Shaun das Schaf – Der Film: Mähhhhhhh!

shaun_coverShaun treibt mal wieder gehörigen Unfug, woraufhin es den Bauern ungewollt in die Großstadt verschlägt. Sofort machen sich Shaun und die Schafherde zusammen mit Hund Bitzer auf den Weg, um den Bauern zu retten. Und damit sind die Weichen für ein heldenhaftes Abenteuer gestellt… Eine Geschichte darüber, dass wir manchmal das Wichtigste im Leben vergessen: die Dinge, die wir haben, und die Menschen, die uns lieben, zu schätzen.

Film-Blog.tv meint:
Shaun das Schaf auf großer Leinwand. In Spielfilmlänge. Ob das gut geht. Määh!! Na klar, und wie. Das Ganze hat was von Stummfilm, kein einziger Dialog wird gesprochen. Wenn es was zu „sagen“ gibt, erscheint es als Texttafel. Natürlich in die jeweilige Landessprache übersetzt. Auch so kann man synchronisieren. Der Ton beschränkt sich auf Geräusche und einen Soundtrack, der das Ganze präzise „übersetzt“. Und zwar in ALLE Sprachen. Shaun ist halt international. Und macht einfach nur Spaß. Das Tolle dabei: Obwohl jeder weiß, dass die Figuren „nur“ aus Knete sind, fiebert man mit der Herde, hofft auf das Happy-End. Ein Kinderfilm? Ja, auch. Ein Familienfilm? Ja, ganz bestimmt. Ein sehr, sehr schöner. Määähhh!

Was gibt es neues in Shauns Welt?
• Zum ersten Mal bekommt das Publikum Ausschnitte aus den Super-8-Filmen des Bauern zu sehen, die er von Shaun, Bitzer und der Herde gedreht hat, als sie alle noch ganz jung waren.
• Man bekommt einmalige Einblicke in das Leben auf dem Hof
• Es zeigt sich, dass auch Schafe mal Ruhe vor ihren Erziehungsberechtigten brauchen.
• Das Publikum lernt, dass es manchmal gar keine so gute Idee ist, Schäfchen zu zählen, dass ein Wohnwagen ohne Bremsen ziemlich gefährlich sein kann – und dass die große Stadt für Neuankömmlinge vom Land reichlich Gefahren bereithält.
• Man erfährt, wie leicht es ist, hinter Gittern zu landen – und mit welchen phantasievollen Methoden man wieder ausbrechen kann.
• Wir erleben, welche beruflichen Möglichkeiten sich auftun, wenn man lebenslange Erfahrung im Scheren von Schafen hat – und, dass kein Haarschnitt zu absurd ist, um nicht in den sozialen Medien zum viralen Hit zu werden.
• Schließlich stellt sich auch heraus, dass man erst dann richtig zu schätzen lernt, was man hat, wenn es einem abhanden gekommen ist.
• Ach ja, und dann gibt es auch noch Typen im Pferdekostüm – selbstverständlich in einer stummen Rolle.

Über die Produktion
Die ersten Folgen von „Shaun das Schaf“ liefen 2007 im Fernsehen, und schon bald wurde die Serie zu einem Publikumserfolg. Inzwischen sind Kinder – und Erwachsene – in 170 Ländern von Shauns Abenteuern begeistert, und so entschied man sich beim Studio Aardman schließlich, einen abendfüllenden Animationsfilm mit Shaun in der Hauptrolle zu produzieren.

Doch wie sollte man den gewaltigen Sprung schaffen, von einzelnen, siebenminütigen Episoden, die jeweils eine recht einfache, in sich abgeschlossene Geschichte erzählen, zu einer komplexen Story mit zehnmal längerer Laufzeit zu kommen? Was für eine Geschichte sollte erzählt werden? Würde es gelingen, auch ältere Kinder und sogar Erwachsene zu Fans von Shaun zu machen? Und es stand noch ein weiteres Problem im Raum: In den kurzen Episoden der Fernsehserie ließ es sich gut hinbekommen, ganz auf Dialoge zu verzichten – aber würde ein Kinopublikum die Geduld aufbringen, sich einen 80 Minuten langen Film anzuschauen, in dem es kein einziges gesprochenes Wort gibt? Bei Aardman war genau das der Ausgangspunkt für die Überlegungen, die später zu „Shaun das Schaf – Der Film“ führen sollten.
Richard „Golly“ Starzak, einer der beiden Regisseure des Films, erzählt: „Wir hatten zwei Leitsprüche für Shaun: Einer war, „er schwimmt gegen den Strom“, der andere „Für ein Schaf ist er ganz schön clever“. Starzaks Ko-Regisseur Mark Burton, der dem Aardman-Studio seit „Chicken Run“ (2000) als Drehbuchautor verbunden ist, erinnert sich: „Als ich dazu kam, war das Projekt schon so weit gediehen, dass klar war, es würde keinerlei Dialoge geben, und ich sagte mir: „Diese Idee ist vollkommen verrückt – ich muss einfach dabei sein!“

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Starzak gehörte zu denen, die bei Aardman die ursprüngliche Fernsehserie konzipiert hatten. Er schrieb einige Drehbücher und führte bei einer der von ihm geschriebenen Episoden auch Regie. Starzak erzählt: „Ich habe Nick Park vorgeschlagen, Shaun etwas altern zu lassen, so dass er auch noch zehnjährige Kindern anspricht.“ So fertigte Nick Park, der Shaun seinerzeit für eine Nebenrolle in „Unter Schafen“ den Kurzfilm von 1995, für den Park einen Oscar gewann – geschaffen hatte, einige Entwürfe, die einen älteren Shaun zeigten.
Ohnehin hat die Fernsehserie ein breiteres Publikum, als angenommen wird, wie Produzent Paul Kewley anmerkt: „In Ländern wie Großbritannien, wo „Shaun dos Schaf“ im Kinderfernsehen läuft, gibt es eine bestimmte Vorstellung von der Serie, die nicht unbedingt mit dem übereinstimmt, was in den einzelnen Folgen wirklich geschieht. Wir wissen, dass auch sehr viele Erwachsene mit Begeisterung „Shaun das Schaf“ gucken. Wir hatten auch niemals die Absicht, etwas zu erschaffen, das „nur“ für Kinder sein sollte.“

Starzak merkt an: „Es ist schon lustig: Jetzt, nachdem die Serie über acht Jahre in Fernsehen gelaufen ist, gehen manche der Zuschauer der ersten Stunde schon auf die Uni – und sie schauen es sich immer noch an!“
„Man hofft natürlich, dass das Publikum für einen Kinofilm ein größeres Spektrum umfasst“, sagt Burton: „Die Grundidee des Films und sein Humor sind in der Tat eine Spur erwachsener als die Serie.“ Was das Fehlen gesprochener Dialoge betrifft, erzählt Kewley: „Als Golly mir vorschlug, einen Langfilm mit Shaun zu machen, habe ich gedacht, dass er jetzt völlig verrückt geworden ist. Aber dann wurde mir klar, dass wir so etwas tatsächlich auf die Beine stellen könnten. Und das Gute ist: Wenn man keine Dialoge hat, erschließt man ein viel breiteres Publikum. Es spricht Alt und Jung gleichermaßen an.“

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Peter Lord, Mitbegründer von Aardman, sagt: „Die einfache Lösung wäre gewesen, einfach einen Offkommentar zu verwenden. Es war schon eine mutige Entscheidung, komplett auf Dialoge zu verzichten.“ Produzentin Julie Lockhart fügt hinzu: „Wir haben uns schon gefragt, wie lange das Publikum bereit wäre mitzumachen, wenn in einem Film keine gesprochenen Worte vorkommen. Aber als wir die erste Rohfassung des Animatic gesehen haben, die etwa anderthalb Stunden dauerte, waren wir überzeugt, dass es funktionieren wird.“

Doch wie Will Becher, der leitende Animator von „Shaun das Schaf – Der Film“ erzählt, stellte die Abwesenheit von Dialog die Filmemacher vor weitere Herausforderungen: „Für Animatoren ist das, was die Figuren sagen, von größter Wichtigkeit. Das verleiht den Figuren einen Teil ihrer Persönlichkeit, und darauf beruhen auch einige der Entscheidungen, wie man die Figur gestaltet. Aber bei Shaun, dem Bauern und Bitzer gibt es nur das Visuelle. Wir mussten ihre Emotionen und ihre Reaktionen auf das Geschehen ausschließlich über das Äußere zeigen, und das war eine große Herausforderung.“

Für die Modellbauer stellte sich Shaun als besonders schwierig heraus, was an seinen großen Augen lag und daran, dass er im Gegensatz zu den meisten anderen Figuren der Aardman-Produktionen keine Augenbrauen hat. „Mit den Brauen kann man normalerweise sehr viel Emotion ausdrücken, ober er hat nun einmal keine“, sagt Becher: „So haben wir uns darauf verlegt, mehr mit den Armen und Ohren, mit ihrer Haltung und mit ihrer Körpersprache auszudrücken. „Wie allgemein bekannt, ist die für Aardman typische Stop-Motion-Technik ein sehr langwieriger und arbeitsintensiver Herstellungsprozess, der neben einem großen Personalstamm auch unendliche Geduld erfordert – das gewollt langsame Tempo ist sicher der besonders herausstechende Aspekt der Arbeit. Wie Becher sagt, umfasste die Produktion 20 Animatoren und 30 Modellbauer; die gesamte Crew bestand aus 100 Mitarbeitern – was für eine große Kinoproduktion immer noch eine eher bescheidene Anzahl darstellt.

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„Wir schaffen etwa 40 bis 50 Einstellungen pro Woche, was auf zweieinhalb Minuten Laufzeit des fertigen Films hinausläuft. Damit das hinkommt, versucht jeder Animator, täglich zwei bis drei Sekunden Film zu schaffen, und das ist für unsere Verhältnisse schon ziemlich viel! Es hängt immer davon ab, wie viele Figuren in einer bestimmten Einstellung zu sehen sind und was sie machen. Je mehr Knete man zum Modellieren für eine Figur braucht, desto komplizierter wird es.“

Dennoch liefen die Vorbereitungen für „Shaun das Schaf – Der Film“ mit ziemlich rasanter Geschwindigkeit ab. „Die ersten Tests mit den Modellen und der Animation haben wir im November 2013 gemacht und schon im folgenden Januar angefangen zu drehen“, sagt Becher: „Für uns ist das ein sehr schnelles Tempo. Bei „Die Piraten – ein Haufen seltsamer Typen“ hatten wir einen Vorlauf von sechs Monaten. Dass wir jetzt so viel schneller vorangekommen sind, hängt auch mit dem Filmbudget zusammen, aber eben auch damit, dass wir Shaun so gut kennen – während die Welt der Piraten für uns völlig neu war.“

Die beiden Regisseure gaben sich große Mühe, die richtigen Animatoren für den Film zu finden, die sie alle entsprechend ihrer Stärken, ob diese nun bei komischen, actionhaltigen oder dramatischen Szenen lagen, einsetzten. „Alle Animatoren haben ihre Lieblingsfiguren“, sagt Becher: „Ich persönlich mag Bitzer und den Bauern sehr gern, gerade wegen ihrer Beziehung zueinander. An Bitzer gefallen mir besonders seine Gesichtsausdrücke und sein Charakter. Beim Bauern mag ich, dass wir nie ein einziges Wort von dem verstehen, was er sagt, auch wenn wir seine Stimme hören.“

In der Fernsehserie sind Shaun, Bitzer und der Bauer die Hauptfiguren, aber es war allen Beteiligten klar, dass man die Geschichte deutlich ausbauen müsste, um sie für einen abendfüllenden Kinofilm tauglich zu machen.

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Das Team nahm sich zuerst die Schafherde vor. „In der Serie ist keine Zeit, um die Herde im einzelnen vorzustellen“, sagt Lord: „Bis auf den kleinen Timmy, der ja schon seine eigene Fernsehserie hat, und Shirley, die ständig hungrig ist, sind die anderen Schafe eher austauschbare Figuren.“

„Aber jetzt konnten wir die ganze Herde definieren, wir haben ihnen allen Charakterzüge und auch Namen gegeben, und sie haben alle ihren eigenen kleinen Spannungsbogen und Witze, die auf sie abgestimmt sind. Das hat uns sehr viele Möglichkeiten eröffnet.“

„Die ganze Herde verkleidet sich als Menschen, um in der Großstadt zu überleben. Sie sind alle unterschiedlich angezogen, und Timmy wird im wahrsten Sinne des Wortes als Rucksack aufgeschnallt. Wir hatten sehr viel Spaß damit.“

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Die Filmemacher schufen auch einige komplett neue Figuren, allen voran den stämmigen, vierschrötigen Tierfänger Trumper, der den Bösewicht des Films abgibt. „Er ist jemand, der liebend gern Polizist geworden wäre, aber nie die Eingangsprüfung geschafft hat“, sagt Lord: „Und jetzt terrorisiert er eben Tiere, wenn er es schon nicht mit den Menschen machen kann.“ Ein Vorbild für Trumper war die Titelfigur der US-Komödie „Der Kaufhaus-Cop“, in der Kevin James einen übergewichtigen Security-Mann spielt, der eigentlich Polizist werden wollte.

Außerdem spielt erstmals ein Waisenhund namens Slip eine Rolle: Das Hundemädchen Slip lebt in der großen Stadt und sehnt sich so sehr nach neuen Eltern. Shaun dagegen will endlich Ruhe vor den strikten Regeln auf dem Hof haben. Doch so unterschiedlich sie sind: Als Shaun und Slip sich begegnen, beschließen sie gleich, gemeinsame Sache zu machen. „Sie spielt dieselbe Rolle wie das Waisenmädchen in Chaplins Lichter der Großstadt“, sagt Starzak.

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STUDIOCANAL GmbH präsentiert „Shaun das Schaf – Der Film“ ab 27. August 2015 auf Blu-ray Disc™, DVD und als VoD.
Das Rezensionsexemplar wurde von STUDIOCANAL GmbH zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Originaltitel: Shaun the Sheep Movie
Land / Jahr: GB / 2015
Genre: Komödie, Krimi
Darsteller: Shaun das Schaf, Hund Bitzer, Die Herde, Der Bauer und viel Knete
Regie: Richard Starzak, Mark Burton
Drehbuch: Eric Aronson
Romanvorlage: „Nimm das Ding da weg“ von Kyril Bonfiglioli
Produktion: Paul Kewley, Julie Lockhart
Kamera: Charles Copping, Dave Alex Riddett
Schnitt: Sim Evan-Jones
Musik: Ilan Eshkeri
FSK: 0

Blu-ray Disc™
Laufzeit: ca. 85 Min. + Bonus
Bildformat: Full HD 16:9 (1,85:1)
Tonformat: DTS HD Master Audio 5.1
Sprachen: Deutsch
Extras: Making of, Featurettes „Die Figuren“, „Die Macher“, „Hinter den Kulissen“, Trailer, Musiktrailer „Tim Bendzko – Laut & bunt“, „Tom Wheeler – Feels like summer“, Wendecover

Webseite zum Film: Shaun das Schaf – Der Film