Robert Doisneau: „Mit empathischer Linse“

doisneu_coverRobert Doisneau hatte einen besonderen Sinn für die einfachen Freuden des Lebens sowie für die Sorgen und Nöte der Menschen. Er zählt fraglos zu den berühmtesten Vertretern der Photographie humaniste, einer dem Menschen zugewandten Fotografie, die ihre große Zeit in den 1950er-Jahren hatte. Vor allem für seine beseelten Bilder von Paris geliebt, besaß der Fotograf die besondere Gabe, charismatische Charaktere, unterhaltsame Vorkommnisse und kurze Momente des Humors und der Zuneigung mit der Kamera einzufangen. In alltäglichen Begebenheiten machte er Emotionen sichtbar, die das menschliche Leben ausmachen.

Film-Blog.tv meint:
Ich geb’s ja nur ungern zu. Aber Robert Doisneau, der Fotograf mit dem berühmten Auge für alles Menschliche, und dessen Werk ist in den letzten Jahren bei mir etwas in Vergessenheit geraten. Bis dann vor einigen Monaten die – übrigens sehr sehenswerte – Dokumentation „Robert Doisneau – Das Auge von Paris“ im Spätprogramm eines Spartensenders lief. Ich kann nur jedem an Fotografie interessierten dringend raten, sich immer wieder mal ein Buch mit den Aufnahmen von Doisneau, Cartier-Bresson & Co in aller Ruhe anzuschauen. Ich garantiere Euch: Das schult nicht nur das Auge und bringt frische Ideen. Es erzieht vor allem dazu, dass es völlig unwichtig ist, wenn ein Objektiv in den Ecken etwas weicher zeichnet, wenn das Foto ein Meisterwerk ist …

Neben seinen berühmten Hauptwerken finden sich in dieser Retrospektive seines spektakulären Œuvres auch viele weniger bekannte, teilweise bislang unveröffentlichte Aufnahmen. Sie zeigen „ganz normale Handlungen ganz normaler Menschen in ganz normalen Situationen“. Durch die zahlreichen Zitate, die den Bildteil begleiten, entsteht ein Dialog zwischen den Bildern, dem Leser und dem Fotografen – ein Dialog, der von Doisneaus Sensibilität zeugt, von seinem Humor und der Empathie für die Welt, in der er sich bewegte.

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Die über 400 Abbildungen nehmen uns mit auf eine Reise zu den tristen Vorstädten von Doisneaus Jugend, in die Welt der Arbeiter, die er liebte und die für ihn eine ganz eigene Würde hatten, und in die Ateliers vieler bahnbrechender Künstler seiner Zeit, die er in nachdenklichen und kreativen Momenten einfing. Hinzu kommen einige seiner weit weniger bekannten Farbaufnahmen, die uns etwa nach Palm Springs führen oder in die Banlieue von heute und in denen uns ein ganz anderer, kritischerer Robert Doisneau begegnet.

Für diese neue Monografie über das Leben und Werk von Robert Doisneau konnte sein langjähriger Freund, Taschen-Autor Jean Claude Gautrand, auf Doisneaus umfangreiches Bildarchiv zurückgreifen. Das Vorwort stammt von Doisneaus Töchtern Francine Deroudille und Annette Doisneau.

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Jean Claude Gautrand: Robert Doisneau
Hardcover, 25 x 34 cm, 540 Seiten
ISBN 978-3-8365-4714-7
Mehrsprachige Ausgabe: Deutsch, Englisch, Französisch

Der Autor
geb. 1932, gilt in Frankreich als einer der herausragenden Experten in Sachen Fotografie. Seit 1960 ist er als Fotograf aktiv und machte sich auch als Historiker, Journalist und Kritiker mit zahlreichen Veröffentlichungen einen Namen. Für Taschen verfasste er die Bücher Paris mon amour (1999), Robert Doisneau (2003), Brassaï (2004), Willy Ronis (2005) und Paris, Porträt einer Stadt (2011).

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Jean Claude Gautrand: Robert Doisneau

“Jean Claude Gautrand: Robert Doisneau“ erscheint Taschen Verlag GmbH.
Das Rezensionsexemplar wurde vom Taschen Verlag GmbH zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.