„Neues aus Büttenwarder 9“: Agrarisch, Norddeutsch, klassisch

buettenwarder9_coverDie beiden chronisch insolventen Bauern Adsche und Brakelmann haben in sechs neuen Dorfgeschichten wieder ganz besondere Geschäftsansätze, um endlich an genügend “Barmiddel” zu kommen. Unter anderem bietet Brakelmann auf seinem Hof Lagerfläche zur Vermietung an. Ein lukrativ erscheinendes Geschäft, bis Klingsiehls Bürgermeister Günther Griem “etwas” diskret einlagern möchte. Die beiden schlitzohrigen Bauern Adsche und Brakelmann wissen natürlich sofort, um was es geht. Schwarzgeld! Griem überlegt es sich jedoch anders und bittet Shorty um Hilfe. Wenig später steht ein Tresor in Shortys Schuppen. Und für Brakelmann ist klar: Da hilft nur noch einwandfreie Kriminalität. Aber die Millionen sind ihm egal, denn er hat noch eine sehr alte Rechnung mit Griem zu begleichen…

Film-Blog.tv meint:
„Kurtis Eleven“ und „Der mit dem Erlentrillich flüstert“: Die neunte Staffel der Kultserie kombiniert die Wirkung eines eingespielten Ensembles mit frischen Drehbuchideen. Es gelingt damit unverändert, die Unterhaltung konstant hoch zu halten und neue Höhepunkte zu ergänzen. Etwa in der Folge „Einladung“, in der ursprünglicher Dorfcharme herrlich komisch auf den Versuch schmettert, Tischmanieren und die Fähigkeit zum Smalltalk ansatzweise zu etablieren. Für Fans ein Muss, und für alle, die diese klassische Serie noch nicht erkennen, ein problemloser Einstieg mitten in das Agrarepos.

Den Beitrag verfasste unser Autor Peter Schrandt.

„Tarupp, Tarupp“ – wenn der Erlentrillich ruft, eröffnet sich mit „Neues aus Büttenwarder“ eine herrliche Konstante der charmanten TV-Unterhaltung. Man muss sicher nicht Nordisch by nature sein, um die seit 18 Jahren laufende Dorfsaga in vollen Zügen zu genießen, aber den größten Spaß haben vermutlich Zuschauer aus dem Norden. Das Menü startet selbstbewusst mit Folge 56 und geht davon aus, dass die Zuschauer als treue Fans die Vorgeschichte kennen. Es ist allerdings nicht nötig, die früheren Folgen gesehen zu haben, denn das Agrarepos entfaltet seine Wirkung auch eigenständig ohne Vorgeschichte — und entwickelt seinen Charme sehr schnell. Vor allem Jan Fedder und Peter Heinrich Brix spielen das landwirtschaftliche Duo Infernale einfach großartig. Die beiden sind Volblutschauspieler mit jahrzehntelanger Erfahrung, und ihre Charaktere Kurti und Adsche konnten sie in fast zwei Jahrzehnten entwickeln. Das merkt man der Staffel an, die Darstellung kommt spielerisch leicht und genau auf den Punkt daher. Seine gesundheitlichen Probleme während der Dreharbeiten überspielt Jan Fedder vollständig. Ebenso ist die Leistung des Ensembles fantastisch — das bewährte Konzept funktioniert einfach, und die Ideen der Autoren halten die Landidylle sehr lebendig. Das beschauliche Dorf Grönwohld mit seinen knapp 1.400 Einwohnern und seine Umgebung bilden als Drehorte einfach eine herrliche Kulisse.

Die Episoden

Zwei Millionen Euro Schwarzgeld warten in Büttenwarder auf ehrliche Kriminelle – das ist Antrieb genug für Kurt Brakelmann und Adsche, deren Barmittel nicht einmal mehr für die lebenswichtigen Getränke im Dorfkrug ausreichen. In der Doppelfolge Rififi erleben wir, wie sich das halbe Dorf an der Seite von Kurt und Adsche auf der Jagd an den Millionen beteiligt. Das erweiterte Ensemble tut der Serie gut.

Besonders charmant sind die Pläne gezeichnet, die Kurtis Eleven mit der Beute umsetzen möchten. Ein Großeinkauf bei „Wertfrei“ und eine neue Matratze für das Jugendbett zählen bei Stallknecht Kuno dazu. Und ein „Schwimmbassin mit Zehn Meter-Turm“ sowie ein Haus mit vielen Frauen, die auf ihn warten. Und ein Autokino. Und ein U-Boot.

Im dörflichen Büttenwarder erreicht die Schwarzgeldaffäre zwar nicht die Dimensionen, die immer wieder in den Medien auftauchen; dafür ist der Unterhaltungswert „gewaltig“, um im Duktus von Brachlandbauer Adsche Tönnsen zu bleiben.

Jürgen Uter gibt dem legendären Klingsiehler Bürgermeister Günther Griem in dieser Doppelfolge ein Gesicht.

In „Versöhnung“ sucht Adsche nach einer Geschenkidee für seinen hundertsechsjährigen Urgroßonkel Krischan. Er fragt Brakelmann, denn der müsste es eigentlich wissen: er hat noch nie etwas verschenkt, da müssten doch noch sehr viele Ideen übrig sein. Doch Krischans Wünsche sind immateriell: Respekt und Hochachtung wünscht er sich, in Form einer Versöhnung von Adsche mit Jürgen Seute. Die Familienverhältnisse bei Tönnsens sind etwas kompliziert, und die beiden weitläufig, aber auf zwei Ebenen Verwandten haben sich seit 40 Jahre nicht gesehen. Die Spannungen knistern noch immer. Hilfe verspricht Bürgermeister Waldemar Schönbiehl, der Mediation im Fernstudium erlernt hat und nun praktische Erfahrung sammeln will. Das gestaltet sich gar nicht so leicht, denn Adsche und Jürgen verfolgen ein Ziel, jedoch aus unterschiedlichen Positionen: möglichst nah an den Erbonkel kommen und dabei kein Geld ausgeben…

In „Der alte Sack“ bringt „Frau P.“ den Tod nach Büttenwarder;, dargestellt von Milena Dreissig, deren Profil vor allem durch die Serie „Stromberg“ gezeichnet wurde. Im Kofferraum ihres Volkswagen Jetta II versteckt sie die Leiche ihres Chefs. Sie weiß nicht, welche ihrer Kolleginnen den ausgemachten Tyrannen um die Ecke gebracht hat, aber keine von ihnen hat eine Bestrafung verdient, dessen ist sie sicher. Kurti und Adsche stehen der schüchternen Frau bei, die unter der engen Überwachung des Dorfpolizisten Peter steht. Sein „beginnender Anfangsverdacht“ lässt ihn an der Verdächtigen kleben, doch Kurti und Adsche nehmen die Herausforderung des Gesetzes an…

„Einladung“ brilliert mit einer satten Ladung Büttenwarder-Charme. Der Klingsiehler Bürgermeister Günther Griem lädt zum gesellschaftlichen Ereignis des Jahres, zu dem sogar Gäste aus Barsingausen und Töppenstedt erwartet werden. Der büttenwardersche Ortsvorsteher Waldemar Schönbiehl gibt sein Bestes, um die dörfliche Gemeinschaft gesellschaftsfähig zu machen. Der Zuschauer verdankt den Hauptdarstellern ebenso wie dem Cast der Nebenrollen unvergleichliche Momente, in denen rustikalstes Dorfleben gezeigt wird, das den Rohdiamanten für geschliffene Tischmanieren und gehobenen Smalltalk bilden soll. Die Darsteller porträtieren die tiefentspannten Landbewohner hier einfach göttlich.

In Büttenwader ist selbst die Fauna spektakulär. In der Dulder Au spricht nicht nur der seltene Erlentrillich mit Adsche Tönnsen („Tarupp, Tarupp“); auch der Knopfhase nährt sich dem ruhigen Büttenwarder Bauern. Das Auftauchen dieser Spezies versetzt den Ort in Unruhe, jeder verspricht sich einen Gewinn. Doch kann Adsche das Nagervertrauen verletzen, des schnöden Nennwerts wegen?

Die sechs Episoden mit ihren rund zweieinhalb Stunden machen riesigen Spaß. Und auch die Technik fällt nicht ab. Der Klang stellt sich erstaunlich räumlich dar, auch über den Stereoton der eingebauten TV-Lautsprecher. Soundeffekte stehen dabei natürlich nicht im Vordergrund der Dorf-Saga.

Das Bild zeichnet klare Konturen mit stimmiger Wärme ohne viele Blautöne und gut balancierter Ausleuchtung. Niemand wird bei dieser DVD ein Blu Ray-aufgelöstes Landleben vermissen.

Mehr Nennwert: Das Bonusmaterial

Das üppige Bonusmaterial legt einen Erwerb der Doppel-DVD zusätzlich nahe. Rififi ist als Doppelfolge aufrufbar, dabei ist der Übergang gegenüber den beiden Einzelteilen leicht verändert. Wer die 50 Minuten Zeit findet, ist mit dieser Form besser bedient.
„Brakelmanns Freunde“ vermittelt rund 45 Minuten lang sehr schöne Einblicke in die Bühnen- und Kamerabiographien der Darsteller. Nachdem Jan Fedder bereits in einer der vorangegangenen Staffeln Raum bekam, stellt dieses Portrait nun Peter Heinrich Brix (Adsche), Günter Kütemeyer (Schönbiehl), Axel Olsson (Shorty), Sven Walser (Kuno) und Hans Kahlert (Onkel Krischan) vor.

„Büttenwarder – Deine Fans“ zeigt rund 35 Minuten lang die Euphorie der Anhänger. Ein Faslamumzug (die norddeutsche Fastnacht), ein Nachbau des Brakelmannhofes im Maßstab 1:87 in Berlin (mit Explosion in der Scheune), Fangedichte, die Statisten der Folge „Stau“, ein Maler, der die Serie in seinen bildlichen Kanon einfließen lässt, und ein Team bei „Jugend forscht“, dass sich von Büttenwarder inspirieren ließ: sie alle nahmen die Serie mit in einen Teil ihres Lebens. Die Darsteller kommentieren das Engagement ihrer Fans.

Das liebevoll gestaltete Booklet stellt auf acht Seiten die Episodeninhalte vor und beschreibt die Inhalte der beiden Specials auf der zweiten DVD.

Studio Hamburg Enterprises präsentiert „Neues aus Büttenwarder 9“ ab 13.März 2015 auf DVD.
Das Rezensionsexemplar wurde von Studio Hamburg Enterprises zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Originaltitel: Neues aus Büttenwarder 9 – Folge 56-61
Land / Jahr: Deutschland / 2014-2015
Genre: Komödie, Serie
Darsteller: Jan Fedder: Kurt Brakelmann; Peter Heinrich Brix: Arthur „Adsche“ Tönnsen; Günter Kütemeyer: Dr. Waldemar Schönbiehl; Axel Olsson: „Shorty“; Sven Walser: Kuno Eggers; Hans Kahlert: Onkel Krischan; Uwe Rohde: Dorfpolizist Peter;
Stephan Bieker: Martin Meyer-Schönbiehl; Milena Dreissig: „Frau P.“ u.a.
Regie: Guido Pieters
Drehbuch: Norbert Eberlein
Produktion: Norddeutscher Rundfunk
Kamera: Michael Ole Nielsen
Schnitt: Tatjana Schöps
Musik: Pär Lammers; Titelmusik Franz Bartzsch

DVD
Laufzeit: ca. 150 Min. + 130 Min. Bonus
Bildformat: 16:9
Tonformat: Dolby Digital 2.0
Sprachen: Deutsch, Plattdeutsch, Hörfilmfassung
Untertitel: Deutsch, Deutsch für Hörgeschädigte
Bonus: 8-seitiges Booklet, Doppelfolge “Rififi” mit alternativem Mittelteil, Brakelmanns Freunde, Büttenwarder – Deine Fans
FSK: ohne Altersbeschränkung

Webseite zur Serie: Neues aus Büttenwarder 9