The Rover: Mit der Halbautomatischen durch die Dystopie

rover_coverAustralien, irgendwann in einer nahen, trostlosen Zukunft: Die Menschheit hat die Welt mit Gier nach Macht und Besitz an einen neuen Tiefpunkt getrieben. Gesetze und Gesellschaft existieren nicht mehr. Als dem ehemaligen Farmer und Einzelgänger Eric sein letzter Besitz – ein Auto – von Banditen entwendet wird, setzt er alles daran, um sich seine Habe wiederzuholen. Gemeinsam mit Rey, den die Banditen verletzt zurückgelassen haben, rast er ihnen zu einem finalen, alles entscheidenden Showdown hinterher.

Film-Blog.tv meint:
„The Rover“ polarisiert: die Zuschauer lieben oder hassen das Endzeitdrama von David Michôd. Persönlich habe ich während des Ansehens immer wieder geprüft, wie viele Minuten des Films ich noch ertragen muss. Das empfinden nicht alle so. Warum dies wohl so ist, und worum es in der Outback-Elegie überhaupt geht, diskutiert der folgende Text.

Den Beitrag verfasste unser Autor Peter Schrandt.

„Australien, zehn Jahre nach dem Zusammenbruch“, leitet eine Texttafel zu Beginn des Films ein. Was diesen Kollaps bewirkt hat, erschließt sich nicht. Chinesische Menschen und ihre Spache spielen immer wieder eine Rolle in diesem verödeten Australien, und Armeeangehörige versuchen die Ordnung aufrechtzuerhalten. Die wenigen verbliebenen Einwohner trauen der australischen Währung nicht mehr und wollen us-amerikanisches Geld. Übrig von Australien blieb in jedem Fall ein Dystopia: eine zukünftige Welt, die in dieser Form niemand will.

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In dieser trostlosen Umwelt lebt der Farmer Eric. Er ist emotional so ausgebrannt wie die triste Landschaft, die die Kulisse des Films bietet. Als vor seinem Haus vier Kriminelle ihr Auto festfahren, stehlen sie Erics Wagen. Es gelingt ihm, den liegengebliebenen Truck der Vier gangbar zu machen und nimmt die Verfolgung auf. Eric ist wild entschlossen, sein Fahrzeug zurückzubekommen. Er tötet ohne zu zögern und emapthielos alle, die in seinem Weg stehen und ein paar weitere Personen.

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Auf seiner Fahrt findet er Rey, einen jungen Mann, der zu dem kriminellen Quartett gehörte. Seine Mitstreiter ließen ihn schwerverletzt zurück, Eric nimmt den verstörten Jungen mit sich. Der schlichte Junge ist die einzige Person, zu der Eric im Verlauf des Films überhaupt so etwas wie eine Beziehung aufbaut. Am Ende findet er seine Widersacher und nimmt sein Auto erneut an sich. Im Kofferraum findet sich der Grund seiner verzweifelten Jagd…

Das Setting des Films ist die Kargheit: das gilt für die öde Landschaft, die reduzierten Dialoge und die überwiegend nihilistische Weltsicht. Diese Reduziertheit betont jedes der Geschehnisse. Das Schauspiel, das insbesondere Guy Pearce als Eric und Robert Pattinson in der Rolle des Rey abliefern, ist durchaus sehr überzeugend.

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Pearce überzeugt als Einzelgänger, der an der Sinnlosigkeit zugrunde geht. Nach einer Verhaftung durch die Armee berichtet er dem Soldaten, dass er vor zehn Jahren seine Frau und ihren Liebhaber aus Eifersucht tötete. Es laste jeden Tag auf ihm, dass die Tat niemanden interessierte.

Vom „Twilight“-Teenieschwarm lässt Robert Pattinson in „The Rover“ nichts mehr übrig. Als Verstoßener Rey an der Seite des wild entschlossenen „Rover“ Eric driftet er verstört durch eine karge Welt ohne Perspektive. Er portraitiert den sehr einfachen Rey, dessen Welt erschüttert wird, als sein vertrautes soziales Umfeld ihn aufgibt, mit viel Talent. Er lässt seinen Charakter ein wenig Humor ergänzen, in dem er unaufhörlich plappert, und mit vielen Worten unter anderem erzählt, wie gerne er schweigt.

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Ein Stilmittel des Films sind die Längen. Dies betrifft die Weite der tristen Landschaft ebenso wie die zeitliche Komponente. Michôd lässt seinen Hauptdarsteller wiederholt sekundenlang bedeutungsschwanger starren, und kostet Fixpunkte aus, die die ruhige Fotografie findet.

In einer so kargen Umgebung gelingt es der Kamera vereinzelt, noch immer schöne Perspektiven im australischen Outback einzufangen. Meist wird mit einer geringen Sättigung und wenigen Blautönen jedoch die Naturschönheit ausgeblendet, um die Trostlosigkeit bildlich zu unterstreichen.

Dabei sind die sandfarbenen Aufnahmen klar und konturiert. Der Ton ist räumlich, der Score ist schrill und will futuristisch erscheinen. Nicht leicht machen es einem die gekonnt einstudierten Akzente, die die Darsteller zur Anwendung bringen; zumal dann, wenn das Wohnzimmer lauter wird, weil niemand mit Ausnahme des Rezensenten den Film mehr sehen möchte. Deutsche Untertitel helfen, englische fehlen leider.

Verfolgt man die Diskussionen zu dieser 2014er-Produktion, fällt eine ungewöhnlich starke Polarisierung auf. Diejenigen, die den Film ablehnen, weisen auf die schwer erträgliche depressive Grundstimmung und Inhaltsarmut hin. Befürworter loben den avantgardistischen Ansatz und die kunstvolle Umsetzung. Vereinzelt werfen Konsumentenkritiker, die den Film unterstützen, den kritisch eingestellten Rezensenten Banausentum vor und unterstellen, sie seien die Unterhaltung des Privatfernsehens gewohnt. Dies übersieht das Spektrum der Kunst, die nicht per definitionem jedem Konsumenten gefallen will und muss; Kunst liegt im Auge des Betrachters.

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Meinen Geschmack hat die Endzeitelegie eindeutig verfehlt, trotz wirklich guten Schauspiels und einer technisch versierten Kamera. Manch ein Rezensent weist darauf hin, dass die Schlusssequenz die gesamte Handlung in ein neues Licht stelle und hochemotional sei. Während deren Ansatz durchaus in der Lage ist, mich emotional tief zu berühren, war dies bei „The Rover“ nicht der Fall; zu sehr haben mich die ca. 100 Filmminuten zuvor genervt. Freudig berührt hat mich hingegen die Tatsache, dass ich nun mit diesem Werk abschließen konnte.

Ist der Film deshalb schlecht? Nein, nicht absolut und allgemeingültig. Er hat seine Anhänger, denn der Unterhaltungswert liegt im Auge des Betrachters. Und es ist gut, dass wir alle unseren individuellen Geschmack mitbringen.

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Senator Home Entertainment GmbHpräsentiert „The Rover“ ab 31. Oktober 2014 auf Blu-ray Disc™, DVD und als VoD.
Das Rezensionsexemplar wurde von der Senator Home Entertainment GmbH zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Originaltitel: The Rover
Land / Jahr: Australien / 2014
Genre: Drama, Science-Fiction, Thriller
Darsteller: Guy Pearce: Eric, Robert Pattinson: Rey, ScootMcNairy: Henry, David Field: Archie, Anthony Hayes: Sgt Rickofferson, Gillian Jones: Grandma, Susan Prior: Dot u.a.
Regie: David Michôd
Drehbuch: David Michôd
Autoren: Joel Edgerton, David Michôd
Produzenten: Liz Watts, David Linde,David Michôd
Produktion: Porchlight Films, Lava Bear Films
Kamera: Natasha Braier
Musik: Anthony Partos
Schnitt: Peter Sciberras

Blu-ray Disc
Laufzeit: ca. 103 Min. + Bonus
Bildformat: Full HD 16:9 (2,40:1)
Tonformat: DTS-HD 5.1
Sprachen: Englisch, Deutsch
Untertitel: Deutsch
Extras: Featurette „The World of Rover“, Interviews mit Guy Pearce, Robert Pattinson, David Michôd, Trailer
FSK: 16

Webseite zum Film: The Rover