Sebastião Salgado: Kuwait. Eine Wüste in Flammen – Ästhetik einer Katastrophe

salgado_kuwait_cover25 Jahre nach Ende des Zweiten Golfkriegs zeigt diese Neuausgabe von Kuwait: A Desert on Fire 100 von Salgados Fotos – sie erinnern an eine Umweltkatastrophe apokalyptischen Ausmaßes, aber auch an den Mut und die Entschlossenheit der Menschen, die gegen sie gekämpft haben.

Film-Blog.tv meint:
Zum ersten Mal erfuhr ich von Sebastião Salgados Arbeit nach dem ersten Golf-Krieg in Kuwait in der grandiosen Doku von Wim Wenders „Salz der Erde“. Das „Problem“ beim Film ist hinlänglich bekannt: Er ist vergänglich. Und Bilder werden gemacht, um sie sich in Ruhe anzuschauen, sich im Gezeigten „zu verlieren und wieder zu finden“. Zumindest, wenn sie so grandios sind, wie die Meisterwerke von Salgado.
„Ästhetik einer Katastrophe“ habe ich den Beitrag überschrieben. Fakt ist nun mal, dass es bei einem Anlass dieser Tragweite die einfachere Möglichkeit wäre, das Schrecken der Ereignisse mit entsprechend grauenhaften Fotos zu dokumentieren. Mit dem Ergebnis, dass sich kaum ein Betrachter die Bilder länger als unbedingt nötig anschauen würde. Salgados Aufnahmen sind verstörend ästhetisch. Fast schon zu schön, um so grausam wie die Wirklichkeit, die sie darstellen und in die Welt tragen, zu sein…

„Bei aller Brutalität dieses Kampfes müssen wir uns stets vergegenwärtigen, dass sich eine weitere derartige Apokalypse jederzeit wiederholen kann.“
Sebastião Salgado

Im Jahre 1991, als die antiirakische Koalition unter Führung der Vereinigten Staaten begann, die irakischen Streitkräfte aus dem besetzten Kuwait zu vertreiben, setzten Saddam Husseins Truppen Hunderte von Ölquellen in Brand. Diese Quellen bildeten die Ölreserven Kuwaits. Ihr Flächenbrand verursachte eine wirtschaftliche, ökologische und menschliche Katastrophe in dem winzigen Golfstaat.

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Sebastião Salgado reiste während dieser dramatischen Tage nach Kuwait, um die verzweifelten Bemühungen der Löschtrupps zu dokumentieren, die den Kampf gegen dieses Inferno aufgenommen hatten. Die Szenerie war apokalyptisch. In der Gluthitze der Wüste standen fast tausend Ölquellen in Flammen – und das in einem Gelände, das großräumig mit Landminen verseucht war. Dicke schwarze Sand- und Rußwolken waberten über der Region und trugen die Luftverschmutzung bis nach Kaschmir und Ostafrika. Mitte 1991 waren nach damaligen Schätzungen vierzig Millionen Tonnen Rohöl verbrannt und hatten dabei 250.000 Tonnen Stickoxide und 30 Millionen Tonnen Kohlendioxid in die Atmosphäre abgegeben.

Salgados charakteristisch monochromen Bilder geben die ganze Unbarmherzigkeit der Szenen wieder, die er beobachtete: die verheerte Landschaft, die verkohlten Kadaver von Kamelen, das Inferno der Flammen und die den Himmel verfinsternden Rauchwolken, neben denen die ölgetränkten Feuerwehrleute wie Zwerge wirken.

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Seine Aufnahmen aus Kuwait wurden zuerst im Juni 1991 im New York Times Magazine unter der Überschrift “The Eye of the Photojournalist” veröffentlicht und anschließend von zahlreichen europäischen Publikationen – wie dem Spiegel – nachgedruckt. 1992 erhielt Salgado für diese Arbeiten den Oskar Barnack Award der World Press Photo Foundation.

Sebastião Salgado. Kuwait. Eine Wüste in Flammen
Hardcover, 31,8 x 29 cm, 208 Seiten

ISBN 978-3-8365-6125-9
Mehrsprachige Ausgabe: Deutsch, Englisch, Französisch

ISBN 978-3-8365-6126-6
Mehrsprachige Ausgabe: Italienisch, Portugiesisch, Spanisch

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Der Fotograf
Sebastião Salgado begann 1973 seine berufliche Karriere als Fotograf in Paris und arbeitete in der Folge für die Fotoagenturen Sygma, Gamma und Magnum Photos. Im Jahr 1994 gründete er gemeinsam mit seiner Frau Lélia die Agentur Amazonas images, die sein Werk exklusiv vertritt. Salgados fotografische Projekte wurden in zahlreichen Ausstellungen und Büchern gezeigt, darunter Other Americas (1986), Sahel, L’Homme en détresse (1986), Arbeiter (1993), Terra (1997), Migranten (2000), Kinder der Migration (2000), Africa (2007) und Genesis (2013).

Die Herausgeberin und Autorin
Lélia Wanick Salgado studierte Architektur und Stadtplanung in Paris. Ihr Interesse für die Fotografie entdeckte sie 1970. Seit den 1980er-Jahren konzipierte und gestaltete sie die Mehrzahl der Fotobände über Sebastião Salgado und organisierte alle Ausstellungen zu seinem Werk, darunter Genesis. Seit 1994 ist Lélia Wanick Salgado Geschäftsführerin von Amazonas images.

Sebastião Salgado. Kuwait. Eine Wüste in Flammen

“Sebastião Salgado. Kuwait. Eine Wüste in Flammen“ erscheint beim Taschen Verlag GmbH.
Das Rezensionsexemplar wurde vom Taschen Verlag GmbH zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.