Borg/McEnroe: Kampf der Giganten

 

Das Grand Slam Turnier in London gilt als eines der größten Sportereignisse weltweit. Packend erzählt BORG/McENROE die wahre Geschichte der beiden Tennislegenden Björn Borg und John McEnroe, die sich 1980 auf dem prestigeträchtigen Rasen ein bis heute unvergessenes und als eines der besten Spiele aller Zeiten geltendes Match lieferten.
1980: Das traditionsreichste Tennisturnier, die Wimbledon Championships, steht vor der Tür und für den besten Tennisspieler der Welt soll es ein Triumphzug werden. Björn Borg kann zum fünften Mal den Titel holen. Jedoch hat seine lange, schon im Kindesalter begonnene Karriere Spuren hinterlassen. Obwohl er erst 24 Jahre alt ist, fühlt Borg sich erschöpft und ausgebrannt, leidet unter Ängsten. Davon ist John McEnroe noch weit entfernt. Der 20jährige aufstrebende Star will Borg vom Thron stürzen und ist fest entschlossen, Wimbledon zu gewinnen. Doch mehr und mehr fühlt er sich, ebenso wie Borg, als wäre er in einem Käfig gefangen. In der Öffentlichkeit sorgt McEnroes aufbrausendes Temperament immer wieder für Schlagzeilen und die Medien stilisieren den Zweikampf immer weiter hoch: der coole Borg gegen den verzogenen McEnroe. Nach und nach müssen die beiden Gegner erkennen, dass ausgerechnet ihr größter Rivale der einzige sein könnte, der versteht, was sie durchleiden…

Film-Blog.tv meint:
Stones oder Beatles? Pepsi oder Coca-Cola? HSV oder St. Pauli? Niki Lauda oder James Hunt? Was wäre die Welt ohne eine gesunde Rivalität, Gegensätze und deren Fans. Björn Borg und John McEnroe sorgten, Jahre bevor Boris Becker und Steffi Graf den Tennissport in Deutsche Wohnzimmer brachten, für Gänsehaut unter den Sportfans. Chris Kurbjuhn, selbst aktiver Tennisspieler, hat sich den Film für uns angeschaut:
„Borg/McEnroe“ zählt zu den wenigen Sportfilmen, die wirklich punkten, die sowohl Tennisfans als auch Menschen, die sich für diesen Sport nur peripher interessieren, begeistern können. Spiel, Satz und Sieg für „Borg/McEnroe“, das ist ganz großes Tennis, genau wie damals, 1980…
Bei den Tennisszenen muss man leichte Abstriche machen. Sowohl Borg als auch McEnroe waren bzw. sind ausgemachte Bewegungsgenies, derart geschmeidige Abläufe bekommen die Schauspieler und ihre Doubles nicht hin. Der Original-Borg drosch seine Bälle mit deutlich mehr Topspin, und der Kenner vermisst durchaus schmerzhaft McEnroes Signature-Move, den „Windmühlen-Aufschlag“. Aber das ist kleinliches Gemecker, die 25 Minuten, die der Film dem eigentlichen Finale sind herausragend gefilmt und geschnitten, man vergisst beinahe, dass man ja weiß wie‘s ausgeht.

Den Beitrag verfasste unser Kollege Chris Kurbjuhn

Borg war der fleischgewordene Alptraum. Jeder, der mal ernsthaft Wettkampf-Tennis gespielt hat, kennt diesen Spielertyp, den Bringer. Mit einer Pferdelunge und der Kondition eines Mittelstrecklers gesegnet erläuft er jeden Ball und spielt ihn mit tödlicher Sicherheit ins Feld des Gegners zurück, der schließlich den schrecklichen Tennistod der Zermürbung stirbt. Dafür muss der Bringer noch nicht einmal besonders gut Tennis spielen können, es genügt, den Ball irgendwie zurück zu löffeln, vor Probleme stellen die meisten Spieler sich selbst, wenn sie einem Bringer gegenüberstehen. Borg war der König der Bringer, den er konnte nicht nur rennen, sondern auch sehr gut spielen. Er hat im Alleingang den Topspin-Schlag neu erfunden, er drosch seinen Gegnern die heimtückisch hoch abspringenden Kugeln um die Ohren, bis sie mit Tränen in den Augen resignierten: vor sich selbst, vor dem Tennissport, vor Björn Borg.

Einer resignierte nicht. John McEnroe. Der kannte das Wort Resignation nicht. Wenn Borg König der Bringer war, dann war McEnroe der Champion der Kämpfer, ein wilder, wüster Fighter, der auch bei 0:5 und 0:40 im 5. Satz noch an seine Siegchance glaubte und versuchte, das Match zu drehen, in dem er angriff, angriff, angriff…

Es mussten wohl tatsächlich zwei derart gegensätzliche Spielertypen sein, um solch ein Jahrhundertmatch zu produzieren. Wer das damals gesehen hat, der vergisst es im ganzen Leben nicht. Manche Ballwechsel hab‘ ich heute noch vor Augen, und der „Tie-Break des Wahnsinns“ im 4. Satz ist mir heute noch tutti kompletti auf die Innenseite der Pupillen gebrannt.

Wie soll man sowas verfilmen? Zumal – machen wir uns nichts vor – die Sache so richtig spannend nicht ist, wir wissen ja, wie‘s ausgeht. Borg wird im 5. Satz beim Stande von 7:6 mit viel Glück, eisernem Willen und dem Mut der Verzweiflung endlich einen Matchball verwandeln und als fünfmaliger Seriensieger Wimbledon-Geschichte schreiben. Obwohl wir das wissen, werden uns die über hundert Minuten des Films nicht lang. Das liegt an Regisseur Janus Metz, der sich weniger für die Punkte auf dem Centre Court als für die wunden Punkte der Seelen der Protagonisten interessiert. Björn Borgs Hadern mit sich selbst steht im Mittelpunkt des Films.

Es ist durchaus faszinierend, zu beobachten, wie er mit dem Druck kämpft, mit nur 24 Jahren das bedeutendste Tennisturnier der Welt zum fünften Mal gewinnen zu „müssen“. Gleichzeitig beginnt er, des Tennissports überdrüssig zu werden – hier kündigt sich sein zwei Jahre später erfolgender Rückzug vom Profi-Zirkus an – was in Rückblenden mit der Tennis-Besessenheit des ganz jungen Borg kontrastiert wird.

Sverrir Guðnason liefert hier eine herausragende Performance ab, man meint fast den ganzen Film über, den Original-Borg agieren zu sehen. Gemeinsam mit Ausnahme-Schauspieler Stellan Skarsgård, der die schwedische Trainer-Legende Lennart Bergelin gibt, liefert er ein überzeugendes Bild der Hassliebe zwischen Ausnahme-Spieler und Ausnahme-Trainer.

Shia LaBoeuf überzeugt ebenfalls als junger Heißsporn McEnroe, wobei er für sein Rollenvorbild deutlich mehr Sympathie-Punkte einfährt als das damals Als „Superbrat“ verschriene Original. Zu erwähnen ist auch die Liebe zum Detail, mit der der Film gestaltet wurde. Von den Borg‘schen Donny-Schlägern, mit denen damals jeder spielen wollte bis zu den Augenpaul verursachenden Hotelzimmern der damaligen Zeit ist alles vorhanden, es stimmt fast alles.

Ascot Elite Home Entertainment GmbH präsentiert „Borg/McEnroe“ ab 23. Februar 2018 im Vertrieb von Universum Film GmbH auf Blu-ray Disc™, DVD und als VoD.
Das Rezensionsexemplar wurde von Ascot Elite Home Entertainment GmbH zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Originaltitel: Borg/McEnroe
Land / Jahr: Dänemark, Finnland, Schweden / 2017
Genre: Drama, Sport
Darsteller: Shia LaBeouf: John McEnroe, Stellan Skarsgård: Lennart Bergelin, Sverrir Guðnason: Björn Borg, Tuva Novotny: Mariana Simionescu, David Bamber: George Barnes, Robert Emms: Vitas Gerulaitis, Jane Perry: Kay McEnroe u.a.
Regie: Janus Metz
Drehbuch: Ronnie Sandahl
Produktion: Jon Nohrstedt, Fredrik Wikström Nicastro
Kamera: Niels Thastum
Musik: Mark Orton
Schnitt: Vladislav Delay, Jon Ekstrand, Carl-Johan Sevedag, Jonas Struck
FSK: 0

Blu-ray Disc™
Laufzeit: ca. 108 Min. zzgl. Bonus
Bildformat: 2,35:1 / 16:9 (1080p/24 HD)
Tonformat: DTS-HD Master Audio 5.1
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Deutscher Trailer, Featurette, Interview zum Zürich Film Festival 2017, Wendecover

Webseite zum Film: Borg/McEnroe