Poltergeist: Spuk in der App

poltergeist_coverDer Filmproduzent Sam Raimi und der Regisseur Gil Kenan schaffen mit “Poltergeist” eine moderne Adaption der klassischen Geschichte über eine Familie, deren Haus in der beschaulichen Vorstadt von dunklen Mächten heimgesucht wird. Als die Attacken der furchterregenden Erscheinungen eskalieren und die jüngste Tochter verschwindet, muss Familie Bowen zusammenhalten, um die kleine Madison zu retten, bevor sie für immer verschwindet.

Film-Blog.tv meint:
Es sind große Fußstapfen, in die das 2015er „Poltergeist“-Remake tappst; in die eines Filmes, der zu seiner Zeit Maßstäbe setzte. Es gelingt den Produzenten, dem Klassiker im neuen Gewand durchaus gerecht zu werden und die erzählerische Faszination, die von Spielbergs Geniestreich aus 1982 ausgeht, nicht zu verlieren. Die Zeitlosigkeit des Motivs trägt unverändert, die Erzählung wird hier behutsam um neue Elemente erweitert, die durchaus Spaß´machen. Dazu gehört eine Kamerafahrt mit einer Spielzeugdrohne, mit der wir die bedrohliche Parallelwelt entdecken. Eine Variation des Klassikers in zeitgemäßer Filmtechnik: Warum nicht?

Den Beitrag verfasste unser Autor Peter Schrandt.

Eric und Amy Bowen ziehen um. Nachdem Eric seinen Job bei John Deere verloren hat, muss etwas günstigeres her. Ihre Kinder Griffin und Madison haben Spaß im neuen Haus: Wenn sie den Wandschrank berühren, stehen ihre Haare zu Berge. Das ist lustig! Amüsiert stellt Maddie fest, dass ein Zweig, den sie im Garten in die Erde steckt, jedesmal wieder herausgedrückt wird. Abends verlassen die Eltern das Haus, ihre Teenager-Tochter Kendra passt auf ihre jüngeren Geschwister auf.

Sie bemerkt seltsame Störungen auf dem Display ihres iPhones, und auch Griffin und Madie beobachten seltsame Phänomene: Elektrische Geräte gehen an und aus, und von irgendwo erklingen Geräusche. Auf dem Fernsehbildschirm erscheinen Hände, als würde jemand von innen das Gerät berühren. Maddie sitzt vor dem Bildschirm und nimmt etwas wahr: „They’re here“, stellt sie sachlich fest. Was immer im Haus umgeht, ist gefährlich. Eine Hand durchbricht den Fußboden und greift nach Kendra, Griffin wird von Spielzeugclowns angegriffen, die sich im leerstehenden Haus fanden, und Maddie wird von der unbekannten Präsenz in eine andere Welt gezogen. Als Eric und Amy zurückkehren, finden sie Griffin in der Krone des Baumes im Garten. Die Äste haben den Jungen ergriffen und schleudern ohn hin und her.

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In Panik sucht die Familie nach Maddie und stellt ungläuibig fest, dass ihre Stimme aus dem Fernsehgerät zu kommen scheint. Die Bowens sind hilflos. Die Polizei können sie nicht informieren, denn wer würde ihnen glauben? Man würde gegen sie ermitteln. Eric und Amy suchen Rat bei Dr. Brooke Powell von der parapsychologischen Fakultät. Sie nimmt die Schilderung ernst und beginnt mit ihrem Team eine Untersuchung im Haus der Bowens. Eric glaubt, Maddie zu finden, doch die Erscheinung stellt sich als Manifestation der paranormalen Kraft dar, die das Haus beherrscht. Er durchbricht die Rückwand des Wandschranks, durch die Maddie gezogen wurde, und entdeckt ein Portal zur Parallelwelt. Ein Stuhl, den er in die Öffnung im Wandschrank wirft, wird im Wohnzimmer herausgeschleudert.

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Dr. Powell erkennt, dass es sich um einen Poltergeist handelt; ein Wesen, das Objekte bewegen kann. Die Wissenschaftlerin entschließt sich, den Okkultismus-Spezialisten Carrigan Burke hinzuzuziehen, der seine Geisterjagden im Fernsehen überträgt. Burke geht davon aus, dass Geister unter dem Haus gefangen sind. Es wurde auf einem alten Friedhof erbaut, dessen Grabsteine entfernt wurden, doch die Toten wurden nicht exhumiert und umgebettet. Ihre Seelen sind nun in Unfrieden, und Maggie scheint ein Medium zu sein, das die gefangenen Geister in das Licht führen soll. Er verankert ein Seil in Maddys Zimmer, wirft es in die unbekannte Dimension und fixiert das austretende Ende an der Wand. Entlang dieser Linie durch die Parallelwelt lässt er Griffin seine Spielzeugdrohne mit einer Kamera fliegen. Die Bowens und die Spezialisten entdecken die unheimliche Welt, in der Maddie gefangen ist, bis die Übertragung abbricht, als die Wesen die Kamera zerstören. Da entschließt sich Griffin, seine Schwester zu retten und stürzt sich schneller in das Portal, als es die Erwachsenen verhindern können…

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Gil Kenans Neuinterpretation des Spielberg-Klassikers aus 1982 muss sich nicht verstecken. Sicher: Der Film, der vor mehr als dreißig Jahren Maßstäbe setzte, ist ein Meilenstein. Eine Nacherzählung wird nicht den selben Effekt erzielen wie seine überraschende Vorlage. Dennoch: Kenan gelingt es, mit zeitgemäßer Filmtechnik erneut zu unterhalten.

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Die Bowens werden in diesem Remake des Spielberg-Klassikers wunderbar normal dargestellt; man meint, alle ihre Alltags-Sätze schon einmal gehört zu haben. Das realistische Verhalten der niedlichen jungen Geschwister wirkt vertraut, die Interaktion der Familienmitglieder untereinander ist natürlich. Dadurch gelingt es dem Film ein Identifikationspotential aufzubauen, bis hinein in den „Alltagshorror“, den Vater Bowen im Baumarkt erlebt, als die ersten beiden Kreditkarten überzogen sind und die dritte auf der Kippe steht. Er hat kürzlich seinen Job bei John Deere verloren, und das Einkommen seiner Frau als Autorin ist nicht regelmäßig. Insbesondere im Produktionsland USA ist diese Situation an der Kasse eine sehr alltäglich. Durch diese Normalität schafft Autor David Lindsay-Abaire zugleich eine Fallhöhe, in die der Zuschauer mit der Familie Bowen rauscht, als sie sich hilflos mit Attacken aus einer paranormalen Welt konfrontiert sieht. Dies um so mehr, als der Horror aus allltäglichen Situationen heraus entsteht, die uns vertraut sind; aus nächtlich vor dem Fenster schwingenden Baumwipfeln, aus elektronischen Geräten und solch banalen Dingen wie dem Fußboden. Es ist der Alltag, der den Bowens hier unter den Füßen hinweggezogen wird, und mit ihm die schützende Vertrautheit des Heims.

Dabei baut sich der Horror wie im 33 Jahre alten filmischen Vorbild langsam auf: Über eine Kiste mit Clowns anfangs nur angedeutet, über ein Eichhörnchen zunächst als Fehlalarm und dann konkreter, bis zu einer sich um die Achse drehenden Deckenlampe. Wie das geht, ohne das Stromkabel zu verdrehen, wissen Poltergeister anscheinend. Die unbefangenen Kinder begreifen die statische Elektrizität am Wandschrank und den Ast, der in die Erde gesteckt wieder herausgedrückt wird, zunächst noch als lustiges Spiel, doch auch sie verstehen bald, das etwas bedrohliches im neuen Haus steckt. Die jungen Darsteller Kyle Catlett und Kennedi Clements spielen sehenswert.

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Und wen ruft man um Hilfe, wenn die Tochter verschwunden ist und ihre Stimme aus dem Fernsehgerät tönt? „You can’t call the cops. What are you gonna tell ‚em? They’re gonna blame us.“ Vater Eric Bowens Sorge ist nachvollziehbar, und als Zuschauer erkennen wir mit der Familie die Ausweglosigkeit einer solchen Situation. Dr. Brooke Powells Diagnose „A classic Poltergeist intrusion“ gibt nun auch nicht gerade ein hohes Maß an Zuversicht.

Die Idee des Drehbuchs, eine Kamerafahrt entlang eines Seils durch die paranormale Dimension zu führen, macht Spaß. Der Zuschauer blickt so neugierig in die Welt, die die Filmhandlung bis dahin aus dem Unsichtbaren steuert, sucht mit der Familie Bowen nach Maddie und erkundet die jenseitige Welt. Drohnen und GPS: Die Autoren des Remake können hier auf andere technische Möglichkeiten zurückgreifen als Autor und Produzent Spielberg in seinem Original aus 1982, und sie nutzen sie, um Nuancen zur Kernhandlung zu ergänzen. Neben ihrer Adaption mit Spuk im Flatscreen-TV und iPhone liegt die Horrorstory nun auch in klaren, farblich sehr gut ausbalancierten Bildern und einem räumlichen Mehrkanalton vor, die eine heute technisch machbare Atmosphäre schaffen. Schön gemacht.

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Twentieth Century Fox präsentiert „Poltergeist“ ab 22. Oktober 2015 auf 3D Blu-ray Disc™, Blu-ray Disc™, DVD und als VoD.
Das Rezensionsexemplar wurde von der Twentieth Century Fox zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Originaltitel: Poltergeist
Land / Jahr: USA / 2015
Genre: Horror
Darsteller: Sam Rockwell: Eric Bowen; Rosemarie DeWitt: Amy Bowen; Saxon Sharbino: Kendra Bowen; Kyle Catlett: Griffin Bowen; Kennedi Clements: Madison Bowen; Jared Harris: Carrigan Burke; Jane Adams: Dr. Brooke Powell; Susan Heyward: Sophie; Nicholas Braun: Boyd u. a.
Regie: Gil Kenan
Drehbuch: David Lindsay-Abaire
Produzenten: Nathan Kahane, Roy Lee, Sam Raimi, Robert G. Tapert
Kamera: Javier Aguirresarobe
Schnitt: Jeff Betancourt
Musik: Marc Streitenfeld
FSK: 16

DVD
Laufzeit: ca. 90 Min.+ Bonus
Bildformat:16:9 – 2.40:1
Tonformat: Dolby Digital 5.1
Sprachen: Englisch, Französisch, Deutsch, Italienisch
Untertitel: Englisch, Französisch, Deutsch, Italienisch, Niederländisch
Extras: Alternatives Ende, Galerie, zwei Trailer
Film in Theatrical Version und Extended Version

Webseite zum Film: Poltergeist