Max Raabe & Palast Orchester – „Eine Nacht in Berlin“: Gute alte Zeit, ganz modern

max-raabe_cover“Eine Nacht in Berlin“ ist nicht nur Genuss für die Ohren, sondern auch für die Augen. Der Wechsel zwischen Szenen in artifizieller schwarz-weiß Ästhetik und dem farbenfrohen Konzertmitschnitt aus dem Admiralspalast, verleiht dem Film das gewisse Etwas. „Du passt auf mich auf“ ist mit seinem federnden Rhythmus ein echter Ohrwurm, sieht man die Musiker in lässiger Big Band Manier an den Pulten und Max Raabe mit Pomade im Haar und Fliege am Hals vor dem Mikrofon, dann möchte man am liebsten sofort das Tanzbein schwingen. Alte Hits wie „Am Amazonas“ oder „Smoke Gets In Your Eyes“ erweckt Max Raabe zu neuem Leben. Schwarzweiße Tanzszenen entführen einen optisch in die Berliner Salons der 30er Jahre.

Film-Blog.tv meint:
Max Raabe und sein Palast Orchester lassen die 20iger und dreißiger Jahre musikalisch wieder aufleben. Dabei werden Titel im Stil (und auch von) den „Comedian Harmonists“ und deren Kollegen nicht einfach nachgespielt, sondern komplett neu interpretiert.
Sicher sind die leise mitschwingende Arroganz – oder ist es doch Eleganz? – und die nasale Intonierung von Max Raabe nicht jedermanns Sache. Muss es auch nicht. Sicher ist aber auch, dass diejenigen, die diese Art von Musik schätzen, sich bei dieser DVD 90 Minuten lang köstlich unterhalten.
Der Konzertfilm zum Album wird übrigens am 7.12. um 18:30 auf ARTE ausgestrahlt.

Ein Sommerabend in Berlin. Nur wenige Meter Luftlinie entfernt staut sich vermutlich der Verkehr und die Busse mit Touristen parken in zweiter Reihe, doch Max Raabe ficht das nicht an. Er ist ohnehin mit dem Fahrrad unterwegs, bindet dabei souverän seine Fliege und lässt das Brandenburger Tor hinter sich. Das Palast Orchester spielt auf der Bühne bereits die ersten Takte von „Kleine Lügen“, sein Sänger bahnt sich derweil unaufgeregt den Weg zum Admiralspalast, in dem gleich das neue Konzertprogramm aufgezeichnet wird.

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Das muss sie sein, diese berühmte Berliner Lässigkeit, für die die Stadt weltweit bewundert wird. Das Orchester wechselt zu „Für Frauen ist das kein Problem“, Raabe stellt das Fahrrad ab und schreitet auf die Bühne. Eben noch in Schwarz-Weiß getaucht, erstrahlt er nun wie die übrigen Musiker in Farbe.

Max Raabe als Mittler zwischen den Welten, der den Glamour der 20er-Jahre in die Jetztzeit transportiert – schon die ersten Sekunden dieses ungewöhnlichen Konzertfilms bringen das elegant auf den Punkt. Und sofort geht es mit schrägem Humor weiter, denn während man glaubt zu wissen, was kommt, eröffnet Raabe das Konzert tatsächlich mit „Ich bin nur gut, wenn keiner guckt“. Was selbstverständlich charmanter Unfug ist. Besonders mit diesem koketten Tiefstapeln entfaltet Max Raabe seine ganz speziellen Entertainer-Qualitäten und gewinnt das Publikum sofort für sich.

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So wie Raabe bei den Arrangements seines musikalischen Repertoires immer auf der Suche nach dem Besonderen ist, so ist auch diese DVD alles andere als ein gewöhnlicher Konzertmitschnitt. Diese erste Live-Produktion seit den Alben „Küssen kann man nicht alleine“ und „Für Frauen ist das kein Problem“ ist eine musikalische Momentaufnahme der letzten Programme.

Raabes Detailfreude spiegelt sich auch im aufwendigen visuellen Konzept wider, indem jedes einzelne Werk ganz individuell in Szene gesetzt wird. Reduzierte Bilder mit viel Schwarz und kühler Ästhetik wechseln sich mit entsättigten Farben ab, die die Szenerie in dezentes Rot, Blau oder Grün tauchen. Eigens gedrehte Zwischenszenen wurden nachträglich hinzugefügt. So spielt das Orchester bei „Smoke Gets in Your Eyes“ plötzlich in einem Ballsaal vor elegant tanzenden Paaren auf, erscheinen einzelne Musiker in Schwarz-Weiß-Sequenzen backstage oder schweben wie bei „Speak Low“ als Projektionen über den Köpfen des Orchesters.

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Neben den filmischen, enthält „Eine Nacht in Berlin“ auch viele musikalische Überraschungen. Die Mitglieder des Orchesters beherrschen nicht nur mehrere Instrumente, sondern verneigen sich auch als Sänger mit „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ vor den Comedian Harmonists.

 

„Du passt auf mich auf“ hat sich zu einem der markantesten neuen Titel der Produktion entwickelt, sein federnder Rhythmus reißt die Zuschauer sofort mit. Wie selbstverständlich bilden die modernen Kompositionen zusammen mit dem Repertoire der 20er- und 30er-Jahre ein harmonisches Ganzes.

Was wir indes nicht so ganz verstehen ist, warum dieser gelungene Konzertmitschnitt „nur“ auf DVD erhältlich ist. Das Bild ist leider etwas kontrastarm. Bei Großprojektion verschwinden viele Details in „höflicher Unschärfe“. Der Ton kommt bei Dolby Digital 5.1 zwar schön räumlich aus dem Surroundsystem, aber eben komprimiert. Auf Blu-ray ist in diesen Punkten doch einiges mehr an Bild- und Tonqualität möglich. Wir sind gespannt, ob die HD-Ausstrahlung auf Arte am 07. Dezember in dieser Hinsicht Vorteile bringt.

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Diese Titel sind auf der DVD:
Ouvertüre – Ich bin nur gut wenn keiner guckt
Marie, Marie
Eine Nacht in Monte Carlo
Zwei Treppen links
Schöne Isabella von Kastilien
Speak Low
Un ora ti vorrei
I won´t dance
Ich kauf mir ´ne Rakete
In meiner Badewanne bin ich Kapitän
I only have eyes for you
Mir kann nichts passieren
Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt
Ich schlaf am besten neben dir
Kleine Lügen
Für Frauen ist das kein Problem
Du passt auf mich auf
Lasst mich rein, ich hör´ Musik
Moritat von Mackie Messer
Let´s do it
Am Amazonas
Smoke gets in your eyes
Night and Day
Amapola
Am Ende kommt immer der Schluss
Küssen kann man nicht alleine
Mein kleiner grüner Kaktus
Schlaflied

Die Deutsche Grammophon GmbH präsentiert „Max Raabe & Palast Orchester: Eine Nacht in Berlin““ ab dem 28. November 2014 auf CD / DVD / CD+DVD /eAlbum Limited 10″-Vinyl & download.
Das Rezensionsexemplar wurde von der Deutsche Grammophon GmbH zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

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Max Raabe & Palast Orchester: Eine Nacht in Berlin
Land / Jahr: Deutschland / 2014
Genre: 3D, Science Fiction
Darsteller: Max Raabe & Palast Orchester
Regie: Daniel Lwowski
FSK: 0

Blu-ray Disc
Laufzeit: ca. 90 Min. zzgl. 9 Min. Bonus
Bildformat: 16:9 (2,35:1)
Tonformat: Dolby Digital 5.1 und 2.0
Sprache: Deutsch
Extras: Making Of, Rhythm Man, Singing in the bathtub

Webseite zum Film: Max Raabe & Palast Orchester „Eine Nacht in Berlin“