The Face of Love: Wenn Loslassen so schwer ist

face_coverFünf Jahre nach dem Tod ihres Ehemanns Garret hat Nikki den Verlust des Mannes, mit dem sie 30 Jahre glücklich verheiratet war, immer noch nicht überwunden. Dann trifft sie den offenherzigen Kunstlehrer Tom, der Garret bis aufs Haar gleicht.
Geleitet von einer überwältigenden Sehnsucht, die Vergangenheit in der Gegenwart wieder aufleben zu lassen, lässt sich Nikki auf eine Romanze ein. Während Tom nichts von Nikkis wahren Beweggründen ahnt, beginnt er jedoch allmählich sich nach dem Hintergrund ihrer sofortigen und bedingungslosen Liebe zu fragen.

Film-Blog.tv meint:
Arie Posin verfilmt mit „The Face of Love“ ein ruhiges gereiftes Drama um schmerzlichen Verlust, Einsamkeit und neues Glück. Seine Produktion aus 2013 stellt die Frage, inwieweit ein neuer Partner Ersatz für den bisherigen sein will und sein kann, anhand eines Doppelgängers, der hier in beiden Rollen von Ed Harris verkörpert wird. Die sensible und authentische Darstellung des jungen älteren Liebespaars vor dem Hintergrund eines Geheimnisses macht „The Face of Love“ zu einer sehenswerten Romanze der besonderen Art.

Den Beitrag verfasste unser Autor Peter Schrandt.

Es ist ein Schock, als Nikki ihren Mann Garret ertrunken auffindet, und der Schmerz des Verlustes begleitet sie über Jahre. Nikki und ihr Mann liebten sich und führten jahrzehntelang eine innige Beziehung. Das wundervolle Haus, das Garret als Architekt entworfen hat, ist der Witwe ein vertrauter, aber doch ungewohnt leerer Lebensraum.

face_01

Als sie fünf Jahre nach Garrets Tod in einer Parkgarage zufällig einen Fremden wahrnimmt, der ihrem Mann zum Verwechseln ähnlich sieht, ist sie fassungslos. Sie ruft ihm zu, doch er bemerkt sie nicht und fährt fort. An den Aufklebern in seiner Windschutzscheibe konnte sie jedoch zuvor erkennen, dass er zur Belegschaft einer örtlichen Universität gehört, und identifiziert ihn anhand der Team-Fotos auf deren Website als Tom Young, Professor für Kunst.

Unter dem Vorwand, sich für einen Studienplatz zu interessieren, besucht sie ihn in seinen Kurs. Sie müsse sich bis zum Semesterbeginn im Januar gedulden, vertröstet er sie. Sie bricht, von der Begegnung emotional überwältigt, in Tränen aus und rennt aus dem Raum.

face_02

Wenige Tage später wartet sich vor dem Gebäude auf ihn und fragt ihn nach Privatunterricht. Ihre schwer fassbare Art verwundert Tom, aber er willigt ein. In ihrem Haus nimmt er wahr, dass sie tatsächlich Kunstliebhaberin ist. Sie sagt ihm, dass ihr Mann sie verlassen hat.

Zwischen Nikki und Tom entwickelt sich eine Liebesbeziehung, die beiden finden gemeinsames Glück. Doch Tom ist verwundert, als Nikki ihm Begegnungen mit ihrem Familien- und Freundeskreis vorenthält. Sie weiß, dass jeder, der ihren Mann kannte, die frappierende Ähnlichkeit als Beweggrund ihrer Beziehung erkennen wird. Sie offenbarte Tom inzwischen zwar, dass sie Witwe ist, aber ihm ist nicht bewusst, dass er ein Doppelgänger des Verstorbenen ist.

face_03

Als Nikkis erwachsene Tochter Summer dem neuen Partner ihrer Mutter begegnet, bricht das Verschwiegene vehement in das Leben der beiden. Das Bewusstsein hinterlässt deutliche Spuren.

„The Face of Love“ erzählt in ruhigen Bildern und verzichtet auf jede plakative Darstellung. Die Emotionen sind präsent, äußern sich jedoch leise vor allem über Mimik und Situationen. Auch die Tonalität der entstehenden Beziehung ist von Ruhe und Wärme zweier kultivierter Menschen geprägt, die in langer Lebenserfahrung Reife gefunden haben. Arie Posin und Matthew McDuffie schrieben Tom eine zehnjährige Auslandserfahrung nach der Armeezeit in die fiktive Biographie, in ganz unterschiedlichen exotischen Ländern und in hoher Unabhängigkeit lebend. Seine gewonnene Souveränität wird in Frage gestellt, als er sich schlagartig fragen muss, ob seine junge Beziehung allein auf seiner äußerlichen Ähnlichkeit zu Nikkis verstorbenem Mann beruht und seine Persönlichkeit nicht einbezieht.

face_04

Annette Benning und Ed Harris spielen in ihrer Zurückhaltung sehenswert und verleihen ihren Rollen Authentizität. Das Filmende führte bei den weiblichen 50% der film-blog.tv-Zuschauer zu einer Träne der Rührung.

Der viel zu früh verstorbene Robin Williams nimmt in dieser Produktion leider nur eine Nebenrolle ein. Sein riesiges Talent als emotionsvoller Darsteller lässt ihn das Buch nicht voll entfalten, was aber plausibel ist, da sich die Handlung zwischen den Polen Nikki und Tom ereignet und ereignen muss.

face_05

Antonio Riestras Kamera schafft eine ausgewogene Mischung von Weichheit und klaren Bildern, der Soundtrack stützt die reife, ruhig-emotionale Handlung.

Eine Randnotiz: das Auswahlmenü der Disk ist, passend zur Thematik zeitgenössische Kunst, sehr ästhetisch gestaltet und musikalisch harmonisch unterlegt.

face_06

Die Universum Film GmbH präsentiert „The Face of Love – Liebe hat viele Gesichter“ ab 20. Februar 2015 auf Blu-ray Disc™, DVD und als VoD.
Das Rezensionsexemplar wurde von Studio der Universum Film GmbH zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Originaltitel: The Face of Love
Land / Jahr: Vereinigte Staaten / 2013
Genre: Drama
Darsteller: Annette Bening: Nikki, Ed Harris: Tom / Garrett, Robin Williams: Roger, Amy Brenneman: Ann, Toms Ex-Frau, Jess Weixler: Summer, Linda Park: Jan, Jeffrey Vincent: Parise, Kim Farris: Hostess u. a.
Regie: Arie Posin
Drehbuch: Arie Posin, Matthew McDuffie
Produzenten: Bonnie Curtis
Kamera: Antonio Riestra
Schnitt: Matt Maddox
Musik: Marcelo Zarvos
FSK: 6

Blu-ray Disc™
Laufzeit: ca. 92 Min. + Bonus
Bildformat: 1,85:1 / 16:9
Tonformat: DTS-HD 5.1
Sprachen: Deutsch, Englisch
Extras: Trailer, Trailershow

Webseite zum Film: The Face of Love