Untold History Of The United States: Wirklich nur verpasste Chancen?

us_history_coverOscar-Preisträger und Regisseur Oliver Stone erzählt in dieser aufwendig produzierten Doku-Reihe die Geschichte der Vereinigten Staaten neu. In zehn einzelnen Teilen beleuchtet er kritisch die jeweilige US-Regierung und ihren Präsidenten von Roosevelt bis Obama und berichtet von Ereignissen und Entscheidungen im Weißen Haus, von denen kaum einer weiß, die aber die ganze Welt beeinflusst haben.

Film-Blog.tv meint:
Oliver Stone dokumentiert in „Untold History Of The United States“ sehr kritisch die Rolle der USA auf dem Weg zur selbst ernannten Weltpolizei. Er zeigt schonungslos die verpassten Chancen auf, die den „Kalten Krieg“ und die daraus erfolgten Machtblöcke sowie die Aufrüstung im Ansatz hätten verhindern können. Denn die Sowjetunion hat seit dem Ende des 2. Weltkriegs immer wieder Gesprächsbereitschaft signalisiert, die den Rüstungswahnsinn verhindert hätten. Ob es schiere Machtgelüste oder die Taktik der USA war, den Ostblock durch Rüstungsinvestitionen in die Pleite zu treiben? Oder steckt(e) die US-amerikanische Waffen- und Rüstungslobby letztendlich hinter den teuren Entscheidungen ihrer Präsidenten? In dieser Hinsicht schweigt sich Stone leider aus.


„Ich glaubte an das John-Wayne-Bild von Amerika. Mein Vater war Republikaner, und er brachte mir bei, dass das ein guter Krieg sei, weil die Kommunisten böse Kerle seien und wir gegen sie kämpfen müssten. Und dann war da noch der Romantizismus des Zweiten Weltkriegs, wie er in den Filmen auftauchte, die wir schauten. Die Realität unterschied sich davon aber offensichtlich sehr.“
(Oliver Stone)

Die provokative Serie ist nicht nur in den USA recht umstritten und viel diskutiert. Sie entstand in Kooperation mit n-tv, wo sie seit März 2014 wiederholt ausgestrahlt wurde. Der Kauf der Serie auf DVD oder Blu-ray ist dennoch zu empfehlen. Denn die Fülle der Informationen, die hier vermittelt werden, ist so dicht, dass man die Dokumentation öfter sehen muss, um sie komplett zu verstehen.

Die Dokumentation zeigt ein detailliertes Bild, nicht nur der USA, sondern eigentlich der ganzen Weltpolitik seit 1931. Denn den Angriff Japans auf China wertet Stone als eigentlichen Beginn des 2. Weltkriegs.

Erläutert werden der Untergang der Kolonialmächte, vor allem England und Frankreich und der damit verbundene Aufstieg der USA zur Weltmacht – und selbst ernannten Weltpolizei in zehn Kapiteln:

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Episode: 1: Der zweite Weltkrieg
Für viele Amerikaner ist der Zweite Weltkrieg ein „guter“ Krieg. Die Alliierten triumphierten über Nazi-Deutschland, das faschistisch regierte Italien und den japanischen Militarismus. Andere, die dabei waren, erinnern sich an den blutigsten Krieg der Menschheitsgeschichte, der bis zu 65 Millionen Menschen das Leben kostete. Regisseur Oliver Stone wirft einen völlig neuen Blick auf die Rolle der USA nach Ende des Krieges. Er untersucht das Verhalten von Roosevelt und Stalin, geht aber auch auf unbekannte Helden wie den ehemaligen Vizepräsidenten Henry Wallace ein.

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Episode: 2: Roosevelt, Truman und Wallace
Henry Wallace ist ein fast vergessener Mann der amerikanischen Geschichte. In Roosevelts Kabinett wird er 1940 Vizepräsident. Doch bald ist er der Partei ein Dorn im Auge, denn er unterstützt den durchschnittlichen Arbeiter. Er ist zu liberal und ein erklärter Gegner der Atombombe – und er wird nach Roosevelts Wiederwahl durch Harry S. Truman ersetzt. 82 Tage später verstirbt der Präsident und der neue Vizepräsident – Truman – rückt an seine Stelle. Oliver Stone rollt die geschichtlichen Ereignisse auf.

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Episode: 3: Die Bombe
Oliver Stone untersucht Harry S. Trumans Präsidentschaft. Truman, dessen Ansichten konservativ sind, beginnt zusammen mit Joseph McCarthy eine gnadenlose Jagd auf vermeintliche Kommunisten. Er ist es auch, der den Befehl zum Abwurf der Atombombe auf Hiroshima gibt. An dieser Stelle hinterfragt Oliver Stone die amerikanischen Geschichtsbücher: War diese Bombe wirklich das Ende des Krieges oder hätte Japan womöglich ohnehin kapituliert? Die Ereignisse gipfeln in Konflikten mit Russland und enden schließlich im Kalten Krieg.

Episode: 4: Der Kalte Krieg
Nach Ende des Zweiten Weltkriegs verschiebt sich das Machtgleichgewicht. Monat für Monat spitzen sich die Spannungen zwischen den USA und der Sowjetunion zu und gipfeln im Kalten Krieg. Oliver Stone blickt auf die brisante Zeit zurück. Welche Rolle spielte die Rede vom „Eisernen Vorhang“ des ehemaligen britischen Premiers Churchill, in der er vor der Sowjetunion warnte?

Episode: 5: Die 50iger Jahre: Eisenhower und die Bombe
In den 1950er Jahren ersetzte Präsident Eisenhower Truman. Stalin stirbt, aber die Stimmung zwischen der ehemaligen Sowjetunion und den USA bleibt frostig. Die Lage droht zu eskalieren, als die USA am 1. März 1954 auf einem Bikini-Atoll eine Wasserstoffbombe zünden. Die Gewalt der Bombe, zu deren Bau noch Truman grünes Licht gegeben hatte, überraschte selbst die Wissenschaftler. Oliver Stone blickt zurück auf den entfesselten, atomaren Schrecken.

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Episode: 6: JFK
Oliver Stone untersucht die Kennedy-Ära: Angefangen beim „Kalten Krieg“ spitzen sich die Ereignisse mit der Kubakrise im Oktober 1962 dramatisch zu. Die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten von Amerika stehen am Rande eines Atomkriegs. John F. Kennedy und Nikita Chruschtschow kommen einer militärischen Konfrontation so nah wie nie zuvor. Oliver Stone analysiert das Verhalten der Parteien.

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Episode: 7: Johnson, Nixon und Vietnam
Nach Kennedys Tod übernimmt dessen Vize Lyndon B. Johnson das Amt des Präsidenten. Unter seiner Führung greifen die USA in das Kriegsgeschehen zwischen Nord- und Südvietnam ein. Dieser Krieg ist noch heute das Trauma der Vereinigten Staaten. Vietnamveteran Oliver Stone erzählt die Geschichte aus seiner Perspektive.

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Episode: 8: Reagan und Gorbatschow
In dieser Folge widmet sich Oliver Stone den politischen Geschehnissen der 1970er und 1980er in den USA. Nach dem Vietnamkrieg ist das Land schwer traumatisiert. Die Wirtschaft ist am Boden, die Inflation steigt. Über allem liegt immer noch die Angst vor einem Atomkrieg. Präsident Reagan investiert in die Verteidigung des Landes. Sein umstrittenster Plan ist, ein Waffensystem außerhalb der Erde zu installieren und die USA so wieder zur Supermacht werden zu lassen.

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Episode: 9: Bush und Clinton
In den 1990er Jahren bricht die Sowjetunion zusammen. Mit dem Ende des Kalten Krieges wachsen die Zweifel an Präsident George Bush ebenso wie die Wirtschaftskrise in den USA. 1992 unterlag er im Wahlkampf Bill Clinton. Oliver Stone schlägt den Bogen zum nächsten Bush. George W. Bush wird 2001 Präsident. Seine Präsidentschaft erfährt nach den Ereignissen am 11. September 2001 einen tiefgreifenden Einschnitt.

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Episode: 10: Bush und Obama
Oliver Stone zeigt, wie Amerika unter der Führung von George W. Bush in den Krieg zieht. Erst gegen die Taliban in Afghanistan, dann gegen den Irak. Der außenpolitische Kurs der Regierung bringt die Wirtschaft des Landes in Bedrängnis und schadet dem weltweiten Ansehen. Zuhause ist dem Präsidenten nach den Ereignissen vom 11. September die Unterstützung im „Kampf gegen den Terror“ lange sicher. Folter an Kriegsgefangenen und Abhörskandale kosten ihn jedoch Popularität. Die Finanzkrise schwächt ihn zudem.
2009 übernimmt Barack Obama das Amt des Präsidenten und erbt damit die Hoffnungen und Ängste der Bürger.
Quelle: n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH

Die Bildqualität der Blu-ray ist bei den älteren Aufnahmen, trotz teilweise aufwendiger Restaurierung, oft „historisch“. Ausschnitte aus Wochenschau und Fernsehaufzeichnungen, ältere Fotos wurden zwar digital bearbeitet, doch auch aus Gründen der Authentizität sieht man ihnen ihr Alter an. Wer sich die Dokumentation auf dem TV-Gerät – und dafür wurde sie ja produziert – ansieht, hat jedoch kaum Grund zur Klage. Kritisch wird’s erst bei Großprojektion. Wer der englischen Sprache mächtig ist, hat doppelt Grund zur Freude. Zum einen versteht er die, durchaus wichtige und autobiografische Einleitung von Oliver Stone. Die ist, auch in der deutschen Fassung, leider nur mit Untertiteln übersetzt. Zum anderen kommt er in den Genuss des Originalkommentars von Stone, der die Texte selbst spricht. Aber auch die deutsche Übersetzung ist sehr gut gelungen.

Studio Hamburg Enterprises GmbH präsentiert „Untold History Of The United States“ auf DVD und Blu-ray Disc™.
Das Rezensionsexemplar wurde von Studio Hamburg Enterprises GmbH zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Originaltitel: Untold History Of The United States
Land / Jahr: USA / 2012
Genre: Dokumentation
<Regie: Oliver Stone
FSK: 12

Blu-ray Disc
Laufzeit: ca. 600 Min. + 25 Min. Bonus
Bildformat: 1.77:1 in 16:9
Tonformat: Dolby Digital 2.0
Sprachen: Deutsch, Englisch
Extras: Interview mit Oliver Stone und dem Historiker und Co-Autor Peter Kuznick