Arthur & Claire: Angst vor dem Leben trifft Angst vor dem Tod

Gewinnspiel_rotEin Mann, eine Frau und eine Nacht, in der es um alles oder nichts geht. In einem Hotel in Amsterdam begegnen sich zwei Menschen, von denen jeder für sich bereits mit dem Leben abgeschlossen hatte. Doch dann vereitelt Arthur, der eigentlich nur ein letztes stilvolles und vor allem einsames Dinner im Sinn hatte, durch Zufall den Suizidversuch der jungen Claire. Die beiden Lebensmüden bilden von nun an eine unerwartete Schicksalsgemeinschaft. Gemeinsam brechen sie in die Amsterdamer Nacht auf und beginnen zwischen Grachten, Coffee Shops, bestem Whiskey und einer sich vorsichtig anbahnenden Freundschaft, die Pläne des jeweils anderen zu durchkreuzen. In klugen, witzigen Dialogen kreisen Arthur und Claire um die Dinge, die das Leben wirklich ausmachen, und beschließen, sich diesem Leben zu stellen und es bis zum letzten Augenblick auszukosten.

Film-Blog.tv meint:
Ist „Arthur & Claire“ nun ein Kammerspiel, ein Drama, eine leise Komödie und Plädoyer für das Leben an und für sich oder eine „schwarzhumorigen Komödie“, wie der Produzent des Films, Gerald Podgornig, in einem Interview erweiterte? Nun, wer eine Komödie im klassischen Sinn erwartet, wird schnell feststellen, dass es nicht viel zu lachen gibt. Zu ernst sind die Beweggründe von Arthur und Claire für deren Entscheidungen. Und dennoch: Wie von Hader und Hoekstra nicht anders zu erwarten, ertrinken die beiden Charaktere nicht in Selbstmitleid, sondern agieren mit einer gehörigen Portion Sarkasmus. Vor allem ist „Arthur & Claire“ großartiges Schauspielerkino. Die Charakterzeichnung der beiden Hauptakteure ist herausragend, da sitzt jede noch so kleine Geste. Minenspiel und Timing sind perfekt.
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Ein Hauch von Melancholie liegt über dem Flug Wien-Amsterdam, auf dem sich der etwa 50jährige Arthur an einem Glas Champagner festhält und einem kleinen Jungen, von dem er sich behelligt fühlt, mit seinen Schilderungen der Folgen eines Absturzes einen gehörigen Schrecken einjagt. Müden Zynismus verbreitet er auch nach der Landung bei der Abholung seines Mietwagens, mit dem er schließlich vor einem Klinikgebäude vorfährt. Der Arzt, den er dort trifft, scheint ihm vertraut. Schnell wird klar, dass sie letzte Dinge besprechen: Sachlich und abgeklärt erläutert Dr. Hofer den von ihm betreuten Sterbevorgang als „durch und durch zuverlässig“. „Absolut schmerzfrei“ werde der Tod verlaufen, beruhigt er den diesbezüglich beunruhigten Arthur, ein sicheres Medikament sorge innerhalb weniger Minuten nach der Einnahme für den Stillstand von Herz und Atem.

„Willst du dir nicht noch ein wenig Zeit lassen?“ fragt Hofer den Freund. Der unheilbar an Lungenkrebs erkrankte Arthur jedoch ist zu allem entschlossen: „Ich hab‘ nichts mehr vor.“ Der Termin wird auf den kommenden Tag gelegt. Eine Einladung zum Abendessen bei Hofers lehnt er ab, zum Gutachten der unabhängigen Prüfungskommission lautet seine Anweisung: „Hau’s weg“. Erst bei der Verabschiedung blitzt ein wenig Galgenhumor auf: „Kannst du meinen Mietwagen für mich abgeben? Sonst muss ich nachzahlen.“

Beim Einchecken in sein gediegenes Hotel fällt Arthur eine junge, aufgewühlt wirkende Frau auf, ein Fremdkörper in der gepflegten, etwas sterilen Atmosphäre mit ihrem geschliffenen Service. Als „Henkersmahlzeit“ bestellt er sich Filet Mignon und besten Rotwein, streift zunächst jedoch – verloren in der Touristenmasse – alleine durch Amsterdams Hauptstraßen. Immer wieder versucht er vergeblich, seinen Sohn zu erreichen und landet schließlich bei seiner Flasche Rotwein im Hotelzimmer. Immer wieder von Hustenanfällen und Tabletteneinnahme unterbrochen, versucht er am seinem vermeintlich letzten Abend, einen Abschiedsbrief zu schreiben – bis aus dem Nachbarzimmer laute Musik zu hören ist.

Als Arthur dem Grund der Störung nachgehen will, trifft er auf eine völlig aufgelöste, zur Provokation aufgelegte Claire, die auffällige Frau aus dem Foyer: „Marschieren Sie immer in fremde Zimmer? Machen die Deutschen das immer noch so?“ Einfach in fremde Zimmer gehen, machen die Deutschen das immer noch so?“ „Ich bin Österreicher.“ „Noch schlimmer“. Neben einer überlaufenden Badewanne findet Arthur eine Unmenge Tabletten. Als er versucht, sie zu entsorgen, kommt es zum Eklat. Es zeigt sich, dass beide Menschen in Endzeitstimmung sind und mit dem Leben abgeschlossen haben.

„Sterben ist das Letzte, was man machen kann im Leben. Das will ich gut machen.“
Josef Hader (als Arthur)

Als eine Art Schicksalsgemeinschaft machen sich die beiden auf einen Streifzug durch Amsterdam. Zunächst will Claire einfach nur Nachschub aus der Apotheke besorgen, dann finden sich die beiden jedoch in einem Restaurant wieder. Um einen Tisch in dem überfüllten Lokal zu ergattern, zeigt Claire ihre erfinderische Seite: Sie gibt sich als Arthurs Schwiegertochter in spe und das gemeinsame Essen als Test für ihre Eignung aus…

Der anfangs angespannten Stimmung weicht aufkeimendes Interesse aneinander. Holländisch klinge wie eine Halsentzündung, bemerkt Arthur. Nein, er kenne Amsterdam nicht, schließlich sei er hier, um zu sterben. Claire mischt ihren Brunello mit Cola, dafür zeigt sie sich als Expertin für gerauchte Substanzen: Als nächstes steht ein Coffeeshop auf dem Programm, um Arthur zu „entspannen“. „Beim Entspannen habe ich Versagensängste“, gibt dieser zu, und auch der Rest des Gesprächs beim Kiffen verläuft philosophisch-melancholisch: „Wenn dich ein Baum erschlägt, ist es auch rein pflanzlich.“

Die Drogen bringen Arthurs weiche Seite ans Licht, er sieht Claire als „Engel“, der ihn abholt und seinen begleiteten Tod als „Sechser im Lotto“. Einem rauschhaften Moment beim Tanzen in einem Club folgt beim Whisky in einer stimmungsvollen Bar Claires Geständnis, dass sie eine fünfjährige Tochter hat. Arthur wiederum erzählt von seinem entfremdeten Sohn und dass er, Arthur, ihm seinerzeit die Frau ausgespannt habe. Über ihren Grund zum Selbstmordversuch gibt sich Claire bedeckt – bis sich anhand einer Zeitungsmeldung, die sie bei sich trägt, herausstellt, dass ihre Tochter vor einem Jahr bei einem von Claire verschuldeten Autounfall ums Leben kam. Sie beschwört ihn, seinen Frieden mit seiner noch bestehenden Familie zu schließen. Darauf bestellt Arthur einen weiteren Whisky, während Claire die Bar verlässt und als Geste des finalen Loslassens den Artikel in den Fluss fallen lässt. Ihr anschließender Weg führt sie zurück in die Bar – zu einem Duett mit Arthur am Piano.

„Ist es typisch österreichisch, dass man jammert, bevor überhaupt etwas Schlimmes passiert ist?“
Hannah Hoekstra (als Claire)

Am folgenden Morgen, Arthurs Schicksalstag, wachen sie gemeinsam in seinem Hotelzimmer auf. Sein Termin naht, und eine aufgelöste Claire wirft ihm Egoismus vor: „Richtige Männer lassen sich nicht umbringen, sie schießen sich in den Kopf.“ Doch nichts scheint den Lebensmüden von seinem Entschluss abbringen zu können.

An der Klinik angekommen, begrüßt Arthur seinen Freund und Arzt – um eine sofortige Kehrtwendung zu machen, den Mietwagen an einer Eisenbahnschranke stehen zu lassen, kopflos durch die Stadt zu rennen und zurück am Hotel Claires Zimmer leer vorzufinden. Sofort macht er sich auf den Weg zum Busbahnhof, wo sie, das „Mädchen vom Land“, ihm letzte Nacht die Busverbindung in ihre kleine Heimatstadt gezeigt hat.

Als Claire tatsächlich genau diesen Bus besteigt, sieht sie in der letzten Reihe Arthur sitzen. Lakonisch erkundigt er sich, ob es sich lohne, für ein halbes Jahr Holländischunterricht zu nehmen. Es zeigt sich, dass er den Rest seines Lebens mit neuem Mut angehen möchte. Sie starten den Sprachunterricht mit dem schwierigsten Wort, dass Claire auf Niederländisch einfällt – „schip beschuit“, auf Deutsch „Schiffszwieback“….

Gewinnspiel
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Universum Film GmbH präsentiert „Arthur & Claire“ ab 14. September 2018 auf Blu-ray Disc™, DVD und als VoD.
Das Rezensions- und das Verlosungsexemplar wurden von Universum Film GmbH zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Originaltitel: Arthur & Claire
Land / Jahr: D, A, NL / 2017
Genre: Drama, (Komödie)
Darsteller: Arthur: Josef Hader, Claire: Hannah Hoekstra, Dr. Sebastian Hofer: Rainer Bock, Empfangschef Hotel: Guy Clemens, Hotelangestellter: Pepijn Schoneveldr u. a.
Regie: Miguel Alexandre
Drehbuch: Miguel Alexandre, Josef Hader
Vorlage: Theaterstück „Arthur & Claire“ von Stefan Vögel
Produktion: Gerald Podgornig, Thomas Hroch, Arnold Heslenfeld
Kamera: Katharina Diessner
Schnitt: Marcel Peragine
Musik: Dave Alex
FSK: 12

Blu-ray Disc™
Laufzeit: ca. 99 Min. + Bonus
Bildformat: 2,40:1 / 16:9
Tonformat: DTS-HD 5.1 Master Audio
Sprachen: Deutsch
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Extras: Hörfilmfassung, Interviews mit Cast & Crew

Webseite zum Film: “Arthur & Claire”

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