Terra X – Die Deutschland-Saga: Von der Antarktis zum Oktoberfest

terrax_coverIn der sechsteiligen Doku-Reihe „Deutschland-Saga“ erzählt der Historiker Christopher Clark die spannende Kulturgeschichte unseres Landes. Woher kommen wir? Was eint uns? Wer sind wir? Die Entdeckungsreise durch unser Land führt den gebürtigen Australier und Geschichtsprofessor Christopher Clark von den „Ur-Deutschen“ und Germanen hin zu den großen „Superstars“ wie Martin Luther, Johann Wolfgang von Goethe, Johann Sebastian Bach und Albert Einstein. „Mich fasziniert vor allen die große Vielfalt Deutschlands“, sagt Christopher Clark, der in einem nostalgischen VW-Käfer die schönsten und symbolträchtigsten Orte unseres Landes bereist. Dabei hält er uns Deutschen von außen augenzwinkernd den Spiegel vor, entdeckt liebenswerte Eigenheiten und lädt den Zuschauer ein zu einem eindrucksvollen Streifzug durch die deutsche Kultur und Geschichte.

Film-Blog.tv meint:
Woher kommen wir? Was hat uns beeinflusst, was hat uns zu dem gemacht, das wir heute sind? Und wer sind wir überhaupt? Auf einige dieser Fragen wird es keine umfassenden, absoluten Antworten geben, aber nähren kann man sich jedem dieser Aspekte. Wer dies fundiert und zugleich höchst unterhaltsam tun möchte, der kommt um die Deutschland-Saga des australischen Historikers Christopher Clark kaum herum. Die Melange aus Erläuterungen, aufwendig nachgestellten Szenen und guter Didaktik wird der renommierten Terra X-Serie gerecht. Durch die sympathische Art Christopher Clarks, der als Australier Deutschland gemeinsam mit uns entdeckt, wird die Dokumentation wirkungsvoll aufgewertet. Ansehen, unbedingt!

Den Beitrag verfasste unser Autor Peter Schrandt.

Der australische Cambridge-Professor Christopher Clark führt selten unterhaltsam durch die deutsche Geschichte. Woher kommt dieses Gebilde eigentlich? Aus der Antarktis, erläutert er, zumindest die Landmasse, auf der wir heute leben und unter anderem das Münchener Oktoberfest feiern. Dann kamen Wasser, relativ warmes Wasser, Berge, Saurier und viel Eis, erinnert uns Clark. Wie es dann von den ersten Homo sapiens bis zu den heutigen Deutschen kommt, ist der spannende Inhalt der ersten Episode der Deutschland-Saga „Woher wir kommen“.

In einem VW Käfer Cabrio führt uns der Historiker durch unser Land und entdeckt es mit uns gemeinsam, geschichtlich und auf der Suche nach verbindenden Eigenschaften der Menschen heute wie gestern. Wie bei Terra X gerne praktiziert, ergänzen auch hier aufwändig produzierte Spielszenen die Erläuterungen und lassen Geschichte durch ambitioniertes Schauspiel noch einmal lebendig werden. Unterstützen lässt sich der Moderator von seinen historischen Vorbildern Mark Twain und Anne Louise Germaine de Staël mit ihrem Werk „De L’Allemange“; wie Clark befassten sich diese Autoren mit Deutschland aus einer Außenperspektive, die erst die umfassenden Einblicke unvoreingenommen ermöglicht.

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Von unseren prähistorischen Vorfahren zu den Germanen und ihrer Beziehung zum benachbarten Römischen Reich, über die Völkerwanderung zu Karl dem Großen und Otto von Sachsen in die Vielstaaterei und den Dreißigjährige Krieg: die Einflüsse auf unsere heutige Kultur und Mentalität sind vielfältig, und die Deutschland-Saga findet in ihren viereinhalb Stunden genau den richtigen Rhythmus, um die Genese zu beleuchten. Und auf die vielen Wurzeln des heutigen Deutschlands in der Vergangenheit einzugehen. Wie das Wirken Martin Luthers, der die Einheit des Wortes schaffte, dessen Lehren aber in zwei Konfessionen teilte, gefolgt vom dreißigjährigen Krieg und der folgenden Kleinstaaterei, sowie der Einfluss Napoléon Bonapartes. Auch die Dimension der sozialen Fürsorge und Existenzsicherung im Bedarfsfall findet Erwähnung. Von Fugger zu geht es hier zu Bismarck mit der Unfall-, Kranken- und Rentenversicherung. Schon früh begann hier das System der sozialen Sicherung, und auch dies ist ein bedeutender Teil unserer Gegenwart.

„Wonach wir suchen“ fragt nach den regen Geistern, die in Deutschland gewirkt haben: der wissenshungrige Alexander von Humboldt, Johann Wolfgang von Goethe, dem seine Farbenlehre wichtiger war als seine großen literarischen Werke, Otto Lilienthal, Carl und Bertha Benz mit Gottlieb Daimler. Auch die schönen Künste kommen nicht zu kurz; bei Bach, und vor allem bei Beethoven mit der „Ode an die Freude“ aus der 9. Symphonie wünscht man sich noch längere akustische Einblicke. Doch so viel ist zu bearbeiten, so vieles zu genießen, schnell geht die besondere Reise weiter.

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Dabei ist die Musik nicht immer klassisch: Goethes Aquarelle und der Erhalt der Todesnachricht zu Friedrich Schiller wird dann auch schon einmal mit dem Score aus der Harry Potter-Verfilmung unterlegt. Aber auch dies geht hier in Ordnung, ebenso wie die Interpretation des Braveheart-Scores, als es zu Gutenberg geht. Karl Marx wird dann gleich einmal zu Gary Glitters „Rock’n’Roll“ begleitet. Als Humboldt den Orinoco herabfährt, scheint Phil Collins etwas aus seinem Tarzan-Musical zu intonieren. Die Römer marschieren mit Tacitus zu „Somewhere over the Rainbow“ nach Germanien. In der Version von Israel Kamakawiwo’ole, so dass ein wenig hawaiianisches Gefühl Einzug in den teutschen Wald hält. Ach ja: das Titellied ist übrigens „Deutschland“, „Die Prinzen“. Ohne den ironischen Teil des vollen Textes.

„Quinctilius Varus, gib die Legionen zurück!“ soll Kaiser Augustus nach der vernichtenden Niederlage gegen das germanisches Heer unter Arminius ausgerufen haben. Und heute? Schreibt das Bundeskleingartengesetz den Deutschen vor, was sie in diesen Refugien zu tun und zu lassen haben. Der Weg aus der siegreichen Schlacht im Teutoburger Wald zur bundesrechtlich reglementierten Freizeitwirklichkeit des kleinparzellenbewirtschaftenden Deutschen ist lang, und Christoher Clark beleuchtet ihn in all seinen Facetten. Und sagt uns auch, dass der vermeintlich deutsche Gartenzweg vor 800 Jahren in der Türkei entstanden ist, ursprünglich einen pygmäischen Bergarbeiter darstellend. Die kleinen Kerle, die so häufig mit unserem Land in Verbindung gebracht werden, haben also einen Migrationshintergrund.

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Die Deutschland-Sage fokussiert nicht vertieft auf große politische Figuren der Vergangenheit; sie erzählt lieber von den Menschen in ihrem Umfeld, und daraus abgeleitet von ihren Sichten, Empfindungen, Stärken und Ängsten, bis hin zu Kultur und Wissenschaft, die auf diesem Nährboden gedeihen. Angereichert mit Anekdoten wie den 580.000 Vereinen, in denen auch Fröhlichkeit organisiert wird, und dem Döner, der in Berlin erfunden wurde. Auch das alles ist Deutschland. Einen am Sujet hochinteressierten Australier durch die Serie führen zu lassen, funktioniert sehr schön; und hat natürlich den Nebeneffekt, dass kein regionaler Moderator des Nationalismus verdächtigt wird. Solche Überlegungen findet man wohl nicht in vielen Ländern. Dennoch: Gerade die „Außensicht“ ist ein Plus, und wird hier zudem sehr kompetent und sympathisch vermittelt von Christopher Clark. Verzeihung, von Herrn Professor Clark müsste ich als Deutscher ja sagen. May I simply call you Chris? Es wäre mir ein Vergnügen, lieber Herr Professor Chris. Von ihm kommt dann auch das wundervolle Schlusswort. Welches? Seht die Serie selbst an. Nicht nur des Schlusswortes wegen; auch die 269 Minuten vorher lohnen sich uneingeschränkt.

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Episodenübersicht:
01. Woher wir kommen
02. Wovon wir schwärmen
03. Was uns eint
04. Wonach wir suchen
05. Was uns antreibt
06. Wer wir sind

Studio Hamburg Enterprises präsentiert „Terra X – Die Deutschland-Saga“ ab 24. April 2015 auf DVD.
Das Rezensionsexemplar wurde von Studio Hamburg Enterprises zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

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Originaltitel: Terra X – Die Deutschland-Saga
Land / Jahr: Deutschland / 2015
Genre: Geschichte/Dokumentation
Moderator: Christopher Clark
Regie: Gero von Boehm, Sebastian Scherrer
Drehbuch: Gero von Boehm, Sebastian Scherrer
Produzenten: Anna Kunkel, Cora Szielasko, Peter Maasz
Kamera: Alexander Hein, Felix Meinhardt
Schnitt: Andreas Tietzeck
FSK: ohne Altersbeschränkung

DVD
Laufzeit: ca. 270 Min.+ Bonus
Bildformat:16:9
Tonformat:Dolby Digital 2.0
Sprachen:Deutsch,
Untertitel: Deutsch
Extras: Trailershow, 8-seitiges Booklet: Einführung, Interview mit Historiker Christopher Clark, Zitate über Deutschland und die Deutschen, Produktionsangaben

Webseite zur Serie: Terra X – Die Deutschland-Saga