Spy: Versehentlich Geheimagent

spy_coverWas würdest du tun, wenn du den coolsten Job der Welt hättest, aber dein Sohn nichts davon erfahren darf? Tim Elliott, alleinerziehender Vater, versucht den Respekt und das Wohlwollen seines neunjährigen Sohnes Marcus zu gewinnen. In der Hoffnung, nicht mehr als kompletter Versager dazustehen, kündigt er seinen todlangweiligen Job als Druckerverkäufer, um sich neu zu orientieren. Kurz darauf wird er zu einem ersten Einstellungstest eingeladen. Er besteht mit Bravour und beeindruckt den Prüfer trotz seiner Tollpatschigkeit. Doch was Tim nicht weiß: Er wurde soeben als Spion beim britischen Geheimdienst MI5 rekrutiert. Das Chaos perfekt machen seine ätzende Ex-Frau Judith, ihr neuer enthusiatischer Freund Philip und sein unsozialer Freund Chris. Tim muss ab sofort versuchen, seinen neuen Job und sein Privatleben unter einen Hut zu kriegen. Auf keinen Fall darf sein Geheimnis aufgedeckt werden. Sonst wird es brenzlig…

Film-Blog.tv meint:
Wer britischen Humor mag, wird die Sitcom „Spy“ lieben. In Simeon Gouldens Serie stolpert Darren Boyd als tollpatschiger alleinerziehender Vater zufällig in einen Agentenjob und sorgt für ein Feuerwerk an Situationkomik. Im Fokus der Handlung steht dabei der Kampf um das Sorgerecht für seinen besserwisserischen Sohn Marcus, der auf seinen Vater als vermeintlichen Verlierer herabblickt. Mit diesem Schwerpunkt will die Serie Fans von Comedy, Sitcom und Soap erreichen, das Agentengeschäft dient als komödiantischer Gegenpol, ohne eine handlungstragende Rolle zu spielen. Die Serie profitiert von ihren Darstellern, die ihre Charaktere gekonnt und trocken unterspielen. A highly entertaining bit of telly.

Den Beitrag verfasste unser Autor Peter Schrandt.

Tim Elliott ist ein cooler Vater, den sich viele Jungs wünschen würden. Sein Sohn Marcus leider nicht. Der Neunjährige ist reif für sein Alter, intelligent, und ein wenig unentspannt. Er verabscheut seinen Vater, der von Marcus Mutter getrennt lebt und einen aussichtlosen Job als Verkäufer bei Galaxy Computer hat.

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Und diesen wirft er hin, er sieht die Zeit für Veränderungen gekommen. Die Angebote des Jobcenters lehnt er ab. Softwareingenieur bei McLaren im weltweiten Einsatz, oder ein Job als Web-Techniker beim Playboy? Gerne, aber er muss sich um seinen minderjährigen Sohn kümmern. Die nächste Gelegenheit ist eine Anstellung im öffentlichen Dienst — ja, das ginge. Nachdem Tim seine Spielzeugfiguren im theoretischen Teil des Eignungstests aufgestellt hat, findet er Sudokus als Testaufgaben. Sein Hobby zahlt sich aus, er löst die Aufgaben in 17 Minuten fehlerfrei, vorgesehen sind 60 Minuten Bearbeitungszeit. Als er das anschließende oberflächliche Interview besteht, erhält er eine Glock 17 als Dienstwaffe: Tim ist nun Mitglied des Inlandsgeheimdienstes MI5.

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Schon bald verursacht er einen Unfall bei seiner Arbeit, bei der ein wohnungsloser Immigrant aus Bulgarien aus einer größeren Höhe abstürzt. Aufgrund eines Missverständnisses schafft es der ungeschickte alleinerziehende Vater als Held in die Schlagzeilen. „Mother Teresa meets Steven Seagal“, fasst ein TV-Moderator die öffentliche Wahrnehmung zusammen. Nur leider darf er seinem Sohn und anderen Menschen noch immer nicht von seinem coolen neuen Job erzählen, der MI5 verdonnert seine Agenten zu strikter Verschwiegenheit. Das macht auch die Therapiesitzungen mit seiner Exfrau Judith, ihrem nervigen neuen Freund Philip und Marcus nicht leichter.

Austin Powers und, britisch wie „Spy“, Johnny English: Parodien auf Filme mit souveränen, smarten Agenten finden immer wieder Einzug in die Medienlandschaft. „Spy“ bereichert diese Persiflagen mit herrlicher Komik. „Blue Thunder, the examiner wants you.“ – „Ah, Tim, come in! Whisky?“ – „It’s 10 a. m..“ – „Gin?“: der trockene britische Humor wird mit herrlichem Timing vorgetragen. Situative Pointen ergänzen wunderbaren subtilen Humor. So ersetzt Chris, Tims Kollege bei Galaxy Computer, den Namen in seinem Schild nacheinander mit „Bored“, „No“ und „I love me“.

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„Assignments“ sieht man nicht, der Agentenalltag findet fast ausschließlich in der Zentrale statt. Das ist nicht schlimm, den „Spy“ bedient sich beim sozialen Gefüge seines Hauptdarstellers, zwischen seiner getrennt lebenden Familie, dem Kampf um das Sorgerecht für seinen Sohn Marcus, seiner liebestollen Sozialarbeiterin Paula Abdul und der Agentenkollegin Caitlin, auf die Tim sein Auge geworfen hat.

Wer wie ich britische Serien wie „Doc Martin“ oder „The IT Crowd“ liebt, wird auch mit Darren Boyd als tollpatschigem Spion seine Freude haben. Originell, humorvoll, und bis in die Settings very british. Neben Running Gags wie der ständig versagenden Personenerkennung in der MI5-Zugangskontrolle lässt Autor Simeon Goulden seine Sozialarbeiterin Paula Abdul ein „Parenting Performance Chart“ einsetzen, mit dem Marcus das alltägliche Verhalten seines Vaters bewerten soll: ein goldener Stern für gutes Verhalten (kommt nie zum Einsatz), ein schwarzer für Versagen (diese müssen bald nachgekauft werden).

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Die englischsprachige Originalversion wie auch die deutsche Synchro zeigen klare Dialoge und eine ausgewogene Tonmischung. In der Originalfassung ist Jude Wright in seiner Rolle als Marcus mit seinem sehr distinguierten, eloquenten britischen Englisch nicht immer leicht zu verstehen; bei Gesprächen im „Making of“ hingegen sehr klar. Das Bild entspricht einer zeitgemäßen TV-Serie, und übertrifft die technische Qualität anderer britischer TV-Produktionen.

Im „Behind the scenes“ führen Darsteller und Crew knapp 22 Minuten lang in die Entstehung und Produktion der Serie ein. Die Einblicke gehen über Staffel 1 hinaus, und wecken durchaus Neugier auf die folgenden.

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Studio Hamburg Enterprises präsentiert „Spy“ ab 26. Juni 2015 auf DVD.
Das Rezensionsexemplar wurde von Studio Hamburg Enterprises zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Originaltitel: Spy
Land / Jahr: United Kingdom / 2011
Genre: Sitcom, Serie
Darsteller: Darren Boyd, Jude Wright, Robert Lindsay, Dolly Wells u. a.
Regie: Ben Taylor
Drehbuch: Simeon Goulden
Produzenten: Simeon Goulden, Margot Gavan Duffy
Schnitt: Anthony Boys
Musik: Oli Julian
FSK: 12

DVD
Laufzeit: ca. 135 Min.+ Bonus
Bildformat:16:9
Tonformat:Dolby Digital 2.0
Sprachen:Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Extras:Making of

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