Welcome to Sweden: Amerikanen Bruce kär i Emma från Sverige

sweden_coverBruce Evans ist ein erfolgreicher Steuerberater in New York, zu dessen Kunden auch einige weltbekannte Stars zählen. Doch der Liebe wegen bricht er kurzerhand alle Zelte ab und folgt seiner Freundin Emma in ihre Heimat Schweden. Schon die ersten Stunden in dem ihm unbekannten Land halten so manche Überraschung für ihn auf Lager: Der vorübergehende Einzug bei den Schwiegereltern in spe, Begrüßungsschnäpse mit Emmas Bruder Gustaf, der Besuch des filmversessenen und USA-begeisterten Onkels Bengt und ein gemeinsamer Saunagang bringen ihn schon am ersten Tag an den Rand seiner Kräfte. Schnell drängt sich Bruce der Verdacht auf: Mit seiner kauzigen neuen Familie wird es ihm so bald nicht langweilig werden.

Film-Blog.tv meint:
Ein New Yorker in Stockholm – kann das gutgehen? Unbedingt, wenn der Amerikaner Greg Poehler sein Leben als Wahlschwede Inspiration für eine humorvolle Serie sein lässt, die das Aufeinanderprallen zweier Kulturen beschreibt. Als Bruce mit seiner Freundin Emma in ihr Heimatland zieht, tun sich einige kulturelle Hürden auf; kein Fettnäpfchen ist ihm zu weit entfernt, um es in der gleichermaßen offenen wie verschlossenen schwedischen Gesellschaft mitzunehmen. Greg Poehler erzählt eine sehr realistische und ausgesprochen kurzweilige Geschichte, die von der ersten bis letzten Minute Spaß macht. Wer zu mindestens einem der beiden Länder Bezug hat, oder einfach charmante Serien mit origineller Handlung schätzt, sieht sie sich an.

Den Beitrag verfasste unser Autor Peter Schrandt.

Der New Yorker Steuerberater Bruce Evans hat für seine Chefin viel Geld verdient. Und ihr damit viele Probleme bereitet, eröffnet sie ihm: Steuern, Investments und Erläuterungen zur Herkunft des Vermögens. Sie ist konsequent und feuert ihn aufgrund dieser „Schwierigkeiten“. Das trifft sich gut, denn Bruce wird ohnehin zu seiner Freundin Emma Wiik in ihr Heimatland Schweden ziehen. Ein Jahr haben sie in New York zusammengewohnt, nun sollen die Länder gewechselt werden. Emma ist bereits wieder dort.

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Nach kleinen Holperstellen am schwedischen Zoll ist die Wiedersehensfreude groß. Bruce ist überrascht, als Emma ihm verrät, dass es zunächst für zwei Wochen zu ihren Eltern in das Sommerhaus der Familie geht. Dort wird der amerikanische Schwiegersohn zwar freundlich aufgenommen, doch die Kultur bietet so einige Hürden: die Sprache, eine Bootsfahrt, die Bruce nicht bekommt, ein Saunabesuch mit nackten Menschen, und eine verschmähte traditionelle Zimtschnecke. Die Schweden und ihr transtlantischer Neuzugang wundern sich gegenseitig über die leichten, aber wahrnehmbaren kulturellen Unterschiede.

Bruce sucht einen Job, doch ohne Sprachkenntnisse und ohne Führerschein ist es schwer. Die Sprache erschließt sich ihm nur sehr langsam und ohne Antrieb, aber er ist den New Yorker Verkehr gewohnt, da ist die Fahrprüfung doch wohl ein Klacks, sagt er der Dame in der Führerscheinstelle. Als sie ihm die „Vision Zero“ erläutert, das konsequente Ziel der Regierung, dass im Straßenverkehr niemand ernsthaft verletzt wird, lacht er. Dieses ambitionierte Ziel scheint ihm dann doch naiv. Immerhin lässt sein aus dem Irak immigrierter Freund Hassan ihn in dessen Taxi üben, was den Chauffeur den Job kostet, als Bruce an einer roten Ampel wie von zuhause gewohnt rechts abbiegt.

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Immerhin ist die Ausländerbehörde schnell überzeugt, dass es sich bei Emma und Bruce um ein Paar in einer realen Beziehung handelt, denn der Repräsentant gerät bei seiner Kontrolle mitten in einen Beziehungsstreit um die Einrichtung. Emma möchte ihr klares, skandinavisch-elegantes Design beibehalten, Bruce hat seine wild zusammengewürfelte Einrichtung aus New York schicken lassen. Der Beamte ist sich sicher: wer aufgrund von Alltagsthemen so aneinandergerät, lebt wirklich in einer Beziehung,

Als seine Eltern überraschend zu Besuch kommen, wird es auch nicht leichter. Seine Mutter Nancy möchte Wikinger mit Hörnerhelmen in ihren „Reservaten“ sehen, Vater Wayne stört sich ein wenig an den vielen Ausländern (Schweden eben). Als er nach seinem Tischgebet mit den atheistischen Wiiks die Kinder unverheirateter Paare Bastarde nennt, ist die Stimmung der ohne Trauschein lebenden Gastgeber noch ein wenig trüber.

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Als Bruce ein Anruf seiner früheren Chefin erreicht, wird er vor eine Entscheidung gestellt. Sie hat Probleme mit der Steuerbehörde IRS, nachdem sie all ihre Belege geschreddert hat. 300.000$ winken ihm, wenn er ihr aus der Misere hilft. Emma und er planen, gemeinsam nach New York zu fliegen, doch als Viveka ihren Mann Birger verlassen will, bricht er zusammen und landet im Krankenhaus. Bruce fliegt alleine, er und Emma überdenken ihre Beziehung. Damit nimmt die Serie eine Wendung…

Produzent und Hauptdarsteller Greg Poehlers lässt die Serie auf seinem eigenen Leben basieren; 2006 zog der Amerikaner mit seiner schwedischen Freundin in ihr Heimatland. Es gelingt ihm hervorragend, die kleinen Unterschiede der Menschen aus Schweden und den USA herauszuarbeiten. Zwei Demokratien mit vergleichbarer gesellschaftlicher Vergangenheit und einer großen kulturellen Schnittmenge, deren Fettnäpfchen doch so tief sein können. Der Nationalstolz auf beiden Seiten kann dabei wie ein Hebel wirken.

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Und oft sind es Kleinigkeiten, die im realen Leben zu Missverständnissen führen, wie in der Serie eine Bemerkung von Wayne gegenüber Emmas Bruder Gustaf: „You need to come by and see us.“. „When?“, fragt Gustaf zurück, der die Einladung als verbindlich ansieht und nicht einschätzten kann, dass dies nur eine Höflichkeitsfloskel ist. Bruce in einer knielangen Badehose unter einem Handtuch in einer schwedischen Sauna ist ebenfalls ein gelungenes Beispiel realer kultureller Unterschiede, wie auch sein Hang zum Smalltalk gegenüber den introvertierten schwedischen Nachbarn, die Kontakte zu anderen Menschen soweit wie möglich meiden wollen.

Die asymmetrische Sprachsituation ist ebenfalls real gezeichnet. Während Bruce aus einem riesigen Land stammt, in dem Englisch überall funktioniert, meist auch im Rest der Welt, und Fremdsprachen nur fakultativ und dann meist sehr oberflächlich gelehrt werden, trifft er auf Menschen in einem Land, die Englisch als Fremdsprache seit früher Kindheit lernen und durch den täglichen TV-Konsum sehr versiert sind. Dies führt immer wieder zu Konflikten und Missverständnissen, zumal Bruce wenig tut, um die Sprache seiner neuen Wahlheimat zu erlernen. Und dies mit einer Josephine Bornebusch, die den Charakter der Emma so präsentiert, dass sich die meisten Männer für solch eine Frau Kanji aus einem Buch mit hebräischen Erläuterungen aneignen würden. So bleibt die Hürde in der Verständigung bestehen,und die Integration in die schwedische Gesellschaft gehemmt.

Die Erstausstrahlung in Schweden erreichte im März 2014 satte 1,7 Millionen Zuschauer; eine beachtliche Quote in einem Land mit rund 10 Millionen Einwohnern. In den USA sahen 3,5 Millionen Menschen die Pilotfolge.

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Zu den Gaststars in der Serie gehören Gene Simmons, Will Ferrell, Patrick Duffy, Illeana Douglas, Björn Ulvaeus und Aubrey Plaza. Auch Amy Poehler, die Schwester des Bruce-Darstellers Greg Poehler, tritt als seine frühere Chefin auf. Vor allem das Wiedersehen mit dem ehemaligen Dallas-Darsteller Duffy als konservativer Vater macht Spaß, aber auch alle anderen Gäste, die meist sich selbst spielen, sind eine sehr schöne Bereicherung der Serie.

Das Bild macht einer TV-Produktion aus 2014 alle Ehre, bei klaren Konturen erzeugt die Kamera eine helle Lichtsimmung mit natürlichen Farben.

Der Ton ist klar mit guter Balance, der schwungvolle Titelsong „Living in America“ der schwedischen Band „The Sounds“ kommt dynamisch aus den Boxen, ohne durch eine wesentlich erhöhte Aussteuerung aufzufallen.

Insbesondere die Originalversion in überwiegend englischer Sprache empfiehlt sich, das Englisch der schwedischen Schauspieler ist glasklar wie bei fast allen jungen Skandinaviern. In jedem Fall sollte man Untertitel zuschalten (leider nur in Deutsch), um die schwedischen Dialoge der Familie Wiik zu erschließen. Das lohnt sich, denn Bruce versteht die Landessprache nicht, was seiner Gastfamilie die Möglichkeit eröffnet, ungehemmt in seiner Gegenwart über seine Art zu sprechen. Bruce ist etwas kleiner als seine Freundin, auch ohne dass sie Schuhe mit Absätzen trägt, und das veranlasst ihre Mutter Viveka zu unterhaltsamen Spitzen. Ob Bruce auf einem Stuhl stand, als sie sich kennenlernten, fragt sie ihre Tochter. Und räumt das Geschirr in einen tieferen Schrank, damit auch Bruce die Tassen und Teller erreichen kann…

Die FSK-Freigabe ohne Altersbeschränkung überrascht ein wenig, denn Sexualität wird mehrfach kurz angedeutet. In einem der beiden Produktionsländer erfolgte immerhin eine Entschärfung: Josephine Bornebusch sagt in einem Interview auf dem schwedischen Sender tv4, dass in den USA einige Saunaszenen mit Unschärfe überdeckt wurden. Greg Poehler lag also richtig, als er seinen Charakter hier verunsichert anlegt…

Die humorvolle Serie mit realistischem Material hat mich mit ihren kurzweiligen Episoden von gut 20 Minuten fantastisch unterhalten. Mein einziger Wunsch wären englische, besser schwedische Untertitel als Option für die schwedischen Dialoge gewesen.

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Concorde Home Entertainment GmbH präsentiert „Welcome to Sweden“ ab 12. Februar 2015 auf BluRay-DiscTM, DVD und als VoD.
Das Rezensionsexemplar wurde von Concorde Home Entertainment GmbH zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Originaltitel: Welcome to Sweden – Season 1
Land / Jahr: Schweden, USA / 2014
Genre: Komödie, TV-Serie
Darsteller: Greg Poehler, Josephine Bornebusch, Lena Olin, Claes Månsson, Christopher Wagelin, Per Svensson u. a.
Regie: Carl Åstrand
Drehbuch: Greg Poehler, Josephine Bornebusch, Niclas Carlsson
Produzent: Benjamin Thuresson
Musik: Andreas Grill, Nick Malmeström; Titelsong: Living in America, The Sounds
FSK: Freigegeben ohne Altersbeschränkung

BluRay-DiscTM
Laufzeit: ca. 218 Min. (10 Episoden à ca. 22 Min.)
Bildformat: 1,78:1 / 16:9
Tonformat: DTS-HD Master Audio 5.1
Sprachen: Deutsch / Schwedisch mit Untertiteln, Englisch / Schwedisch mit Untertiteln
Untertitel: Deutsch (ausblendbar)

Webseite zum Film: Welcome to Sweden