… und Äktschn! – „Zum Genie fehlt mir das Geld!“

aektschn_coverDer leidenschaftliche Amateurfilmer und letzter Kinosaurier Hans A. Pospiech, der von sich selbst sagt „Zum Genie fehlt mir das Geld!“, hält sich nur über Wasser, indem er Weltkriegs-Memorabilien aus dem Nachlass seines Vaters verscherbelt. Sein größter Konkurrent um den Rang des Filmexperten im örtlichen Amateurfilmclub ist dessen Direktor Nagy, im Hauptberuf erfolgloser Immobilienmakler mit missgünstigem Charakter. Treffpunkt des Provinz-Hahnenkampfs ist die Schankwirtschaft von Grete Neuriedl, die mit lauter klammen Kunden auch keinen Blumentopf gewinnen kann. Zu den örtlichen Pleitegeiern gehören: Pospiechs Neffe Alfons, der Musikalien-Händler Fleischbauer und Hobbyhistoriker Brunnhuber.

Film-Blog.tv meint:
Gerhard Polt macht es seinen Fans nicht immer leicht. Wer ihn auf „Kehraus“, „Man spricht deutsh“ und seine legendäre „Mai Ling“ reduziert, wird ihm sowieso nicht gerecht. Er wurde, wie seine Fans, älter. Und sein Humor differenzierter. Wer sich „… und Äktschn!“ in der Hoffnung auf Schenkelklopfer anschaut, wird feststellen, dass ihm das Lachen öfter im Hals stecken bleibt als ihm lieb ist.
Polt ist Kabarettist, hat seine „Krachlederne Phase“ aber längst hinter sich gelassen. Wer Spaß daran hat, in Andeutungen und Zwischentönen ein Gesamtbild zu finden, das mit dem vordergründig Sichtbarem nicht mehr viel zu tun hat, dem wird auch dieser „Polt“ gefallen. Die anderen sind bei Mario Barth & Co. besser aufgehoben.

Finanzblase und Umschuldungsprogramme, die mit gesundem Menschenverstand nicht mehr nachvollziehbar sind, findet man nicht nur in der Hochfinanz, sondern auch in der kleinen bayerischen Gemeinde Neufurth. Dort beobachtet jeder den anderen ganz genau, sozialer Neid bestimmt das Leben und letztlich steht allen finanziell das Wasser bis zum Hals.

Die Posse beginnt, als Sparkassen-Direktor Faltermeier ein kreatives Finanzmanöver ersinnt, das seine Bilanzen wieder auf Vordermann bringen soll: Kulturförderung heißt der Trick. Er schreibt einen Filmwettbewerb aus, wobei der Sieger für ihn schon feststeht: der mit dem größten Schuldenberg, also Pospiech. In Faltermeyers Augen ein pekuniärer Tiefseetaucher… ohne Atemgerät. Nur Pospiech sieht endlich seine große Chance, Filmgeschichte zu schreiben. Und die will er sich auf keinen Fall entgehen lassen. Ein Film über Adolf Hitler als Privatmensch … da ist der persönliche Untergang gleichsam vorprogrammiert.

Pospiech steht kurz vor der Scheidung, und „Zum Genie fehlt mir das Geld“ ist sein Schlüsselsatz. Denn bei der ortsansässigen Sparkasse ist unser Held längst „Risikokunde“, einer von vielen potentiellen Pleitiers, die dem Sparkassendirektor Faltermeier zunehmend Sorge bereiten, – bis der Herr Direktor nach einem Besuch im Filmclub auf eine geniale Idee kommt, die „Boomeranging Strategy“ – Rückführung von Außenständen! Zuerst wird Pospiech mit einem Imagefilm für die Sparkasse beauftragt („ein bisserl was Erdiges, gegen den Zeitgeist“). Dann soll ein Filmpreis ausgeschrieben werden, den natürlich derjenige mit dem prekärsten Kontostand gewinnen wird, der „pekuniäre Tiefseetaucher ohne Atemgerät“: Pospiech. Der beginnt nun freilich groß zu denken und will einen absoluten Kassenschlager produzieren. Nach der Lektüre eines Buches „Adolf Hitler privat“ will er dasselbe für die große Leinwand adaptieren.

Erste Casting-Probleme bilden nur den Auftakt zu einer Provinzposse, bei der die Dreharbeiten alles und jeden ins Verderben zu stürzen drohen: Der Musikalienhändler Günther Fleischbauer weigert sich anfangs, den „Oasch aus Braunau“ zu verkörpern, lässt sich dann aber doch überreden (und spielt, ganz Laie, nebenbei große „Untergangs“-Stars an die Wand). Die Kneipenbesitzerin Grete, die soeben den Wettkampf um einen Preis für die freundlichste Bedienung verloren hat, ist für Pospiech wegen ihres „Glämmer“ die perfekte Eva Braun. Nach anfänglicher Skepsis wirft sie sich dann aber umso vehementer in die neue Option auf Erfolg. Ein Terrier verliert nur knapp die Rolle von Hitlers Schäferhund. Zwischen infernalischen Kämpfen um Prinzregententorten, beißender Ironie und melancholischem Witz entfaltet sich „… und Äktschn!“ zu einer gnadenlosen Komödie über „die Kraft der Mittelmäßigkeit“…

Majestic Filmverleih präsentiert „… und Äktschn!“ auf Blu-ray und DVD.
Das Rezensionsexemplar wurde von Majestic Filmverleih zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

… und Äktschn!
Land / Jahr: Deutschland / 2013
Genre: Komödie, Drama
Darsteller: Gerhard Polt: Hans Pospiech, Nikolaus Paryla: Nagy, Gisela Schneeberger: Grete, Michael Pink: Security, Maximilian Brückner: Alfons, Neffe von Hans, Michael Ostrowski: Faltermeier, Brigitte Kren: Frau Baatsch, Olaf Krätke: Herr Brunnhuber, Mathias Harrebye-Brandt: Gissler, Prashant Prabhakar: Herr Suk, Robert Meyer: Günther Fleischbauer, Viktor Giacobbo: Jean Pierre Biegler, Robert Palfrader: „Martin Bormann“ u.a.
Regie: Frederick Baker
Drehbuch: Frederick Baker, Gerhard Polt
Produktion: Rat Pack Filmproduktion
Kamera: Wolfgang Thaler
Schnitt: Alarich Lenz
Musik: Biermösl Blasn u.a.

Blu Ray-Disc ™
Laufzeit: ca. 99 Min. + Bonus
Bildformat: 16:9 – 2,35:1
Tonformat: DTS-HD 5.1
Sprachen: Deutsch
Bonus: Trailer, Wendecover
FSK: 6

Webseite zum Film: … und Äktschn!