Sonnenallee: Ostalgie an der Mauer

sonnenallee_coverDie DDR in den 70er-Jahren. Eine Zeit, in der es noch Abschnittsbevollmächtigte gibt, die Sowjetunion der große Bruder, der Klassenfeind der Rest der Welt, der Antifaschistische Schutzwall die Mauer und die DDR das Land ist, in dem Micha Ehrenreich lebt. Er wohnt in einer Straße, deren längeres Ende im Westen und deren kürzeres Ende im Osten liegt: die Sonnenallee. Micha ist 17, er liebt Pop-Musik und Coca Cola, sein Berufsziel ist es, Pop-Star zu werden und darum kleidet er sich für den Abschnittsbevollmächtigten eine Spur zu modisch. Die Wohnung ist eng, der Nachbar bei der Stasi und auch die Erwachsenen lassen nichts unversucht, sich ein paar Annehmlichkeiten anzueignen: Man schlürft den Kaffee von West-Onkel Heinz, einem ewigen Besserwisser und Schmuggler vor dem Herrn, genießt die Nylons aus selbiger Quelle und ein grüner Pass lässt Michas Mutter um Jahre altern und sogar von einem Leben “jenseits der Mauer“ träumen? Osten hin, Westen her: Das Wichtigste für Micha ist Miriam, die unbeschreibliche, sagenhafte, unerreichbare Miriam. Micha legt ihr sein Leben zu Füßen und lernt dabei, es in die eigene Hand zu nehmen.

Film-Blog.tv meint:
Die beste Nachricht gleich zu Beginn: „Sonnenallee“ ist nun endlich in ungekürzter Version auf Blu-ray und DVD erhältlich. Die bis dato erhältliche DVD war gegenüber der TV- und Kinofassung um einige Szenen gestutzt. Ansonsten ist es sicher Geschmackssache, ob man den Humor, der hier zelebriert wird mag, oder nicht. Bei einem Film, der 1999 in die Kinos kam, sollte jeder ausreichend Zeit gehabt haben, sich ein eigenes Urteil zu bilden. Ich habe mich köstlich amüsiert, war ich doch in dem Zeitraum, in dem „Sonnenallee“ spielt, im selben Alter wie die Akteure. Und kann einige Parallelen zu meiner eigenen Jugend (allerdings im Westen) erkennen.
Schön auch, dass das „Look & Feel“ der Bildsprache der 70iger in der DDR in den typischen ORWO-Farben auch auf der Blu-ray erhalten geblieben ist.

Eine Jugend in den 70igern. In Ost-Berlin. Direkt an der Mauer, am Grenzübergang „Sonnenallee“. Während Micha alles unternimmt um bei seiner Miriam zu landen, ist „Wuschel“ auf der Jagd nach „Exile On Main Street“, dem Stones-Album. Originalfassung, na klar. Michas Mutter findet einen West-Ausweis, plant den Grenzübergang und lässt es in letzter Minute doch sein. Und seine Schwester ist offensichtlich noch in der Selbstfindungsphase. Je nachdem, wer grade ihr „Verlobter“ ist, wechseln ihre Berufswünsche und Lebensträume.

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Im Großen und Ganzen unterscheidet sich eine Jugend hinter der Mauer kaum von der auf der anderen Seite des „antikapitalistischen Schutzwalls“. Wenn da nicht der allgegenwärtige ABV Obermeister Horkefeld wäre, der ständig um die korrekte Pflichterfüllung bedacht wäre. Und der, als er die von ihm konfiszierte Cassette mit „Moscow“ von „Wonderland“ auf einem Polizeiball spielt, selbst die größten Schwierigkeiten bekommt.

Onkel Heinz aus dem Westen der Stadt kommt derweil regelmäßig mit einem Besuchervisum und schmuggelt unnütze Dinge, die auch im Osten keiner braucht. Stets um seine Gesundheit bedacht…

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„Sonnenallee“ ist ein Episodenfilm, der Zug um Zug zusammenwächst und ein – wenn auch nicht ganz stimmiges – Ganzes ergibt. Nicht ganz so konsequent wie „Goodbye Lenin“, aber dafür mit einem kräftigen 70iger-Touch.

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Das wird durch die Farbabstimmung des Films zusätzlich unterstützt. Die verwaschenen Farben im 70iger-Jahre-Look kennen alle, die den damals auch im Westen beliebten ORWO-Diafilm in ihren Kameras hatten.

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dcm Film Distribution GmbH präsentiert „Sonnenallee“ ab dem 17. April 2015 auf Blu-ray Disc™, DVD und als VoD.
Das Rezensionsexemplar wurde von dcm Film Distribution GmbH zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

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Sonnenallee
Land / Jahr: Deutschland / 1999
Genre: Komödie
Darsteller: Alexander Scheer: Michael „Micha“ Ehrenreich. Alexander Beyer: Mario, Robert Stadlober: Wuschel, Teresa Weißbach: Miriam Sommer, Detlev Buck: ABV Obermeister Horkefeld, Katharina Thalbach: Doris Ehrenreich, Henry Hübchen: Hotte Ehrenreich, Ignaz Kirchner: Onkel Heinz, Annika Kuhl: Sabine, Elena Meißner: Sabrina, Horst Lebinsky: Grenzer, Martin Moeller: Kosscke, Patrick Güldenberg: Appel, Margit Carstensen: Direktorin, Minh-Khai Phan-Thi: Gast aus Vietnam, Sabine Orléans: Pionierleiterin, Steffi Kühnert: FDJ-Funktionärin, Uwe-Dag Berlin: Schallplattendealer, Waldemar Kobus: Samson, Torsten Ranft: Olaf aus Dresden, Steffen Schult: Udo aus Dresden, Andreas Pietschmann: Scheich von Berlin, Winfried Glatzeder: Nachbar von Miriam, Paul Faßnacht: Grenzsoldat u.a.
Regie: Leander Haußmann
Drehbuch: Thomas Brussig, Detlev Buck, Leander Haußmann
Romanvorlage: „Am kürzeren Ende der Sonnenallee“ von Thomas Brussig
Produktion: Claus Boje, Detlev Buck
Kamera: Peter Krause
Musik: Stephen Keusch, Paul Lemp
Schnitt: Sandy Saffeels

Blu-ray Disc™
Laufzeit: ca. 86 Min. + 118 Min. Bonus
Bildformat: Full HD 16:9 (1,78:1)
Tonformat: DTS-HD 2.0
Sprachen: Deutsch
Untertitel: Deutsch
Extras: Making Of „Sonnenallee“, Musikclip „The Letter“, Szenen mit Miriam, Interviews mit Leander Haußmann und Claus Boje
FSK: 6