Zipper: Der Senator und das Reißverschlussproblem

zipper_coverEin einziges Treffen mit einem Luxus-Callgirl genügt, um in Sam Ellis eine Lawine loszutreten. Der erfolgreiche Staatsanwalt verliert sich zusehends in Sexabenteuern mit Professionellen. Dabei hat er eine sehr attraktive Frau, die für den kleinen Sohn ihre eigene Karriere auf Eis gelegt hat. Es gibt auch keinen Mangel an gutem Sex in Ellis‘ Leben, aber die teuren Nummern in irgendwelchen Hotelzimmern füllen eine Lücke, die er selbst nicht benennen kann. Er kann einfach nicht damit aufhören. Nicht einmal, als ein Aufstieg in den US-Senat winkt, kann er seine Sexsucht beherrschen. Als das FBI den Escort-Ring aushebt, bei dem auch Ellis Kunde war, droht seine gesamte Zukunft an einem Sexskandal zu scheitern. Sam Ellis muss das mit allen Mitteln verhindern…

Film-Blog.tv meint:
Regisseurin und Autorin Mora Stephens legt mit ihrer zweiten Produktion ein Drama vor, das von der Ambivalenz ihres Hauptdarstellers lebt: Neben seiner Rolle als leitender Staatsanwalt mit Aussicht auf einen Sitz im Senat treibt ihn seine Sexbesessenheit immer häufiger in die Betten von Escorts. Der innere Konflikt eskaliert auch nach außen, als der Karrierejurist in das Visier von FBI-Ermittlern gerät und sein Leben zwischen Gipfel und einem tiefen Abgrund steht. Dank der direkten Erzählweise, einem starken Hauptdarsteller und einem in der zweiten Filmhälfte ansteigenden Spannungsboden unterhält „Zipper“ im Gegensatz zur Meinung vieler Kritiker auf eine runde Art. Wer versteht, dass der Film keine Botschaft vermitteln will sondern einfach das Leben eines gleichermaßen erfolgreichen wie getriebenen Mannes spannend dokumentiert, wird in diesem Polit- und Familiendrama nicht enttäuscht.

Den Beitrag verfasste unser Autor Peter Schrandt.

Sam Ellis positioniert sich als harter Staatsanwalt mit einem hohen moralischen Anspruch. Und will damit auch den Weg für seine Karriere ebnen. Seine Pläne sind ambitioniert: Ellis will in den Senat der USA einziehen. Seit dreizehn Jahren ist er mit der attraktives Jeannie verheiratet, die Familie mit dem gemeinsamen Sohn James wirkt perfekt. Jeannie hatte den größeren Erfolg im Jura-Studium, stellte ihre Karriere aber für die Familie zurück.
Eine Zeugin, die für den Excortservice „Executive Privilege“ gearbeitet hat, führt ihn auf die Website ihrer ehemaligen Agentur. Als seine Frau Jeannie und sein Sohn James das Wochenende über das Haus verlassen, nimmt er über ein Prepaid-Telefon Kontakt zu „Executive Privilege“ auf. Bei der Begegnung mit dem Escort Christie überwiegt die Nervosität und sein Gewissen will ihn aufbrechen lassen, bevor etwas passierte. Doch die erfahrene Sexarbeiterin löst seine Anspannung mit Scotch und Massagen, und bricht in dem nach außen stromlinienförmigen Topjuristen einen Damm.

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Von nun an kann er nicht loslassen und bucht weitere Besuche bei wechselnden Escorts in zunehmender Frequenz. Die Stundensätze der gebuchten Frauen steigen von 1.500$ auf 2.500$, seine Ausgaben steigen rapide.
Während seine Karriere rasch anzieht, er zum „Attorney General“ befördert wird und ein Sitz im Senat in Griffweite rückt, gerät sein Leben und das seiner Familie in den öffentlichen Fokus. Zu diesem kritischen Zeitpunkt bringt ihn das FBI mit „Executive Privilege“ als Kunde in Verbindung; weist man ihm seine Rolle als Freier nach, droht ihm eine empfindliche Strafe sowie der Zusammenbruch seiner Familie und aussichtsreichen Karriere. Sam Ellis muss handeln, es geht um Alles oder Nichts…

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Der Pressetext spricht von einem Polit-Thriller, doch Regisseurin und Autorin Mora Stephens legt „Zipper“ eher als Drama an. In dessen Mittelpunkt der im Job geradlinige Karriere-Staatsanwalt steht, dessen Sexsucht die Kontrolle über sein nach außen perfektes Leben übernimmt; der seine intakte Familie und seine sehr aussichtsreiche Karriere für seine unersättliche Lust auf’s Spiel setzt, die er mit seiner Frau nicht allein erfüllen will. Stephens zeichnet keinen Helden, sie zeigt den Karrierejuristen als von seiner Lust Getriebenen. Hauptdarsteller Patrick Wilson legt Determinierung in die beruflichen Szenen und anfangs eine große, glaubwürdig vorgetragene Anspannung in seinen Charakter. Die Nervosität bei der ersten Berührung mit einem Escort ist greifbar, und als die beiden im Bett sind, unterlegt H. Scott Salinas die Szene mit tragisch anmutender Musik. Doch schnell wandelt sich sein Auftreten bei den folgenden Besuchen weiterer Escorts, er wird selbstsicher und fordernd. Die Leidenschaft wird zu einer unkontrollierbaren Sucht. Selbst als Ellis nach den begonnen Ermittlungen durch das FBI und die Entdeckung seiner häufigen Escort-Besuche durch seine Frau mit dem Rücken an der Wand steht und eindringlich auf die Escort-Dame Christy einredet, um sie von Aussagen abzuhalten, will er im Auto Sex mit ihr. Bezahlt mit seinem letzten Bargeld, vor dem Haus, in dem sie mit ihrer krebskranken Mutter lebt.

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Bei den Kritikern kam die 2015er Produktion nicht gut an. Keine Tiefe und kein Biss (David Rooney in „The Hollywood Reporter“), wie eine nicht besonders packende Episode in „House of Cards“ (Kyle Smith in der „New York Post“). Jordan Hoffman findet es in „The Guardian“ frustrierend, dass „Zipper“ den Anschein vermittelt, eine Botschaft zu transportieren, sich aber nicht entscheiden können, welche dies sein soll.

Mit diesem Anspruch sollte man Mora Stephens‘ Film nicht sehen. Wer sich auf einen Film einlässt, der einen Mann zwischen zwei diametral entgegengesetzten Polen beobachtet, zwischen hohen ethischen Sichten mit dem Anspruch, eine Nation zu repräsentieren und einer unersättlichen Lust, deren Erfüllung er über Familie, Beruf und finanzielle Sicherheit stellt; wer „Zipper“ als gerade zum Ende spannungsgeladenen Film um einen existentiellen Kampf in großer Höhe sieht, der wird über die fast zweistündige Laufzeit gut und zeitgemäß unterhalten.

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Dabei präsentiert die Kamera nicht alleine klare Bilder mit einer hohen Farbsättigung – sie empfindet auch die Situation der handelnden Personen nach, in dem sie etwa in einer Partyszene nach Alkoholkonsum und fehlender Entschlossenheit gewollt unruhig um die Gesprächspartner fährt, während sie bei einer präsidialen Ansprache kurz darauf statisch bleibt. In einer Szene wechselt sie rasch wiederholt zwischen einer beruflichen Ansprache des makellos auftretenden Juristen und Bettszenen mit einem Escort.

Für eine FSK12-Einstufung sind einige Szenen recht explizit, doch die Erotik steht in diesem Drama mit Spannungselementen nicht im Vordergrund.

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Ascot Elite Home Entertainment präsentiert „Zipper“ ab 11. März 2016 auf Blu-ray Disc™ und DVD. Das Rezensionsexemplar wurde von Ascot Elite Home Entertainment zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Originaltitel: Zipper
Land / Jahr: USA / 2015
Genre: Drama, Thriller
Darsteller: Patrick Wilson als Sam Ellis; Lena Headey als Jeannie Ellis; Dianna Agron als Dalia; Alexandra Breckenridge als Christy; Penelope Mitchell als Laci / Jennifer; Richard Dreyfuss als George Hiller; Ray Winstone als Nigel Coaker; John Cho als EJ; Billy Slaughter als Sams Assistent u. a.
Regie: Mora Stephens
Drehbuch: Mora Stephens, Joel Viertel
Produzenten: Mark Heyman, R. Bryan Wright, Amy Mitchell-Smith, Marina Grasic, Joel Viertel
Kamera: Antonio Calvache
Schnitt: Joel Viertel
Musik: H. Scott Salinas
FSK: 12

Blu-ray Disc™
Laufzeit: ca. 113 Min.+ Bonus
Bildformat: 2.39:1 / 16:9 – 1080/24p HD
Tonformat: DTS-HD Master Audio 5.1
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Originaltrailer Englisch und Deutsch, Trailershow, Audiokommentar mit Mora Stephens (Regie und Drehbuch), Deleted Scenes

Webseite zum Film: Zipper