Wir waren Könige: Von den Tätern fehlt jede Spur …

koenige_coverEin vermeintlicher Routineeinsatz wird dem Sondereinsatzkommando der Polizei zum Verhängnis, als bei der Stürmung einer Wohnung einer der Beamten schwer verletzt wird und der Täter fliehen kann. Für die Gruppenleiter Kevin und Mendes markiert diese Eskalation einen neuen Höhepunkt der Gewalt, die ihnen in den letzten Jahren mehr und mehr entgegenschlägt. Doch auch aus den eigenen Reihen droht Gefahr: Das Innenministerium will aus Kostengründen mehrere SEK-Einheiten auflösen und stellt das Team unter besondere Beobachtung. Als im Zuge der Ermittlungen zwei Kollegen von Mendes Truppe erschossen werden und eine Dienstwaffe verschwindet, gerät die Situation außer Kontrolle. Gewaltbereite Jugendgangs und überforderte Polizisten mit Eigeninteressen kämpfen in einer blinden Hetzjagd gegeneinander, zerrissen von der Frage, was wirklich zählt: Freundschaft, Gesetz oder Moral.

Film-Blog.tv meint:
„Von den Tätern fehlt jede Spur“. Abspann. Aber wer sind hier überhaupt Täter, wer die Opfer? So ganz klar wird das in diesem gut 100 Minuten langen Thriller nicht. Denn ähnlich wie bei „Braquo“ verschwimmen hier schnell die Grenzen von Gut und Böse. Die rivalisierenden Jugendbanden, das SEK, der Polizeichef. Alle tragen ihren Part bei. Und so richtig kann der Zuschauer für keine der beteiligten Parteien Sympathien entwickeln. Geschickt spielt Philipp Leinemann mit den Erwartungen der Zuschauer um nur wenige Einstellungen später die Situation aus der anderen Perspektive zu zeigen. Und irgendwie fiebert man dann für die Gegenseite. Aber nur kurz.
Nicht einfacher wird das Ganze, durch die überwiegend dunkle, trostlose Grundstimmung. Die meiste Zeit tragen die SEK-Beamten Zivilkleidung und unterscheiden sich damit optisch kaum von den Gangs, die sie zur Strecke bringen wollen.
„Wir waren Könige“ ist durch und durch pessimistisch, dunkel und verdammt nah an der Realität. Und damit Welten von der üblichen deutschen Krimikost entfernt. Aber unbedingt sehenswert.

Eine unordentliche Wohnung in irgendeinem Sozialhilfe-Block. Drei Männer mit Migrationshintergrund, eine Frau, ein Baby. Lauter Streit mit vulgären Kraftausdrücken. Offensichtlich läuft grade ein Drogendeal ab. Die Frau verlässt die Räumlichkeiten schimpfend, lässt das Baby zurück. Einer der Männer steckt die schreiende Katze in die Backröhre und schaltet den Ofen ein.

koenige_01

Noch im Treppenhaus wird die Frau vom SEK festgesetzt. Doch vor dem Stürmen der Wohnung kommt es zum tragischen Zwischenfall: Der Dealer erkennt dass vor der Tür ungebetener Besuch steht und eröffnet das Feuer. Einer der Beamten wird schwer verletzt. Zwei der Dealer werden noch in der Wohnung erschossen, der Dritte kann fliehen.

koenige_02

Zwei rivalisierende Jugendbanden mit z.T. Migrationshintergrund geraten aneinander. Plötzlich zieht einer ein Messer. Nur mit Mühe kann die Situation beruhigt werden….

Für den Zuschauer ist bis jetzt alles klar. Asoziale Jugendliche prügeln sich, Drogendealer und ein SEK, das sogar ein Opfer zu beklagen hat. Der Beamte kommt ins Krankenhaus, man kämpft zunächst um sein Leben, dann um sein Augenlicht. Er droht zu erblinden. Doch das Team hält zusammen. Sie besuchen den Kollegen am Krankenbett und versprechen den flüchtigen Täter festzunehmen. Bei der anschließenden Einsatzbesprechung werden dann auch noch die knappen Finanzen der Dienststelle und die drohende Auflösung des SEK thematisiert.

koenige_06

Soweit werden die Klischees, die der Zuschauer erwartet, erst mal erfüllt. Nur: So richtig edel und ritterlich geht’s auch beim SEK nicht zu. Bei Einsätzen gehen sie oft mit viel mehr Gewalt als nötig ist vor, die Nerven liegen blank. Und beim Sicherstellen von Diebesgut wie Drogen oder Bargeld wandert schon mal was in die eigene Tasche. Um damit die Witwen der im Dienst getöteten Kollegen zu unterstützen, so der Vorwand…

koenige_03

Im Laufe des Films zeigt sich, dass die SEK-Kollegen, anderen Polizisten und deren Vorgesetzte untereinander eine ähnliche Gruppendynamik entwickeln wie die Jugendgangs. Potentielle Querdenker oder Aussteiger werden systematisch gemobbt und mundtot gemacht. Auch optisch unterscheiden sich die Beamten in Zivil kaum von den Gangmitgliedern. In Bezug auf die Gewaltbereitschaft erst Recht nicht…
Wer im Dienst straffällig wird, wird von Vorgesetzten gedeckt, um deren eigenes Versagen zu vertuschen. Und so mancher Beamte hat bei der organisierten Kriminalität seine Finger im Spiel. Oder doch nicht?

Es entwickelt sich ein Strudel, aus dem es letztendlich kein Entkommen gibt. Und keine Gewinner …

koenige_05

Das Bild der Blu-ray Disc™ sind auf aktuellem Stand der Technik. Auch bei Großprojektion ist es stets scharf, kontrastreich und fein aufgelöst. Sogar bei Großprojektion ist keinerlei Rauschen sichtbar. Die Kontraste des überwiegend trist und dunkel abgestimmten Films sind überraschend gut.
Dem stet der Ton in keiner Weise nach, die Boxen des Surroundsystems warden fleißig beschickt und tragen viel zur bedrückenden, pessimistischen Atmosphäre bei.

Die Universum Film GmbH präsentiert „Wir waren Könige“ ab 5. Juni 2015 auf Blu-ray Disc™, DVD und als VoD.
Das Rezensionsexemplar wurde von Studio der Universum Film GmbH zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

koenige_04

Wir waren Könige
Land / Jahr: Deutschland / 2014
Genre: Krimi, Thriller
Darsteller: Ronald Zehrfeld: Kevin, Mišel Matičević: Mendes, Thomas Thieme: Hartmann, Bernhard Schütz: Willmundt, Hendrik Duryn: Brandes, Tilman Strauss: Thorsten, Frederick Lau: Jacek, Felix Göser: Boris, Urs Rechn: Jenne, Torben Liebrecht: Lennard, Godehard Giese: Volker, Sascha Alexander Geršak: Konrad, Oliver Konietzny: Ioannis, Samia Chancrin: Nadine, Mohammed Issa: Nasim, Katharina Heyer: Sandra, Simon Werner: Markus, Jorres Risse: David, Michael Klammer: Sille, Christian Sonnberger: Öskan u. a.
Regie: Philipp Leinemann
Drehbuch: Philipp Leinemann
Produktion: Tobias Walker, Philipp Worm
Kamera: Christian Stangassinger
Schnitt: Jochen Retter, Max Fey
Musik: Sebastian Fischer
FSK: 16

Blu-ray Disc™
Laufzeit: ca. 107 Min. + ca. 20 Min. Bonus
Bildformat: 2,35:1 / 16:9
Tonformat: DTS-HD 5.1
Sprachen: Deutsch
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Extras: Making Of, Trailer, Wendecover