Mommy: Endstation Anstalt

mommy_coverDie resolute Diane liebt ihren 15-jährigen Sohn Steve über alles, obwohl er sie mit seinen extremen Wut- und Gewaltausbrüchen in den Wahnsinn und in den Ruin treibt. Seit dem Tod seines Vaters hat Steve eine Reihe von Heimen für schwer erziehbare Kinder durchlaufen. Nun kommt er zurück zu seiner Mutter, weil niemand sonst mit ihm fertig wird. Mit seinem fordernden Anspruch auf die Rolle des Mannes im Haus und seiner überbordenden Liebe zu ihr stellt er sie auf die Probe. Dabei ist Diane auch ohne ihren unbändigen Sohn längst überfordert mit sich und der Welt. In ihrem Bemühen, ihr Schicksal zu meistern, bekommt sie unverhofft Hilfe von der schweigsamen Nachbarin Kyla, der es gelingt, eine Balance in der Mutter-Sohn-Beziehung zu schaffen und eine zarte Hoffnung auf eine vielleicht doch noch glückliche Zukunft aufkeimen zu lassen.

Film-Blog.tv meint:
„Der starke Atem liebender Wut“ schreibt Ditmar Dath im Feuilleton der FAZ vom 15. November 2014. Und trifft es damit sehr genau. „Mommy“ ist kein leichter Stoff, im Gegenteil. Man muss sich darauf einlassen, dann explodiert der Film mit Urgewalt. Die Dialoge sind nichts für zarte Seelen, obwohl es grade die sind, die sich hinter all den harten, mühsam verborgenen Fassaden immer wieder ihren Weg suchen. Und letztendlich keine Chance haben.

Diane, Witwe, hat auch schon mal bessere Zeiten erlebt. Ihr Mann war erfolgreicher Erfinder, hatte das Patent für ein Küchengerät. Bis ein US-Konzern ihn über den Tisch zog und richtig abkassierte. Seit fünf Jahren ist er nun verstorben. Und „Die“ hat es sich in ihrem Leben so einigermaßen eingerichtet. Lebt von Gelegenheitsjobs in einem Vorort von Montreal. Und, obwohl mitten im Leben, kleidet und schminkt sie sich wie ein Teenager. So ganz erwachsen wirkt sie jedenfalls auf den ersten Blick nicht.

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Heute muss sie ihren Sohn Steve aus dem Heim für schwer erziehbare Kinder abholen. Seine Gewalteskapaden sind nicht mehr in der Gruppe zu akzeptieren. Die einzige Alternative wäre ein „Irrenhaus“. Was für Diane auf keinen Fall in Frage kommt. Sie liebt ihren Sohn.

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Und genau das ist der Schlüssel zu „Mommy“. Denn auch Steve liebt seine Mutter. Roh, brachial, direkt. Und erwartet dieselbe, bedingungslose Aufopferung von ihr. Kommen ihm die geringsten Zweifel, flippt er aus. Und das nicht nur mit Worten…

Bals tritt Kyla, die Nachbarin in deren Leben. Eigentlich Lehrerin, macht sie, wie sie angibt, ein Sabbatjahr. Eher spröde, verletzlich. Ihr Stottern verrät Unsicherheit. Und dennoch gewinnt grade sie durch den Kontakt mit Steve an Stärke.

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Kyla unterrichtet Steve. Das Lernen tut ihm gut. Mit kleinen Erfolgen steigt sein Selbstbewusstsein. Dennoch wird ihm seine Fixierung zu Die immer wieder zum Verhängnis. Als der Schulabschluss trotzdem geschafft ist, keimt kurz Hoffnung auf….

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Ungewohnt wie die Umsetzung des schwierigen Stoffs, ist das Bildformat. Fast der ganze Film ist quadratisch, 1:1. Quasi wie durch einen Tunnel wird der Blick des Betrachters auf die handelnden Personen fixiert. Ähnlich den einschränkenden Konventionen der biederen Gesellschaft rechts und links des Trios, ist das Quadrat von dicken schwarzen Balken eingefasst. Nur manchmal, in seltenen Momenten der Hoffnung, geht Dianes Herz auf und das Bild öffnet sich zum vollen 16:9.

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Die Blu-ray ist technisch auf aktuellem Stand. Das Bild ist, auch bei Großprojektion, scharf, und kontrastreich. Der Ton kommt sehr räumlich aus den Surroundboxen und unterstützt die Stimmung sehr gut. Erwähnt muss auch der Soundtrack werden, der die Handlung perfekt unterstützt.

Weltkino Filmverleih GmbH präsentiert „Mommy“ auf Blu-ray Disc™, DVD und als VoD.
Das Rezensionsexemplar wurde von Weltkino Filmverleih GmbH zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

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Originaltitel: Mommy
Land / Jahr: Kanada / 2014
Genre: Drama
Darsteller: Anne Dorval: Diane „Die“ Després, Antoine-Olivier Pilon: Steve Deprés, Suzanne Clément: Kyla, Alexandre Goyette: Patrick, Patrick Huard: Paul Béliveau, Michèle Lituac: Direktor, Viviane Pacal: Marthe, Nathalie Hamel-Roy: Natacha u.a.
Regie: Xavier Dolan
Drehbuch: Xavier Dolan
Produktion: Xavier Dolan, Nancy Grant
Kamera: André Turpin
Schnitt: Xavier Dolan
Musik: Noia
FSK: 12

Blu-ray Disc
Laufzeit: ca. 139 Min. + Bonus
Bildformat: Full HD 16:9 (1,85:1)
Sprachen und Tonformat: Deutsch (5.1 DTS-HD Master Audio, Stereo DTS-HD Master Audio), Französisch 5.1 DTS-HD Master Audio
Untertitel: Deutsch
Extras: Unveröffentlichte Szenen; Interviews mit Xavier Dolan, Antoine Olivier Pilon und Suzanne Clement; Cannes-Preisverleihung; Trailershow; Wendecover

Webseite zum Film: Mommy