SketchUp: Blödheit ist keine Schande

SketchcoverHut ab, Knopf ab, Kopf -Sketchup – wer erinnert sich nicht an die Titelmelodie? Sketchup, das sind kurze, zeitlose Sketche mit perfekten Maskeraden. Ob Großwildjäger, Polizeibeamter, schwerhörige Rentnerin oder Schwachkopf mit dicker Hornbrille – Diether Krebs schlüpfte perfekt in jede Rolle. Seine Sketchpartnerin Beatrice Richter und Iris Berben harmonierten großartig an seiner Seite.

Film-Blog.tv meint:
Beatrice Richter, Iris Berben und Diether Krebs bilden in Sketchup einen ganzen Kosmos an Figuren ab. Die wandlungsfähigen Vollblutschauspieler genießen ihre Rollen in den Zweipersonenstücken ganz offensichtlich. Sketchup war ein Fixpunkt in der TV-Unterhaltung der achtziger Jahre, der fast die Hälfte der Bundesbürger vor den Fernsehgeräten versammelte. Und die Gags funktionieren zeitlos bis heute. Wer die unverbrauchten Anfänge der heutigen Comedy erleben möchte, greift zu dieser Zusammenstellung. Die inhaltliche und schauspielerische Qualität macht die dreißig Jahre alten Episoden sehenswert.

Den Beitrag verfasste unser Autor Peter Schrandt.

Vor wenigen Jahren kritisierte Humoraltmeister Dieter Hallervorden, dass die heute präsenten Komödiantenkollegen eindimensional seien: sie legten sich auf eine bestimmte Rolle fest und variierten diese nicht. Die Darsteller der Erfolgsserie „Sketchup“ aus den achtziger Jahren wird er damit nicht gemeint haben. Frivol, debil, weltmännisch, roh, als Macho und als Vamp, unbeholfen, akademisch: in den Sketchen, die fast immer von nur zwei Personen bedient werden, decken die Schauspieler ein gewaltiges Spektrum ab. Dabei sind sie sich nicht zu schade, extreme Wege zu gehen und sich mit gewaltigen Gebissen oder Riesenbrillen lächerlich zu machen. Durch ihr Spiel ebenso wie durch die Garderobe und Maske meint man, immer wieder neue Personen vor sich zu haben. Zwei Leute, mehr braucht es bei Sketchup in der Regel nicht. In den seltenen Fällen, in denen mehr Personen vor der Kamera stehen, füllen die übrigen Statistenrollen.

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Der Umfang geht von Sketchen über wenige Sekunden, die auf eine einzige Pointe hinarbeiten, bis hin zu mehrminütigen Aufführungen, die kleine Geschichten erzählen. In jeder Variation ist Unterhaltung garantiert.

Das jeweilige Paar vor der Kamera agiert natürlich und perfekt harmonisch miteinander. „Wir haben nie ein Wort darüber verloren, wie wir was spielen wollen. Die Beziehung zu Diether war die intensivste, urknalligste, energetischste meines Lebens“, zitiert Spiegel Online die erste Sketchup-Darstellerin Beatrice Richter. Das spürt man auch 30 Jahre und unzählige TV-Comedies später. Und dies gilt ebenso für ihre Seriennachfolgerin Iris Berben, die gemeinsam mit Diether Krebs die Humorgeschichte im deutschen Fernsehen weiterschrieb.

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Sketchup scheut sich nicht, unter die Gürtellinie zu gehen; vor allem im Spiegel der Entstehungszeit war die Serie mutig. Das Publikum vor dem Fernsehschirm nahm die Direktheit dankbar auf. Und sah auch, wie die Krawatte von Diether Krebs als Polizist sich hebt, als ihm eine aufreizende Frau gegenübersitzt.

Mit Staffel Drei ändert sich nicht nur die Darstellerin zu Iris Berben, auch das Intro wandelt sich. Das Duett Krebs/Richter aus den ersten beiden Staffeln wird durch eine wilde Collage aus Szenen abgelöst, und die Spitzen, die die beiden Schauspieler in den ersten beiden Staffeln vor Publikum zu Beginn und Ende einer jeden Folge austauschten, entfallen nun.

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Die Box umfasst alle vier Staffeln, die mit Diether Krebs in der männlichen Rolle sowie Beatrice Richter und Iris Berben produziert werden. Die Anschlussstaffel mit Johanna Christine Gehlen, Christoph Maria Herbst und Thomas Limpinsel ist nicht enthalten. Es ist durchaus stimmig, die Kollektion auf das „Original“ zu beschränken. Mit mehr als elf Stunden Spielzeit gibt es auch so eine Menge guten Humor für den überschaubaren Preis.

An Bild und Ton darf man nicht die heutigen Maßstäbe anlegen. Für eine TV-Produktion aus den achtziger Jahren ist die technische Qualität durchaus passabel. Der Zustand des Archivmaterials reichte aus, um ein störungsfreies Bild und einen gut verständlichen Ton wiederzugeben.

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Das zwölfseitige Booklet beschreibt auf einer Seite die Serie und listet danach minutiös Episoden mit Titel, Laufzeit und Autor. Einige einspaltige Szenenfotos runden die Dokumentation ab.

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Studio Hamburg Enterprises GmbH präsentiert „Sketchup“ auf DVD. Die Rezensionsexemplare wurde von Studio Hamburg Enterprises GmbH zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Originaltitel: Sketchup
Land / Jahr: Deutschland / 1984–1986
Genre: Comedy
Darsteller: Diether Krebs (1984–1986), Beatrice Richter (1984–1985), Iris Berben (1985–1986)
Regie: Ulrich Stark
Drehbuch: Thomas Brandner, Bernd Friedrich, Detlef Gowitzke u. a.
Produzenten: Christof Schmid, Philipp Pröttel
Kamera: Gottfried Sittl, Hans-Klaus Petsch, Detlev Rittig, Hagen Volkmann
Schnitt: Gabi Schambeck
Ton: Manfred Thust
Musik: Arpad Bondy, Walter Werzowa
FSK: 6

DVD
Laufzeit: ca. 690 Min. + 15 Min. Bonus
Bildformat: 4:3 – 1.33:1
Tonformat: Dolby Digital 2.0 Mono
Sprachen: Deutsch
Extras: 15-minütiger Drehbericht, 12-seitiges Booklet

Webseite zur Serie: SketchUp