Snowpiercer: Es fährt ein Zug nach Nirgendwo

snowpiercer_coverDie Erde in naher Zukunft: Ewiges Eis und Schnee bedecken den einst so grünen Planeten. Kein Leben rührt sich mehr. Nur ein Zug, der einsam durch die verlassene Schneelandschaft fährt, bietet den überlebenden Menschen noch Schutz vor der tödlichen Kälte. Hier haben sie ihre letzte Zuflucht gefunden. Doch die Masse der verbliebenen Menschheit fristet im hinteren Teil des Zuges ein Leben in ewiger Dunkelheit, während vorne die wenigen reichen Passagiere im Luxus schwelgen. Aber die Zeichen stehen auf Veränderung. Eine Revolution steht kurz bevor …

Film-Blog.tv meint:
Gegen die Erderwärmung wurde ein Gas in die Atmosphäre gespritzt, das ganze Arbeit geleistet hat: Fortan bedeckt ein dicker Panzer aus Eis die ganze Welt. Die einzigen Überlebenden reisen in einem, streng hierarchisch, regierten Zug um die Erde.
„Snowpiercer“ ist eine Parabel auf das Überleben: Hinten sitzt das Volk, ernährt von schwabbeligen Protein-Riegeln. Es wird von denen, die vorne sitzen und das Sagen haben, unterdrückt und kontrolliert. Die herrschende Oberschicht in den vorderen Abteilen lebt in Überfluss und Dekadenz. Im Ganzen ergibt das ein System, das uns doch gar nicht so fremd ist…
Hier hat der Film seine klaren Stärken. Die er in, teilweise bedrückenden Bildern, auch klar zum Ausdruck bringt. Zu Kritik geben allerdings einige Logiklöcher berechtigten Anlass.
Mehr dazu weiter unten.

„Snowpiercer“ beruht auf der Graphic Novel „Schneekreuzer“ von Jacques Lob, Benjamin Legrand und Jean-Marc Rochett. Mit einem Budget von 40 Millionen Euro Produktionsbudget liegt er im Mittelfeld. Visuell beeindrucken können vor allem die – leider recht wenigen – Außenszenen des durch die vereiste Landschaft rasenden Zugs. Der Film wurde in Prag gedreht und gilt als die bisher teuerste koreanische Produktion.

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Nachdem die Erde unter einem dicken Eispanzer bedeckt und fast alles Leben erfroren ist, konnten sich wenige Überlebende in einen Zug retten. Dieser rast nun seit vielen Jahren um den Erdball. Die im Zug geborene Generation hat mittlerweile das junge Erwachsenenalter erreicht.

In den hinteren Abteilen ist es dunkel und schmutzig. Dicht gedrängt vegetieren die Passagiere mehr dahin als es ein Leben wäre. Eine Flucht scheint unmöglich: Außerhalb des Zugs ist man in wenigen Minuten erfroren. Der Weg nach vorn, in die luxuriösen Abteile der Reichen Passagiere, verhindern skrupellose und bewaffnete Soldaten. Vereinzelte Aufstände wurden immer wieder im Keim erstickt.

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Aber jetzt ist es wieder einmal so weit: Unter dem charismatigen Anführer Curtis machen sich die Unterdrückten auf den Weg nach vorne. Es ist ein Kampf ums blanke Überleben. Wagon für Wagon fighten sie gegen die „Palastwache“ des allmächtigen Wilford, dem der Zug gehört….

Seine stärksten Szenen hat „Snowpiercer“ ganz am Anfang der Zugreise. Die hinteren Abteile und das Leben in diesen engen Slums werden stimmig und mit viel Atmosphäre dargestellt. Man spürt förmlich die explosive Stimmung. Ein Funke reicht um das Fass zum Überlaufen zu bringen. Beim Weg nach vorne wird es dann immer heller, die Abteile luxuriöser, die Passagiere dekadenter.

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In wie weit sich Bong Joon-ho einen Gefallen damit getan hat, Tilda Swinton als Ministerin Mason völlig überzogen als hysterische Karikatur Ihrer selbst darzustellen, ist sicher Ansichtssache. Für meinen Geschmack hätte sie mit diesen Auftritten besser zu „Die Tribute von Panem“ – oder noch besser – zu „Die Pute von Panem – gepasst. Chris Evans muss mal nicht als „Capt’n America“ die ganze Welt retten und darf als „Curtis“ zeigen, dass er ein richtig guter Schauspieler ist. Ed Harris hat das schon lange hinter sich, er muss sich nicht mehr beweisen: Sein Auftritt als „Wilford“ am Ende des Films ist leider viel zu kurz.

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Alles in allem hätte „Snowpiercer“ ein richtig guter Film werden können. Allerdings verzeihe ich Produktionen, die dermaßen Moral predigen und inhaltsschwangere zwei Stunden lang die Spannung halten wollen, nicht diese Logikfehler. Soe habe ich mich gleich zu Beginn gefragt, woher der Zug den Treibstoff nimmt, um Jahrzehntelang mit Hochgeschwindigkeit um die Welt zu rasen. Warum sind die Gleise nie vereist, zugeschneit? Wer wartet die Gleise? In den vorderen Abteilen gibt’s Sushi. Aber nur einmal im Jahr. Weil der Fisch dafür nicht öfter zur Verfügung steht. Aber Geflügel, Steak sowie frisches Obst und Gemüse gibt’s dort ganzjährig. Ebenso Wein, Schampus, Schnaps und was den Rausch sonst noch schön macht.
Wem es bis zum Ende nicht aufgefallen ist – da sagt es Wilford nämlich seinem Widerpart – trotz beeindruckender Soundkulisse ist den ganzen Film lang nichts vom Zug selbst zu hören. Kein Klappern, kein Rütteln, keine Motorengeräusche der Lokomotive. Von einer Schwebebahn ist allerdings nie die Rede …

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Die Bildqualität der Blu-ray kann auch bei Großprojektion größtenteils überzeugen. Farbe und Schärfe sind durchweg gut. Bei den dunklen Passagen, am Anfang und in den Kampfszenen mit Nachtsichtgeräten, ist der Kontrast etwas zu flau. Der Ton kommt sehr räumlich Surroundboxen. Für mehr Atmosphäre fehlen die typischen Fahrgeräusche eines Eisenbahnzugs.

Ascot Elite Home Entertainment GmbH präsentiert „Snowpiercer“ ab dem 23.09.2014 auf Blu-ray Disc™, DVD und VOD.
Das Rezensionsexemplar wurde von Ascot Elite Home Entertainment GmbH zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

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Originaltitel: Snowpiercer / Seolgugyeolcha
Land / Jahr: Südkorea, USA, Frankreich, Tschechien / 2013
Genre: Action, Scinence-Fiction, Thriller
Darsteller: Chris Evans: Curtis, Song Kang-ho: Namgoong, Ko Ah-seong: Yona, Jamie Bell: Edgar, Ewen Bremner: Andrew, Tilda Swinton: Ministerin Mason, John Hurt: Gilliam, Ed Harris: Wilford, Octavia Spencer: Tanya u.a.
Regie: Bong Joon-ho
Drehbuch: Bong Joon-ho, Kelly Masterson
Vorlage: Graphic Novel „Schneekreuzer“ von Jacques Lob, Benjamin Legrand und Jean-Marc Rochett
Produktion: Park Chan-wook, Lee Tae-hun, Park Tae-jun, Dooho Choi, Robert Bernacchi, David Minkowski, Matthew Stillman
Kamera: Hong Kyung-pyo
Musik: Marco Beltrami
Schnitt: Steve M. Choe
FSK: 16

Blu-ray
Laufzeit: ca. 126 Min. + Bonus
Bildformat: 1,85:1 / 16:9 (1080p/24 HD)
Tonformat: DTS-HD Master Audio 5.1
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Kinotrailer, Trailer, Teaser, Making of, Making of spot, Special animated clip

Webseite zum Film: Snowpiercer