Schneewittchen muss sterben: Das doppelte Schneewittchen

schneewittchen_coverEine ruhige Dorfidylle umgeben von den wunderschönen Wäldern des Taunus.
Doch die scheinbar heile Welt kommt ins Wanken, als der aus der Haft entlassene vermeintliche Mädchen-Mörder Tobias Sartorius nach Altenhain zurückkehrt und alte Wunden aufreißt, die die Dorfgemeinschaft bereits verdrängt hat. Als Gregor Lauterbach erhängt im Wald gefunden wird tritt das unkonventionelles Ermittler-Duo Pia Kirchhoff und Kommissar Oliver von Bodenstein auf die Bildfläche. War es Selbstmord? Wurde der ehemalige Deutschlehrer erpresst? Was verheimlichen die Dorfbewohner?
Als ein weiteres Mädchen verschwindet stoßen die Ermittler auf immer mehr Abgründe und dunkle Geheimnisse.

Film-Blog.tv meint:
Nele Neuhaus spielt gerne mit der Wirkung der Vergangenheit auf die Gegenwart. Auch in dieser Folge der Reihe „Taunus-Krimi“ gelingt es gut, die Motive ihres erfolgreichen Romans eine neunzigminütige Krimiverfilmung antreiben zu lassen. Leser des Romans zeigen sich häufig enttäuscht von der verkürzenden Adaption; Zuschauer wie ich, die die Romanvorlage (noch) nicht kennen, finden jedoch eine in sich schlüssige Handlung mit glaubhaften Charakteren und gewohnt hoher Qualität des Schauspiels. Neben dem sehr gelungenen Inhalt überzeigt auch die technische Qualität der Produktion aus 2013.

Den Beitrag verfasste unser Autor Peter Schrandt.

Ein Mord verändert das Leben im beschauliche Dorf Altenhain nachhaltig. Vor acht Jahren wurde die junge Stefanie Schneeberger getötet, nach einer Schulaufführung mit ihr als Schneewittchen in der Hauptrolle. Als Täter wurde Tobias Sartorius verurteilt, der nach sieben Jahren Haft nun in sein Heimatdorf zurückkehrt. Die Mehrzahl der Bewohner begegnet ihm distanziert.

Schon kurz darauf stirbt erneut ein Dorfbewohner: Gregor Lauterbach wird tot an einem Baum hängend aufgefunden. Der Beamte aus dem Kultusministerium war vor acht Jahren Rektor und Regisseur des Theaterstücks, in dessen Folge Stefanie Schneeberger ermordet wurde. Tobias hatte unmittelbar nach seiner Rückkehr Streit mit ihm. War es Suizid oder Mord? Erneut fällt ein Mordverdacht auf den jungen Mann. Die Kriminalisten Oliver von Bodenstein und Pia Kirchhoff von der Kripo Hofheim beginnen zu ermitteln.

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Auch der acht Jahre alte Mord gerät erneut in den Fokus, denn die beiden Ereignisse könnten im Zusammenhang stehen, und der Indizienprozess gegen Tobias stand auf tönernen Füßen. Der junge Tatverdächtige hatte in der Mordnacht große Mengen Alkohol getrunken und keine Erinnerung mehr an die Ereignisse. Er erinnert sich lediglich, dass der nun tote Lauterbach an diesem Abend das spätere Mordopfer bedrängte.

Die junge Amelie Fröhlich interessiert sich für Tobias. Sie zog kürzlich mit ihrem Vater in das Dorf und langweilt sich. Tobias und der acht Jahre alte Mordfall faszinieren sie; die junge Frau beginnt, sich wie Stefanie Schneeberger in ihrer damaligen Schneewittchenrolle zu kleiden und zieht damit die Aufmerksamkeit der Dorfgemeinschaft auf sich. Als sie spurlos verschwindet, führt die Suche nach ihr die Ermittler auf eine Spur, die eine grausige Wahrheit aus der Mordnacht vor acht Jahren zutage bringt…

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Handlungen aus der Feder von Nele Neuhaus spielen gerne mit Auswirkungen der Vergangenheit auf die Gegenwart. Dies beherrscht die Autorin gut, und dieser Aufbau fließt auch in die erste Verfilmung basierend auf der Serie „Taunus-Krimi“ aus 2013 ein.

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Die Darsteller spielen glaubhaft und füllen die neunzig Minuten durchgehend unterhaltsam. Nicht nur die Kamera von Johann Feindt, auch das Drehbuch von Henriette Piper nach Nele Neuhaus-Motiven bringt schöne Bögen ein. Der Filmcharakter Thiess Terlinden litt in der Kindheit an einer Hirnhautentzündung, die den jungen Mann mental auf dem Niveau eines Kindes sein lässt, prädestiniert für eine märchenhafte Welt. In „Schneewittchen muss sterben“ darf seine Figur mit der Faszination für Märchen eine wesentliche Rolle für das Finden der Wahrheit spielen.,Schön gespielt von Florian Bartholomäi, der in einer Doppelrolle auch Thiess‘ Zwillingsbruder Lars verkörpert. Die Auflösung wird dem Zuschauer am Ende auf einem Silbertablett serviert und verknüpft offene Fäden aus der Vergangenheit und Gegenwart.

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Nicht nur die Ereignisse in Altenhain werden durch die ausstrahlende Vergangenheit beeinflusst. Auch Kommissarin Pia Kirchhoff nimmt die Wirkungen eines jahrealten, tiefen Traumas mit in die Gegenwart, wie „Schneewittchen muss sterben“ offenbart.

Das Bild ist in allen Stimmungen fantastisch, der Ton in Dolby Digital 2.0 klar und sehr gut ausbalanciert.

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Studio Hamburg Enterprises präsentiert „Schneewittchen muss sterben“ als DVD. Das Rezensionsexemplar wurde von Studio Hamburg Enterprises zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Schneewittchen muss sterben
Land / Jahr: Deutschland / 2013
Genre: Krimi
Darsteller: Tim Bergmann: Oliver von Bodenstein, Felicitas Woll: Pia Kirchhoff, Vladimir Burlakov: Tobias Sartorius, Julian Weigend: Henning Kirchhoff, Michael Schenk: Kai Ostermann, Julius Römer: Lorenz, Sina Fredrich: Rosalie, Florian Bartholomäi: Thiess Terlinden / Lars, Ulrike Kriener: Christine Terlinden, Sarah Horváth: Amelie Fröhlich, Anna Unterberger: Nadja Bredow, Hartmut Volle: Gregor Lauterbach, Andreas Grusinski: Frank Pietsch, Gloria Endres de Oliveira: Stefanie Schneeberger, Moritz Pliquet: Jörg Kaufmann, Michael Benthin: Schneeberger, Folker Banik: Dr. Horstmann, Arno Kempf: Amelies Vater, Andreas Konzack: Gemeindepfarrer u. a.
Regie: Manfred Stelzer
Drehbuch: Henriette Piper
Produzenten: Daniel Blum, Carsten Kelber
Kamera: Johann Feindt
Schnitt: Bernd Schriever
Musik: Moritz Freise, Biber Gullatz
FSK: 12

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DVD
Laufzeit: ca. 90 Min.+ Bonus
Bildformat:16:9 – 1.77:1
Tonformat:Dolby Digital 2.0
Sprachen:Deutsch
Untertitel: Deutsch
Extras:Trailershow

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