Wie Brüder im Wind: Frei sein, loslassen

brueder_coverDie Südtiroler Alpen in den 60er-Jahren: Der zwölfjährige Lukas erlebt vor dem grandiosen Bergpanorama keine glückliche Kindheit, denn er und sein Vater verstehen sich nicht und haben schon lange nicht mehr miteinander gesprochen. Als Lukas einen aus dem Nest gefallenen jungen Adler findet, zieht er ihn heimlich auf, weil der Vater die Adler als Räuber seiner Schafe verfolgt. Der Adler Abel entwickelt sich prächtig – doch es kommt der Tag, an dem Lukas ihm seine Freiheit zurückgeben muss, damit Abel sein selbst bestimmtes Leben beginnen kann. Nach einer Auseinandersetzung mit seinem Vater vermisst der verzweifelte Lukas seinen gefiederten Freund so sehr, dass er sich auf die Suche nach Abel macht.

Film-Blog.tv meint:
Man sieht es „Wie Brüder im Wind“ von der ersten Minute an: Hier war mit Otmar Penker einer der besten Natur- und Dokumentarfilmer am Werk. Den notwendigen technischen Aufwand mag man erahnen, wenn man sich das „Making Of“ am Ende dieses Beitrags anschaut. Die Naturaufnahmen und Landschaftsbilder sind schlicht und einfach: sensationell. Ein wenig zurück bleibt da leider die Handlung selbst. Am ehesten ist sie noch mit „Familienfilm“ umschrieben, wobei sich vor allem Jungs um die neun bis zehn Jahre angesprochen fühlen dürften. Obwohl es eine österreichische Produktion ist, wurde in englischer Sprache gedreht. Das lupenreine Hochdeutsch der Synchronsprecher ist zwar bestens verständlich, will aber so gar nicht zu Südtirol passen, wo die Handlung angesiedelt ist.

Bei der Auflistung der Darsteller ist fast immer ein „u. a.“ zu finden.-Es ist im Rahmen einer Filmbesprechung meist unmöglich, jeden Statisten, der mal durchs Bild huscht oder irgendwo herumsteht, aufzulisten. Bei „Wie Brüder im Wind“ kann man getrost auf das „und andere“ verzichten. Denn zu sehen sind wirklich nur der junge Lukas, Sein Vater Keller, der Förster Danzer und – ganz kurz in einer Rückblende – die Mutter von Lukas, Maria. Obwohl sich der Teenager die Umstände, der zu ihrem frühzeitigen Tod führten, anlastet. Sie sind deshalb für sein Handeln – und damit die düstere Grundstimmung des Films – in großem Umfang verantwortlich.

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Weshalb er nur noch mit Tieren spricht. Da diese die eigentliche Hauptrolle in „Wie Brüder im Wind“ spielen, hat der Junge dennoch immer wieder mal was zu sagen. Den Großteil der Sprecharbeit übernimmt die Synchronstimme von Danzer, Joachim Kerzel, aus dem Off. Die Dialoge sind mit Bedacht gewählt, in der schroffen Bergwelt ist Geschwätzigkeit eh fehl am Platz. Otmar Penker lässt lieber seine Bilder für sich sprechen, was dann auch mit Bravour gelingt. Es sind seine, und Óscar Duráns Aufnahmen, die nach dem Abspann noch lange im Gedächtnis bleiben, weniger die Handlung des Films selbst. Denn die ist mit wenigen Worten erzählt:

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Lukas fühlt sich seit dem Tod seiner Mutter den Tieren näher den Menschen. Hier eigentlich seinem Vater, dem wortkargen und gefühlskalten Keller. Harte Arbeit ist das, was das Zweckgespann zusammenhält. Innerlich haben sich Vater und Sohn längst auseinander gelebt, gehen ihre eigenen Wege. So zieht es Lukas immer wieder zu einer Brandruine an einem kleinen Bergweiher, seinem „Versteck“. Während der Vater die Adler als Raubvögel seiner Schafe ansieht und auf sie schießt, fühlt sich der Sohn von deren Freiheit angezogen.

Als Lukas dann im Wald ein aus dem Nest gefallenes Adlerküken findet, zieht er es heimlich in seinem Versteck auf. Unterstützt wird er dabei vom Förster Danzer. Der hilft Lukas dann auch, den „Abel“ genannten Adler, das Fliegen und Jagen beizubringen.

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Damit Abel nicht mit seinem Bruder, der ihn einst aus dem Nest geworfen hat, in Konflikt gerät, bringen Danzer und Lukas den jungen Adler in ein weit entferntes Revier. Dort wird er ausgewildert. Lukas befestigt noch ein Armband seiner Mutter an dessen Greif. Es soll als Erkennungszeichen dienen, falls sich die Wege der beiden einmal wieder kreuzen.

Es kommt noch zu einem dramatischen Unwetter, bei dem Lukas in eine von seinem Vater aufgestellte Falle gerät und von Danzer gerettet wird. Dennoch scheint die Zeit alle Wunden zu heilen, Vater und Sohn kommen sich zaghaft näher. Doch Lukas vermisst Abel …

Das Bild der Blu-ray ist schlicht und einfach Referenzklasse. Auch bei Großprojektion stimmt hier einfach alles. Perfekt ist noch untertrieben. Daran werden sich künftige Produktionen messen müssen. Der Ton ist sehr atmosphärisch, das Surround-System hat gut zu tun. Auch die Rearspeaker werden fleißig beschickt und sorgen für ein multimediales Erlebnis der Extraklasse. Wie zu erwarten, können die drei Darsteller, allen voran Manuel Camacho als Lukas, auch schauspielerisch überzeugen. Zu Kritik gibt lediglich Anlass, dass das sterile Hochdeutsch der Synchronsprecher im alpinen Umfeld sehr deplatziert und hölzern klingt.

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Warner Bros. Entertainment GmbH präsentiert „Wie Brüder im Wind“ ab dem 23. Juni 2016 auf Blu-ray Disc™, DVD und als VoD.
Das Rezensionsexemplar wurde von Warner Bros. Entertainment GmbH zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Originaltitel: Brothers of the Wind
Land / Jahr: Österreich / 2016
Originalsprache: Englisch
Genre: Abenteuer, Drama, Familie
Darsteller: Manuel Camacho: Lukas, Tobias Moretti: Keller, Jean Reno: Danzer, Eva Kuen: Maria, Danzer und Off-Sprecher: Joachim Kerzel
Regie: Gerardo Olivares, Otmar Penker
Drehbuch: Joanne Reay
Produktion: Walter Köhler
Kamera: Óscar Durán, Otmar Penker
Schnitt: Karin Hartusch
Musik: Sarah Class
FSK: 6

Blu-ray Disc™
Laufzeit: ca. 97 Min.
Bildformat: Full HD 16:9 (1,85:1)
Tonformat: DTS HD-Master Audio 5.1
Sprachen: Deutsch, Englisch, Deutsch für Blinde und Hörgeschädigte
Untertitel: Deutsch, Englisch
Bonus: Wendecover

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