Töte zuerst – Der israelische Geheimdienst: Offene Worte

toete_zuerst_coverIn „Töte zuerst“ sprechen zum ersten Mal überhaupt sechs ehemalige Chefs des israelischen Inlandsgeheimdienstes Schin Bet über ihre Einblicke und denken öffentlich über ihre Handlungen und Entscheidungen nach.Seit dem Sieg seiner Streitkräfte im Sechstagekrieg 1967 ist es Israel nicht gelungen, dauerhaft Frieden zu schließen. Die sechs für den Film „Töte zuerst“ interviewten Leiter des Schin Bet waren seit Ende des Krieges an allen sicherheitsrelevanten politischen Entscheidungen Israels maßgeblich beteiligt. Sie arbeiteten eng mit den jeweiligen Premierministern zusammen, und ihre Beurteilungen und Erkenntnisse hatten – und haben – tiefgreifenden Einfluss auf die israelische Politik. Der für den Oscar nominierte und bereits mehrfach ausgezeichnete Dokumentarfilm „Töte zuerst“ bietet einen exklusiven Einblick in ihre Erfolge und Misserfolge.

Film-Blog.tv meint:
Wer auf Agenten und Gadgets wartet, ist bei „Töte zuerst“ schlecht bedient. Im Mittelpunkt des Portraits stehen keine James Bonds, sondern sechs Männer, die maßgeblich das Schicksal ihres Landes in dessen ständiger Bedrohung mit beeinflusst habe. Die ehemaligen Direktoren sind die einzigen öffentlich bekannten Mitglieder des israelischen Inlandsgeheimdienstes Shin Bet, und diese sechs von ihnen öffnen sich Regisseur, Drehbuchautor und Co-Produzent Dror Moreh mit Einblicken in die jahrzehntelange verdeckte Arbeit. „Niemand versteht den Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern besser als diese sechs Männer“, sagt er über seine Gesprächspartner, und teilt deren tiefe Einsichten in seinem mehrfach prämierten Dokumentarfilm aus 2012.

Den Beitrag verfasste unser Autor Peter Schrandt.

Stell dir vor, du lebst in einem kleinen Land, umgeben von Staaten, die deinem Land und dessen Bürgern überwiegend feindlich gesonnen sind. Einige dieser Staaten machen keinen Hehl aus der Tatsache, dass sie dein Land vernichten wollen, und sie stellen dies wieder und wieder unter Beweis. In dieser Situation konstanter Anspannung wirst du alles dafür tun, dass du und deine Mitmenschen überleben, und dies ist das Ziel des israelischen Inlandsgeheimdienstes Shin Bet. Die Bedrohung der Menschen in Israel ist über Jahrzehnte sehr konkret: Bombenattacken, Sprengstoffanschläge und Schüsse durch Terroristen treten immer wieder auf. Auch Passagiere der israelischen Fluglinie E-Al zählen zu den Opfern von Terroranschlägen. Frühzeitige Informationen über Anschläge zu gewinnen und sie zu verhindern gehört zu den Aufgaben der Mitarbeiter von Shin Bet.

Unter der Regie von Dror Moreh berichten die ehemaligen Direktoren Ami Ajalon, Avi Dichter, Juval Diskin, Karmi Gilon, Ja’akov Peri, Avraham Schalom über die Arbeit des Dienstes. Die geschilderten Ereignisse illustriert Dror Moreh mit Archivaufnahmen und computeranimierten Szenen.

„Der Geheimdienst läuft wie eine gut geölte Maschine“, sagt Yaakov Peri, Direktor von 1988 – 1994. „Bestens organisiert, effizient, systematisch“. Im Fokus steht die „Human intelligence“, die Beschaffung von Nachrichten, die Gewinnung von Agenten. Dass der Shin Bet damit Erfolg hat, bestätigt Avraham Shalom, Direktor von 1980 bis 1986: statt 20 Angriffen in der Woche wurden später 20 im Jahr verzeichnet.

Oft bewegen sich die Agenten am Rand der Legalität, die Politik steht nicht immer dahinter. „Im Kampf gegen den Terror: vergessen Sie die Moral. Bei Bomben: vergessen Sie die Moral“ sagt Avraham Shalom. In der Spirale der Gewalt, der sie ausgesetzt sind, handeln die Männer nicht eben feinfühlig.

Die Reportage ist in sieben Teile gegliedert: „Keine Strategie, nur Taktiken“, „Vergiss die Moral“, „Des einen Terrorist ist des anderen Freiheitskämpfer“, „Unser eigenes Fleisch und Blut“, „Der Sieg lässt dich leiden“ und „Der alte Mann am Ende des Ganges“.

Das realistische, oft selbstkritische Portrait wurde mehrfach ausgezeichnet. Zu den Ehrungen gehören „Bester Dokumentarfilm“ beim Los Angeles Film Critics Association Award 2012, „Top 5 Dokumentarfilme“ beim National Board of Review Award 2012, „Bester Non-Fiction-Film“ beim National Society of Film Critics Award 2013, der 2. Platz in der Kategorie „Bester Non-Fiction-Film“ des New York Film Critics Circle Award 2012 und Nominierungen für den Oscar (TM) 2013 in der Kategorie: „Bester Dokumentarfilm“, den Producers Guild of America Award 2013 (Kategorie: Bester Dokumentarfilm) sowie den Grimme-Preis 2014.

Studio Hamburg Enterprises präsentiert „Töte zuerst – Der israelische Geheimdienst Shin Bet (The Gatekeepers)“ ab 17. April 2015 auf DVD.
Das Rezensionsexemplar wurde von Studio Hamburg Enterprises zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Originaltitel: שומרי הסף (The Gatekeepers)
Land / Jahr: Israel, Deutschland, Frankreich / 2012
Genre: Dokumentarfilm
Interviewpartner: Ami Ajalon, Avi Dichter, Juval Diskin, Karmi Gilon, Ja’akov Peri, Avraham Schalom
Regie: Dror Moreh
Drehbuch: Dror Moreh
Produzenten: Estelle Fialon, Philippa Kowarsky, Dror Moreh
Kamera: Avner Shahaf, Lee Klein
Schnitt: Oron Adar
Musik: Regis Baillet, Jerome Chassagnard, Alex Claude, Daniel Meir
FSK: 12

DVD
Laufzeit: ca. 95 Min.
Bildformat:16:9 – 1.77:1
Tonformat:Dolby Digital 2.0 Stereo
Sprachen:Deutsch, Hebräisch
Untertitel:
Extras:12-seitiges Booklet mit Informationen zu den porträtierten Direktoren