Zwei Leben: Der lange Arm der Stasi

zwei-leben_cover „Mit dem Fall der Berliner Mauer und der politischen Neuordnung Europas gerät Katrines Leben in Norwegen aus dem Ruder. Plötzlich ist alles anders, ihre Familie, ihre Liebe, ihr Glück sind bedroht. Um zu verhindern, dass ihr Geheimnis ans Licht kommt, muss sie gegen ihren Willen in ihr früheres Leben zurückkehren. Wer ist sie wirklich?
Geschickt und professionell verwischt Katrine die Spuren ihrer Vergangenheit, verfängt sich aber zusehends in einem Netz von Lügen und Widersprüchen. Ihr Geheimnis droht ans Licht zu kommen. Verzweifelt versucht sie ihr fragiles Glück zu schützen. Dabei ist sie Täterin und Opfer zugleich. Es geht um Wahrheit und Lüge, um Tod oder Leben. Kann es wahres Glück im falschen Leben geben?

Film-Blog.tv meint:
„Zwei Leben“ ist vor allem eines: Ein Film, der unbedingt gedreht werden musste. Über ein Thema, das hierzulande kaum bekannt ist, weil erfolgreich totgeschwiegen wurde. Georg Maas hat das Buch „Eiszeiten“ von Hannelore Hippe auf die Leinwand gebracht, der Film macht es dem Betrachter nicht einfach. Denn es gibt keine klaren Linien zwischen „Gut“ und Böse“. Katrines Vergangenheit bei der Stasi und ihre Beweggründe sind nachvollziehbar, machen betroffen und werfen mehr Fragen auf, als sie beantworten können. Vor allem aber ist „Zwei Leben“ ein Film, der lange nachwirkt. Sehr lange.

Katrine, Mitte 40, führt seit über zwei Jahrzehnten in Norwegen ein glückliches Leben, hat in Bjarte den Mann ihrer Träume gefunden und lebt mit ihm, ihrer Mutter Åse, Tochter Anne und deren Baby Turid das Leben einer perfekten modernen Familie. Mit dem plötzlichen Auftauchen des jungen deutschen Anwalts Sven Solbach scheint das Familienidyll jedoch ins Wanken zu geraten – Katrine wird mit ihrer längst vergessen geglaubten Vergangenheit konfrontiert: Als Tochter eines deutschen Soldaten und der Norwegerin Åse Evensen wurde sie 1945 wie viele andere deutsch-norwegische Kriegskinder von den Nazis nach Deutschland verschleppt, die diese als rassisch besonders wertvoll ansahen.

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Katrine wuchs in einem deutschen Kinderheim auf. Erst im Alter von Mitte 20, nach ihrer Flucht aus der DDR, lernte sie ihre Mutter in Norwegen kennen, ihr Vater hat den Krieg nicht überlebt.

Nach dem Fall der Mauer strengt der Anwalt Solbach nun vor dem Europäischen Gerichtshof eine Klage auf Wiedergutmachung zugunsten der von den Nazis entführten Kriegskinder und deren norwegischen Mütter an. Diese mussten nach Kriegsende in Norwegen schlimmste Diskriminierungen über sich ergehen lassen, da sie als „Deutschflittchen“ galten. Für Solbach sind Katrine und Ase perfekte Zeugen, doch Katrine lehnt jede Zusammenarbeit ab.

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Der engagierte Anwalt lässt nicht locker und findet Ungereimtheiten. Katrine muss sich rechtfertigen und verstrickt sich mehr und mehr in Widersprüche. Åse, Bjarte und Anne spüren, dass etwas nicht stimmt. Katrine wird nervös, ihr Leben gerät aus dem Ruder, ihr Glück ist in Gefahr. Sie telefoniert mit einem gewissen Hugo in Deutschland und bittet um Hilfe. Ein anderer Deutscher in Norwegen setzt Katrine unter Druck. Sie soll dafür sorgen, dass dieser Anwalt aufhört in ihrer Vergangenheit herum zu wühlen. Und Katrine handelt: ihrer Familie erzählt die professionelle Fotografin etwas von einem Fotojob in Oslo, dann fliegt sie nach Deutschland.
Dort erleben wir eine völlig andere Katrine: Sie tauscht ihr modernes Outfit gegen unscheinbare Kleider, ihre rotblonden Haare verschwinden unter einer dunklen Perücke. Derart maskiert sucht sie Orte ihrer Vergangenheit auf, lässt professionell Dokumente verschwinden, verwischt Spuren ihrer Kindheit und sorgt dafür, dass eine frühere Mitarbeiterin aus ihrem Kinderheim keine Aussage über sie machen wird. Mit dem guten Gefühl, alles getan zu haben, kehrt Katrine zurück nach Norwegen.

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Aber die Gefahr ist nicht gebannt. Solbach deckt weitere Widersprüche auf, Katrine muss Teile ihrer Lebenslegende neu erfinden. Sie liebt Bjarte und ihre Familie aufrichtig, sie hasst sich für ihr Doppelspiel. Schließlich findet Solbach das finale Puzzlestück in Katrines Leben und ihr Geheimnis wird sichtbar: Katrine ist nicht die Frau, für die sie sich über 20 Jahre ausgegeben hat.

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Sie wurde von der Stasi zur Spionin ausgebildet und mit der Identität von Åses wirklicher Tochter nach Norwegen geschickt, wo sie sich ein neues Leben in Freiheit aufbauen konnte. Ihre gefälschte Identität ist zu ihrem glücklichen und geliebten Leben geworden.

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Jetzt steht dieses Dasein am Abgrund. Katrines Führungsoffizier Hugo erkennt, dass Katrines gefälschte Identität auffliegt und befiehlt ihr den Rückzug. Sie soll ihre Familie unter dem Vorwand verlassen, einen anderen Mann zu lieben und unter falschem Namen ausreisen. Obwohl Katrine weiß, dass sie sich damit in tödliche Gefahr begibt, widersetzt sie sich. Ihre Familie ist ihr wichtiger als alles andere. In einem dramatischen Geständnis legt sie die ganze Wahrheit offen und steigt in ihr Auto, um vor der norwegischen Staatsanwaltschaft auszusagen.

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Am Ende steht die Frage, was mehr Gewicht hat: die Liebe und das gelebte Glück der Familie oder die Lügen und der Betrug …

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Die Blu-ray ist technisch auf aktuellem Stand. Das Bild ist, auch bei Großprojektion, scharf, sehr farbenfroh und kontrastreich. Der Ton kommt räumlich und perfekt ausgesteuert, aus den Surroundboxen.

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farbfilm home Entertainment GmbH präsentiert „Zwei Leben“ auf Blu-ray Disc™ und DVD.
Das Rezensionsexemplar wurde von farbfilm home Entertainment GmbH zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Originaltitel: Zwei Leben
Land / Jahr: Deutschland, Norwegen / 2012
Genre: Drama, Thriller
Drehorte: Bergen, Köln, Hamburg, Lübeck und Leipzig
Darsteller: Katrine Evensen Myrdal – Juliane Köhler, Åse Evensen – Liv Ullmann, Bjarte Myrdal – Sven Nordin, Anwalt Sven Solbach – Ken Duken, Anne Myrdal – Julia Bache-Wiig, Hugo – Rainer Bock, Kontaktmann in Norwegen – Thomas Lawinky, Katrine Evensen (jung) – Klara Manzel, Kathrin Lehnhaber – Vicky Krieps, Anwalt Høgseth – Dennis Storhøi, Hiltrud Schlömer – Ursula Werner, Detektiv – Jürgen Rißmann, Hausmeister Sonnenwiese – Ralf Dittrich, Archivar – Christian Steyer, Dänischer Verhörer – Matthias Harrebye Brandt, Deutscher Verhörer – Holger Handke, Reporter – Daniel Krauss, Marit – Ellen Birgitte Winthe u. a.
Regie: Georg Maas
Drehbuch: Georg Maas, Christoph Tölle, Ståle Stein Berg, Judith Kaufmann
Buchvorlage: „Eiszeiten“ von Hannelore Hippe
Produktion: Zinnober Film, Dieter Zeppenfeld, B&T Film, Rudi Teichmann, Helgeland Film, Axel Helgeland
Kamera: Judith Kaufmann
Schnitt: Hansjörg Weissbrich
Szenenbild: Bader El Hindi
Ton: Thomas Angell Endresen
Musik: Christoph M. Kaiser & Julian Maas
Produktionsleitung: Peter Kreutz
FSK: 12

Blu-ray Disc
Laufzeit: ca. 100 Min. Bonus
Bildformat: Full HD 16:9 (2,35:1)
Tonformat: DTS HD Master Audio 5.1, Stereo DTS-HD Master Audio
Sprachen: Französisch, Deutsch
Untertitel: Deutsch, Deutsch für Hörgeschädigte
Extras: Dokumentation „Warten auf die Elefanten“ (ca. 50 Min.); 2 Featurettes: „Die Entstehung des Films“ und „Außergewöhnliche Dreharbeiten“; 14-teiliges Special „Botaniker Francis Hallé erklärt …“ (ca. 64 Min.); Interview mit Bruno Ganz; Booklet; Trailer; Wendecover

Webseite zum Film: Zwei Leben