sie in allem, was sie tut und möchte eines Tages so sein wie sie. Genauso schön und genauso elegant und natürlich möchte er spanisch sprechen, genau wie sie. Während Papa mit den beiden größeren Brüdern zum Grand Canyon fährt und dort einen Abenteuerurlaub verbringt, hat Maman für Guillaume eine Gastfamilie in der hässlichsten Stadt Spaniens gefunden. Keiner spricht ein Wort französisch, aber Guillaume lernt von seiner spanischen Gastmutter „Paqui de Sevillana“ zu tanzen. Perfekt wie ein Mädchen …

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Zurück zu Hause imitiert Guillaume immer mehr seine Mutter, ihre Art zu reden, ihre Gesten. Statt Sport zu treiben, wie sein Vater von ihm verlangt, verkleidet er sich nachts in seinem Zimmer und spielt Theater. Als ihn Papa bei einer heimlichen „Sissi“-Aufführung überrascht – natürlich stellt Guillaume die schöne Prinzessin dar, in Ermangelung eines Reifrocks hat er sich eine Daunendecke um die Hüften gebunden – , hat das seine Verschickung in ein christliches Jungen-Internat zur Folge.

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Dort wird er als Schwuchtel verspottet und nach einem psychiatrischen Gutachten auf ein Internat nach England geschickt. Die verrückten Briten gefallen ihm, er singt im Chor, doch Cricket und Sport quälen ihn. Während die anderen wilde Partys feiern und erste sexuelle Erfahrungen sammeln, tanzt Guillaume für sich allein. Seiner Mutter schüttet er sein Herz aus über sein erstes unglückliches Verliebtsein – in Jeremy, der dummerweise nicht ihn, sondern ein Mädchen liebt. Maman versucht ihm klarzumachen, dass auch „solche wie er“ durchaus glücklich leben können. „Aber Maman, ich bin doch nicht schwul, ich bin doch deine Kleine“ … rebelliert es in ihm. Aber der Gedanke ist in der Welt: Was, wenn ich gar kein Mädchen bin?

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Dann muss Guillaume zum Militär. Sämtliche psychiatrischen Gutachten sprechen allerdings eine deutliche Sprache: Guillaume ist für den Militärdienst nicht geeignet und wird ausgemustert. Dringend legt man ihm nahe, die Psychoanalyse fortzusetzen, und Guillaume versucht sein Glück auf einer ganzen Reihe von Psychiater-Couchen. Erschöpft begibt er sich in ein bayerisches Sanatorium, wo er vom hünenhaften Pfleger Raymund eine äußerst schmerzhafte Sportmassage und von Ingeborg eine unvergessliche Anal-Massage verpasst bekommt.

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Seinen Schrecken davor, männlich zu sein, nimmt ihm das alles nicht. Seine Tante gibt ihm den Tipp: „Probier es aus, verlieb dich, wenn es ein Mädchen ist, bist du hetero, ist’s ein Junge, bist du homo. Wenn du es nicht ausprobierst, kannst du es nicht wissen.“ Also stürzt sich Guillaume in die Schwulenszene. Mit, nun ja, interessanten Begegnungen, aber ohne Ergebnis. Die Erleuchtung kommt, als er eines Tages bei einer Freundin zum Essen mit ihren Freundinnen eingeladen ist. Dort sieht er Amandine und ist sofort fasziniert. Als er dann mit den Worten „Guillaume und die Mädels, zu Tisch“ zum Essen gerufen wird, platzt bei ihm der Knoten. Maman hatte immer gerufen „Jungs und Guillaume, zu Tisch“ …

Nur kurze Zeit später stattet Guillaume seiner Maman einen Besuch ab und eröffnet ihr zweierlei: Erstens, er wird ein Stück schreiben über einen Jungen, der lernt, seine Sexualität zu akzeptieren in einer Familie, die beschlossen hat, dass er homosexuell sei. Und zweitens, er und Amandine werden heiraten. „Aber wen?“, fragt Maman …

Der DTS-HD Master Audio 5.1-Klang ist absolut auf internationalem Top-Niveau. Alle fünf Lautsprecher werden ständig beschäftigt. Die Bildqualität der Blu-ray ist, wie bei der modernen Produktion zu erwarten, sehr gut. Farbe, Kontraste und Schärfe sind perfekt. Glynn Speeckaert an der Kamera hat gute Arbeit geleistet, er fängt die Stimmungen sehr authentisch ein. Seine Leistung ist für meinen Geschmack das Highlight des Films.

Concorde Home Entertainment präsentiert „Maman und Ich“ ab 23. Oktober 2014 auf Blu-ray Disc™, DVD und als Download.
Das Rezensionsexemplar wurde von Concorde Home Entertainment GmbH zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

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Originaltitel: Les garçons et Guillaume, à table!
Land / Jahr: Frankreich, Belgien / 2013
Genre: Komödie
Darsteller: Guillaume Gallienne: Guillaume / Maman, André Marcon: Guillaumes Vater, Françoise Fabian: Babou, Nanou Garcia: Paqui, Diane Kruger: Ingeborg, Reda Kateb: Karim, Götz Otto: Raymund, Charlie Anson: Jeremy u. a.
Regie: Guillaume Gallienne
Drehbuch: Guillaume Gallienne
Produktion: Cyril Colbeau-Justin, Jean-Baptiste Dupont, Guillaume Gallienne, David Giordano, Alice Girard, Sylvain Goldberg, Adrian Politowski, Gilles Waterkeyn, Edouard Weil
Kamera: Glynn Speeckaert
Schnitt: Valérie Deseine
Musik: Marie-Jeanne Serero
FSK: 12

Blu-ray Disc
Laufzeit: ca. 86 Min + 40 Min. Bonus
Bildformat: 2,35:1 1080p High Definition
Tonformat: DTS-HD Master Audio 5.1
Sprachen: Deutsch, Französisch
Untertitel: Deutsch und Deutsch für Hörgeschädigte (ausblendbar)
Extras: Dt.- und Original-Kinotrailer, Featurette „Von der Bühne auf die Leinwand“