Zulu: Alte Wunden, die nicht heilen wollen

zulu_coverEs sieht aus wie ein Mord im Drogenmilieu, als die blutüberströmte Leiche eines 20jährigen Mädchens gefunden wird. Doch Ali Sokehla, Chef der Mordkommission von Kapstadt, und sein Kollege Brian Epkeen stoßen dabei auf Machenschaften, die bis in die Zeiten des Apartheid-Regimes zurückreichen.
Machenschaften, in die die Drahtzieher des alten Systems genauso verstrickt sind wie die Dealer der Townships. Je weiter sie in dieses Netzwerk vordringen, desto gefährlicher werden die Konsequenzen für sie selbst, ihre Kollegen und ihre Angehörigen. Dabei müssen sie sich auch ihren eigenen inneren Dämonen stellen.

Film-Blog.tv meint:
Regisseur Jérôme Salle legt eine packende Filmumsetzung des gleichnamigen Romans von Caryl Féreys vor. Seine FSK 18-Einstufung hat sich „Zulu“ mit viel Blut und Amputaten redlich verdient. Die Ermittlungen um einen Mordfall und eine perfide neue Droge verknüpfen die Gegenwart mit dem noch lange nicht vergessenen Apartheitsregime, ohne im mindesten politisch zu werden. Im Vordergrund steht harte Action, ein spannender Plot und eine beeindruckende Kamera, die demonstriert, welche Maßstäbe heute in der Aufnahmetechnik möglich sind. Mit ambitioniertem Schauspiel sowohl der bekannten als auch der wenig bekannten Akteure knallt mit dem südafrikanischen Drogenkrimi ein Thriller in das Wohnzimmer, der Miami Vice antiquiert aussehen lässt. Ansehen!

Den Beitrag verfasste unser Autor Peter Schrandt.

Der Zulu Ali Sokhela muss 1978 als Kind mit ansehen, wie sein Vater bei Auseinandersetzungen mit der grausamen und langsamen Hinrichtungsmethode des Necklacings getötet wird. Danach verletzten Polizeihunde den flüchtenden Jungen schwer.

35 Jahre später ist Ali Leiter der Mordkommission in Kapstadt. Die Aprtheit ist überwunden, doch die Narben der verheilten Wunden sind dünn. Ali will Frieden. Er folgt Mandelas Worten: „If you want to make peace with your enemy, you have to work with your enemy. Then he becomes your partner.“.

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Zu seinem Team zählen der Draufgänger Brian Epkeen, der nach seiner Scheidung ein wildes Leben führt, und der Familienmensch Dan Fletcher. Jeder von ihnen ist über die Eltern mit dem Arpartheitsregime verbunden, ihre Familien kamen aus unterschiedlichen Lagern in diesem historischen ethnischen Konflikt.

Als die junge Nicole Weiss erschlagen aufgefunden wird, führt. die Spur die Ermittler in das Drogenmilieu. Schon bald werden sie von Verdächtigen angegriffen, bei der agggressiven Attacke wird Ali verletzt, Dan verstümmelt und getötet. Auch bei einer Razzia in einer Bar werden die Ermittler beschossen, mehrere Polizisten kommen dabei ums Leben.

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Die Untersuchungen ergeben, dass eine neue Droge zirkuliert. Anders als die südafrikaniche Modedroge Tik, Methamphetamin, geht die neue Substanz auf ein Forschungsprojekt aus den Achtziger Jahren zurück. In ihm sollten Stoffe entwickelt werden, die gezielt gegen die schwarze Bevölkerung wirken. Die neue, nun daraus abgeleitete Droge führt zunächst zu Euphorie, dann zu Apathie und zuletzt zu schrankenloser Aggression. Die Entwickler testen sie an Straßenkindern, die sie an danach an Schweine verfüttern und in einem Massengrab bestatten. Als Designer des Gifts stellt sich der Forscher Joost Oppermann heraus, der das Kampfstoff-Projekt in den Achtziger Jahren leitete. Die Spur führt zunächst zum Sicherheitsunternehmen DBV, in dem Brian auf einer Festplatte Daten zur Entwicklung und Drogenmuster entdeckt. De Beer, der DBV-Leiter, nimmt Brians Ex-Frau Ruby und ihren Freund Rick als Geiseln, um die Festplatte zurückzubekommen. Brian übergibt sie ihm, zuvor hat er die Daten kopiert. Rick will sich zuvor freikaufen und wird von den Entführern erschossen.

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Als die Drogenhersteller Alis Mutter töten, verliert der Polizist die Beherrschung. Er fliegt zu einer Farm in der Wüste, auf der sich de Beers und Oppermann aufhalten. Brian folgt ihm und will ihn überzeugen, die Verdächtigen am Leben zu lassen; Ali schlägt Brian nieder und tötet mit einer Schrotflinte alle Bandenmitglieder in seiner Reichweite. Als Oppermann flieht, beginnt er die Verfolgung. Brian verhaftet de Beers, während Ali Oppermann unablässig tiefer und tiefer in die Wüste folgt…

Wenn man mit jungen Menschen aus Südafrika spricht, sehen sie ihr Land heute überwiegend positiv. Das Erbe, das die Eltern mit der Apartheid hinterlassen haben, wiege jedoch schwer; und seitdem Nelson Mandela nicht mehr Regierungschef ist, nehme auch die Korruption wieder zu. Das Apartheitsregime wird wohl noch lange mit Südafrika verbunden bleiben; die Wunden aus fast einem Jahrhundert der Grausamkeit sind tief, die Narben der Geschichte platzen nicht selten auf. Die Überwindung ist ein langer evolutionärer Prozess.

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Das Thema machten auch Autor Caryl Ferey und mit ihm Regisseur Jérôme Salle zum zugrundeliegenden Motiv des Thrillers „Zulu“. Dabei ist der Film nicht politisch: das Arpartheitssystem war ein Verbrechen, und dies wird in „Zulu“ nicht aufgearbeitet, sondern als Fakt aufgegriffen. Der 2013er Film versucht auch nicht, die Zeit der ethnischen Konfklikte in Südafrika zu erklären. Wer sich für die Apartheit und den Widerstandskampf interessiert, kann mit Jason Chadwicks Biopic „Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“ in die Thematik einsteigen.

Vor dem historischen Hintergrund der Apartheit entwickelt sich „Zulu“ rasant zu einer Achterbahn durch die Drogen- und Mordermittlungen in Kapstadt. Die Charaktere sind kantig skizziert, ohne stereotyp zu wirken; das Drehbuch räumt ihnen mehr Tiefe ein, als dies in Thrillern gewöhnlich der Fall ist. Die Biographien der Akteure sind mit der Arpartheit verbunden, aber nicht auf sie reduziert. Im Showdown vermischt sich Polizeitarbeit mit einer sehr viel größeren Menge an Rache: für den Mord an der Mutter des Ermittlers, und ein gewaltiges historisches Unrecht.

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Selbst wenn am Ende noch einmal eine fiktive Brücke zur Kampfstoffentwicklung im „Project Coast“ zu Zeiten der Apartheit geschlagen wird: auch ohne den jeden Aspekt dieses Regimes würde die gesamte Handlung schlüssig funktionieren. „Zulu“ ist damit deutlich mehr ein Thriller als ein politischer Film.

Denis Rhouden leistet an der Kamera großartige Arbeit. Er fängt die strahlende Sonne am Kap in voller Brillianz ein und erhält dabei Kontraste. Auch bei Nacht- und Innenaufnahmen ist das Bild klar und hervorragend ausgeleuchtet. Der Ton ist deutlich und voluminös; Dialog, Effekte und Musik sind präsent und gut balanciert.

Sprachlich machen es einem die Schauspieler in der Originalversion nicht immer leicht. Der Texaner Forest Whittaker, der Brite Orlando Bloom und ihre Mitstreiter haben sich gut in das südafrikanische Englisch hereingearbeitet, wir erleben eine Vielfalt an Akzenten. Im echten Leben verstehe ich Südafrikaner recht gut, hier ist das Spektrum jedoch sehr breit. Afrikaans spielt in den Dialogen hin und wieder eine Rolle, auch durchmischt mit englischer Sprache, und ist dann englisch untertitelt.

Wer es sich leicht machen möchte, wählt die technisch einwandfreie deutsche Synchronfassung. Der typische Nachteil der Bequemlichkeit: damit verlieren Filme erheblich an Authentizität, nicht zur „Zulu“.

Neben einem ordentlichen Maß an Gewaltszenen wird auch das Sprachniveau seinen Teil zur FSK18-Einstufung beigetragen haben. Das „F“- und „MF“-Wort taucht häufig auf und werden authentisch eingebettet benutzt, ohne bemüht vulgär zu wirken.

Wer nicht besonders zartbesaitet ist, findet in „Zulu“ einen packenden Thriller, der einen eigenen Weg geht und ein hohes Maß an Unterhaltung garantiert.

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Studio Hamburg Enterprises präsentiert „Zulu“ auf Blu-ray und DVD.
Das Rezensionsexemplar wurde von Studio Hamburg Enterprises zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Originaltitel: Zulu
Land / Jahr: Frankreich, Südafrika / 2013
Genre: Drama, Thriller
Darsteller: Forest Whitaker: Ali Sokhela, Orlando Bloom: Brian Epkeen, Tanya van Graan: Tara, Inge Beckmann: Ruby, Nomhle Nkyeni: Josephina, Iman Isaacs Janet, Christian Bennett: Stan, Randall Majiet: Cat, Conrad Kemp: Dan Fletcher, Sven Ruygrok: David Epkeen, Regardt van den Bergh: Frank de Beer, Patrick Lyster: Joost Opperman, Danny Keogh: Kruger, Natasha Loring: Marjorie, Adrian Galley: Nils Botha, Dean Slater: Rick, Garth Collins: Stewart Weitz, Khulu Skenjana: Themba u.a.
Regie: Jérôme Salle
Drehbuch: Julien Rappeneau, Jérôme Salle
Romanvorlage: „Zulu“ von Caryl Ferey
Produktion: Richard Grandpierre
Kamera: Denis Rouden
Schnitt: Stan Collet
Musik: Alexandre Desplat

Blu Ray-Disc ™
Laufzeit: ca. 111 Min. + Bonus
Bildformat: 16:9 – 1.77:1
Tonformat: Dolby Digital 5.1
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
FSK: 18

Webseite zum Film: Zulu