The Hateful 8: Hängen sollst du in Wyoming

hateful8_coverGewinnspiel_rotWyoming, einige Jahre nach dem amerikanischen Bürgerkrieg: Eine Kutsche bahnt sich mühsam ihren Weg durch den Schnee in Richtung der Stadt Red Rock. An Bord befinden sich der Kopfgeldjäger John „Der Henker“ Ruth, dessen Gefangene Daisy Domergue sowie der Anhalter Major Marquis Warren, der früher Soldat war und nun ebenfalls als Kopfgeldjäger sein Geld verdient, und Chris Mannix, ein Deserteur aus den Südstaaten, der behauptet, der neue Sheriff der Stadt zu sein. Ein Schneesturm zwingt die Gruppe zu einem Zwischenstopp in Minnies Miederwarenladen. Sie treffen dort zwar nicht auf Minnie aber dafür auf den mysteriösen Mexikaner Bon, auf den verschwiegenen Cowboy Joe Gage, auf den Konföderierten-General Sandford Smithers sowie auf Oswaldo Mobray. Während der Sturm draußen immer heftiger tobt, begreifen die acht Fremden, dass ihr Zusammentreffen vielleicht gar nicht so zufällig ist und sie Red Rock möglicherweise nie erreichen werden…

Film-Blog.tv meint:
Ziemlich genau 50 Jahre ist es her, dass der letzte Film im 70mm-Ultra-Panavision-Verfahren gedreht wurde. Für seine „Hateful 8“ hat Quentin Tarantino die alten Kameras reaktiviert, um dieses Super-Breitwand-Verfahren nutzen zu können. Hat man seinerzeit für die ganz großen Landschaftspanoramen verwendet. Und was macht Tarantino damit? Dreht ein Western-Kammerspiel, das zu achtzig Prozent in einer eingeschneiten Blockhütte spielt. Sowas macht nur ein kompletter Irrer oder ein Genie. Auch wenn irgendwelche Kleingeister was anderes behaupten: Tarantino ist ein verdammtes Genie. Spätestens nach diesem Film gehört er zu den ganz, ganz großen Regisseuren.

Den Beitrag verfasste unser Kollege Chris Kurbjuhn.

Wie ein Leichentuch liegt der Schnee über Wyoming. Eine Postkutsche kämpft sich auf der Flucht vor einem Schneesturm durch die Landschaft. In ihr sitzt Kopfgeldjäger John „The Hangman“ Ruth mit seiner Gefangenen Daisy Domerque, einer Mörderin, die in Red Rock / Wyoming gehenkt werden soll. Unterwegs nehmen sie noch den angeblich nächsten Sheriff von Red Rock, Chris Mannix, und Major Marquis Warren mit, einen anderen Kopfgeldjäger, der seine „Beute“ jedoch tot und gefroren dabei hat.

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Mit knapper Not bringt Kutscher O.B. diese erste Hälfte der Hateful 8 zu „Minnie’s Haberdashery“, einer Kutschenstation, wo die restlichen Hateful 4 schon auf sie warten: das mexikanische Faktotum Bob, der schreibende Cowboy Joe Gage, der reisende Henker Oswaldo Mobray und der ehemalige Südstaatengeneral Sanford Smithers, einer zwielichtiger und verschlagener als der andere. Ruth und Warren wollen hier den Schneesturm abwarten, aber es kommt anders, als jeder der Anwesenden gedacht hat. Praktisch niemand in der Blockhütte ist der, der er vorgibt zu sein. Jeder führt etwas im Schilde, von dem zumindest einige der anderen nichts ahnen sollen…

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Kommt einem irgendwie bekannt vor? Ist auch bekannt, denn was als Western beginnt, setzt Tarantino als zynische Paraphrase auf ein Agatha-Christie-Whodunit fort. Wie bei diesem Regisseur zu erwarten, geht es bei der Entlarvung der verschiedenen Schwindler und Mörder jedoch wesentlich weniger gesittet zu als bei Mrs. Christie, und so bekommen die Fans in der zweiten Hälfte des Films das, was sie vom Meister erwarten: Gemetzel, Blut und Splatter-Effekte satt.

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So weit, so Tarantino, möchte man meinen, doch der Film geht über dessen übliches Zitat-Trommelfeuerwerk weit hinaus. Im scheinbar beengten Raum der Blockhütte errichtet Tarantino einen sehr heutigen amerikanischen Mikrokosmos, ein Abbild einer zutiefst rassistischen, gewalttätigen Gesellschaft, deren Mitglieder nur eines gemeinsam haben: das abgrundtiefe gegenseitige Misstrauen, das jederzeit in Hass umschlagen kann. Diese Doppelbödigkeit hebt den Film einerseits über das Western-Genre weit hinaus, andererseits könnte so diesem Genre, das in den letzten Jahren meist eher schlecht als recht auf die Leinwände kam, neues Leben eingehaucht werden. Aktualität als Atemspende – warum denn nicht?

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Auch wenn Tarantino in diesem Film einige neue Wege beschreitet: Was ein paar Sachen anbelangt, bleibt er sich grundsätzlich treu. Zum einen bei den herausragenden Schauspielerleistungen. Mehr denn je ist Tarantino ein „Actor’s Director“ der zuverlässig superbe Leistungen aus seinen hochkarätigen Ensembles herausholt. Auch seinen stets präsenten, sardonischen Humor hat Tarantino keinesfalls verloren, auch wenn er in diesem Film auf leiseren Stiefelsohlen daherkommt als sonst. Absolut herausragend sind wiederum die Bilder, die er gemeinsam mit seinem Kameramann Robert Richardson (wenn der für diesen Film keinen Oscar bekommt, ist das der nächste Skandal für die Academy) gefunden hat. Wie Tarantino und Richardson das Innere von Minnie’s Haberdashery mal riesengroß und gleich wieder klaustrophobisch eng erscheinen lassen, wie sie einen ganzen Kontinent in das Zimmer hineinquetschen, nur um den Raum im nächsten Moment von einem einzelnen Mann bersten lassen, das ist – wie die ganzen „Hateful8“ – ganz, ganz großes Kino.

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Nachbemerkung: „The Hateful 8“ wurde zwar in 70mm-Ultra Panavision gedreht, in fast allen Kinos wurde jedoch eine digitale Fassung gezeigt. Die meisten Kinos haben nicht mehr die Möglichkeit zur analogen Projektion, und schon gar nicht in 70mm. Die Version der Blu-ray und DVD entspricht der kürzeren, „normalen“ Kinoversion. Auch wenn 20 Minuten Unterschied nach viel Holz klingt, die Unterschiede sind – abgesehen natürlich vom brillanten 70mm-Bild – minimal: 12 Minuten Pause und die mehre Minuten lange musikalische Ouvertüre sind für den größten Teil des Zeitunterschieds verantwortlich. Ansonsten sind einige Einstellungen geringfügig anders und es fehlen in der digitalen Version – aus welchen Gründen auch immer – ein paar Dialogschnipsel.

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Chris hat diese Rezension nach der Kinopremiere in Berlin verfasst. Die Oscar-Verleihungen fanden erst danach statt. Robert Richardson ging leider leer aus, dafür wurde Ennio Morricone für seine Filmmusik ausgezeichnet. Richardson (Kamera) wurde, wie Jennifer Jason Leigh (Beste Nebendarstellerin), aber immerhin nominiert.

Gewinnspiel
Folgende Fragen gilt es zu beantworten:
1.) Nennt uns den Western, der Euch am besten gefällt! Schön wäre eine kurze Begründung, warum Euch ausgerechnet dieser Film so gut gefällt.
2.) Wie habt Ihr zu www.film-blog.tv gefunden?
Zu gewinnen gibt’s auch was, nämlich

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2 x Fanpaket mit einem T-Shirt und dem Buch „Quentin Tarantino Unchained. Die blutige Wahrheit“ von der Münchner Verlagsgruppe GmbH
2 x Fanpaket mit einem Fensteraufkleber und dem Buch „Quentin Tarantino Unchained. Die blutige Wahrheit“ von der Münchner Verlagsgruppe GmbH

Schickt einfach eine Mail mit der, hoffentlich richtigen, Antwort und Eurer Adresse an gewinnspiel@film-blog.tv

Dazu habt ihr bis zum 15.06.2016 bis 24.00 Uhr Zeit.

Das Gewinnspiel wird von www.film-blog.tv veranstaltet, die Teilnahme ist kostenlos. Teilnahmeberechtigt sind Personen über 18 Jahre mit Wohnsitz in der Bundesrepublik Deutschland. Mitarbeiter der beteiligten Firmen und Agenturen sowie von www.film-blog.tv
dürfen nicht mitmachen. Gehen mehr richtige Antworten ein, als Preise zur Verfügung stehen, lassen wir das Los entscheiden, der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Die Teilnehmerdaten werden nur für die Zustellung eines eventuellen Gewinns bis zum Einsendeschluss gespeichert und anschließend vollständig gelöscht. Eine Weitergabe an Dritte ist ausgeschlossen.

Universum Film GmbH präsentiert „The Hateful 8“ ab 30. Mai 2016 auf Blu-ray Disc™, Blu-ray Disc™-Steelbook, DVD und als VoD.
Das Rezensionsexemplar, die Aufkleber und die T-Shirts wurden von Universum Film GmbH zur Verfügung gestellt, die Bücher „Quentin Tarantino Unchained. Die blutige Wahrheit“ von der
Münchner Verlagsgruppe GmbH. Wir bedanken uns herzlich.

Originaltitel The Hateful Eight
Land / Jahr: USA / 2015
Genre: Drama, Familie, Musik
Darsteller: Samuel L. Jackson: Major Marquis „Der Kopfgeldjäger“ Warren, Kurt Russell: John „Der Henker“ Ruth, Walton Goggins: Chris „Der Sheriff“ Mannix, Jennifer Jason Leigh: Daisy „Die Gefangene“ Domergue, Tim Roth: Oswaldo „Der kleine Mann“ Mobray, Michael Madsen: Joe „Der Cowboy“ Gage, Demián Bichir: Bob „Der Mexikaner“, Bruce Dern: General Sandy „Der General“ Smithers, Zoë Bell: Six-Horse Judy, Channing Tatum: Jordan „Jody“ Domergue, James Parks: O.B. Jackson, Dana Gourrier: Minnie Mink u. a.
Regie: Quentin Tarantino
Drehbuch: Quentin Tarantino
Produktion: Richard N. Gladstein, Shannon McIntosh, Stacey Sher
Kamera: Robert Richardson
Musik: Ennio Morricone
Schnitt: Fred Raskin
FSK: 16

Blu-ray Disc™
Laufzeit: ca. 167 Min. + Bonus
Bildformat: Full HD 16:9 (2,76:1)
Tonformat: DTS-HD 5.1 Master Audio
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Deutsch für Hörgeschädigte
Extras: Featurettes: Beyond the Eight – A Behind-the-Scenes Look, Sam Jackson’s Guide to Glorious 70mm, Wendecover

Webseite zum Film: The Hateful 8