Zero Days – World War 3.0: Der „saubere“ Krieg an der Tastatur

zero_coverGewinnspiel_rot2010 machen Sicherheitsexperten eine unheimliche Entdeckung. Ein hochkomplexer Computerwurm namens STUXNET verbreitet sich mit noch nie gesehener Aggressivität auf der ganzen Welt. Was die Forscher noch nicht ahnen: Sie sind auf den geheimen Prototypen einer neuen Generation von Kriegswaffen der CIA und des Mossads gestoßen. Cyberwaffen, deren reale Zerstörungskraft allein mit der von Atombomben vergleichbar ist – und deren Verbreitung außer Kontrolle gerät …
Der fesselnde und alarmierende Doku-Thriller „Zero Days“ von Oscar®-Preisträger Alex Gibney enthüllt die Hintergründe des World War 3.0. Gibney spricht mit Drahtziehern, Whistleblowern und Politikern und zeigt auf, dass STUXNET nur der Anfang ist. Unbemerkt von der Weltöffentlichkeit setzen Militärs und Geheimdienste Cyberwaffen in einem Krieg ein, für den bisher keine internationalen Konventionen und Regeln gelten. Mit „Zero Days“ durchbricht Alex Gibney das Schweigen der Politik und stößt eine der wichtigsten Debatten unserer Zeit an.

Film-Blog.tv meint:
Dass die Kriege der Zukunft immer seltener, Mann gegen Mann, in schmutzigen Schützengräben sondern „ganz bequem und sicher“, von zu Hause aus, geführt werden können, wurde schon in „Goodkill – Tod aus der Luft“  thematisiert. Was bei Andrew Niccol noch ein spannender Psycho-Thriller war, ist bei Alex Gibney zur Dokumentation geworden. In „Zero Days“ ist der einst kalte Krieg der Supermächte der real existierende „World War 3.0“. Und der tobt, von Mossad und CIA prächtig am Laufen gehalten, schon seit ein paar Jahren. Gibney klärt über die Hintergründe und Zusammenhänge auf. Knapp zwei Stunden dauert „Zero Days“ und keine einzige Sekunde davon ist langweilig. Er lässt hochrangige Kenner der Szene zu Wort kommen, die teils deutlich, teils eindeutig-zweideutig Stellung nehmen. Obwohl komplett Englisch mit – auf Wunsch – deutschen Untertiteln kann man dem gesagten mit normalen Englischkenntnissen gut folgen. Eine Synchronübersetzung als Overlay wäre m.E. dennoch wünschenswert um noch breitere Schichten anzusprechen. Es ist nach unserer Meinung eine der wichtigsten Dokumentationen der letzten Jahre, die jeder gesehen – und vor allem verstanden – haben sollte. Es geht um nichts weniger als unsere Zukunft auf diesem Planeten.

„Von nun an werden wir mit der Herausforderung eines potentiellen Cyberwars rechnen müssen. Dies ist unser Nullpunkt. Wie werden wir weiter damit umgehen?“

„Was tun, wenn deine Regierung einen globalen Krieg anzettelt und niemandem davon erzählt?“ Diese Frage verfolgte Alex Gibney, als er „Zero Days“ drehte. Einen Film über das Menetekel einer neuen Generation von geheimen Cyberwaffen.

Lassen wir den Regisseur und Autor des Drehbuchs seine Geschichte dazu erzählen:
zero_01„Ich arbeitete ursprünglich an einem kleineren Film, der dem Computerwurm „Stuxnet“ nachging, mit dem die USA und Israel die Zentrifugen in der iranischen Urananlage Natans unterminieren und lahmlegen wollten. Dabei stieß ich auf eine streng geheime Operation, an der die CIA, die NSA, das US-Militär und der israelische Geheimdienst Mossad beteiligt waren. Deren Mission war es, versteckte Cyberbomben zu entwickeln und einzusetzen, mit denen es möglich war, verheerende Angriffe auf zentrale Bereiche der zivilen Infrastruktur zu unternehmen: die Elektrizität ausschalten, die Wasserversorgung kontaminieren sowie Autos, Züge und Flugzeuge in tödliche Waffen verwandeln. Was dieses Science-Fiction-Szenario, das den Verlust von Millionen Menschenleben bedeuten konnte, noch beängstigender machte: Es konnte eintreten ohne den kleinsten Hinweis auf die Drahtzieher dahinter.

Als ich mit dem Projekt startete, wusste ich, dass sich Stuxnet (ein sich selbst replizierender Wurm) über die ganze Welt verbreitet hatte. Die Geheimhaltung der Operation war gescheitert. Doch trotzdem schwieg jeder US-Offizielle, mit dem ich darüber sprechen wollte, oder bestritt sogar, dass eine solche Operation überhaupt jemals existiert habe. Gerechtfertigt wurde das Schweigen von allen Beteiligten im Namen der nationalen Sicherheit. Oder wie es Michael Hayden, der frühere Chef der CIA und der NSA, ausdrückte: Eine verdeckte Operation „wandert automatisch in die Darüber-wird-nicht-geredet-Schublade“.

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Doch Stuxnet war nicht irgendeine Geheimoperation. Sie markierte eine neue Qualität der Bedrohung. Erstmals in der Geschichte überschritt ein Wurm die Schwelle zwischen der virtuellen Realität der Einsen und Nullen und der physischen Welt. Stuxnet übernahm die Kontrolle über Maschinen und befahl ihnen, sich selbst zu zerstören. Dann gelang der Code in die ganze Welt und konnte so von anderen Nationen, von Kriminellen und Terroristen für ihre eigenen Zwecke benutzt und umprogrammiert werden. Ein solches Geheimnis für sich zu behalten, war so, wie wenn es nach Hiroshima geheißen hätte: „Was für eine Bombe?“

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Den Gipfel der Absurdität erreichte das Ganze, als ich erfuhr, dass das Homeland Security-Department wegen Stuxnet die höchste Alarmstufe aktiviert hatte. Die NSA hatte andere Regierungsbehörden nicht darüber informiert, dass sich die Waffe, die wir selbst in Stellung gebracht hatten, nun gegen das eigene Land richtete. Wir stießen auf einen Feind – und der waren wir selbst.

Während offizielle Stellen die Gefahren zu vertuschen suchten, deren Urheber sie waren, hielten wir nach anderen Informationsquellen Ausschau. Zunächst nahmen wir zu den Cyber-Detektiven Liam O’Murchu und Eric Chien von der Antiviren-Firma Symantec Kontakt auf, die als erste das System hinter Stuxnet aufgedeckt hatten. Sie zerlegten für uns die Waffe, damit wir ihre Funktions- und Wirkungsweise verstehen konnten.

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Danach fuhren wir nach Moskau – der Hauptstadt der Cyberkriminalität und Hauptsitz des russischen Cyberwaffen-Programms – sowie nach Israel, dem Schlüsselpartner der USA bei der Entwicklung von Stuxnet. In Tel Aviv und Jerusalem erfuhren wir in Gesprächen mit Politikern, Journalisten und – hinter vorgehaltener Hand – Agenten des Mossad, dass Stuxnet ganz und gar nicht als Malware für Computer konzipiert worden war. Der Wurm war vielmehr Bestandteil einer viel umfangreicheren Operation, in die der Mossad, die CIA und das US Cyber Command involviert waren. Zu ihr gehörten verdeckte Aktionen – teilweise gegen US-amerikanische Firmen wie Microsoft gerichtet –, die Liquidierung von iranischen Wissenschaftlern sowie virtuelle Waffensysteme von einer Massenvernichtungskraft, gegen die Stuxnet ein Computerspiel war.

Mit diesem Detail- und Geheimwissen kehrten wir in die USA zurück und konnten einige Leute innerhalb der NSA und der CIA davon überzeugen, mit uns zu reden – unter der Bedingung, dass wir keinesfalls ihre Identität preisgaben. Inzwischen kam heraus, dass die Obama-Regierung mehr Whistleblower strafrechtlich verfolgt hat als alle Vorgängerregierungen zusammen. Wir mussten also alles daran setzen, unsere Quellen zu schützen.

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Wir nahmen daher Interviews nur auf Rekordern auf, die nicht WLAN-tauglich waren, transkribierten sie ausschließlich auf elektrischen Schreibmaschinen und vernichteten danach die Datenkarten. Wir benutzten ein Codesystem, mit dem wir unsere Informanten kennzeichneten, und verschlüsselten in ihren Aussagen all jene Sätze, die die Ermittler möglicherweise zu ihrer Enttarnung geführt hätten. Zudem verwendeten wir DepthKit, ein Video-Tool, mit dem menschliche Körper in digitale Modelle umgewandelt werden können und erschufen daraus einen Cyber-Whistleblower, dessen „gehacktes“ Aussehen zur Animation des Stuxnet-Codes passte.

In den animierten Darstellungen von Stuxnet verwendeten wir lediglich Ausschnitte des Codes, mit denen es nicht möglich ist, den Wurm zu rekonstruieren. Allerdings hatte unser Co-Produzent Javier Botero keinerlei Probleme, sich den kompletten Code zu beschaffen, was die strenge Geheimhaltung der offiziellen Stellen umso absurder macht.“
Alex Gibney, Regisseur

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10 Dinge, die ZERO DAYS erstmals enthüllt
Dank der Whistleblower erhielt Alex Gibney einen völlig neuen Blickwinkel auf die Stuxnet-Operation – interner Deckname: „Olympic Games“ – und auf die neue Welt der Cyber-Waffen insgesamt. Wovon die breite Öffentlichkeit durch ZERO DAYS zum ersten Mal erfährt:

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Die USA haben keine ausreichenden Vorkehrungen getroffen, um sich gegen Cyber-Angriffe zu verteidigen. Sie verfolgen stattdessen eine Offensivstrategie und setzen darauf, dass allein die Drohung eines Vergeltungsschlags mögliche Gegner davon abhalten wird, ihr virtuelles Kriegsarsenal gegen die USA zu richten. Dieser Plan ging bisher jedoch nicht auf. Russland, China, der Iran und Nordkorea haben Cyber-Angriffe gegen die USA gefahren und verfügen vermutlich über Tausende heimliche Zugänge zu Computernetzwerken. Dampit können möglicherweise Schlüsselbereiche der US-amerikanischen Infrastruktur in Mitleidenschaft gezogen werden: Stromnetze, Kläranlagen, Verkehrssysteme, Klimaanlagen usw.

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Obwohl „Olympic Games“ ein Gemeinschaftsunternehmen der USA und Israels war, konnten beide Staaten die Cyberwaffen ihren jeweiligen eigenen Ansprüchen anpassen und individuell zum Einsatz bringen. Zu Animositäten und Spannungen kam es, als der Mossad – gedrängt von einem ungeduldigen Bibi Netanyahu – ohne Rücksprache mit den USA eine aggressive Version des Wurms aufsetzte, die sich über die ganze Welt verbreitete. Dadurch wurden die Beziehungen zwischen den USA und Israel schwer belastet und grundsätzlich in Frage gestellt.

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Nach „Olympic Games“ entwickelte die NSA noch weitaus wirkungsvollere Cyberwaffen. Eine Operation, in der solche Systeme zum Einsatz kamen, trug den Namen „Nitro Zeus“ (erstmals enthüllt in ZERO DAYS) und hatte das Potential, die komplette Luftabwehr des Iran außer Gefecht zu setzen und die zentralen iranischen Stromnetze teilweise auszuschalten. In den Worten eines unserer Informanten: „Das Science-Fiction-Szenario eines Cyberwar ist Wirklichkeit geworden.“

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Das Cyber-Commando innerhalb des US-Verteidigungsministeriums zeigte einen bemerkenswerten Mangel an Weitsicht oder überhaupt Interesse daran, was das mögliche Ausmaß der Zerstörung durch ihre Waffen anging. Wenn die wichtigsten Kraftwerke erst einmal ausgeschaltet seien, hieß es in einer Quelle, könnten sie nicht mehr so ohne weiteres „wieder hochgefahren werden. Es ist wie bei Humpty Dumpty… viele Menschen sterben.“ Bei der Diskussion von Angriffszielen im Iran wandten Juristen des Außenministeriums ein, Cyber-Attacken würden Krankenhäuser außer Betrieb setzen und hätten somit eine hohe Anzahl von Todesfällen zur Folge. Das Verteidigungsministerium ignorierte solche Bedenken.

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„Olympic Games“ war eine CIA-geführte Operation. Bei jedem Angriff stand ein CIA-Beamter hinter den Computer-Operatoren der NSA und erteilte diesen die Einsatzbefehle.

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Als der Iran für Stuxnet Vergeltung nahm und seinerseits Cyber-Aktionen gegen amerikanische Banken durchführte, war die US-Regierung sich zwar darüber im Klaren, verzichtete jedoch auf Gegenmaßnahmen. Der Grund: Die Rechner, die das „Botnet“ kontrollierten (ein Netzwerk privater Rechner, die mit Schadsoftware verseucht sind), befanden sich außerhalb der USA. Das Außenministerium hatte Sorge, dass ein befreundeter Staat mit in den sich ausbreitenden Cyber-Konflikt hineingezogen würde. Dies macht eines der Dilemmas des Cyber-Kriegs deutlich: Die Zuordnung ist problematisch, das Risiko „falscher Flaggen“ und irrtümlicher Gegenschläge, die zu einem weltweiten Cyber-Krieg führen könnten, ist virulent und nimmt immer weiter zu.

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Der Stuxnet-Wurm arbeitete autonom. Kein Operator gab ihm einen Einsatzbefehl. Stuxnet war so programmiert, dass er, hatte er sein Ziel innerhalb der Anlage in Natans einmal identifiziert, Angriffe auf eigene Faust durchführte, gänzlich ohne menschliches Zutun. Eine wachsende Zahl von Cyber-Waffen funktioniert nach diesem Muster.

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Das Versteckspiel um offensive Cyberwaffen und der Wirkungskraft behindert nicht nur die demokratische Auseinandersetzung, sie ist auch ein Sicherheitsrisiko. Tatsächlich waren unsere Informanten auch deswegen bereit auszupacken, weil sie in der Geheimhaltung selbst eine enorme, auch existenzbedrohliche Gefahr sehen.

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Die Aufdeckung von „Nitro Zeus“ warf ein neues Licht auf das Atomabkommen der Obama-Regierung mit dem Iran. Während viele Kritiker unkten, Obama habe aus einer Position der Schwäche heraus verhandelt, ist – im Anbetracht von “Nitro Zeus” – das Gegenteil wahrscheinlich. Die USA wissen, dass sie bei einem iranischen Verstoß gegen das Abkommen in der Lage sind, das gesamte Land nahezu zum Stillstand zu bringen.

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Gibneys Informanten haben bestätigt, dass staatlich ausgeführte, aggressive Cyber-Operationen seit Stuxnet Alltag sind. (O’Muchu und Chien von Symantec unterstreichen ebenfalls, dass die Zahl staatlicher Cyber-Attacken in den letzten Jahren exponentiell zugenommen hat.) Der einzige Grund, warum wir nicht mehr über Cyberwaffen wissen, ist die Geheimhaltungsstrategie der Regierungen sowie die Unfähigkeit der Medien, darüber zu berichten. Doch solche Waffen werden entwickelt und eingesetzt – von uns und gegen uns – jeden Tag.

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Gewinnspiel
Folgende Fragen gilt es zu beantworten:
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Die Teilnehmerdaten werden nur für die Zustellung eines eventuellen Gewinns bis zum Einsendeschluss gespeichert und anschließend vollständig gelöscht. Eine Weitergabe an Dritte ist ausgeschlossen.

dcm Film Distribution GmbH präsentiert „Zero Days – World War 3.0“ ab dem 16. September 2016 auf Blu-ray Disc™, DVD und als VoD.
Das Rezensionsexemplar und die Verlosungspreise wurden von dcm Film Distribution GmbH zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Originaltitel: Zero Days – World War 3.0
Land / Jahr: USA / 2016
Genre: Dokumentation
Featuring: Colonel Gary D. Brown, Eric Chien, Richard A. Clarke, General Michael Hayden, Olli Heinonen, Chris Inglis, Vitaly Kamluk, Eugene Kaspersky, Emad Kiyaei, Ralph Langner, Rolf Mowatt-Larssen, Sean Paul McGurk, Yossi Melman, Liam O’Murchu u.a.
Regie: Alex Gibney
Drehbuch: Alex Gibney
Recherche: Solvey Krause, Charlotte Kaufman
Produktion: Alex Gibney, Marc Shmuger
Kamera: Antonio Rossi, Brett Wiley
Musik: Will Bates

Blu-ray Disc™
Laufzeit: ca. 114 Min. + Bonus
Bildformat: Full HD 16:9 (1,78:1)
Tonformat: DTS-HD 5.1
Sprachen: Englisch, OmU
Untertitel: Deutsch
Extras: Alex Gibney über Zero Days, Kinotrailer, Wendecover
FSK: 16

Webseite zum Film: Zero Days – World War 3.0