Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens: Blut ist Leben!

nosferatu_coverEine Geschäftsreise führt den ahnungslosen Makler Hutter aus der Hafenstadt Wisborg nach Transsylvanien. Dort begegnet er dem unheimlichen Graf Orlok. Orlok reist nach Wisborg und bringt die Pest und den Tod in die kleine Stadt. Hutters Frau Ellen sieht nur eine Möglichkeit, die Stadt zu retten… F.W. Murnaus erste Adaption von Bram Stokers DRACULA ist eine Ikone des Horrorgenres. Er erzielt seine Wirkung nicht aus der Inszenierung physischer Gewalt oder einer künstlichen Studioatmosphäre. Das Grauen ergibt sich aus dem Kontrast zwischen der Starrheit des Vampirs Nosferatu und der Ungestümheit des jugendlichen Helden Hutter, aus der Gegensätzlichkeit des kargen trostlosen Karpartenschlosses und der Biedermeieratmosphäre der Stadt Wisborg.

Film-Blog.tv meint:
Wer nach viel Hollywood und computergenerierten Filmen ein echtes Erlebnis sucht, der sollte zu F. W. Murnaus Nosferatu greifen. Dieser fast hundert Jahre alte Film ist ein Meisterwerk von Licht und Schatten, Maske und Schauspiel. Nosferatu ist ein Meilenstein der Filmgeschichte, und wird nun durch eine aufwendige Restaurierung zu einem Muss für Filmfans. Die Neudigitalisierung mit Einzelbildbearbeitung und eine zeitgemäße Tonspur für die Begleitmusik versetzen uns sehr dicht an das Erlebnis, das sich den Zuschauern 1922 bei der Premiere geboten haben dürfte. Filmliebhaber profitieren auch von den sehr fundierten Einblicken des Begleitheftes.

Den Beitrag verfasste unser Autor Peter Schrandt.

Seien wir ehrlich: Wir sind medienüberflutet. Zu Zeitungen und Zeitschriften kamen Radio und Fernsehen, seit Mitte der neunziger Jahre das Internet. Inzwischen konsumieren wir parallel zum Fernsehen über den Tabletcomputer oder das Smartphone. Man nennt unser Verhalten die Nutzung des „Second Screen“. Einer reicht uns nicht mehr. Und dafür präsentieren uns Medienschaffende heute dank ausgefeilter Kamera-, Sound- und Studiotechnik atemberaubende Filme, die Entwicklung schreitet stetig voran.

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Halten wir einmal inne und widmen uns dem Klassiker Nosferatu aus Friedrich Wilhelm Murnaus Feder, dann blicken wir in eine andere Welt, in eine andere Art der Produktion. Die zu ihrer Zeit Maßstäbe setzte, und die nicht nur wegen, sondern auch trotz ihrer reduzierten Aufnahmetechniken bis heute fasziniert. Denn die kunstvolle Inszenierung aus minimalen Mitteln beeindruckt bis heute.

Murnau schafft eine greifbare Atmosphäre, in dem er Schauspiel, Maske, Drehorte und Musik mit einer kunstvollen Dramaturgie verbindet und das Grauen der zugrundeliegenden Geschichte Bram Stokers in bewegten Bildern erlebbar macht.

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Wir erleben die Gegenpole einer glücklichen jungen Liebe und eines düsteren, einsamen und auf Tod und Zerfall reduzierten Wesens, die ineinander verschmelzen.

Der Makler Knock bekommt von einem Grafen Orlok aus den Karpaten den schriftlichen Auftrag, für ihn ein Haus in Wisborg zu suchen. Er beauftragt seinen jungen Mitarbeiter Thomas Hutter, zu Orlok zu reisen und ihm das marode Haus gegenüber Hutters Wohnung anzubieten.

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Mit Orlok empfängt ihn dort eine hagere, kahlköpfige Gestalt. Am Morgen des nächsten Tages bemerkt Hutter zwei Bissspuren an seinem Hals. Orlok unterschreibt den Kaufvetrag, nachdem er ein Bild von Hutters Frau Ellen in einem Medaillon erblickt. Als der Graf Hutter in der folgenden Nacht das Blut aussagen will, wacht Ellen zuhause in Wisborg schreiend auf, worauf Orlok von seinem Opfer ablässt.

Nach Tagesanbruch untersucht Hutter Orloks Schloss und findet den Grafen in einem Sarg liegen. Hutter flieht aus dem Schloss. Fiebernd wird er von Dorfbewohnern aufgefunden. Nach seiner Genesung reist er zurück nach Wisborg, während Orlok auf dem Seeweg in einem Sarg bereits auf dem Weg dorthin ist. Auf der „Empusa“ trifft der Graf in Wisborg ein, alle Besatzungsmitglieder sind inzwischen tot. Mit Orlok kommt die Pest in die Stadt.

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Hutter kehrt zurück, mit dem „Buch der Vampyre“ im Gepäck. Darin lernt Ellen, dass eine Frau „reinen Herzens“ Vampire aufhalten kann. Trinkt der Vampir ihr Blut und vergisst darüber den „Hahnenschrey“ wird er sterben. Sie lässt zu, dass der Graf in ihr Zimmer dringt. Der Plan geht auf: Der Vampir vergisst die Zeit, die Sonne geht auf und lässt ihn zu Asche zerfallen. Ellen stirbt in den Armen ihres Mannes. Ihr Opfer hat die Stadt gerettet und die Pest besiegt.

Die Handlung lehnt sich so eng an Bram Stokers Erfolgsroman „Dracula“ an, dass dessen Witwe gegen die Urheberrechtsverletzung vorging. Und sie bekam Recht: die Kopien von „Nosferatu“ mussten vernichtet werden. Dass einige überdauerten, ist heute unser Glück.

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Murnau schafft atmosphärische Dichte ohne die heute für Horrorfilme so wesentlichen Geräuscheffekte und mit einem sehr reduzierten Werkzeugkasten technischer Effekte. Er kommt ohne gesprochene Dialoge und Schreie aus. Seine Wirkung entfaltet sich aus Kameraperspektiven, aus dem Spiel von Licht und Schatten. Farbfilter unterstreichen Stimmungen. Düstere Stimmung entfalten Aufnahmen, die unter großem Aufwand entstanden sein müssen: so lässt Murnau Ratten im Kreis laufen und eine fleischfressende Pflanze in Aktion treten.

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Schauspiel und Maske tragen das ihre zur Wirkung bei. Schon Alexander Granach als Makler Knock vermittelt uns, dass dies ein unheimlicher Film ist. Er setzt den ersten Akzent eines Grauens, das im Verlauf eskalieren soll. Max Schreck ging mit seiner Darstellung des Graf Orlok in die Filmgeschichte ein, so beeindruckend wirkungsvoll ist sein Spiel.

Die Musik von Hans Erdmann wird über eine wundervolle Tonspur klar wiedergegeben. Über ein Soundsystem versetzt die Ausstattung den Zuschauer in die Atmosphäre einer orchestrierten Filmvorführung.

Wie in den zeitgenössischen Pendants dieses Stummfilms erzählen Einblendungen die Hintergründe der Handlung. Darauf werden Handschriften in deutscher Kurrentschrift gezeigt; diese Texte zu lesen fällt nicht immer leicht, sie tragen aber zur Stimmung wesentlich bei.

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Die Neuauflage des Klassikers ist das Ergebnis einer beachtlichen Aufwands. Die von der Bundesregierung geförderte Digitalisierung basiert auf einer französischen Kopie mit eingefärbten (viragierten) Szenen. Fehlende Szenen wurden aus Sicherungskopien des Filmarchivs des Bundesarchivs aus den Jahren 1939 und 1962 ergänzt. Von dort stammen auch die originalen deutschen Zwischentitel. Fehlende Zwischentitel wurden in enge Anlehnung an das Original reproduziert und dezent als Reporduktion gekennzeichnet.

Die schön gestaltete Blu-ray und DVD wird von einem zwanzigseitigen Begleitheft ergänzt. Darin schreiben Autoren wie Bernd Schöneberg und Katharina David über die Entstehungs- und Wirkungsgeschichte sowie über Max Schreck.

Auch die Blu-ray und DVD selbst bringen sehenswertes Bonusmaterial mit: in „Die Sprache der Schatten“ erhalten wir Hintergrundwissen zu Murnau und der Filmproduktion.

Die Universum Film GmbH präsentiert „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“ auf DVD und Blu Ray-Disc ™. Das Rezensionsexemplar wurde von der Universum Film GmbH zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Originaltitel: Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens
Land / Jahr: Deutschland/ 1922
Genre: Horror, Klassik, Stummfilm
Darsteller: Max Schreck: Graf Orlok (Nosferatu); Gustav von Wangenheim: Thomas Hutter; Greta Schröder: Ellen, Hutters Frau; Alexander Granach: Knock, ein Häusermakler; Georg H. Schnell: Harding, ein Reeder; John Gottowt: Prof. Bulwer, ein Paracelsianer; Gustav Botz: Dr. Sievers, der Stadtarzt; Max Nemetz: Kapitän der Empusa; Ruth Landshoff: Annie, Hardings Schwester; Wolfgang Heinz: Maat der Empusa; Albert Venohr: ein Matrose der Empusa u.a.
Regie: Friedrich Wilhelm Murnau
Drehbuch: Henrik Galeen nach Motiven des Romans Dracula von Bram Stoker
Produktion: Enrico Dieckmann, Albin Grau für Prana-Film
Kamera: Fritz Arno Wagner, Günther Krampf
Schnitt:
Musik: Hans Erdmann

Blu Ray-Disc ™
Laufzeit: ca. 95 Min. + Bonus
Bildformat: 4:3 – 1.33:1
Tonformat: DTS-HD 5.1 (Musik)
Sprache(n): Stummfilm
Untertitel: Deutsch
Bonus: 20-seitiges Booklet mit ausführlichen Hintergrundinformationen; Werbematerialie, Texte von Albin Grau (ROM-Teil); Nosferatu, 8mm-Fassung mit Musik von Lucía Martínez;, Dokumentation „Die Sprache der Schatten. Friedrich Wilhelm Murnau und seine Filme: Die frühen Jahre und Nosferatu“
FSK: 12