Paulette: Hast Du Haschisch in den Taschen, hast Du immer was zum Naschen!

paulette_coverPaulette ist eine ruppige 80-jährige Dame, die weiß, was sie will, und auch, was sie nicht will. Dass sie ganz allein in einem zwielichtigen Pariser Vorort lebt, kann sie nicht schrecken. Nur ihre allzu schmale Pension bringt Paulette immer wieder auf die Palme. Als ihr eines Abends beim Müllrausbringen ein Päckchen Haschisch in den Schoß fällt, beschließt Paulette, ihrer Geldmisere ein Ende zu machen: Paulette wird Dealerin! Als ehemalige Konditormeisterin bringt sie für diesen Job neben einem ausgeprägten Geschäftssinn und echten Giftzwergqualitäten auch grandiose Backkünste und hilfreiche Freundinnen vom Nachmittagstee mit – Vorteile, die ihrer Lederjacken tragenden Konkurrenz im Viertel eindeutig abgehen.

Film-Blog.tv meint:
Wie so oft, muss man sich nur ein paar Meter von den ausgetretenen Pfaden der Filmindustrie weg bewegen um kleine Pretiosen zu finden, die sonst im Hollywood-Mainstream untergehen. Vor allem aus Frankreich kommen immer wieder Filme, die überraschend sehr erfolgreich sind. „Ziemlich beste Freunde“ ist dafür ein bekanntes Beispiel. „Paulette“ gehört auch in diese Liga. Eine wirklich göttliche Komödie mit Herz und Niveau, die man gesehen haben muss!

Paulette ist herrlich politisch unkorrekt. Wer will es ihr verdenken? Einst war sie eine mit preisgekrönten Torten erfolgreich und führte, zusammen mit Ihrem Mann Francis ein sehr gut gehendes Café. Doch dann wurde Francis sein bester Gast, sie mussten die Konditorei aufgeben. Zum allem Überfluss verstarb Francis ausgerechnet am 11. September 2001. Dort, wo einst ihr Café war, ist heute ein japanisches Restaurant. Ihre Tochter hat Ousmane, einen dunkelhäutigen Polizisten geheiratet und sie lebt in einer runtergekommenen Wohnung am Stadtrand. Dort, wo es nur so von dubiosen Gestalten wimmelt. Ihre Nahrungsmittel sucht sie sich aus Mülltonnen und aus dem, was am Wochenmarkt weggeworfen wird. Nicht einmal diese Miete kann sich von ihren 600 Euro im Monat mehr leisten, der Gerichtsvollzieher kommt und tut seine Pflicht.

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Natürlich sind daran nur die Ausländer schuld. Verbittert und voll Hass blickt sie auf alles, was ihr fremdartig erscheint. Auf die Frage ihres kleinen Enkels Léo: „Oma, warum magst Du mich nicht?“ antwortet sie nur trocken: „Weil Du schwarz bist.“

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So kann es natürlich nicht weiter gehen. Der Zufall spielt Ihr bei einer Razzia ein Päckchen Haschisch in die Hände. Sie geht damit zu Vito, dem Drogenboss des Viertels. Obwohl zunächst nicht grade begeistert, gibt er Paulette ein paar Gramm Cannabis zum Dealen.

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Wieder Erwarten hat sie damit sogar Erfolg. Vor allem die weißen Franzosen kaufen ihren Stoff lieber bei einer älteren Dame als bei halbwüchsigen Arabern. Das passt diesen natürlich nicht. Sie machen Paulette schnell klar, dass sie diese Konkurrenz in ihrem Revier nicht dulden. Paulette ändert darauf hin ihr Konzept und bäckt eine wunderbare Kollektion der leckersten Konditoreierzeugnisse. Natürlich „schön gewürzt“ mit den feinsten Zutaten …

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Der Handel mit den Haschplätzchen schlägt ein wie eine Bombe. Ihre Freundinnen engagiert Paulette als Hilfen in der Backstube, die Dealer-Konkurrenz von einst wird für den Straßenverkauf eingespannt. Paulettes Wohnzimmer wird zum adretten Verkaufsraum umfunktioniert, die Käufer stehen Schlange.

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Davon bekommt natürlich auch der große Drogenboss, ein zwielichtiger Russe mit Leibwächtern und Stretch-Limousine Wind. Er möchte die „Schokoplätzchen“ auf dem Schulhof an Kinder verkaufen – aber da macht Paulette nicht mit …

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Um es kurz zu machen: „Paulette“ ist ganz großes Kino. Der Film lebt von Situationskomik und Wortwitz, der sehr gut ins Deutsche transferiert wurde. Leider wird es keine Fortsetzung geben: Bernadette Lafont, die Darstellerin der Paulette, verstarb kurz nach der Kinopremiere.

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Bild und Ton der Blu-ray sind, auch bei Großprojektion, auf aktuellem Stand. Die Farben sind stimmig, der Kontrast und die Schwarzwerte geben ebenso wenig Anlass zur Klage wie der satte Klang. Bässe, Mitten und Höhen kommen ausgewogen aus dem Surroundsystem und vermitteln viel Atmosphäre. Wenn überhaupt, dann gibt lediglich das Menü der Blu-ray Anlass zur Kritik: Die aktivierten Begriffe sind kaum von den inaktiven Schaltflächen zu unterscheiden.

Neue Visionen Medien präsentiert „Paulette“ auf Blu-ray Disc™ und DVD.
Das Rezensionsexemplar wurde von Neue Visionen Medien zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Originaltitel: Paulette
Land / Jahr: Frankreich / 2012
Genre: Komödie
Darsteller: Bernadette Lafont: Paulette; Carmen Maura: Maria; Dominique Lavanant: Lucienne; Françoise Bertin: Renée; André Penvern: Walter; Ismaël Dramé: Léo; Jean-Baptiste Anoumon: Ousmane; Axelle Laffont: Agnès; Paco Boublard: Vito; Pascal Nzonzi: Vater Baptiste; Miglen Mirtchev: Taraz
Regie: Jérôme Enrico
Prozent(en): Ilan Goldman
Drehbuch: Bianca Olsen, Laurie Aubanel, Cyril Rambour, Jérôme Enrico
Kamera: Bruno Privat
Schnitt: Antoine Vareille
Musik: Michel Ochowiak
Premiere: 4. Oktober 2012 auf dem Festa do Cinema Frances in Portugal
Erstveröffentlichung: 22.11.2013 (Home Entertainment)

Blu-ray Disc
Laufzeit: ca. 87 Min.
Bildformat: Full HD 16:9 (1,85:1)
Tonformat und Sprachen: Dolby Digital 5.1 ((Französisch), Dolby Digital 2.0 (Deutsch)
Bonus: Making-of, Deleted Scenes (auch mit Audiokommentar), Audiokommentar mit Jérôme Enrico und Antoine Vareille, Interview mit Bernadette Lafont & Jérôme Enrico
FSK: 12

Webseite zum Film: Paulette