Upper East Side Society – Schulstart mit Hindernissen: Mehr Schein als Sein

east_side_coverNachdem es das junge Ehepaar Jeff und Samantha nach New York verschlagen hat, müssen sie für ihre kleine Tochter Sue schnell eine neue, möglichst elitäre Schule finden. Schnell entpuppt sich dieses Vorhaben als verzwickt, denn das junge Elternpaar kassiert eine Absage nach der anderen. Als sie die etwas verrückte Schul-Agentin Sue engagieren, werden Jeff und Sam wenige Zeit später zum Vorstellungsgespräch in eine der nobelsten Eliteschulen New Yorks eingeladen. Jeff staunt nicht schlecht, als er dort für einen renommierten Schriftsteller gehalten wird. Nach einiger Überredungskunst von Sam mimt Jeff nun den weltberühmten Schriftsteller. Erstaunlicherweise geht der Plan voll auf und die beiden werden schnell Teil der Upper East Side Society.
Doch bald müssen Jeff und vor allem Sam sich entscheiden: kehren sie zurück in die Provinz als die beiden, die sie auch tatsächlich sind oder leben sie weiter ein Leben aus Lügen in der New Yorker Erfolgswelt der Reichen und Intellektuellen?

Film-Blog.tv meint:
„Upper East Side Society“ begleitet die Neu-New Yorker Jeff und Sam bei ihrem aussichtslosen Vorhaben, ihre Tochter in einer Eliteschule unterzubringen. Mit einer Lüge schaffen sie es schließlich in die Geldelite der Upper East Side, aber nicht in das Herz der Zuschauer. Regisseur Josh Shelov und die Hauptdarsteller Neil Patrick Harris und Bonnie Somerville machen einen guten Job, können aber das schwache Drehbuch nicht ausgleichen. Versetzung gefährdet.

Jeff und seine Frau Sam ziehen von Delaware nach New York City. In dieser Stadt mit vielen Ellenbogen soll ihre fünfjährige Tochter Beatrice eine Privatschule besuchen. Doch das erweist sich als unmöglich: die Leiter der sündhaft teuren Bildungseinrichtungen machen sämtlich schnell deutlich, dass sie bei der gewaltigen Auswahl von Bewerbern wählerisch sein müssen. Eine Verwandtschaft mit dem Präsidenten der USA könnte helfen, aber blöderweise stammen Jeff und Sam aus einfacheren Verhältnissen. Und kennen niemanden in ihrer neuen Wahlheimat voller Wettbewerb.

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In ihrer Not wenden sich die jungen Eltern an die Agentin Sue Lemon. Für ein sattes Honorar verspricht sie, sich um einen Privatschulplatz zu kümmern — ohne Erfolgsgarantie. Sie fragt Sam, in welchem Monat sie denn schwanger sei. Als sie erfährt, dass Beatrice nicht nur bereits auf der Welt, sondern sogar schon im schulfähigen Alter ist, winkt sie ab: ohne einen mehrjährigen Anlauf besteht keine Chance auf einen Platz, sagt die Beraterin.
Die Idee: Vater Jeff soll sich als Autor ausgeben, so etwas schindet Eindruck. Die Eltern schaffen es mit Hilfe ihrer Agentin so tatsächlich in das persönliche Gespräch mit einer Schulleiterin. Als diese in der Bewerbungsmappe den versehentlich dort platzierten Ausdruck eines Chatprotokolls findet, in dem sich Jeffs Studienfreund dreckig mit einer Protituierten austauscht, hält die Hüterin des geldgefüllten Bildungsgrals dies für Literatur. Der begehrte Schulplatz an der Sonne des Geldadels rückt endlich in greifbare Nähe, aber das Schicksal setzt weitere Hürden vor das Elternpaar…

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So eine rechte Sympathie will sich für keinen der Charaktere einstellen. Das ambitionierte Ehepaar meint es zwar gut, verfolgt aber mit den elitären Bildungsplänen für Tochter Bea ein snobistisches Lebensziel. Materialismus und „Keeping up with the Jones“, das krampfhafte Suchen nach Sozialprestige, gehen hierbei über Elternliebe und echte Entwicklung. Agentin Sue wirkt mit ihrer überdrehten Art etwas schräg und ist auch nicht gerade mit Mutter Theresa zu vergleichen, während sich die Schulleiterin von primitivem dirty talk blenden lässt und Obszönitäten für Literatur hält. Die Annahme, dass der vermeintliche Verfasser ein Autor ist, reicht ihr, um verbalen Schrott als Kunst zu werten. Soviel zur Geldelite, die nicht einmal versucht intellektuell gut aufgestellt zu sein.

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So bezieht die Handlung ihre hin und wieder aufflackernde Komik insbesondere aus Momenten der Schadenfreude, in denen sich geldfixierte Meister der Oberflächlichkeit selbst bloßstellen. Und lässt uns ein neureiches Publikum belächeln, das gebannt der Lesung des scheinbaren Autors Jeff verfolgt, während dieser sein ausgesprochen anzügliches „Manuskript“ per Textnachricht vom Telefon seines sexbesessenen Studienfreundes bezieht. Dafür kassierte die Produktion im Herkunftsland gleich einmal die Einstufung „Restricted“.

Bild und Ton der 2010er-Produktion sind gut, die Story hat unterhaltende Grundzüge. Die Handlung schafft es dabei nicht, die gut 90 Minuten konstant kurzweilig zu füllen. Die Bezeichnung „Fremdschämdrama“ trifft es schon eher als Gesellschaftskritik, und Komödie adelt den Film schon mehr als von den Produzenten gewünscht. Neil Patrick Harris und Bonnie Somerville spielen dynamisch und sind präsent, kommen aber nicht gegen ein Drehbuch an, das inhaltliches Potential für einen Kurzfilm mitbringt, aber nicht über Kinofilmlänge trägt.

Der deutsche Verleih hat sich für den Titel „Upper East Side Society“ entschieden. Vielleicht fand man den Originaltitel „The Best and the Brightest“ nicht passend, denn es werden weder die „Besten“ noch die „Hellsten“ porträtiert.

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Lighthouse Home Entertainment GmbH präsentiert „Upper East Side Society“ auf Blu-ray Disc™ und DVD.
Das Rezensionsexemplar wurde von Lighthouse Home Entertainment GmbH zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Originaltitel: The Best and the Brightest
Land / Jahr: USA / 2010
Genre: Komödie
Darsteller: Neil Patrick Harris, Amy Sedaris, Bonnie Somerville, Peter Serafinowicz, Kate Mulgrew u. a.
Regie: Josh Shelov
FSK: 12

Blu-ray Disc
Laufzeit: ca. 90 Min. + Bonus
Bildformat: Full HD 16:9 (1,77:1)
Tonformat: DTS HD 5.1
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel:

Webseite zum Film: Upper East Side Society