Saint Amour – Drei gute Jahrgänge: Die Weinreise

saintamour_coverIst das Glas nun halb leer oder halb voll? Diese Frage stellt sich auch für Bruno und seinen Vater Jean. Eigentlich reden sie nicht mehr miteinander. Aber alljährlich fahren sie zur Pariser Landwirtschaftsmesse, bei der Bruno traditionell seine „Weinreise“ unternimmt und sich von Probierstand zu Probierstand trinkt, während Jean hofft, mit seinem Zuchtbullen einen Preis zu gewinnen. Doch diesmal soll alles anders werden. Eine echte Weinreise muss her! Obwohl man die beiden eher voreinander schützen müsste, sitzen sie kurzentschlossen gemeinsam in einem Taxi und fahren nach Saint Amour. In dem malerischen Weinort scheint alles möglich. Vielleicht ja auch, dass Jean und Bruno wieder zueinander finden …

Film-Blog.tv meint:
Vielleicht interpretiere ich ja wirklich nur zu viel rein, in den Film. Und “Saint Amour – Drei gute Jahrgänge” ist nur eine, wenn auch recht geschmacklose, Komödie. Die, ohne richtige Handlung, nur so vor sich hin plätschert. Denn, da bin ich mir ziemlich sicher: Ein wenig zu lang ist der Film schon geworden. Es dauert, bis er Fahrt aufnimmt. Und wird auch dann kein “Rennpferd”. Stellenweise habe ich mich schon ein wenig gelangweilt. Und war vom Humor, der sich in erster Linie unter der Gürtellinie älterer Herren abspielt genervt.
Wenn man das Ganze überstanden hat und sich auf den Film einlässt, ist man überrascht, wie subtil die Themen “Liebe im Alter” einem Witwer, der mit harter körperlicher Arbeit seinen Lebensunterhalt verdienen musste, umgesetzt wird. Auch die Art und Weise, wie Vater und Sohn nach Jahren der Entfremdung wieder zusammenfinden ist zutiefst sehenswert.
Nur: So richtig lachen konnte ich die ganzen 100 Minuten nicht. Weshalb ich “Saint Amour – Drei gute Jahrgänge” als Drama einsortiere.

Ein erfolgreicher Tag auf der Pariser Landwirtschaftsmesse beginnt für Bruno damit, dass er sich einen hinter die Binde kippt. Und noch einen. Und dann noch einen. Wie jedes Jahr ist er mit seinem Vater Jean aus der Provinz angereist. Während Jean optimistisch ist, dass sein Zuchtbulle nach zig Anläufen endlich ausgezeichnet wird, beschließt Bruno, zusammen mit Kumpel Thierry eine virtuelle Tour durch Frankreichs Weinbaugebiete zu unternehmen. Er hat die Schnauze voll von seinem harten Job, den langen Arbeitszeiten, der Tatsache, dass er in seinem Alter immer noch keine Frau gefunden hat. Doch Jean reinen Wein einzuschenken, dass er den elterlichen Hof auf keinen Fall übernehmen möchte, schafft er nicht – sich selbst kräftig einschenken zu lassen, hingegen schon. Denn hier reiht sich praktischerweise eine Probierstube an die nächste, vom Beaujolais über Burgunder bis hin zum Bordeaux lassen sich alle wichtigen Rebsäfte Frankreichs verkosten, ohne dass man auch nur einen Schritt vor die Tür setzen müsste.

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Mit Argwohn beobachtet Jean, wie sein Sohn schon am frühen Vormittag alkoholisiert von Stand zu Stand taumelt. Als Bruno erst eine junge Hostess anpöbelt, dann in Selbstmitleid zerfließt und die Sauftour mit Thierry peinlicherweise damit endet, dass die beiden sich grölend mit ein paar Ferkeln im Stroh herumtollen, muss Jean die Reißleine ziehen. Er beschließt, Bruno spontan auf eine echte Tour de France des Weines mitzunehmen. Kann ja nicht schaden, sich ein bisschen frischen Wind um die Nase wehen zu lassen. Und vielleicht hilft die Auszeit seinem Sohn ja wieder auf die Beine. Höchste Zeit jedenfalls, dass sich ihr nicht ganz leichtes Verhältnis ein wenig entspannt. Gesagt, getan. Jean und Bruno finden einen jungen Taxifahrer, der gewillt ist, sie durch die Gegend zu kutschieren. Doch Mike ist nicht nur ein simpler Chauffeur, sondern entpuppt sich als Casanova mit eigener Agenda, wie die beiden unterwegs schon bald feststellen.

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Von Paris aus geht es zunächst Richtung Süden, erste Etappe: die Gegend um Saint-Amour im Beaujolais. Als das Trio sich nach einer Übernachtungsmöglichkeit umsieht, kommen sie bei einem seltsamen älteren Mann unter, der in seinem Haus Betten vermietet – und deshalb, wie sich herausstellt, mit Frau und Kindern zusammen in einem Zimmer auf dem Boden nächtigt. Die Begegnung mit einer skurril-schüchternen Kellnerin in einem Restaurant endet bei ihr zu Hause. Doch als sie Jean mit auf ihr Zimmer nimmt und die beiden Jüngeren sich sonst etwas ausmalen, macht sie nur ihrem Herzen Luft und erzählt, was sie belastet.

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Auch bei der jungen Kellnerin ist Bruno abgeblitzt. Was, wie Mike ihm erklärt, daran liegt, dass er definitiv die falsche Masche drauf hat, und man bei den Frauen nur landet, wenn man ein paar erprobte Kniffe anwendet. Der 24-jährige Mike, der angeblich Ehefrau und Kinder in Paris hat, nutzt den Zickzackkurs durch die französische Weinprovinz ganz offensichtlich, um sich mit ehemaligen Freundinnen, Affären und sonstigen Verflossenen zu treffen. Wiedersehen, die verflucht ernüchternd ausfallen. Als Mike wieder einmal für eine Weile verschwindet, ohne zu verraten, was er vorhat nutzt Bruno die Zeit, um die Ratschläge des Taxifahrers auf ihre Alltagstauglichkeit zu überprüfen. Und siehe da, als er zufällig an einer Immobilienagentur vorbei schlendert und seine Blicke die einer attraktiven Maklerin kreuzen, kommt er schneller zum Zug als vermutet. Denn in einer Wohnung, die sie dem scheinbar interessierten Bruno zeigt, fällt sie förmlich über ihn her. Doch der Nachmittag endet ernüchternd, denn damit wollte sie nur ihre lesbische Kollegin eifersüchtig machen.

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Während das Trio weiter nach Süden und schließlich westlich Richtung Bordelais fährt, kommen Jean und Bruno immer besser miteinander klar. Endlich sprechen sie über den Tod von Jeans Frau – der Jean noch immer Nachrichten auf der Mailbox hinterlässt – und Brunos Mutter, der noch nicht lange zurückliegt und beide enorm belastet. Bruno erkennt, dass Alkohol vielleicht doch keine Lösung ist, nachdem er Mike in einem vornehmen Restaurant die zehn Stufen der Trunkenheit erklärt hat. Und ganz allmählich scheint er sich auch mit dem Gedanken anfreunden zu können, Jeans Nachfolge auf dem Bauernhof anzutreten.

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Da übernachtet das Trio in einer idyllischen Hotelanlage mit Baumhäusern, die von einer jungen Frau mit orangefarbenem Haar geführt wird, die nicht nur auf den viel versprechenden Namen Vénus hört, sondern den drei Männern einen so unerwarteten Vorschlag macht, dass sie ihren Trip so schnell nicht wieder vergessen werden …

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Concorde Home Entertainment GmbH präsentiert „Saint Amour – Drei gute Jahrgänge“ ab dem 23. Februar 2017 auf Blu-ray Disc™, DVD und als VoD.
Das Rezensionsexemplar wurde von Concorde Home Entertainment GmbH zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Originaltitel: Saint Amour
Land / Jahr: Frankreich / 2016
Genre: Drama, Komödie
Darsteller: Gérard Depardieu, Benoit Poelvoorde, Vincent Lacoste, Ana Girardot, Gustave Kervern u.a.
Regie: Benoît Delépine, Gustave Kervern
Drehbuch: Benoît Delépine, Gustave Kervern
Produktion: Jean-Pierre Guérin, Benoit Delépine, Gustave Kervern
Kamera: Hugues Poulain
Schnitt: Stéphane Elmadjian
Musik: Sébastien Tellier
FSK: 12

Blu-ray Disc™
Laufzeit: ca. 102 Min. zzgl. 72 Min. Bonus
Bildformat: 1080p High Definition 1,85:1 (16:9)
Tonformat und Sprachen: Dt. DTS-HD Master Audio 5.1, Dt. DD 2.0, Frz. DTS-HD Master Audio 5.1
Untertitel: Dt. und Dt. für Hörgeschädigte (ausblendbar)
Extras: Interview mit den Regisseuren Benoît Delépine und Gustave Kervern, Making-of und Filmografien von Benoît Delépine und Gustave Kervern, Komödianten beim Dreh, Deutscher und Original Kinotrailer, Programmtipps, Wendecover

Webseite zum Film: Saint Amour – Drei gute Jahrgänge