Persepolis: Schwarz-weiß und dennoch sehr differenziert!

persepolis_coverMarjane ist acht Jahre alt, als der Schah aus dem Iran vertrieben wird und die Mullahs die Macht an sich reißen. Fortschritt und Freiheit bleiben auf der Strecke, als im Zuge der Islamischen Revolution Tausende im Gefängnis landen und Frauen gezwungen werden, Kopftücher zu tragen. Doch die rebellische Marjane denkt gar nicht daran, sich dem rigiden Regelwerk zu unterwerfen. Viel lieber entdeckt sie Punk, ABBA und Iron Maiden und macht erste Erfahrungen mit Jungs. Sie ahnt nicht, dass ihr spielerischer Protest gefährlich ist – nicht nur für sie selbst, sondern auch für ihre Familie …

Film-Blog.tv meint:
Die Geschichte von Kindheit und Jugend in Teheran der, zu Beginn achtjährigen, Marjane war den Juroren 2007 zwei Orscar®-Nominierungen wert. In überwiegend schwarz-weiß gehaltenen Grafiken wird aus Sicht einer Heranwachsenden einprägsam gezeigt, wie die intellektuelle Szene im Iran der 80iger und 90iger Jahre ge- und überlebt hat. Man erfährt einiges über die Verflechtungen der westlichen Welt mit dem Iran. Doch in erster Linie geht es um die kleinen Freiheiten und große Schicksale, um menschliches und zwischenmenschliches im diktatorischen „Gottesstaat“. Mal lustig, meist ernst, doch niemals belehrend. In großartigen Grafiken und mit tollem Soundtrack: „Persepolis“ ist einer der wichtigsten Filme der letzten 10 Jahre.

Der Iran hat hierzulande nicht das beste Image. Der Schah, Ajatollah Khomeini, der Krieg gegen den Irak in der Vergangenheit haben bei uns nicht zu hohen Sympathiewerten beigetragen. Ganz zu Schweigen von bornierten Revolutionswächtern, Mahmud Ahmadinedschad und dessen dubiosen Atomprogramm. Dass der Westen an fast allen Konflikten in dieser Region nicht nur seine Finger im Spiel hatte, sondern auch kräftig daran mitverdient hat, fällt da nur allzu gerne unter den Tisch.

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Auch die Zeit als Teenager im bornierten Wien der 80iger und beginnenden 90igern wirft ein nicht immer positives Licht auf die europäische Gesellschaft.

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Doch wie muss es gewesen sein, als Kind während der „Islamischen Revolution“ im Iran aufzuwachsen? Mit der Verfilmung ihrer gleichnamigen Kult-Comic-Reihe öffnet Regisseurin Marjane Satrapi dem westlichen Publikum eine Tür in eine fremde Kultur und teilt darin ihre mitreißende, witzige und bewegende Lebensgeschichte.

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Mit viel Humor und kindlicher Unvoreingenommenheit liefert das Graphic Novel „Persepolis“ von 2007 einen Einblick in die Geschichte des Iran aus Kinderaugen. Der autobiographische schwarz-weiß Zeichentrickfilm handelt von der anfänglichen Hoffnung auf Demokratie und Gerechtigkeit nach der Vertreibung des Schahs bis zur Herrschaft eines totalitären Regimes und deren Auswirkungen auf das Leben einer heranwachsenden jungen Frau.

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Ein wenig schade ist, dass auch die Neuauflage dieses wirklich wichtigen und sehr sehenswerten Films „nur“ auf DVD erhältlich ist. Denn „Persepolis“ kommt natürlich, wie fast jeder Film, vor allem in Großprojektion optimal zur Geltung. Doch ein bisschen kann ich hier Entwarnung geben: Denn die Bild- und Tonqualität ist für eine DVD sehr ordentlich.

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Universum Film GmbH präsentiert „Persepolis“ ab dem 7. März 2014 auf DVD.
Das Rezensionsexemplar wurde von Universum Film GmbH zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

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Originaltitel: Persepolis
Originalsprache: Französisch
Land / Jahr: Frankreich / 2007
Genre: Animation
Sprecher: Nadja Tiller, Zischler, Hanns, Jasmin Tabatabai u.a.
Regie und Drehbuch: Marjane Satrapi, Vincent Paronnaud

DVD
Laufzeit: ca. 91 Min.
Bildformat: 1,85:1 (16:9 anamorph)
Tonformat: DD 5.1
Sprachen: Deutsch, Französisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Making Of, Interview mit Marjane Satrapi, Kinotrailer & Teaser, Unveröffentlichte Szenen kommentiert von Marjane Satrapi, Jasmin Tabatabai bei den Synchronaufnahmen
FSK: 12