Schmerzensgeld – Wer reich sein will muss leiden: Tu mir weh, ich brauche Geld!

schmerzensgeld_coverAlice und John sind ein glückliches Pärchen – aber total pleite. Das Schicksal spielt den beiden einen magischen Teekessel in die Hände. Dieser produziert immer dann Geld, wenn sie sich Schmerz zufügen. Von jetzt an heißt es: Wer reich sein will, muss leiden – egal ob beim Zahnarzt ohne Narkose oder der Ganzkörperenthaarung. Doch nicht nur die Nachbarn wundern sich über den plötzlichen Wohlstand der beiden, auch andere Leute interessieren sich für den Teekessel und sind bereit, dafür über Leichen zu gehen. Das anfängliche Spiel gerät bald völlig außer Kontrolle…

Film-Blog.tv meint:
Das Glück von Alice und John könnte perfekt sein: sie sind jung, gesund und verliebt. Wenn nicht das leidige Geld wäre, denn Alice findet keinen Job und John verliert seinen. Als sie einen magischen Teekessel finden, der bei Schmerzen Bargeld ausspuckt, scheinen alle Probleme auf einen Schlag (ein Wortwitz!) gelöst. Doch schon bald zeigt sich, dass das magische Objekt sehr großes Unheil in sich birgt. Mit „Schmerzensgeld“ gelingt Ramaa Mosley eine schöne Komödie, die in ihrer Gesamtheit einen unterhaltsamen Abend bietet. Trotz leichter Holperstellen ist der Plot insgesamt rund, die Grundidee trägt, und einen kleinen Schuss Ethik liefert die zweite Hälfte der 2012er Produktion sogar noch mit. Die muss und soll aber nicht im Vordergrund stehen. Dies tun hingegen Juno Temple und Michael Angarano mit einem lockeren Spiel, das ihre beiden Charaktere symapthisch und glaubhaft porträtiert. „Schmerzensgeld“ bietet kein Gagfeuerwerk, hält den humorvollen Bogen aber fast konstant gespannt.

Den Beitrag verfasste unser Autor Peter Schrandt.

Sie kneifen sich, sie halten ihre Hände über die laufenden Brenner des Gasherds, sie lassen sich „brasilianisch“ per Wachsstreifen enthaaren und den Zahnarzt ohne Betäubung bohren. Sie ohrfeigen sich, rammen sich das Knie dorthin, wo es besonders wehtut und schlagen sich. Warum tut das junge sympathische Paar Alice und John all dies? Weil sie Pleite und ohne Job sind, und weil ihr magischer Teekessel für die Malträtierung knapp 200.000$ Bargeld ausspuckt.

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„Alright! Let’s sell some TV warranties!“. John versucht, sich in seinem Cubicle, der abgeteilten kleinen Zelle im Großraumbüro, zu motivieren. Doch das funktioniert nicht. Seine Frau Alice kommt mit ihren Vorstellungsgesprächen auch nicht weiter, trotzdem sie 40.000$ für ihr Geschichtsstudium ausgegeben hat und sich für qualifiziert hält; doch ihr Bachelor-Grad reicht auf dem Arbeitsmarkt nicht. Und so muss der Scheck für die Miete wieder einmal vordatiert werden. In einem Antiquitätenladen findet Alice hinter verschlossenen Türen einen kupfernen Teekessel. Sie stiehlt ihn, weil sie die Antiquität so hübsch findet. Als sie sich mit ihrem Lockenstab verbrennt, spuckt der Teekessel überraschend Geld aus. Sie wiederholt das Missgeschick nun bewusst und findet 700$ im Zauberpott. Und als sie die Faust an den Küchenschrnk schlägt, fliegen die Geldscheine geradezu aus dem magischen Kessel heraus. Das passt gut, denn inzwischen hat John auch noch seinen perspektivlosen Job verloren, und das junge Paar hat diesen unerwarteten Geldsegen bitter nötig.

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Die beiden erprügeln sich fast 200.000$, doch sie sind nicht die einzigen, die um die besonderen Fähigkeiten ihrer Geldquelle wissen. Zwei orthodoxe Juden besuchen das Paar, sie stellen sich als die Enkel der Eigentümerin vor. 2.000 Jahre sei der Kessel alt, und ihre Großmutter habe ihn durch den Holocaust gebracht. Sie wollen den Kessel zurück. Als sie John zusammenschlagen, spuckt der versteckte Kessel eine große Menge Bargeld aus, mit dem Alice die Eindringlinge ablenken kann. Und ein weiterer Fremder möchte das Stück an sich nehmen: Dr. Li Ling von der theosophische Gesellschaft warnt sie vor der hohen Gefahr des antiken Objektes. Doch die beiden halten an ihrer Geldquelle gegen alle Widerstände fest.

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Als der Kessel beim Unfall eines Skateboarders Geld ausspuckt, verstehen die beiden, das auch fremde Schmerzen eine Geldquelle sind. Der Boxring und die Entbindungsstation werden nun beliebte Ausflugsorte, die riesige Geldmengen einbringen, ohne dass Alice und John ein Haar gekrümmt wird.

Doch diese Eigenschaft verändert vor allem Alice. Sie will einen Obdachlosen überfahren, um aus dessen Schaden Gewinn zu ziehen, John kann sie im letzten Moment abhalten. Als klar wird, dass auch verbale Verletzungen Geld in den Kesselbringen, konfrontieren die beiden sich gegenseitig und gemeinsam ihre Mitmenschen mit unangenehmen Wahrheiten über Betrügereien und Lügen. Je mehr emotionales Leid, desto mehr Geld — das ist die Formel des Teekessels.

Als sich Alice‘ Charakter zunehmend verändert und Mord als ultimative Maßnahme zum Reichtum näher rückt, will John den Spuk beenden. Doch es ist zu spät, Menschen sterben. Und die Macht des Teekessels wächst…

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„Schmerzensgeld“ ist niedlich gemacht. Juno Temple und Michael Angarano spielen das verliebte junge Paar authentisch und legen Sympathie in ihre Charaktere. An wenigen Stellen trägt die Produktion dick auf, etwa als Alice den magischen Teekessel findet: die Scheinwerfer strahlen sie an und der Ventilator lässt ihre Haare wehen. Im wesentlichen verfolgt die Kamera aber einen erzählenden Stil. Hier und da ist der Plot etwas holprig. Alice erkennt Ursache und Wirkung ein wenig zu schnell, als der wundersame Kessel zum ersten Mal Bargeld herausrückt. Die öffentliche Bibliothek weiß mehr über das magische als die Eigentümerfamilie nach Jahrzehnten. Hier hätten die Autoren ein wenig realitäsnäher schreiben können. Dennoch ist die Geschichte insgesamt rund und wird konstant unterhaltsam vorgetragen. Unter der Beziehung materiellen Wohlstands zum Leid in der zweiten Filmhälfte verbergen sich tiefere Überlegungen, die die Erzählung nicht entwickelt. Dass muss sie als Komödie auch keineswegs. Es tut der Produktion allerdings gut, sich nicht allein auf Slapstick zu beschränken.

Die Übersetzer haben für den deutschen Vertrieb einen sehr schönen doppeldeutigen Alternativtitel gefunden, der im Englischen nicht funktionieren würde. Der Originaltitel „The Brass Teapot“ wirkt etwas phantasielos.

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Die technische Qualität ist einwandfrei. Die überwiegend helle Lichtstimmung zeichnet ihre Bilder konturenscharf, dynamisch und satt. Die Soundkulisse ist ausgewogen, die klaren Dialoge sind auch in der englischen Originalversion leicht zu verstehen.

Pandastorm Pictures präsentiert „Schmerzensgeld – Wer reich sein will muss leiden“ ab 5. Mai 2015 auf Blu-ray Disc™, DVD und als VoD im Vertrieb von Ascot Elite.
Das Rezensionsexemplar wurde von Pandastorm Pictures / Ascot Elite zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

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Originaltitel: The Brass Teapot
Land / Jahr: USA / 2012
Genre: Komödie
Darsteller: Juno Temple, Michael Angarano, Alexis Bledel, Alia Shawkat, Bobby Moynihan, Debra Monk, Billy Magnussen, Stephen Park u. a.
Regie: Ramaa Mosley
Drehbuch: Tim Macy, Ramaa Mosley
Produzenten: Darren Goldberg, James Graves, Ramaa Mosley, Kirk Roos, Natalie Simpkins
Kamera: Peter Simonite
Schnitt: Ryan Folsey
Musik: Andrew Hewitt
FSK: 12

Blu-ray Disc™
Laufzeit: ca. 101 Min.+ Bonus
Bildformat: 1,85:1 / 1080p24 / AVC
Tonformat: DTS-HD Master Audio 5.1
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Deleted Scenes, Alternativer Anfang, Originaltrailer, Trailershow

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