Tanguy – Der Nesthocker: Krieg im Hotel Mama

Gewinnspiel_rottanguy_coverEs ist nicht so, dass er ohne Mami und Papi keinen Schritt machen würde. Aber Tanguy, reife 28 Jahre alt, Dozent an der Pariser Universität, lebt immer noch bei seinen Eltern Paul und Edith in einer großzügigen Pariser Dachwohnung. Und fühlt sich so pudelwohl, dass er gar nicht auf die Idee kommt, daran etwas zu ändern. Doch für die Eltern wird der altkluge Nesthocker immer mehr zum Albtraum. Mit Geduld und guten Worten ist Tanguy nicht beizukommen, da müssen schon schwerere Geschütze aufgefahren werden. Und dabei entwickeln Edith und Paul eine ganz erstaunliche Fantasie: Die Treibjagd auf Tanguy ist eröffnet…

Film-Blog.tv meint:
Gegenüber seinen Mitmenschen ist er voll konfuzianischer Weisheiten. Selbst ist er hochbegabt, aber lebensunfähig: der 28-jährige Sinologiestudent Tanguy hat sich um im Hotel Mama arrangiert und will partout nicht ausziehen. Seinen Eltern passt dies gar nicht. Tanguys Mutter vermeidet die Konfrontation und lässt sich psychotherapeutisch behandeln. Die Eltern entwickeln Kreativität um ihm das Leben im Elternhaus zu verleiden, aber der Nesthocker hat den Code Civil im Rücken: er erstreitet sein Bleiberecht vor Gericht.
Étienne Chatiliez‘ französische Komödie aus dem Jahr 2001 ist voller Situationskomik. Sie dreht sich um die Generation Uni im Hotel Mama und um gescheiterte Kommunikation. Sabine Azéma und André Dussollier in der Rolle der Eltern sowie Eric Berger als ihr Filmsohn füllen die skurillen Rollen herrlich aus. Mit gutem Timing und gekonntem Schauspiel sorgen sie für fast zwei Stunden Unterhaltung.

Edith und Paul Guetz sind genervt: ihr achtundzwanzigjähriger Sohn Tanguy macht es sich im Sinologiestudium gemütlich und genießt den Komfort im Hotel Mama. Vor allem seine Mutter hat nicht den Mut, ihre Abneigung auszusprechen, Wenn Tanguy die Situation offen anspricht, verneint sie dass er im Weg ist. Und entwickelt nervösen Schluckauf, der sie in die Gesprächstherapie bringt. „Er lässt Klamaotten fallen wie ein Hund seine Haufen, ich kann ihn nicht mehr ausstehen“, klagt die ihr Leid. Nur direkt will sie es ihrem Sohn nicht sagen.

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Der ewige Student bekleidet ein Lehramt, ist Dozent für Philopsophie und Japanologie und Magister der Sinologie. Er arbeitet an seiner Dissertation, fühlt sich aber noch nicht dazu bereit: mehr als ein weiteres Jahr im Hotel Mama kündigt sich an.

„Er muss weg“, sind sich die Eltern einig, und entwickeln Kreativität, um das Leben ihres Sohnes zuhause unbequem zu machen: versteckte Fischabfälle verpesten die Raumluft. Die elterlichen Autos werden entzogen, eine eine bewusst herausgedrehte Schraube in der Teppichleiste führt zu Verletzungen. Einer Freundin ihres Sohnes suggerieren sie, dass die Mutter eine lesbische Leidenschaft für die wechselnden Bekanntschaften Tanguys hegt. Leider vergraulen die Eltern danach auch die junge Frau, die mit Tanguy in eine eigene Wohnung ziehen wollte.

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Ihre Verzweiflung treibt sie weit: als ein Flug ihres Sohnes nach Peking annuliert wird, zahlt der Vater mehr als 30.000 Francs für einen First Class-Flug. Um wenigstens für acht Tage Ruhe zu haben.

Die Eltern mieten Tanguy eine Wohnung und arrangieren eine Haushälterin. Doch schon in der ersten Nacht endtdeckt Tanguy das Telefon als Direktverbindung in die neu gewonnene intimität der Eltern. Als sein Vater die störenden Anrufe beendet, erleidet sein Sohn eine Panikattacke und wird mit massiver Atemnot notfallmedizinisch behandelt.

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Kurzerhand klagt er, der 25.000 Francs im Monat erhält, auf Unterkunft. Artikel 203 des Code Civil gibt ihm das Recht. In einer Verhandlungspause erwähnt der Richter gegenüber dem Vater auf der Toilette, dass er ein paar Leute kennt die Tanguy „die Fresse einschlagen“ könnten.

Es folgen weitere Attacken der Eltern auf die Geduld ihres beharrlichen Sohnes. Sie bestellen eine Kleinkinderausstattung für sein Zimmer und engagieren eine Nanny, während sie ihn vor seinen Studenten bloßstellen wollen. Doch nichts kann die Ruhe ihres konfuzianisch geprägten Sohnes beeinträchtigen.

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Als Tanguys Oma nach einem Sturz zu einem Pflegefall wird und sich auf Artikel 205 des Code Civil beruft, der ihr ebenfalls das Recht auf Unterkunft garantiert, stellt sich bei Tanguy eine überraschende Wendung ein…

Ausserhalb des Mutterlandes steht das französische Kino häufig im Schatten Hollywoods. „Tanguy“ ist ein weiterer Beleg dafür, dass sich Filme aus dem westlichen Nachbarland häufig lohnen. Die Produktion zeichnet sich durch ein humorvolles Drehbuch und gekonnte Situationskomik aus. Das Ende ist schön geschrieben und setzt einen humorvollen Schlussakkord unter die schöne Komödie.

Das Bild bringt nicht die Schärfe und Dynamik heutiger Produktionen mit, geht für einen Film von 2001 aber in Ordnung. Im räumlichen Ton der synchronisierten Fassung sind die Dialoge gut zu verstehen.

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Gewinnspiel
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2x DVD „Tanguy“

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Dazu habt ihr bis zum 15. September 2014 bis 24.00 Uhr Zeit. Gehen mehr als eine richtige Antworten ein, lassen wir das Los entscheiden. Mitarbeiter der beteiligten Firmen und Agenturen sowie film-blog.tv dürfen nicht mitmachen, der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Die Universum Film GmbH präsentiert „Tanguy – Der Nesthocker“ auf DVD.
Das Rezensions- und die Gewinnexemplare wurde von der Universum Film GmbH zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

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Originaltitel: Tanguy
Land / Jahr: Frankreich / 2001
Genre: Komödie
Darsteller: Sabine Azéma: Edith, André Dussollier: Paul, Eric Berger: Tanguy, Hélène Duc: Großmutter Odile, Julie Fournier: Nathalie, Jean-Paul Rouve: Bruno Lemoine u. a.
Regie: Étienne Chatiliez
Drehbuch: Étienne Chatiliez, Laurent Chouchant
Produktion: Charles Gassot
Kamera: Philippe Welt
Schnitt: Catherine Renault
Musik: Pascal Andreacchio
FSK: 6

DVD
Laufzeit: ca. 109 Min. + Bonus
Bildformat: 1,77:1 / 16:9
Tonformat: Dolby Digital 5.1
Sprachen: Deutsch, Französisch
Untertitel: Deutsch
Extras:entfallene Szenen (Französisch mit deutschen Untertiteln), Trailer