Northmen – A Viking Saga: Falsch abgebogen auf dem Weg nach Walhalla

northmen_cover873 nach Christus: Vom eigenen König verbannt, nimmt eine Horde furchtloser Wikinger Kurs auf Britannien. Ihr Ziel: das Kloster Lindisfarne mit seinen Goldschätzen, die sie unter ihrem draufgängerischen Anführer Asbjörn plündern wollen, um sich vom auferlegten Bann freizukaufen. Von einem schweren Sturm überrascht, zerschellt ihr Drachenboot jedoch an den Felsen vor der schottischen Küste. Gestrandet auf feindlichem Gebiet, ist ihre einzige Chance, sich in das Danelag, eine entfernt gelegene Wikingersiedlung zu retten. Auf ihrem beschwerlichen Weg durch die Highlands bringen die Krieger Lady Inghean, die mutige Tochter des schottischen Königs Dunchaid, in ihre Gewalt. Die Verbannten wittern ihre Chance auf ein beträchtliches Lösegeld. Doch Dunchaid hetzt den Entführern sein berüchtigtes „Wolfsrudel“ auf den Hals. Dieser Söldnertrupp ist wegen seiner Grausamkeit im ganzen Land gefürchtet. Nur durch die Unterstützung des geheimnisvollen Mönchs Conall entkommen die harten Nordmänner im allerletzten Moment den Angriffen der zu allem entschlossenen „Wölfe“ und ihres erbarmungslosen Anführers Hjorr. Conall führt die Wikinger auf den längst vergessenen „Pfad der Schlange“, den einzig sicheren Weg ins Danelang. Ein gnadenloser Wettlauf gegen die Zeit beginnt – eine Jagd auf Leben und Tod.

Film-Blog.tv meint:
Regisseur Claudio Fäh präsentiert mit seinen „Northmen“ einen visuell oppulenten Film, der die Kulisse Südafrikas glaubhaft als schottische Highlands durchgehen lässt. Es macht Spaß, die wilden Szenen mit ihrem voluminösen Sound zu sehen. Die Handlung zählt nicht zu den Stärken des Films, die Substanz der linear erzählten Geschichte ist eher gering. Als Abenteurfilm erhebt „Northmen“ keinen Anspruch auf tiefere Einblicke in die Wikingerkultur und dient mehr der Unterhaltung im Comicstil. Wer alleine mit diesem Anspruch unterwegs ist, findet mit der 2013er Produktion gute Unterhaltung.

Den Beitrag verfasste unser Autor Peter Schrandt.

Eine Horde Wikinger ist auf Fahrt Richtung Lindisfarne. Doch das Kloster, das sie dort zu plündern planen, erreichen sie nicht: ihr Drachenboot zerschellt in einem wilden Sturm. Sie stranden in Alba (heutiges Schottland) und klettern eine Steilküste empor, um sich vor dem Ertrinken zu retten. Kurz daauf begegnet ihnen ein Trupp Soldaten und greift sie an. Die Wikinger besiegen sie und finden Lady Inghean, eine Prinzessin im verschlossenen Wagen des Trupps. Sie ist die Tochter des Königs Dunchaid und wurde von den Soldaten zu ihrer Hochzeit gebracht.

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Die gestrandeten Nordmänner müssen an Gold kommen, um sich ihre Freiheit zu erkaufen. Da kommt die Gelegenheit, Lösegeld für die junge Adelige zu fordern, gerade recht. Doch ihr Vater setzt alles daran, sie aus den Händen der Wikinger zu befreien. Er weiß, dass er seine Machtstellung gegenüber den Clanfürsten verliert, wenn bekannt wird, dass die Wikinger Gold von ihm erpressen konnten. Er setzt das „Wolfsrudel“ auf die Fährte der Entführer auf dem „Pfad der Schlangen“, zur Wikingersiedlung Danelagh; wilde Kämpfer aus den Karpaten, die entschlossen auf die Jagd gehen…

Südafrika! Wollte ich einen Wikingerfilm produzieren, wäre diese Location wohl weit unten auf meiner Wunschliste gewesen. Dennoch bringen die Produzenten mit den dortigen Dreharbeiten eine glaubhafte Kulisse auf den Bildschirm, der man die nordeuropäische Szenerie abnimmt. Das funktionert. In diesen vermeintlichen Highlands schlagen sich die Akteure recht sehenswert, die Schauspieler legen dabei einigen Ernst in ihre Rollen.

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Der visuelle Aspekt mit toller Szenerie und archaischen Kämpfen ist dann auch die größte Trumpfkarte von „Northmen“. Der Film stellt die Gewalt nicht allzusehr in das Zentrum; aber dort, wo sie sich ereignet, ist sie sehr deutlich. Das gilt für Kämpfe Mann gegen Mann ebenso wie den für Umgang mit einem der Soldaten, die die Entführung der Prinzessin geschehen ließ: sein Kopf wird kurzerhand in einen Feuertrog gepresst, als er an den Hof zurückkehrt. Der Sounddesigner lässt die Schwerter gerne schmatzen, wenn sie einen Leib durchdringen.

Die Handlung ist etwas schlicht und schafft es nicht so recht Spannung zu entwickeln. Sicher, die Verfolgten bilden eine Schickalsgemeinschaft: die Wikinger, verstoßen vom neuen König Norwegens und gejagt in Schottland, zusammen mit der Prinzessin, die gegen ihren Willen verheiratet werden sollte und der man nun im Auftrag ihres Vaters nach dem Leben trachtet. Ein tragender Plot ergibt sich daraus allein noch nicht.

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Leichte Ansätze zur realen Geschichte der Wikinger kommen vor. Lindisfarne war tatsächlich ein Ziel für Plünderungen, und auch Danelagh existierte. Der Anführer Asbjörn berichtet, dass seine Männer die letzten Winkinger sind, die in der Heimat noch nicht unter Harald Hårfagres Joch stehen, dem Vereiniger der norwegischen Stämme. Sein Vater wurde getötet, als er sich auflehnte. Das Thema alte Religion (nordisch) versus neue (Christentum) wird berührt, aber nur oberflächlich. Einen tieferen Einblick in die bemerkenswerte Kultur dieser Schiffsbauer, Entdecker, Krieger und Händler vermttelt der Film nicht. Als fiktiver Ausschnitt einiger gestrandeter Individuen bei ihrem Überlebenskampf geht er natürlich durch.

Einige Geschehnisse scheinen nicht plausibel, etwa die sehr viel höhere Geschwindigkeit, mit der die Wikinger sich gegenüber ihren Feinden bei ihrer Flucht entlang des Schlangenpfades der Pikten bewegen. Oder ein tiefer Absturz der entführten Prinzessin, den sie ohne nennenswerten Schaden übersteht.

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Wenn man über Lücken in der Plausibilität und Kontinuität hinwegsieht, kann man bei einem gepflegten Met mit „Northmen“ durchaus ein wenig leichte Unterhaltung genießen.

Das Bild kann in seiner Detailliertheit und Ausleuchtung klar punkten. Auch die sehr schnell inszenierten Kampfzenen werden ohne Bildfehler übermittelt. Die filigrane Auflösung des schön gestalteten BluRay-Menüs ist bei kleinen Bildschirmen und reiferen Konsumenten in der Menübeschriftung dann doch etwas klein geraten…

Johan Heggs, im Film einer der Nordmänner, sehen wir in den Extras ein weiteres Mal; hier als Sänger der schwedischen Deathmetalband Amon Amarth. Die Musik muss man mögen – mir gefällt sie, auch wenn ich die Growls ganz überwiegend nicht verstehe. Im Film selbst erhält der Musiker seine keinen großen Raum, und auch der Score bleibt im Duktus von Fantasyfilmen und damit musiklaisch metallfrei. Lediglich im Abspann gibt es eine eher weichgespülte Begegnung mit der Band.

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Der Sound scheppert ordentlich aus den Boxen, und seine Dynaamik unterstreicht die Stimmung recht gut. Schön: „Northmen“ bietet zusätzlich eine Hörfilmfassung und Untertitel für Hörgeschädigte. Diese Eigenschaften zählen im Genre sicher nicht zum Standard.

Ascot Elite Home Entertainment präsentiert „Northmen – A Viking Saga“ ab 3. März 2015 auf Blu-ray Disc™, DVD und als VoD. Bei Amazon sind von Blu-ray und DVD Sondereditionen erhältlich. Hier sind zusätzlich ein Schlüsselanhänger, drei Character-Cards mit insgesamt sechs Motiven der Darsteller und ein Poster DIN A1 enthalten.
Das Rezensionsexemplar wurde von Ascot Elite Home Entertainment zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

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Originaltitel: Northmen – A Viking Saga
Land / Jahr: Schweiz, Deutschland, Südafrika / 2013
Genre: Action / Abenteuer
Darsteller: Ryan Kwanten, James Norton, Charlie Murphy, Ed Skrein, Tom Hopper u. a.
Regie: Claudio Fäh
Drehbuch: Matthias Bauer, Bastian Zach
Produzenten: Ralph S. Dietrich, Karin G. Dietrich, Daniel Höltschi, Frank Kaminski, Ulrich Stiehm, Rolf Wappenschmitt, Marco Del Bianco, Giselher Venzke, Bertha Spieker
Kamera: Lorenzo Senatore
Schnitt: Adam Recht ACE
Musik: Marcus Trumpp
FSK: 16

Blu-ray Disc™
Laufzeit: ca. 98 Min. + Bonus
Bildformat: 2,39:1 / 16:9 – 1080 / 24p HD
Tonformat: DTS-HD Master Audio 5.1
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Extras: Hinter den Kulissen (animierte Sturmsequenz, Behind the Scenes, Bloopers, B-Roll, Making Of, visuelle Effekte), Musikclips (Amon Amart, Wacken Foundation), Online-Clips ( Behind the Scenes, Don’t mess with the Northmen, Tune up the Northmen), Featurettes (Northmen in Action, Vikings vs. Wolves), Originaltrailer, Deutscher Trailer; Audiodeskription für Sehbehinderte

Webseite zum Film: Northmen – A Viking Saga