Nächster Halt Fruitvale Station: Der Mensch hinter den Schlagzeilen

Gewinnspiel_rotfruitvale_coverAls der 22-jährige Oscar Grant (Michael B. Jordan) am Morgen des 31. Dezember 2008 aufwacht, will er endlich seine guten Vorsätze in die Tat umsetzen. Für seine vierjährige Tochter Tatiana (Ariana Neal), die ihn trotz zwei Jahren Gefängnisaufenthalt noch immer vergöttert, für seine Freundin Sophina (Melonie Diaz), mit der er nicht immer ganz ehrlich war und für seine Mutter (Octavia Spencer), die an diesem Silvestertag Geburtstag hat. Doch auf dem langen Weg dorthin bleiben Herausforderungen nicht aus. Nach einer feucht-fröhlichen Silvesternacht in San Francisco gerät er schließlich in einen Streit, der an der Haltestelle „Fruitvale Station“ auf fatale Weise eskaliert …

Film-Blog.tv meint:
Am 9. August 2014 wurde der 18-jährige afroamerikanische Schüler Michael Brown bei einer Rangelei mit dem Polizisten Darren Wilson in Missouri erschossen. Demonstrationen gegen Rassismus und Polizeigewalt waren die Folge, die Nationalgarde wurde entsandt. Dies ist das jüngste Ereignis in einer Folge von Polizeigewalt gegen afroamerikanische Verdächtige in den USA. Wie zuvor der Fall Rodney King im März 1991 ging auch die Polizeigewalt gegen den 22-jährigen Oscar Grant in die Medien. Seine Tötung führte zu weiten Protesten. Ryan Coogler transportiert in seiner Regiepremiere den letzten Tag im Leben des Oscar Grant in eine Spielfilmhandlung. Er zeigt uns den Alltag eines Menschen, der Fehler gemacht hat, aber auf dem richtigen Weg scheint. Und wie unnötig dieser Mensch am Ende dieses Tages getötet wird.
Dabei gelingt es der vielfach ausgezeichneten Produktion den Zuschauer zu berühren, in dem sie das Geschehen fassbarer macht als Nachrichten dies leisten können. Die Einleitung, die den Tod des jungen Mann in Form einer realen Amateuraufnahme zeigt, erinnert daran, dass dieser Film nicht fiktional ist.
„Fruitvale Station“ erzählt Geschehenes in einer Form nach, die zum Nachdenken anregt.

Als der 22-jährige Afroamerikaner Oscar Grant am Neujahrsmorgen 2009 von dem weißen Bahnpolizisten Johannes Mehserle erschossen wurde, lag der historischen Sieg von Barack Obama bei den US-Präsidentschaftswahlen weniger als zwei Monate zurück. Die Misshandlung von Rodney King durch Autobahnpolizisten lag bereits 18 Jahre in der Vergangenheit.

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Oscar, unbewaffnet, wurde durch einen Schuss in den Rücken getötet. Der Todesschütze sagte später aus, er habe seinen Taser ziehen wollen und aus Versehen seine Pistole gegriffen. Die Anklage lautete auf Mord, die Jury befand ihn lediglich der fahrlässigen Tötung für schuldig. Schon nach elf Monaten wurde er aus der Haft entlassen. Oscars Mutter wurden 1,3 Millionen Dollar Entschädigung zugesprochen.

Mehrere Menschen hatten die Ereignisse in der Fruitvale Station gefilmt. Die Aufnahmen zeigen ein diffuses Bild der Ereignisse und verbreiteten sich schnell über das Internet und Nachrichtensendungen. Die Berichte führten zu wütenden Demonstrationen, zu gewaltsamen Protesten und Mahnwachen. Mit diesen Amateuraufnahmen beginnt Ryan Coogler seinen Film. Sie enden mit dem tödlichen Schuss auf den wehrlosen jungen Mann.

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Nach dem Einspieler des Amateurvideos zu Beginn zeigt Ryan Coogler einen Spielfilm, der die Vorgeschichte am Tag des Mordes nacherzählt. Dabei bewegt er sich in einer neutralen Perspektive mit einer Tendenz, Oscar als feinen Kerl zu zeichnen, wenn auch nicht ohne Fehler. Sein Hauptdarsteller lässt zu Beginn Drogen in großer Menge im Kleiderschrank verschwinden, präsentiert sich jedoch auch als liebevoller Vater und um den Geburtstag seiner Mutter besorgt. Er sorgt sich um einen angefahrenen Hund, und hinterlässt nie den Eindruck ein Mann zu sein, der von einem Polizisten erschossen werden wird.

Inwieweit Coogler den Verlauf des tödlich endenden Tages detailgetreu nachzeichnet oder nicht sei dahingestellt. Er führt uns in jedem Fall zu der realen Eskalation, die unnötig war und ein Menschenleben fordete. Und macht das klar, was nie in Frage stand: dass dieses Ereignis furchtbar ist. Im Film reagiert die Bahnpolizei auf eine relativ harmlose Rangelei mit Brutalität, eskalierend und beleidigend. Hilfe für den tödlich verletzten Oscar trifft erst relativ spät ein. Die Kamera begleitet uns in die Notaufnahme, und in den Warteraum, in dem die Verwandten in Ungewissheit bangen. Bis zur niederschmetternden Nachricht durch den Arzt. Der Spielfilmteil endet mit der Frage der Tochter nach dem Verbleib ihres Vaters. Texteinblendungen erläutern die juristischen Folgen und zeigen friedliche Proteste an Oscars Todestag.

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Der Film hinterlässt eine nachdenkliche Grundstimmung. „Was wäre wenn“ ist die mehrfach gestellte Frage. Wenn Oscar mit dem Auto gefahren wäre? Ein Weißer wäre? Die Streitereien in der Bahn nicht entstanden wären? Wenn er seiner Tochter auch weiter ein liebevoller Vater hätte sein können? Eine mindestens nachlässig abgegebene Kugel kürzt die Antworten ab. Diesen Wahnsinn macht Ryan Cooglers Erstlingswerk greifbar.

Die Audiospur der Originalfassung kann nicht überzeugen. Neben fehlender Dynamik, die das Verständnis der ethnisch gefärbten Sprache erschwert, sind Dialoge und Lippenbewegungen stellenweise nicht synchron. Die deutsche Synchronfassung ist deutlich klarer.

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Die Bildqualität ist in Ordnung. Textnachrichten, die Oscar auf seinem Mobiltelefon verfasst, werden eingeblendet, die Simulation von Wortvorschlägen während des Schreibens vermittelt Authentizität und lässt den Betrachter dichter an das Geschehen rücken.
Das Bonusmaterial bereichert den Film. „Die Geschichte von Oscar Grant“ lässt das Team über ca. 22 Minuten aus persönlicher Sicht über die Produktion und ihren Hintergrund sprechen. Ein weiterer Beitrag über 28 Minuten vereint weitere Interviews mit Regisseur und Team in einer Podiumsdiskussion.

Gewinnspiel
Folgende Frage gilt es zu beantworten: Nennt uns einen weiteren Film, der Rassenkonflikte thematisiert! Zu gewinnen gibt’s auch was, nämlich

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Dazu habt ihr bis zum 31.10.2014 bis 24.00 Uhr Zeit. Gehen mehr als eine richtige Antworten ein, lassen wir das Los entscheiden. Mitarbeiter der beteiligten Firmen und Agenturen sowie film-blog.tv dürfen nicht mitmachen, der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

dcm Film Distribution GmbH präsentiert im Vertrieb von Universum „Nächster Halt Fruitvale Station“ ab dem 02. Oktober 2014 auf Blu-ray Disc™, DVD und als VoD. Das Rezensionsexemplar und die Gewinnspielpreise wurden von dcm Film Distribution GmbH zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

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Originaltitel: Fruitvale Station
Land / Jahr: USA / 2013
Genre: Doku-Drama
Darsteller: Michael B. Jordan, Melonie Diaz, Octavia Spencer
Regie: Ryan Coogler
Drehbuch: Ryan Coogler
Produzenten: Nina Yang Bongiovi
Kamera: Rachel Morrison
Schnitt: Claudia Castello, Michael P. Shawver
Musik: Ludwig Göransson
FSK: 12

Blu-ray Disc™
Laufzeit: ca. 85 Min. + Bonus
Bildformat: 1,78:1 / 16:9
Tonformat: DTS-HD 5.1
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Die Geschichte von Oscar Grant, Interview mit Regisseur und Team, Trailer

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