Monsieur Pierre geht online: Ménage à trois

Pierre ist Witwer, Griesgram und hasst Veränderungen aller Art. Tagein, tagaus schwelgt er in Erinnerungen an die gute alte Zeit und züchtet seltene Schimmelkulturen im Kühlschrank. Um den alten Herrn zurück ins Leben zu schubsen, verkuppelt seine Tochter Sylvie ihn mit Alex, einem erfolglosen Schriftsteller und Freund ihrer Tochter. Alex soll Pierre mit der fabelhaften Welt des Internets vertraut machen. Das ungewohnte Lernduo tut sich mächtig schwer, bis Pierre ausgerechnet über ein Datingportal stolpert. Dank der beruhigenden Anonymität des Internets entdeckt sich Pierre als Verführer und verabredet sich mit der jungen Flora.
Zum Glück hat er ja Alex, der sich geradezu anbietet, die Konsequenzen zu tragen. Der steckt in großen Finanznöten. Deshalb akzeptiert er Pierres unmoralisches, aber exzellent bezahltes Angebot und geht an dessen Stelle zum Rendezvous. Dass sich Flora Hals über Kopf verliebt, bringt die Situation in eine gewisse Schieflage. Pierre ist sich sicher, dass seine verbale Verführungskunst Floras Gefühle geweckt hat. Ganz unschuldig können aber auch Alex` Küsse nicht gewesen sein. Vor allem aber sind es eigentlich die beiden Männer, die von Flora im Sturm erobert wurden, und nun endgültig im selben Boot sitzen. Nur die Kapitänsfrage muss noch geklärt werden…

Film-Blog.tv meint:
In den 70igern und 80igern kamen Komödien mit Pierre Richard wohl kaum in den Verdacht, durch übermäßigen Tiefgang zu hochgeistigen Diskussionen anzuregen. Im Gegenteil: Betrachtet man Streifen wie „Die Regenschirmmörder“ heute, kommt man nicht umhin sich zu wundern, was man 1980 so toll fand, sich den Film gleich zweimal hintereinander anzuschauen. Gut, das ist jetzt fast 40 Jahre her. Und von Slapstickeinlagen ist der mittlerweile 83-jährige Richard auch meilenweit entfernt. Wer wird’s ihm verdenken. Ich gebe zu, nachdem ich die Synopsis gelesen hatte, habe ich einen angenehmen und nicht übermäßig anspruchsvollen Filmabend erwartet. Der erste Teil meiner Erwartungen wurde voll erfüllt, der zweite teilweise. Denn „Un Profil Pour Deux“, wie „Monsieur Pierre geht online“ im Original heißt, kann durchaus mit einem eigenen Profil überzeugen. Gut, allzu überraschend ist der Plot nicht. Wie’s ausgeht, ist dem Betrachter nach den ersten 10, 15 Minuten klar. Was jedoch sehr überzeugend gelungen ist, ist die Figurenzeichnung der Protagonisten: Ein eigentlich schwerer Stoff: Die Einsamkeit im Alter, berufliche Perspektivlosigkeit in jungen Jahren und persönlich nicht einfache Schicksale werden, französisch leicht präsentiert. Ohne jeweils auch nur ansatzweise lächerlich zu werden.

Den bejahrten Monsieur Pierre treibt so schnell keiner vor die Wohnungstür. Mit Dosenravioli, übergroßem Wollpulli und alten Filmaufnahmen seiner Frau Madeleine hat es sich der rüstige Rentner ganz gut eingerichtet. Wäre da nicht seine Tochter Sylvie, die den Frieden mit ihrer neuesten Idee stören will: Aus seiner Witwerwelt will sie ihn direkt ins World Wide Web katapultieren. Denn zumindest virtuell könnte ihr Vater doch endlich wieder einen Fuß vor die Tür setzen und vielleicht so zurück ins Leben finden.

Um gleich zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, soll der neue Freund ihrer Tochter Juliette den Computerkurs für den Alten abhalten. Denn dass ihre Tochter wieder bei ihr wohnt und dann auch noch mit dem arbeitslosen Schriftsteller Alex, ist ihr ein Dorn im Auge. So könnte sich Alex doch etwas nützlich machen und ein Taschengeld dazu verdienen. Also wird der neue Partner der Enkelin kurzerhand zum Internet-Lehrer ernannt, und auch Monsieur Pierre hat dabei wenig Mitspracherecht. Schnell ist der alte Rechner der Tochter in Pierres Arbeitszimmer installiert und Alex muss widerwillig beim Griesgram vorstellig werden. Doch ahnt Pierre nicht, dass der junge Mann in amouröser Beziehung zu seiner Enkelin steht. Und Sylvie beschließt, ihrem Vater davon auch besser nichts zu erzählen. Denn Pierre hängt sehr am Exfreund seiner Enkelin, David, und nimmt ihr das Aus der Beziehung noch immer übel.

Erste Stunde „Internet“ und der schlecht gelaunte Schüler Pierre macht seinem Lehrer das Leben nicht gerade leichter. Doch schneller als Monsieur Pierre gucken kann, ist er online, lernt was Maus und Fenster sind und findet sich im Skype-Gespräch mit seiner Tochter wieder. Neuland ist in Sicht und Pierre wagt erste Schritte von seiner Insel! Zum Ende jeder Stunde gehört bald ein obligatorisches Glas Brandy und so schlimm scheinen die Treffen für beide Seiten bald gar nicht mehr zu sein.

Alex träumt indessen davon, in naher Zukunft von seinem Schreiben leben zu können. Das scheint für Juliette und ihre Mutter gelinde gesagt unwahrscheinlich. Für einen Job als Drehbuchautor versucht er sich an einem Pitch für eine Fernsehserie um einen Gerichtsmediziner, natürlich ohne Bezahlung – ganz zum Missfallen seiner Schwiegerfamilie. Vielleicht könnte er so schneller den Job bei Monsieur Pierre loswerden und aus der etwas schrägen Situation rauskommen. Doch davon will Juliettes Mutter nichts wissen. Noch schräger wird‘s, als Pierre auf die Idee kommt, mit dem Ex der Enkelin in Shanghai zu skypen und Alex erfahren muss, dass seine Freundin noch immer in regem Kontakt zu ihrem Verflossenen steht und über ihre aktuelle Beziehung nicht gerade in den höchsten Tönen spricht.

Mit dem Schreiben und in der Liebe will es für den jungen Mann einfach nicht recht laufen. Alex ist frustriert. Auch das Zusammenleben mit Juliettes Familie ist nicht gerade unkompliziert, immer wieder findet sich etwas, das der angebliche Müßiggänger noch erledigen und reparieren könnte.

Alles ändert sich, als Monsieur Pierre schließlich auf einem Datingportal landet. Schnell ist ein Profil erstellt. Nutzername: Pierrot98. Beim Geburtsdatum wird unwesentlich geschummelt: 16.04.1984. Und als Profilbild eignet sich einfach perfekt ein Foto vom nichts ahnenden Alex. Suchtext: „Ich möchte eine sanfte Frau kennenlernen, tolerant und offen. Eine Frau, die das Unbekannte zu erforschen weiß.“ Beruf: Sinologe, das klinge einfach gebildet und abenteuerlustig – perfekt um Frauen zu beeindrucken.

Pierre selbst hat zugegebenermaßen weniger aufregend in der Verwaltung die Spesenabrechnungen von Vulkanologen bearbeitet. Flora63, 31, hübsch und Physiotherapeutin, springt an, und schneller als er denken kann, befinden sie sich in einem anregenden Schreibwechsel und werden zu Vertrauten. Pierre muss zugeben, das Internet ist toll!

Alles könnte so schön sein, zumindest im Gedankenspiel, bis Flora ein Treffen in der realen Welt vorschlägt. Und zwar an Pierres „31.“ Geburtstag. Jetzt gibt es nur einen Ausweg: Alex muss an seiner Stelle zum Date. Nur ahnt dieser noch nichts von seinem Glück. Behutsam versucht Pierre ihm die delikate Angelegenheit schmackhaft zu machen, es sei einfach die perfekte Inspirationsquelle für einen Autoren. Nach anfänglichen Abwehrversuchen können ein Bündel Geldscheine den bankrotten Schreiberling schließlich überzeugen. Da weiß er aber auch noch nicht, dass das Rendezvous in Brüssel geplant ist.

Jetzt gibt es kein Zurück mehr! An Pierres Geburtstag startet das sonderbare Liebeskommando in geheimer Mission gen Brüssel. Tochter Sylvie kann nur die Stirn runzeln, als sie erfährt, dass ihr Vater mir nichts, dir nichts verreisen und ihr partout nichts weiter verraten will. Der Mann, der seit zwei Jahren nicht mal zum Einkaufen das Haus verlässt, und jetzt soll er plötzlich ein Privatleben haben. Schnell werden noch chinesische Schriftzeichen geübt und Selbstbewusstsein geprobt. Sogar für das passende Outfit hat Monsieur Pierre Sorge getragen. Alles ist perfekt geplant, und Alex für diesen Abend der Hauptdarsteller in Pierres Stück.

Die Show kann beginnen: Eine schummrige Bar mit Fensterfront, Kerzenschein und zwei Gläser Chardonnay. Doch kann Flora etwa Chinesisch? Nach dem ersten Schreck läuft es immer besser. Alex wird so kühn, ein wenig hanebüchene Geschichten von süßen Eichhörnchen aufzutischen, doch da ist Flora schon Feuer und Flamme. Pierres E-Mails haben beste Vorarbeit geleistet und sie ist überzeugt, dass er ganz anders ist als alle anderen.

Pierres altes Herz macht einen freudigen Hüpfer, als er das vernimmt. Und beide Seelen, jung und alt, verbindet noch viel mehr, ein ähnlicher Schlag des Schicksals. Doch auch Alex kann Flora von seinen Qualitäten überzeugen. Das Gesamtpaket scheint Wirkung zu zeigen. Schnell kommt es zum ersten Kuss, zum Missfallen von Monsieur Pierre: Ganz Herr der alten Schule möchte er sich dies bei „seinem“ ersten Date verbitten. Doch da ist Alex ganz Kind des 21. Jahrhunderts.

Auch wenn Alex nach dem Abend zu verstehen gibt, dass er bei dem Spiel nicht mehr mitmacht, ist es um Pierre geschehen und er vereinbart ein Wiedersehen mit Flora in Paris. Das findige Schlitzohr gibt vor, Alex‘ Großvater zu sein und quartiert Flora prompt in seiner Wohnung ein. Doch auch Alex steckt schon viel tiefer drin, als er zugeben mag. Und plötzlich finden sich beide zusammen im Kampf um Floras Herz, die nichts von deren Kabale ahnt. Sie hat sich Hals über Kopf in Pierres E-Mails und Alex‘ Person verliebt. Als dann auch noch Pierres neugierige Familie, namentlich Tochter Sylvie und Enkelin Juliette, anrückt, um die neue Liebe ihres (Groß-)Vaters in Augenschein zu nehmen, wird es heikel. Die geliebte Sippschaft traut dem Braten nicht so recht: Was will eine so junge hübsche Frau von dem nicht mehr taufrischen alten Herrn… Nun müssen Pierre und Alex richtig kreativ werden. Kann denn auch nur einer der beiden das Herz von Flora erobern oder ist alles verloren?

Neue Visionen Medien präsentiert „Monsieur Pierre geht online“ ab 24. November 2017 auf Blu-ray Disc™, DVD und als VoD.
Das Rezensionsexemplar wurde von Neue Visionen Medien zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Originaltitel: Un Profil Pour Deux
Land / Jahr: Frankreich, Deutschland, Belgien / 2017
Genre: Komödie, Romanze
Darsteller: Pierre Richard: Pierre, Yaniss Lespert: Alex; Fanny Valette: Flora; Stéphane Bissot: Sylvie; Stéphanie Crayencour: Juliette; Gustave Kervern: Bernard, Macha Méril: Marie; Pierre Kiwitt: David u.a.
Regie: Stéphane Robelin
Drehbuch: Stéphane Robelin
Prozent(en): Christophe Bruncher, Fabian Gasmia
Kamera: Priscila Guedes
Schnitt: Patrick Wilfert
Musik: Vladimir Cosma

Blu-rayTM Disc
Laufzeit: ca. 99 Min. zzgl. Bonus
Bildformat: Full HD 16:9 (1,85:1)
Sprachen: Deutsch, Französisch
Bonus: Interviews mit Pierre Richard und Stéphane Robelin, Audiodeskription
FSK: 0

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