The Good Lie – Der Preis der Freiheit: Wanderer zwischen zwei Welten

good-lie_coverDer brutale Bürgerkrieg, der 1983 im Sudan wütet, macht unzählige Menschen zu Flüchtlingen, unter ihnen auch Mamere, Theo, Abital und Jeremiah. Sie haben ihre Familien verloren und sind seit Kindesbeinen an auf sich allein gestellt. Nach 13 Jahren in einem Flüchtlingslager werden drei von ihnen ausgewählt, um an einem Hilfsprogramm teilzunehmen, bei dem 3600 Flüchtlinge in die USA gebracht werden. Als sie in Kansas eintreffen, werden sie von Carrie Davis empfangen, die ihnen eigentlich nur ihre neuen Jobs beschaffen soll. Doch sie nimmt sich ihrer an, hilft ihnen, sich in der komplett fremden Welt zu orientieren.

Film-Blog.tv meint:
Fast jeden Tag ertrinken afrikanische Flüchtlinge auf dem Mittelmeer. Und täglich kommen, es mögen mittlerweile Zehntausende sein, an unsere Grenzen. „The Good Lie – Der Preis der Freiheit“ sollte jeder von uns., die wir hier in Frieden und Wohlstand leben, einmal gesehen haben. Sicher, einige Kritiker bemängeln – vielleicht zu Recht – dass die Schrecken des Krieges und die Gefahren und Strapazen der Flucht in stark geschönten Bildern gezeigt werden. Das mag sein, halte ich aber nicht für falsch. Denn die realistische Brutalität dieser Erlebnisse möchte man uns, und vor allem unseren Familien, hierzulande nicht zumuten. Was bleibt ist ein Plädoyer für gegenseitiges Verständnis, dem man sich nicht entziehen darf.

Bürgerkrieg im Sudan, 1983. Tausende Kinder verlieren ihre Eltern und müssen fliehen. Barfuss, mit dem allernötigsten bekleidet, machen sie sich auf dem weiten und gefährlichen Weg vom Sudan nach Kenia, wo die UN ein Flüchtlingslager unterhält. Unterwegs gerät Theo, der Älteste in Gefangenschaft der Rebellen.

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Im Lager angekommen, bleibt nur eine Hoffnung: Irgendwann in die USA ausreisen zu dürfen und „im Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ ein neues Leben zu beginnen.

13 Jahre später ist es so weit. Paul, Mamere, Abital und Jeremiah dürfen ausreisen. Bevor sie Afrika verlassen, werden sie von UN-Mitarbeitern so gut es geht, in Sprache und Kultur ihrer neuen Heimat eingewiesen. Doch schon der Flug stellt sie vor erste Probleme, die einer gewissen Komik nicht entbehren: Wie, verdammt noch mal, kommt man an die Verpflegung im Flugzeug, die eingeschweißt serviert wird. Und was macht man mit Messer und Gabel?

Nach der Landung der erste große Schock: Obwohl Paul, Mamere, Abital und Jeremiah Geschwister sind, haben sie verschieden Väter und Mütter. Abital ist die einzige Frau, sie wird von ihren Brüdern getrennt, weil man keine Gastfamilie für sie in Kansas gefunden hat.

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Die drei Halbbrüder werden in Kansas von Carrie Davis in Empfang genommen. Reese Witherspoon ist hier mal nicht blond und niedlich, sondern brünett und tough. Dass eine Frau ihr Leben auch ohne Ehemann meistern kann, in der westlichen Welt völlig normal, verwundert unser Trio doch sehr. Ebenso neu ist das Telefon oder in Betten zu schlafen. Aber sie gewöhnen sich schnell daran. Carrie Davis ist Vermittlerin bei einer privaten Arbeitsagentur, ihr gelingt es schließlich, Jobs für die drei Flüchtlinge zu beschaffen.

Auch hier werden die unterschiedlichen Lebenserfahrungen überdeutlich. Typisch die Szene, als Jeremiah, der als Hilfskraft im Supermarkt arbeitet, abgelaufene Lebensmittel – die natürlich noch genießbar sind – im Müllcontainer entsorgen soll. Wer einmal Hunger erlebt hat, dem stellen sich dabei alle Haare zu Berge. Für Jeremiah ist es dann auch völlig unverständlich, dass er gefeuert wird, da er die Lebensmittel an Bedürftige verschenkt hat.

Nachdem sie sich einigermaßen eingelebt haben, Mamere besucht mittlerweile eine Abendschule und Carrie ist es gelungen, Abidal zu sich nach Kansas zu holen und die Familie wieder zusammen zu bringen, erfahren sie, dass der verschollene Bruder Theo offensichtlich den Soldaten entkommen und sich ins Flüchtlingslager retten konnte. Da mittlerweile aufgrund der Anschläge vom 11. September 2001 keine Flüchtlinge aus dem Sudan mehr in die USA einreisen durften, entscheidet Mamere, selbst nach Kenia zu fliegen und Theo in die USA zu bringen….

Das Bild der Blu-ray ist, wie sollte es anders sein, sehr gut. Die Bilder, vor allem aus Afrika, haben schon fast Postkartencharakter und sind zu schön, um die Ausweglosigkeit der Lage zu vermitteln. Und dennoch hat auch das seine Botschaft: Der Kontrast vom Sonnenuntergang in der Savanne zur Kälte Amerikas wird damit auch bildlich in Szene gesetzt.

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Constantin Film AG präsentiert „The Good Lie – Der Preis der Freiheit“ ab 11. Juni 2015 auf Blu-ray Disc™, DVD und als VoD.
Das Rezensionsexemplar wurde von Constantin Film AG zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Originaltitel: The Good Lie
Land / Jahr: USA , Kenia , Indien / 2014
Genre: Drama
Darsteller: Reese Witherspoon: Carrie Davis, Arnold Oceng: Mamere, Ger Duany: Jeremiah, Emmanuel Jal: Paul, Corey Stoll: Jack, Kuoth Wiel: Abital, Femi Oguns: Theo, Sarah Baker: Pamela Lowi u.v.a.
Regie: Philippe Falardeau
Drehbuch: Margaret Nagle
Romanvorlage: „Lost Boys of Sudan“ von Mark Bixler
Produzenten: Brian Grazer, Ron Howard, Karen Kehela Sherwood, Thad Luckinbill, Trent Luckinbill, Molly Smith, Genevieve Hofmey
Ausführende Produzenten: Broderick Johnson, Andrew A. Kosove, Deepak Nayar, Deborah Jelin Newmyer, Robert F. Newmyer, Kim Roth, Ellen H. Schwartz
Kamera: Ronald Plante
Schnitt: Richard Comeau
Musik: Martin Léon
FSK: 12

Blu-ray Disc™
Laufzeit: ca. 110 Min. + ca. 36 Min. Bonus
Bildformat: 1,85:1 in 16:9
Tonformat und Sprachen: DTS-HD 5.1 (Deutsch und Englisch)
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Extras: Entfallene Szenen (14 Min.), The Good Lie Journey (16 Min.), Trailer in Deutsch und Englisch (jeweils ca. 2 Min.), Wendecover

Webseite zum Film: The Good Lie – Der Preis der Freiheit