One Chance – Einmal im Leben: Pavarottis Irrtum

oc_coverVom schüchternen Außenseiter zum Tenor der Herzen: Als Paul Potts die Bühne der britischen Erfolgsshow „Britain’s Got Talent“ betrat, hätte wohl niemand – und am allerwenigsten er selbst – geglaubt, was passieren würde. Seine Stimme erklingt und die Welt hört zu!
Paul Potts hat einen großen Traum: Er will Opernsänger werden! Ein ungewöhnlicher Wunsch für einen Handyverkäufer und dazu für einen linkischen, schüchternen und leicht übergewichtigen Mann, der noch zuhause wohnt. Aber dieser Paul Potts ist kein Handyverkäufer wie jeder andere: Denn er hat eine Stimme wie kein anderer – außerdem hat er den unbeugsamen Willen, seinen Traum wahr zu machen, so sehr ihn das Schicksal auch beutelt. Und er hat Freunde, die ihm Mut machen, vor allem seine Frau Julz und sein Kumpel Braddon. Auch wenn ihm kein geringerer als Luciano Pavarotti die Eignung zum Opernsänger abgesprochen hat, will Paul Potts es noch einmal wissen – und bewirbt sich bei der Talentshow, die sein Leben völlig verändern wird …

Film-Blog.tv meint:
Wie viele von uns kannten vor 2007 eigentlich „Nessun dorma“ aus Puccinis Turandot? Seit dem Auftritt des Tenors Paul Potts bei „Britain’s Got Talent“ sind es viele. Der Gänsehautmoment verankerte die Arie im kollektiven Gedächtnis. YouToube verzeichnet aktuell rund 130 Millionen Aufrufe dieses Clips, nicht zuletzt durch einen Werbespot der Deutschen Telekom angetrieben, der 2008 den legendären Auftritt emotional aufgreift. Regisseur David Frankel („Der Teufel trägt Prada“) bringt uns den Menschen hinter dem Phänomen Paul Potts nah. Sehr nah: die gewaltige Stimme des Mannes aus Wales, toll dargestellt von James Corden, wird von seiner sympathischen Art noch übertroffen. Dies transportiert das Biopic aus 2013 authentisch. Der nicht immer leichte Lebensweg ist filmreif; „One Chance“ zeichnet ihn sehenswert und in gelungenem Tempo nach. Produziert hat den Film übrigens Simon Cowell, der Mann (auch) hinter „Britain’s Got Talent“. Simon hat einfach ein Gespür für Stimmen und Stories.

Den Beitrag verfasste unser Autor Peter Schrandt.

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Wohl jeder hat Paul Potts und seinen spektakulären Auftritt bei „Britain’s Got Talent“ gesehen. Der Tenor aus Wales berührte mit seiner Interpretation von „Nessun dorma“ aus Turandot Menschen in der ganzen Welt. „One Chance“ gibt dem Menschen Paul Potts ein Gesicht. Und was für eins! Regisseur David Frankel zeigt uns einen bemerkenswert sympathischen Menschen, der einige Hürden zu meistern hatte, bevor er zu Ehren der Queen of England singen konnte. Und danach sogar für Olli Kahn.

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Der Schüler Paul liebt die Oper und er weiß schon früh, dass der Gesang sein Leben ist. Bei seinen Mitschülern wird er mit dieser Vorliebe zum Außenseiter. Paul wird drangsaliert und angegriffen. Ein erster Wendepunkt stellt sich bei einem regionalen Kleinkunstwettbewerb ein: Mit seinem Gesang bringt er das kritische Publikum in lärmender Feierlaune zum erstaunten Innehalten, dann zu begeistertem Jubel. Dank seines liebenswert-chaotischen Chefs im Telefonladen lernt der schüchterne junge Mann Julie-Ann, genannt Julz, kennen.

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Sein musikalisches Talent führt ihn zur Gesangsausbildung nach Venedig. Er lernt dort auch, seine Hemmungen im Vortrag zu überwinden. Als größtes Talent unter den Schülern darf er vor Luciano Pavarotti vorsingen. Dabei wird er nervös, seine Stimme ist unsicher. Pavarotti sagt Paul, dass er bei dessen Nervosität noch keinen Opernsänger in ihm sieht, dass vielleicht auch nie einer aus ihm werden wird. Denn ein Opernsänger müsse die Herzen der Zuhörer gewinnen.

Paul kehrt zurück nach Wales und beginnt eine Arbeit in der Schwerindustrie, zu der er keinen Zugang findet. Die Nachrichten von Julz ignoriert er in seiner Verzweiflung. Als sie ihn deshalb verlassen will, ist es erneut seine Singstimme, die sein Leben beeinfluust und sie überzeugt zu bleiben. Paul und Julz heiraten, er beginnt erneut zu singen.

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Nach einer Appendixoperation rät ihm der Operateur dringend davon ab, seine Rolle in Aida am folgenden Abend wahrzunehmen. Doch Paul ist determiniert und will die anderen Künstler nicht im Stich lassen. Er kollabiert auf der Bühne.

Eine Folge von weiteren Schicksalsschlägen ereilt Paul: Ein gutartiger Tumor, der vorübergehende Verlust seiner Stimme, ein schwerer Autounfall mit multiplen Verletzungen. Trotzdem er nach Monaten der Erwerbsunfähigkeit die Leitung des kleinen Telefonladens übernehmen kann, plagen ihn und Julz massive Geldsorgen. Zu lange dauerte die Krankheit.

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Ein Werbe-Popup im Internet macht ihn auf „Britain’s Got Talent“ aufmerksam. Dem Gewinner der Show winken 100.000 Pfund, das wäre das Ende der Geldsorgen für Paul und Julz. Paul zögert, denn Pavarottis Urteil ist ihm noch bewusst. Doch seine Frau bekräftigt ihn. Der Rest ist eine mediale Legende…

Der Produzent Somon Cowell ist ein Mediengenie. Er lässt den Film, nach Potts Debütalbum benannt, im richtigen Moment ausklingen, der weltberühmte Auftritt ist bereits fast das Filmende. Die beginnende Karriere wird aussagekräftig angedeutet, mit den angenehmen Änderungen im Leben Pauls und dem Auftritt vor der Queen.

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Der Cast zeigt eine hohe Leistung, man nimmt den Darstellern ihre Rollen sofort ab. Colm Meaney als Pauls Vater kennen wir bereits aus Alan Parkers „The Commitments“ von 1991. Auch dort spielte er den Vater eines musikbegeistern Mannes aus dem Vereinigten Königreich. In beiden Filmen verleiht er dem Charakter Originalität.

Das Setting ist realistisch und scheut sich nicht, den früheren tatsächlichen Arbeitgeber Paul Potts, die Ladenkette „The Carphone Warehouse“, zu zeigen. Das selbe gilt für die Drogeriekette Boots, in der Julz angestellt ist. Der Wales-Akzent in der Originalfassung ist nicht immer leicht zu verstehen; Paul versteht man hingegend durchgehend gut. Aber auch die anderen Schauspieler machen dem deutschen Zuhörer das Verstehen nicht unmöglich, denn zum Glück sprechen sie Englisch mit Akzent und kein Walisisch.

Gespannt war ich auf die Darstellung des Auftritts in der Talentshow. Hier zeigt „One Chance“ das authentische Material. Nur dort, wo Paul zu sehen ist, werden die Szenen mit James Corden gezeigt, so dass es keinen Bruch in der Person Potts/Corden gibt.

Nach seinem legendären Einsatz sagt Jurymitglied Amanda Holden: “I think that we have a little lump of coal here who’s gonna turn into a diamond”. Der Vergleich mit einem „Klumpen Kohle“, den die britische Aktrice hier anbringt, ist mir zu despektierlich. Mit ihrer Prognose behielt sie jedoch recht: Paul Potts ist mit seiner eigenen Art ein Diamant für Seele und Ohr. Und genau das transpotiert „One Chance“ charmant und unterhaltsam.

Das Bonusmaterial bringt einen Trailer in englischer und deutscher Sprache sowie ein Featurette. In diesem Beitrag, der nur wenige Minuten lang ist, erinnert sich Simon Cowell an sein Erleben der Show mit Paul: „… and I actually thought: this is magic“. Er nennt ihn einen der nettesten Menschen, denen er jemals begegnet ist. Der Künstler hätte den “Likeability factor”.

Das Bild ist warm gezeichnet und unterstreicht das Thema des Films. Der Ton ist klar, die Musik dynamisch und kraftvoll. Untertitel werden optional in Deutsch und in einer deutschen Version für Hörgeschädigte angeboten.

Concorde Videopräsentiert „One Chance – Einmal im Leben“ auf Blu-ray Disc™, DVD und als Download.
Das Rezensionsexemplar wurde von Concorde Video zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

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Originaltitel: One Chance
Land / Jahr: GB / 2013
Genre: Biographie, Drama
Darsteller: James Corden: Paul Potts; Mackenzie Crook: Braddon; Julie Walters: Yvonne Potts; Jemima Rooper: Hydrangea; Colm Meaney: Roland Potts; Simon Cowell: er selbst; Alexandra Roach: Julie-Ann Cooper u. a.
Regie: David Frankel
Drehbuch: Justin Zackham
Produktion: Simon Cowell, Michael Menchel, Kris Thykier, Harvey Weinstein, Brad Weston
Kamera: Florian Ballhaus
Schnitt: Wendy Greene Bricmont
Musik: Theodore Shapiro
FSK: 12

Blu-ray Disc™
Laufzeit: ca. 103 Min. + 9 Min. Bonus
Bildformat: 16:9 – 2,40:1
Tonformat: DTS-HD Master Audio 5.1
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Deutsch für Hörgeschädigte
Extras: Trailer in englischer und deutscher Sprache, Featurette mit Simon Cowell