Mandela – Der lange Weg zur Freiheit: „We’re going to change the world“

mandela_coverKaum ein anderer Mensch hat die Weltpolitik unserer Zeit so beeinflusst wie Nelson Mandela. „Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“ thematisiert seine außergewöhnliche Geschichte und spannt einen dramatischen Bogen durch sein Leben: von seiner Kindheit, der ersten großen Liebe und seinem beginnenden Kampf gegen die Apartheid bis zu seiner Amtseinführung als erster Präsident des demokratischen Südafrikas.
Bildgewaltig wird die zutiefst persönliche Geschichte eines Mannes porträtiert, der sich konsequent allen Widerständen entgegen stellt, um für ein besseres Leben in seinem Heimatland zu kämpfen. Noch während seiner 27-jährigen Haftstrafe auf der berüchtigten Gefängnisinsel Robben Island stieg Nelson Mandela zum charismatischen Führer der Anti-Apartheid-Bewegung auf und zum weltweiten Symbol für friedlichen Widerstand. „Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“ beschreibt die Entstehung einer modernen Ikone, die die Aufhebung der Rassentrennung und damit eine langersehnte politische Wende in Südafrika herbeiführte und ist gleichzeitig eine Liebeserklärung an einen Menschen, der durch seinen unermüdlichen Kampf für Freiheit, Gleichheit und Unabhängigkeit die ganze Welt veränderte.

Film-Blog.tv meint:
Nelson Mandela war ein sehr bemerkenswerter Mensch, dessen Wirken deutliche Spuren hinterlassen hat. Ganz wesentlich in Südafrika: dort schaffte er es, tiefe, scheinbare unüberwindbare Gräben zu überbrücken und das Ende der Apartheid einzuleiten. Diese historische Leistung beschränkt sich keineswegs auf den Ort seines Wirkens: Mandelas Einsatz ist weltweit bekannt, und er hat an vielen Orten außerhalb seines Landes einen Bewusstseinswandel im Umgang der Ethnien miteinander bewirkt.
Vom politisch verfolgten, jahrzehntelang inhaftierten Mann zum Präsidenten Südafrikas; charismatisch, verhandlungsstark und eine Leitfigut von internationalem Ruf: wie lässt sich solch eine Persönlichkeit über zweieinhalb Stunden Filmlänge authentisch darstellen? Dem Briten Idris Elba gelingt dies als Hauptdarsteller beachtlich gut. Man nimmt dem Mimen die Rolle vom ersten Augenblick an ab, auch wenn die äußerliche Ähnlichkeit nicht ausgeprägt ist.

Den Beitrag verfasste unser Autor Peter Schrandt.

Der Film beginnt seinen Einblick in das Leben Nelsen Mandelas mit einem Männlichkeitsritual des Jungen in seiner Heimat, der Transkei. Er erhält den Namen „Troublemaker“, Unruhestifter, will dies aber gar nicht sein.

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In kurzen Szenen wird angedeutet, wie der junge Mann von der Polizei aufgegriffen wird, da er keinen Pass bei sich trägt, und in der Haft misshandelt wird. Wir sehen Mandela als Anwalt, der vor Gericht mit „Boy“ angesprochen wird. Vor seiner Kanzlei warten große Mengen von Schwarzen, die seine juristische Hilfe suchen; bei den Weißen findet er vor Gericht keinerlei Respekt und Akzeptanz. Wir sehen, wie Mandela vom Afrikanischen Nationalkongress, dem ANC, angeworben wird und sich dort vehement für die Rechte der schwarzen Bevölkerung engagiert. Als charismatischer Redner versteht er es, die Menschen zur Auflehnung gegen die weißen Machthaber anzufeuern, etwa bei einer Kinovorstellung, die er zu seiner Bühne macht. Kampf ist, was er will.

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Als er 1963 aus der Untergrundarbeit verhaftet wird, erfährt er große Solidarität in der Bevölkerung vor dem und im Justizpalast. „Afrika ist unser!“, skandiert die Menge. Dem Aktivisten werden Sabotage, gewalttätige Revolution und ein Putschversuch vorgeworfen. Sein Plädoyer für Menschenrechte ist beeindruckend; der Angeklagte ergänzt, dass er bereit ist, für seine Ideale von Gleichheit der Menschen in den Tod zu gehen. Als „Gnade“ verzichtet der Richter auf die Verhängung der Todesstrafe und verurteilt Mandela und seine Mitangeklagten zu lebenslanger Haft. Die harrsche Zeit auf Robben Island beginnt, die Gefangenen werden menschenunwürdig behandelt und arbeiten körperlich hart. Nur zwei Briefe pro Jahr werden dem politischen Gefangenen zugestanden. Auch Mandelas Frau Winnie wird von den Behörden drangsaliert und verhaftet.

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Während Mandela in der Haft, Schritt für Schritt, Respekt erreicht, nehmen in Städten wie Soweto die Unruhen zu. Die schwarze Bevölkerung streikt und protestiert für ihre Rechte, es kommt zu gewalttätigen Ausschreitungen.

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Der Film geht nun schnell voran durch die Verlegung in das Pollsmoor-Gefängnis in Kapstadt mit weiteren Jahren der Haft. Es folgen die ersten Sondierungsgespräche mit Regierungsvertretern über eine Neuordnung der Gesellschaft. Diese münden im Vier Augen-Gesprüch mit Präsident Frederik de Klerk und führen zur Freilassung Mandelas.

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Dem mutigen Schritt des Präsidenten setzt Mandela seinen Einfluss auf die Bevölkerung entgegen, um den Wandel friedlich zu gestalten. Es ist nicht der Weg, den seine Mitmenschen wollen, doch seine Rhetorik überzeugt die Bevölkerung. Der Film endet 1994 mit dem stolzen Präsidenten Nelson Mandela und den bekannten Zitat:

“No one is born hating another person because of the color of his skin, or his background, or his religion. People must learn to hate, and if they can learn to hate, they can be taught to love, for love comes more naturally to the human heart than its opposite.”

Eine Aussage, die die zweite Hälfte seines Lebens gut reflektiert.

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Justin Chadwicks Produktion ist ganz wesentlich ein Spielfilm, ergänzt um wenige Elemente wie Nachrichtenausschnitte und das Solidaritätskonzert in Wembley 1988. Chadwick erzählt sehr persönlich aus der Sicht des Porträtierten, vereinzelt angereichert mit emotionaler Musik, und liefert nicht immer alle Fakten zur gesellschaftlichen Entwicklung, die für das Leben Mandelas prägend sind. Auch seine eigene Entwicklung, bei der bereits im Stamm wichtige Züge seiner Persönlichkeit wie sein Respekt und Stolz geprägt wurden oder die mehrstufige akademische Ausbildung werden nicht angesprochen. Manche Zusammenhänge im Leben Nelson Mandelas werden in dieser Verfilmung nicht herausgestellt. Dazu gehört etwa das Erlernen der Verhandlungsführung ohne Gesichtsverlust für alle Beteiligten: Mandela erlernte dies in jungen Jahren, und dieses Geschick prägte den Verlauf der Geschichte entscheidend.

Die vielen Andeutungen der gespielten Handlung funktionieren jedoch um ein Gesamtbild der Umstände zu zeichnen. Kleine Reportagelemente und Einblendungen wären für das Grundverständnis hilfreich gewesen; der zeitliche Raum ist vorhanden.

Wer die Biographie des südafrikanischen Freiheitskämpfers ein wenig kennt, findet die junge Geschichte in lebendiger Form wieder. Wer sich mit dem Leben Nelson Mandelas bisher nicht befasst hat, findet hier gute Ansatzpunkte, die Biographie lebendig zu machen und später tiefer einzusteigen.

Bei gemischten Kritiken ist der Film nach unserer Meinung sehr sehenswert. Er verleiht dem Ausnahmemenschen ein Gesicht und eine persönliche Biographie, auch wenn er nicht alle Facetten in der breiten Wirkung Mandelas erreicht. Bei einem solchen Leben ist das auch selbst für einen zweieinhalbstündigen Film nicht ganz einfach.

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Als ich mich für die englische Originalsprache entschied, hatte ich Bedenken, denn ich konnte in den letzten Wochen beruflich und privat Südafrikaner kennenlernen, deren Englisch doch eine starke Färbung hatte. Dieser Film macht es dem Zuschauer aber auch mit der Originaltonspur nicht zu schwer, so dass man sie durchaus anwählen kann.

Die Bild- und Tonqualität sind einwandfrei. Das Titelstück „Ordinary Love“ wurde mit dem Golden Globe Award ausgezeichnet und für den Oscar als bester Song nominiert. Auch das Titelmenü greift das sehr gelungene Lied in einer eigenen Interpretation auf.

Das umfangreiche Bonusmaterial ist sehr informativ. Im „Tribut“ kommen zahlreiche Zeitzeugen zu Wort. Leider werden bei der Funktion „Alle abspielen“ keine Namen eingeblendet.

Senator Home Entertainment GmbH präsentiert „Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“ ab 05. September 2014 auf Blu-ray Disc™, DVD und als VoD.
Das Rezensionsexemplar wurde von der Senator Home Entertainment GmbH zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

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Originaltitel: Mandela: Long Walk to Freedom
Land / Jahr: USA, Südafrika / 2013
Genre: Drama, History
Darsteller: Idris Elba: Nelson Mandela, Naomie Harris: Winnie Mandela, Tony Kgoroge: Walter Sisulu, Riaad Moosa: Ahmed Kathrada, Fana Mokoena: Govan Mbeki u. a.
Regie: Justin Chadwick
Drehbuch: William Nicholson
Produktion: Anant Singh, David M. Thompson
Kamera: Lol Crawley
Musik: Alex Heffes
Schnitt: Rick Russell

Blu-ray Disc
Laufzeit: ca. 147 Min. + Bonus
Bildformat: Full HD 16:9 (2,35:1)
Tonformat: DTS-HD 5.1
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Ausführliches Making Of, Making Of-Featurettes, Nelson-Mandela-Tribute-Videos, Mithäftling und Weggefährte Mandelas über Robben Island, das Massaker von Sharpeville und den Prozess, Audiokommentar des Regisseurs, Kinotrailer und Teaser
FSK: 12

Webseite zum Film: Mandela – Der lange Weg zur Freiheit