Burning: Wo ist Haemi?

Nach seinem Studium kehrt der junge Jongsu in sein Heimatdorf zurück. Ein zufälliges Wiedertreffen mit seiner Schulkameradin Haemi führt zu einer gemeinsamen Nacht. Jongsus Gefühle sind geweckt, doch der Zeitpunkt ist ungünstig – Haemi steht kurz vor einem langen geplanten Trip nach Afrika. Sehnsüchtig erwartet Jongsu den Tag ihrer Rückkehr. Am Flughafen trifft er Haemi jedoch nicht alleine an. Auf der Reise hat sie den wohlhabenden und mysteriösen Ben kennengelernt, der von nun an nicht mehr von ihrer Seite weicht. Als Haemi plötzlich spurlos verschwindet, stürzt die verzweifelte Suche nach ihr Jongsu in ein Labyrinth aus Misstrauen und Paranoia.

Film-Blog.tv meint:
Eine grade mal fünf Seiten dünne Kurzgeschichte bläht Lee Chang-dong zum fast zweieinhalbstündigen Mammutfilm auf. Die Kritik ist einhellig begeistert.
Die Zeit schreibt sogar: „Einer der besten Filme aller Zeiten“. Volkes Stimme ist gespalten. Auch erfahrene Filmkenner sind in ihren, durchaus fundierten, Kritiken gar nicht so enthusiastisch.
Die Wahrheit liegt, wie immer, in der Mitte und ist sicher auch Geschmackssache. Sensationell gelungen sind in „Burning“ die, schlicht und einfach, gewaltigen Bilder. Fast jede Einstellung für sich ist nahezu ein Gemälde, das sich im Gedächtnis des Betrachters einbrennt. Die subtil ansteigende Spannung wird von einem Score vor sich hergetrieben, den man kaum wahrnimmt – und der grade deshalb so eindrucksvoll die Atmosphäre zum Knistern bringt.
Allerdings nimmt sich Lee Chang-dong für meinen Geschmack viel zu viel Zeit. Bis die Geschichte endlich etwas Fahrt aufnimmt, sind gute zwei Stunden Screentime vorbei. Dass die Hauptprotagonisten nicht unbedingt Sympathieträger sind, mit denen sich der Betrachter identifizieren kann, macht die Sache noch komplizierter, als die Story eh schon ist.
„Burning“ ist ein sehr guter Film. Aber nicht für jeden. Und: Man muss bereit sein, sich darauf einzulassen und etwas mehr mitzudenken, als man vom Kino mittlerweile (leider) gewohnt ist.

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Jongsu hat gerade sein Studium beendet und schlägt sich mit Gelegenheitsjobs durchs Leben. Als er eines Nachmittags eine Lieferung durch die Straßen von Seoul schleppt, drückt ihm ein tanzendes Mädchen, das gerade versucht mit einer Tombola neue Kunden in einen Laden zu locken, eine Losnummer in die Hand. Jongsu hängt eine Weile vor dem Geschäft herum, als das Mädchen schließlich Blickkontakt mit ihm aufnimmt und tatsächlich seine Losnummer zieht. Etwas eingeschüchtert lässt er sich seinen Gewinn von ihr aushändigen – eine Damenuhr. Das Mädchen fragt Jongsu, ob er sich an sie erinnere. Sie stellt sich als Haemi vor und behauptet, dass die beiden im selben Ort aufgewachsen seien. Sie habe eine Schönheitsoperation hinter sich, weshalb er sie vielleicht nicht erkenne.

Die beiden verbringen Haemis Pause miteinander und erzählen sich von ihrer Arbeit und ihrem Leben seit ihrer Kindheit. Jongsu verrät Haemi, dass er Schriftsteller werden möchte. Haemi möchte vor allem ihre Freiheit genießen. Jongsu schenkt ihr die Uhr, die er gewonnen hat, bevor sich die beiden für den Abend verabreden.
In einer Bar führt Haemi ihm vor, was sie in einem Pantomime-Kurs gelernt hat. Sie isst eine imaginäre Mandarine, die sie wirklich zu genießen scheint und erklärt, das habe nichts mit Talent zu tun: „Es geht nicht darum sich vorzustellen, dass da eine Mandarine ist, sondern darum zu vergessen, dass da keine ist. Das Wichtigste ist, dass du sie wirklich willst.“ Sie erzählt Jongsu von einem Volk in der Kalahari-Wüste, das zwischen zwei Arten von Hunger unterscheidet – dem kleinen und dem großen Hunger. „Den kleinen Hunger hat eine Person, die tatsächlich hungrig ist. Den großen Hunger“, sagt sie, „spürt eine Person, die nach dem Sinn des Lebens hungert.“ Sie erzählt Jongsu, dass sie bald zu einer Reise nach Afrika aufbrechen werde, und bittet ihn darum, während ihrer Abwesenheit ihre Katze zu füttern. Haemis Wohnung ist eine kleine, dunkle Bude in einem Mietshaus, vollgestellt mit altem Kram, Geschirr und Klamotten. Die Katze ist nirgendwo zu sehen. Haemi behauptet, dass sie sich vor Fremden nicht zeigen würde. Jongsu fragt scherzhaft, ob sie sich die Katze einbilde und er nur vergessen müsse, dass es keine gibt. Sie küssen sich und haben Sex auf Haemis Bett.


Am Tag darauf fährt Jongsu in seinen Heimatort zurück und bezieht den alten Hof, auf dem er aufgewachsen ist. Bis vor kurzem wurde dieser von seinem Vater bewirtschaftet. Das war bevor er nach einer Auseinandersetzung mit der Polizei inhaftiert wurde. Jongsu streift durch das alte Haus. An den Wänden hängen Bilder aus Jongsus Kindheit – Erinnerungen an glücklichere Tage. Es ist nichts mehr wie früher. Ein einziges Kalb ist dem Hof geblieben. Jongsu verbringt die nächsten Tage zwischen dem Hof und Haemis Wohnung in Seoul, um den Futternapf der Katze aufzufüllen, die er nie zu Gesicht bekommt.
Als Jongsu eines Tages wieder auf Haemis Bett sitzt, bekommt er einen Anruf von ihr. Sie werde am nächsten Tag aus Afrika zurückkommen und bittet Jongsu sie am Flughafen abzuholen. Doch als die beiden sich endlich wiedersehen, hat Haemi einen jungen, gutaussehenden und wohlhabend wirkenden Mann im Schlepptau, der sich als Ben vorstellt. Haemi habe ihn am Flughafen von Nairobi kennengelernt, wo sie für drei Tage gestrandet seien. Zu dritt gehen sie essen. Im Restaurant erzählt Haemi, dass sie beim Anblick des Sonnenuntergangs in Afrika der Wunsch überkommen habe, genauso zu verschwinden, wie diese Sonne. Ihr kommen die Tränen, woraufhin Ben erklärt, dass er selbst noch nie in seinem Leben geweint habe. „Darf ich dich fragen, was du beruflich machst?“, fragt ihn Jongsu. „Dies und das“, sagt Ben. „Du würdest es nicht verstehen. Um es einfach auszudrücken: Ich spiele. Heutzutage gibt es keinen Unterschied mehr zwischen Arbeiten und Spielen.“ Die beiden unterhalten sich über Jongsus schriftstellerische Ambitionen. Ben bietet an, eines Tages seine Geschichte zu erzählen, damit Jongsu sie aufschreiben könne. Als die drei das Restaurant verlassen, entscheidet sich Haemi zu Jongsus Enttäuschung dafür, sich von Ben in seinem glänzenden Sportwagen nach Hause fahren zu lassen.

Auch bei ihrer nächsten Verabredung ist Jongsu mit Haemi nicht alleine. Ben ist ebenfalls vor Ort und albert vor Jongsus Augen mit Haemi herum. Ben schlägt vor, zu ihm zu fahren, um dort gemeinsam Pasta zu kochen. Jongsu betrachtet Bens teuer eingerichtete Wohnung mit Argwohn. Er verdrückt sich ins Bad, öffnet neugierig einen Schrank und findet ein Köfferchen mit Make-Up und Modeschmuck. Etwas desillusioniert fragt er Haemi nach dem Essen bei einer Zigarette auf dem Balkon, warum sie glaube, dass Ben sich mit ihr trifft. „Er findet mich interessant“, antwortet sie knapp.

Während Jongsu ein paar Tage später den Stall seines Kalbs ausmistet, erreicht ihn ein Anruf von Haemi. Ob er zuhause sei, fragt sie, denn Ben und sie seien auf dem Weg zu ihm. Bei Jongsu angekommen bemerkt Haemi enttäuscht, dass ihr altes Haus nicht mehr steht. Sie erzählt die Geschichte, wie sie als Kind für Stunden in einem Brunnen gefangen war und weinte, weil sie Angst hatte, dass niemand sie finden würde – bis Jongsu sie schließlich entdeckt habe. Doch Jongsu erinnert sich an keine Rettungsaktion und auch nicht an den Brunnen, der irgendwo in der Nähe sein soll, aber weit und breit nicht zu sehen ist. Die drei setzen sich vors Haus und genießen bei einem Joint die untergehende Sonne, bis sich Haemi ihr Top auszieht und im letzten Sonnenlicht zu tanzen beginnt. Später, als Haemi bereits schläft, erzählt Ben geheimnisvoll, dass er manchmal Gewächshäuser niederbrenne. Das letzte Gewächshaus habe er kurz vor seiner Abreise nach Afrika angezündet und er habe sich bereits eins ausgesucht, das als nächstes brennen soll. Es sei ganz in der Nähe. Jongsu gesteht Ben, dass er Haemi liebt.

Die nächsten Male, die Jongsu versucht Haemi zu erreichen, bleiben erfolglos. Ihr Handy scheint ausgeschaltet und sie öffnet auch nicht ihre Wohnungstür. Jongsu begibt sich auf die Suche nach seiner Freundin. Während er nachdenklich durch die Gegend streift, fallen ihm überall Gewächshäuser ins Auge. Er nähert sich ihnen, blickt hinein. Als er erneut zu Haemis Haus fährt, gewährt ihm die Vermieterin Zutritt zu Haemis Wohnung. Aufgeräumt sieht es aus – als sei es für längere Zeit verlassen worden. Jongsu spürt Ben auf und konfrontiert ihn in einem Café mit der Frage, was nun aus seinem Plan, ein Gewächshaus niederzubrennen, geworden sei. Ben sagt, dass er es bereits getan habe – kurz nach dem letzten Treffen der drei und ganz in Jongsus Nähe. Jongsu verrät, dass er die Gewächshäuser in seiner Umgebung untersucht hat: „Wenn eines davon abgebrannt wäre, hätte ich es mitbekommen.“ – „Hast du aber nicht“, entgegnet Ben, „Manchmal sieht man etwas nicht, weil es zu nah ist.“ Schließlich fragt Jongsu Ben, ob er etwas von Haemi gehört habe. Doch Ben bemerkt nur: „Haemi ist einfach verschwunden. In Luft aufgelöst. Wie Rauch.“

Jongsu versucht, Haemis Spur weiter zu verfolgen. Er spricht mit Leuten, die sie als Kind kannten, und versucht vergeblich Beweise für die Existenz dieses Brunnens zu finden, in den Haemi gefallen sein soll. Mehr und mehr verwirrt stellt Jongsu Ben weiter nach, folgt ihm durch die Stadt, zum Sport, zu Verabredungen mit Freunden, in ein ihm unbekanntes Seoul der Galerien und schicken Restaurants, bis an einen Stausee außerhalb der Stadt, an dessen Ufer sich Ben alleine herumtreibt. Eines Abends wird Jongsu von Ben überrascht, als er vor dessen Haus Wache steht. Ben bittet Jongsu in seine Wohnung, wo er bald Gäste erwarte. Jongsu schleicht sich erneut ins Badezimmer und findet die Armbanduhr, die er Haemi geschenkt hat. Währenddessen jagen Ben und dessen neue Freundin in der Tiefgarage eine entlaufene Katze. Als Jongsu zu ihnen stößt, gelingt es ihm, das Tier einzufangen, indem er sie mit dem Namen von Haemis Katze ruft.

Wieder zuhause, verkauft Jongsu sein Kalb und verbringt einige Zeit in Haemis Wohnung. An ihrem Fenster sitzend findet er die Ruhe zum Schreiben. Doch Haemis Verschwinden lässt ihn nicht los. Er verabredet sich mit Ben zu einem Treffen, zu dem der vorgibt auch Haemi mitzubringen.

Als Ben am vereinbarten Treffpunkt wartet, ahnt er nichts von Jongsus eigentlichem Plan …

capelight pictures OHG präsentiert „Burning“ ab dem 11. Oktober 2019 als 4-Disc Limited Collector’s Edition im Mediabook, auf Blu-ray Disc™, DVD und als VoD.

Das Rezensionsexemplar wurde von capelight pictures OHG zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Originaltitel: Burning (버닝)
Land / Jahr: Südkorea / 2018
Genre: Drama, Thriller
Darsteller: Yoo Ah-in: Lee Jongsu; Steven Yeun: Ben; Jeon Jong-seo: Shin Haemi; Soo-kyung Kim: Yeon-ju; Seong-kun Mun: Anwalt; Min Bok-Gi: Richter; Seung-Hoon Choi: Yong-seok u.a.
Regie: Lee Chang-dong
Drehbuch: Oh Jung-mi,Lee Chang-dong
Romanvorlage: Kurzgeschichte „Scheunenabbrennen“ aus „Der Elefant verschwindet“ (1993) von Haruki Murakami
Produktion: Ok Gwang-hee, Lee Joon-dong
Kamera: Hong Kyung-pyo
Schnitt: Kim Hyun, Kim Da-won
Musik: Mowg
FSK: 16

Blu-ray Disc™
Laufzeit: ca. 148 Min. zzgl. Bonus
Bildformat: 1080p High Definition, 2,39:1, (16:9)
Tonformat(e) und Sprache(n): Deutsch, Koreanisch (DTS-HD MA 5.1)
Untertitel: Deutsch (ausblendbar)
Extras: Hinter den Kulissen, Featurette „Die Schauspieler von Burning“, internationaler Kinotrailer, Internationaler Teaser; Deutscher Trailer, Wendecover

Webseite zum Film: Burning

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