Van Morrison – “Duets: Re-Working The Catalogue“

van-morrison_duets_coverMit seinem neuen, mittlerweile 35. Studioalbum “Duets: Re-Working The Catalogue“ wirft Musiklegende Van Morrison einen Blick zurück auf seine Karriere – und lud für die imposante Retrospektive einige gute Freunde ins Studio ein. Wie war es dem visionären Musiker gelungen, den langen und turbulenten Aufstieg aus den zwielichtigen Straßen Belfasts bis zum Madison Square Garden (und weit darüber hinaus) zu meistern? “Duets: Re-Working The Catalogue“ vereint eine Schar an hochinteressanten VIP-Gästen und zeichnet das Porträt eines Künstlers, der stets seine ganz eigene Idee von Perfektion verfolgte.

Film-Blog.tv meint:
Ist „Van The Man“ altersmüde? Das waren meine ersten Gedanken, als ich von einem „Best-Of-Album“ hörte, auf dem er, unter anderem zusammen mit Michael Bublé, seine größten Erfolge aus den letzten Jahrzehnten präsentiert. Freunde, macht Euch locker. Der Meister ist es ja schließlich auch. Lasst das Schubladendenken. Letztendlich gibt’s nur schlechte und gute Musik. Und davon auf diesem Album gleich 16 Titel. Lasst Euch überraschen. Morrison ist nicht altersmüde. Sondern frischer denn je…

Als einer der einflussreichsten Musiker der vergangenen fünfzig Jahre verfügt Morrison über mehr als ausreichend Material, aus dem es auszuwählen galt – und Stars, die mit ihm aufnehmen wollten. Doch Van Morrison hatte schon immer seinen ganz eigenen Kopf, und so entschied der 69-jährige sich gegen offensichtliche Klassiker wie “Moondance“, “Brown-Eyed Girl“ oder “Tupelo Honey“. Anstatt dessen nahm er sich mit seinen Duettpartnern, von Michael Bublé bis Bobby Womack (der leider kurz nach der Aufnahme von “Some Peace Of Mind“ verstarb), weniger bekannte Songs vor, die die außergewöhnliche Bandbreite seines Werkes veranschaulichen.

“Ich habe früher schon Duette aufgenommen, mit John Lee Hooker, Tom Jones, Ray Charles, Carl Perkins und Bobby Bland“, erklärt er. „Bei diesem Projekt ging vornehmlich um die Freude, mit Künstlern zu singen, die ich bewundere, aber auch darum, Songs wieder auf zu greifen, die nicht so bekannt sind. Ich wollte schon seit den frühen 2000er Jahren ein solches Album machen, aber es war schwierig, die richtigen Leute dafür zusammen zu bekommen. Die kreative Seite und der Zeitplan mussten stimmen.“

Es war Morrisons Auftritt beim Bluesfest 2013 in der Londoner Albert Hall, der den Prozess schließlich in Gang brachte. Womack, Mavis Staples und Natalie Cole hielten sich anlässlich des Events ebenfalls in der britischen Hauptstadt auf, die Gelegenheit war also günstig und die Zeit endgültig reif für ein paar gemeinsame Studiosessions. Van Morrison war schon immer von der schnellen Truppe („Ich mag es nicht, wenn getrödelt wird, ich bin aus der John Lee Hooker-Schule, der das Motto hatte: ‘You get in, you get out‘.“) und so machte man sich flugs ans Werk, in einige Fällen schlug er seinen angehenden Duettpartnern Songs vor, manchmal richtete er sich nach deren Liedwünschen.

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Die Liste der Künstler, die sich im Laufe der folgenden zwölf Monate zu ihm ins Studio gesellten, erstreckt sich über Generationen hinweg, von Joss Stone (für das Stück “Wild Honey“) bis hin zum Sixties-Rock’n’Roller P.J. Proby, der bei der beim liebevoll nostalgischen “Whatever Happened To P.J. Proby?“, das Morrison ursprünglich 2002 veröffentlicht hatte, mitwirkte. Ein weiteres Highlight ist die Generations-übergreifende Zusammenarbeit mit Michael Bublé, mit dem er den 1990er-Hit “Real Real Gone“ neu einspielte. Man mag Bublé als Sinatra-esken Interpreten des „Great American Songbook“ kennen, doch er selbst nennt auf Nachfrage oft und gerne „Van The Man“ als einen seiner Haupteinflüsse. Seine Solo-Versionen von “Moondance“ und “Crazy“ zählen zu den besten Van Morrison-Interpretationen der vergangenen Jahre.

“Duets: Re-Working The Catalogue“ verdeutlicht Van Morrisons einzigartige Position in der populären Musik. Gleichermaßen verehrt von Jazz-, Folk-, Rock- und Blues-Musikern überraschte er seit seinem ersten Erscheinen in der britischen R&B-Szene immer wieder aufs Neue. Sein legendäres Album “Astral Weeks“, dass 1968 in New York aufgenommen wurde, etablierte ihn als einen der innovativsten und unberechenbarsten Künstler seiner Zeit. Die konventionellen Gepflogenheiten des Superstar-Daseins lehnte er grundheraus ab – er sah sich selbst viel mehr als arbeitenden Musiker denn als Rock Star – und verfolgte stets zielstrebig seine künstlerische Vision. Er ist ein ruheloser Charakter, kompromisslos und geradeheraus, der sich jedweder Kategorisierung entzieht und nachfolgenden Generationen von Musikern auf beiden Seiten des Atlantiks mit seinem Schaffen und Wirken den Weg bereitete.

Das Material für “Duets“ auszuwählen, war für ihn eine keine leichte Aufgabe. „Das war nicht einfach. Es ist nicht nur schwer, Leute herauszusuchen, denn es gibt so wahnsinnig viele. Es ist auch schwierig, Songs auszusuchen. Alles in allem sind es ungefähr 350 Lieder. Ich nehme mir die alten Sachen normalerweise nicht vor, es sei denn, ich will sie überarbeiten oder ein neues Arrangement machen.“

Uneingeschränkt Verlass war auf die Motivation seiner Gäste, der großen Aufgabe gerecht zu werden. „All diese Leute wissen ganz genau, was sie tun“, sagt er. “Sie haben das alles schon so oft gemacht, genau wie ich. Sie nehmen den Song, wie er ist und machen einfach weiter. Man muss nicht groß darüber nachdenken oder irgendwas. Man überlegt nicht lange. Es ist eher eine Jazz- oder R&B-Herangehensweise als ein Rock-Approach.“

Mark Knopfler und Mick Hucknall zaubern auf ihren jeweiligen Nummern “Irish Heartbeat” und “Streets Of Arklow” eine fast schon pastorale Stimmung, Stevie Winwood bereichert das Album auf “Fire In The Belly“ mit seinem Blue-Eyed-Soul. Daneben gibt es noch ein Wiedersehen mit einigen weiteren britischen Mitstreitern, darunter Sixties-R&B-Veteran Chris Farlowe (“Born To Sing“) und Morrisons langjährigem Freund und musikalischen Komplizen Georgie Fame (“Get On With The Show“). Eine typisch unorthodoxe Wahl war Clare Teal für den Song “Carrying A Torch”, eine exzellente Sängerin und Pianistin, die Morrisons Liebe für Vintage Jazz teilt und die als Gastsängerin um ein Haar Superstar Liza Minelli bei ihrem Auftritt in der Londoner Festival Hall die Show gestohlen hätte. Morrisons Tochter Shana, mittlerweile selbst eine angesehene Sängerin, scheut sich derweil nicht, ihrem legendären Vater bei dem Song “Rough God Goes Riding“ musikalisch gegenüber zu treten.

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“Vieles davon ist sehr spontan entstanden“, erklärt Morrison in seiner typisch beiläufigen Art. Ein perfektes Beispiel dafür ist die bluesigen Schlussnummer “How Can A Poor Boy?“, die in einem Hotel in County Down aufgenommen wurde, wo er gerne kleinere Konzerte gibt. Er und die amerikanisch-karibische Musiklegende Taj Mahal bahnen sich einen Weg durch den Song, bevor sie zum Abschluss in Scherze und Gelächter übergehen. Es ist eine unvergessliche Momentaufnahme der beiden Giganten, von denen jeder ganz offensichtlich die Gesellschaft des anderen genießt. In einer Epoche der vakuumverpackten, überproduzierten Musik verkörpert “Duets: Re-Working The Catalogue“ die klassischen, guten Werte aus Fleisch und Blut.

Duets: Re-Working The The Catalogue Tracklist (CD):
01. “Some Peace of Mind” mit Bobby Womack (Originalversion erschienen auf: “Hymns to the Silence”, 1991)
02. “Lord, If I Ever Needed Someone” mit Mavis Staples (Originalversion erschienen auf: “His Band and the Street Choir”, 1970)
03. “Higher Than The World” mit George Benson Originalversion erschienen auf: “Inarticulate Speech of the Heart”, 1983)
04. “Wild Honey” mit Joss Stone (Originalversion erschienen auf: “Common One”, 1980)
05. “Whatever Happened to P.J. Proby” with P.J. Proby (Originalversion erschienen auf: “Down the Road”, 2002)
06. “Carrying a Torch” mit Clare Teal (Originalversion erschienen auf: “Hymns to the Silence”, 1991)
07. “The Eternal Kansas City” mit Gregory Porter (Originalversion erschienen auf: “A Period of Transition”, 1977)
08. “Streets Of Arklow” mit Mick Hucknall (Originalversion erschienen auf: “Veedon Fleece”, 1974)
09. “These Are The Days” mit Natalie Cole (Originalversion erschienen auf: “Avalon Sunset”, 1989)
10. “Get On With The Show” mit Georgie Fame (Originalversion erschienen auf: “What’s Wrong with This Picture”, 2003)
11. “Rough God Goes Riding” mit Shana Morrison (Originalversion erschienen auf: “The Healing Game”, 1997)
12. “Fire in the Belly” mit Steve Winwood (Originalversion erschienen auf: “The Healing Game”, 1997)
13. “Born To Sing” mit Chris Farlowe (Originalversion erschienen auf: “No Plan B”, 2012)
14. “Irish Heartbeat” mit Mark Knopfler (Originalversion erschienen auf: “Irish Heartbeat”, 1988)

15. “Real Real Gone” mit Michael Bublé (Originalversion erschienen auf: “Enlightenment”, 1990)
16. “How Can A Poor Boy” mit Taj Mahal (Originalversion erschienen auf: “Keep It Simple”, 2008)

„Duets: Re-Working The The Catalogue“ erscheint am 20. März 2015 bei RCA Records / Sony Music Entertainment GmbH.
Das Rezensionsexemplar wurde von RCA Records / Sony Music Entertainment GmbH zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Webseite von Van Morrison