Rosie: Lebenslügen und überraschende Wahrheiten

rosie_coverLorenz hat sich als Schriftsteller in Berlin einen Namen gemacht. Als seine Mutter Rosie nach einem Sturz ins Krankenhaus kommt, fährt er in sein Schweizer Heimatdorf.
Zusammen mit seiner ehegestressten Schwester Sophie berät er, wie es mit der Mutter weitergehen soll. Rosie, eine taffe lebenslustige Frau, die kein Blatt vor den Mund nimmt, hat sich wieder aufgerappelt und will partout nicht ins Heim. Mit Verve und Witz kämpft sie um ihre Selbstbestimmung. Dabei lässt sie kein gutes Haar an Sophie und packt zum Staunen ihrer Kinder über die eigene Ehe aus.
Im Eifer des Gefechts entgeht Lorenz dabei fast, wie Mario in sein Leben tritt: ein junger Mann aus dem Dorf, der für Rosie sorgen soll und sich in ihn verliebt hat …

Film-Blog.tv meint:
„Rosie“ ist, von Marcel Gisler als weitgehend autobiografischer Film bezeichnet, ein Statement für eine ganze „Sandwich-Generation“. Menschen zwischen 35 und 50, die einerseits ihr eigenes Leben im Griff haben müssen, oft mit Kindern, und sich um ihre pflegebedürftigen Eltern kümmern müssen. Dabei kommen dann oft Wahrheiten, Empfindungen und geplatzte Lebensträume zum Vorschein, mit denen man längst abgeschlossen hatte.
Wer selbst schon einmal in einer solchen Situation war, wird „Rosie“ kaum als Komödie sehen. Gisler gelingt es jedoch auf meisterhafte Art und Weise, den schwer verdaulichen Seelenstriptease durch einige groteske Situationen so zu entschärfen, dass man bei aller Intimität genau das Maß an Distanz zum Gezeigten behält, das nötig ist.

Die Schweizerin Rosie ist Mitte Siebzig, lebt in Altstätten. Seit ihr Mann vor Jahren gestorben ist, alleine mit ihrer Katze. Der Sohn, Lorenz, hat in Berlin Karriere als Schriftsteller gemacht. Sophie, die Tochter lebt mit Mann und Sohn in St. Gallen. Ein Abend wie viele. Die Katze ist gefüttert, Rosie hat es sich mit einem Glas Wein vor dem Fernseher gemütlich gemacht. Es läuft eine Kultursendung, in der das neue Buch von Lorenz „Schwarzlicht“ vorgestellt wird.

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Ein Moment, der alles ändert: Rosie erleidet einen Schlaganfall. Sie wird erst am darauf folgenden Tag vom Briefträger gefunden, hatte aber Glück. Von den Folgen des leichten Schlags erholt sie sich rasch. Nach der Reha wohnt sie kurzfristig bei Sophie, nicht ohne mit ihrer sarkastischen Art und der Vorliebe für Alkohol deren, eh schon brüchiges Familienleben, weiter zu traktieren.

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Lorenz kommt aus Berlin um eine Zeit lang bei der Mutter zu wohnen. Eigentlich müsste er auf Promotionstour für sein Buch, aber das muss jetzt erst mal verschoben werden. Jetzt müssen Möglichkeiten ausgelotet werden, ob Rosie überhaupt noch in ihrer Wohnung bleiben kann und wenn ja, welche Hilfe notwendig ist. Denn eines ist sicher: In ein Heim möchte die streitbare Dame nun wirklich nicht.

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Hilfe bekommt sie von der Nachbarin Chantal und vom jungen Disc-Jockey Mario. Ob der seine Dienste aus Sympathie zu Rosie bereitwillig zur Verfügung stellt, oder ob seine (nicht nur platonische) Liebe zu Lorenz Grund dafür ist, birgt weiteres Konfliktpotenzial.

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Derweil kommt das gesamte Familienleben der Merans auf den Prüfstand. Sophie hatte immer Probleme mit dem Verhalten der Mutter, der homosexuelle Lorenz kam mit dem Vater, einem erfolgreichen Amateurboxer, nie klar. Jetzt ist es an der Zeit, diese Differenzen aufzuarbeiten. Dass dabei so manche Überraschung ans Tageslicht kommt, verwundert bei der Offenheit der Protagonisten niemanden.

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Marcel Gisler hat einen bemerkenswert offenen, ehrlichen Film geschaffen. Wer schon einmal in der Situation war, sich über die Pflege naher Angehörigen Gedanken zu machen, wird vieles schon mal selbst so oder ähnlich erlebt haben. Persönliche Schwierigkeiten, räumliche Entfernung und Entfremdung der Eltern und Kinder, auch untereinander – auch das wird hier subtil, präzise und schonungslos serviert. Die Schauspieler, allen voran Sibylle Brunner, Fabian Krüger, Judith Hofmann und Sebastian Ledesma gehen in ihren Rollen auf und liefern einen grandiosen Job ab.

Das Bild der DVD ist auch bei Großprojektion sehr gut. Die höhere Auflösung der Blu-ray wird nur in wenigen Szenen (Landschaften, Autobahnfahrten) vermisst. Der Ton des dialoglastigen Films ist stark auf den Center gemischt. Doch bei Musikeinspielungen, die im Film immer wieder die passende Stimmung vermitteln, dürfen auch die Rear kräftig mitmischen.

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good!movies / Kool Filmdistribution präsentiert „Rosie“ ab dem 07. November 2014 auf DVD.
Das Rezensionsexemplar wurde von Kool Filmdistribution zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Rosie
Land / Jahr: Schweiz / 2013
Genre: Drama
Darsteller: Sibylle Brunner: Rosie Meran, Fabian Krüger: Lorenz Meran, Judith Hofmann: Sophie Meran, Sebastian Ledesma: Mario, Louis Krähenbühl: Oberarzt, Anna-Katharina Müller: Chantal u.a.
Regie: Marcel Gisler
Drehbuch: Marcel Gisler, Rudolf Nadler
Produktion: Cobra Film AG, Schweizer Radio und Fernsehen, Susann Rüdlinger
Kamera: Sophie Maintigneux
Schnitt: Bettina Böhler
Musik: Reto Stamm, Felix Bussmann

DVD
Laufzeit: ca. 106 Min. + Bonus
Bildformat: 16:9 (1,77:1)
Tonformat: Dolby Digital 2.0 und 5.1
Sprachen: Deutsch, Schweizerdeutsch
Untertitel: Deutsch
Bonus: Trailer, Wendecover
FSK: 12

Webseite zum Film: Rosie