Secret Diary of a Callgirl – Seasons 1 + 2: Die Schöne des Tages

callgirl_coverHannah Baxter arbeitet unter dem Pseudonym „Belle de Jour“ als Edelprostituierte in London. Sie hat Spaß an Ihrem Beruf, Spaß am Sex und genießt das Luxusleben, welches ihre gutbetuchten Kunden ihr ermöglichen. Hannah glaubt, die wesentliche Fähigkeit eines Callgirls bestehe darin, herauszufinden, was Männer mögen, um ihnen prompt ihre Wünsche zu erfüllen. Niemand aus ihrem näheren Umfeld weiß, dass Hannah ihr Geld als Prostituierte verdient. Selbst ihr bester Freund Ben glaubt, dass die junge Frau als Sekretärin in einer Anwaltskanzlei arbeitet.
Die Serie basiert auf dem weltweit bekannten Internetblog „Belle de Jour – Diary of a London Call Girl“ und erregte nicht nur wegen seiner pikanten Inhalte, sondern auch aufgrund seiner literarischen Qualität eine große Aufmerksamkeit in der britischen Öffentlichkeit. Belle de Jours wahre Identität war über sechs Jahre lang eines der bestgehüteten Geheimnisse der englischen Literaturszene und führte zu zahlreichen Spekulationen. Das daraus entstandene Buch mit dem Titel „Die intimen Aufzeichnungen eines Londoner Call Girls“ entwickelte sich zu einem Bestseller.

Film-Blog.tv meint:
“The first thing you should know about me is that I am a whore”: Hannah Baxters Aussage trifft zu, beschreibt die Produktion aber nicht vollständig. Keine Frage: die FSK 16-Serie ist alles andere als schüchtern, aber sie stellt dabei die Handlung und den Humor in den Vordergrund. Insbesondere das Spiel von Billie Piper fällt in dieser britischen Serie angenehm auf. Billie verleiht ihrem Charakter Esprit und Wärme, und sie nimmt den Zuschauer mit in ihre exklusive Welt, die eine große Bandbreite an Menschen vorstellt. Dies gilt für ihr „normales“ Privatleben ebenso wie für ihren exotischen Beruf. „Secret Diary of a Callgirl“ ist angenehme Unterhaltung, die sich immer einmal kurzweilig einschieben lässt. Die kurze Laufzeit der Episoden von jeweils 22 Minuten macht dies leicht möglich.

Den Beitrag verfasste unser Autor Peter Schrandt.

“I love London: its rudeness, lack of community, impatience, weather and anonymity. I am High Class, I charge by the hour, and I charge a lot…”. „Secret Diary of a Callgirl“ begleitet Belle in ihrem außergewöhnlichen Job in London. Als Escort bietet sie exklusive Dienstleistungen an und stellt sich flexibel auf die vielfältigen Wünsche ihrer Kunden ein. Sie liebt Sex, sie liebt Luxus, sie liebt Geld – aber keine harte Arbeit. Belle ist ihre eigene Chefin, und sie genießt ihre Selbstständigkeit.

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In ihrem Privatleben ist sie Hannah Baxter und ihre Freunde kenne sie als Sekretärin in einer Kanzlei. Hin und wieder kollidieren ihre beiden Identitäten, nicht selten auf humvorvolle Art. Ihr guter Freund Ben steht ihr mit Wort und Tat zur Seite, wenn sie Unterstützung braucht. In ihrer Rolle als Callgirl ist Agenturchefin Cherie an ihrer Seite. Sie vermittelt Belle Aufträge, ihre ironinischen und zynischen Bemerkungen würzen die Dialoge der Serie.

Der Inhalt basiert auf dem Blog „Diary of a London Call Girl“, der aufgrund seiner Qualität sehr populär wurde und den British Blog-Award erhielt. Das Online-Tagebuch bildet die Basis für das 2005 erschienene Buch „The Intimate Adventures of a London Call Girl“ sowie später die Verfilmung. Dahinter steht angeblich eine britische Spezialistin für Neurotoxokologie und Krebsepidemiologie, früher im Nebenberuf eben – Escort.

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Die jeweils 22-minütigen Epsioden bieten keinen ausreichenden Zeitrahmen um Tiefgang zu entfalten, und das wollen sie auch nicht. Kurzweilige Unterhaltung bringen sie ohne Frage auf den Bildschirm. Dies und eine gute Prise Menschlichkeit in einem Gewerbe, das in der Realität oft kalt und berechnend sein dürfte. Die Einsamkeit wird hierbei nicht verschwiegen, ebensowenig wie das Stigma aus der Gesellschaft. Die Beziehung zu Belles Freund Ben sowie zu Alex, der später in ihr Leben tritt, werden durch ihren realen Beruf und das Versteckspiel nicht leichter. Hin und wieder erzählt sie dem Zuschauer von der Sehnsucht nach einem echten Partner; jemandem, mit dem sie sich austauschen kann. Ihre Agentin schlägt vor, einfach in ihr eine beste Freundin zu sehen. Eine beste Freundin, die 40% des Umsatzes beansprucht und Hannah ihren realen Namen nicht verrät.

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Die Serie fand überwiegend gute Resonanz bei den Kritikern. Das ist nachvollziehbar: die Geschichten sind kurzweilig und humorvoll erzählt, und Billie Piper interpretiert den Charakter der Londoner Edelprostutuierten unterhaltsam und sympathisch. Sie erläutert ihr ungewöhnliches Rollenleben auf dem „Off“ und durchbricht hin und wieder die „vierte Wand“, in dem sie den Zuschauer durch einen direkten Blick in die Kamera anspricht. Dies auch gerne einmal als Dozentin mit Doktorhut, wenn sie uns Regeln für das erfolgreiche Escorting vermittelt, auch einmal aus dem Anbahnungsgespräch heraus oder Tipps mitten aus dem Zentrum ihrer Tätigkeit in engstem Kundenkontakt – wer weiß, wozu’s mal gut ist. Mit dieser Ansprache wird der Betrachter vom voyeuristischen Zuschauer zum Einbezogenen, die anonyme Escort-Lady wird zur menschlichen Vertrauten.

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Humor, Soap, Drama und durchaus ein wenig Knistern: die Serie weiß viele Erzählelemente kurzweilig zu verpacken. Sie verdient durchaus höhere Aufmerksamkeit als sie bisher auf dem deutschen Medienmarkt erzielte.

Die überwiegenden Innenaufnahmen zeigen eine gute Bildqualität, einigen Außendrehs fehlt Schärfe. Das scheint ein beabsichtigtes Stilmittel der Regie zu sein, mit welcher Aussage auch immer. In jedem Fall stört es nicht besonders. Der Klang ist in beiden Sprachversionen klar und differenziert.

Studio Hamburg Enterprises präsentiert „Secret Diary of a Callgirl – Seasons 1 + 2“ auf DVD.
Das Rezensionsexemplar wurde von Studio Hamburg Enterprises zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

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Originaltitel: Secret Diary of a Call Girl
Land / Jahr: Vereinigtes Königreich / 2007
Genre: Comedy, Drama, Erotik
Darsteller: Billie Piper als Hannah/Belle de Jour, Iddo Goldberg als Ben, Cherie Lunghi als Stephanie, Callum Blue als Alex, Ashley Madekwe als Bambi, Joanna Bobin als Jackie u.a.
Regie: Yann Demange, Susan Tully, Peter Lydon, Fraser Macdonald, Owen Harris
Drehbuch: Lucy Prebble
Produktion: Greg Brenman, Avril MacRory, Michael Foster, Billie Piper
Musik: Amy Winehouse – Titellied “You Know I’m No Good”

DVD
Laufzeit: ca. 350 Min. + Bonus
Bildformat: 16:9 – 1.77:1
Tonformat: Dolby Digital 2.0 Stereo
Sprachen: Deutsch, Englisch
Bonus: Webisodes, 16-seitiges Booklet mit Texten von Heike Hildenhagen und ausführlichem Episodenguide
FSK: 16